Diese störenden Schafiiten aber auch...

  • Weiß nicht ob das schon erwähnt wurde, mal was differenzierteres von evangelischer Seite:

    Zur Beschneidungsdebatte nach den Kölner Gerichtsurteil

    Thomas von der Osten-Sacken, Oliver M. Piecha

    Zitat

    Nun, gemäß der schafiitischen religiösen Lehrmeinung wäre eine Beschneidung von Mädchen verbindlich angebracht. Die Frage stellt sich hier, was wohl passiert, wenn sich jemand nach der Verabschiedung eines solchen Gesetzes in diesem Sinne auf das „religiöse Selbstverständnis“ – und auf den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes, der ja eine Ungleichbehandlung von Frauen und Männern verbietet – berufen würde?

    Wie wäre eigentlich zu begründen, dass bei einer gesetzlichen Legitimation von Beschneidung der einen religiösen Lehrmeinung – in diesem Fall der jüdischen – Rechnung getragen wird, einer anderen aber nicht? Und wenn die schafiitische Rechtsschule verbindlich die Beschneidung beider Geschlechter vorsieht, dann tut sie das eben. Denn auch wenn man der Definition der WHO folgt, dass alle Formen der weiblichen Genitalbeschneidung als Verstümmelung zu sehen seien und damit zu verurteilen – einflussreiche Kleriker in der islamischen Welt tun es nicht. Auch wenn die Mitglieder des Bundestages weibliche Genitalverstümmelung ablehnen, werden sie, sollte ein diesbezügliches Gesetz verabschiedet werden, extreme Schwierigkeiten haben zu erklären, warum die religiöse Legitimation der männlichen Beschneidung in die Gesetzgebungspraxis Eingang findet, die weibliche dagegen verurteilt wird.

    Zitat

    Was also tun?

    Egal, ob man nun die Beschneidung von Jungen befürwortet oder nicht, es gibt auch ohne Verabschiedung eines derart fatalen Gesetzes praktikable Mittel und Wege, dass in Zukunft in Deutschland die jüdische Beschneidung an Minderjährigen straffrei vorgenommen werden kann – wohl in Form einer die Praxis de facto duldenden Ausnahmeregelung. Für die muslimische Beschneidung, die eben keine strikte Altersgrenze kennt, käme etwa ein Optionsmodell in Betracht, das es, eventuell nach einem Beratungsgespräch, einem Jungen ab 14 oder 16 Jahren ermöglichen würde, sich für oder gegen die Beschneidung zu entscheiden.....

    Es handelt sich hier, wenn man die aufgeregten Diskussionen beiseite lässt, um kein Problem, um dessentwillen man mit einer schlecht durchdachten Gesetzesinitiative die Büchse der Pandora öffnen sollte. Genau das würde nämlich geschehen, wenn religiöse Begründungen in säkulare Gesetzeswerke Einzug halten würden. Und es geht bei der Beschneidungsdiskussion im Speziellen darum, dass, bei allen möglichen Differenzen und Idealvorstellungen, was Praxis oder Zukunft von Genitalbeschneidungen angeht, eines doch von allen gewollt wird: mit allen Mitteln jede Hintertür verschlossen zu halten, durch die eventuell weibliche Genitalverstümmelung zugelassen oder sogar legalisiert werden könnte. Wer in gutem Glauben ein Gesetz zur Legalisierung der Zirkumzision aus religiösen Gründen in Deutschland einfordert, sollte zudem wissen, dass er mutmaßlich ganz gegen seinen eigenen Willen damit all jenen Frauen und Männern in den Rücken fällt, die sich etwa in Ägypten, Indonesien, Somalia und Irakisch-Kurdistan17, in Gebieten, in denen die schafiitische Rechtsschule dominiert, gegen die weibliche Genitalverstümmelung einsetzen.


    http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2762.php

    Es kam dann anders. Auf den Gleichheitssgrundsatz und aufs Grundgesetz geschissen.

    There is no skin like foreskin

  • aber wieso versucht man nicht auf der Schiene das Beschneidungsgesetz zu kippen?

    Irgendjemand fordert gerichtlich ein, dass FGM aus religiösen Gründen, sowie bei MGM, in Deutschland erlaubt wird.

    Viele Grüße aus dem Rhein-Neckar-Raum

    Ich

  • Wenn das irgendjemand macht, wird man das damit ablehnen, dass es nicht glaubwürdig ist. Den Pastafari unterstellt man ja auch pauschal, ihren Glauben nicht ernsthaft zu leben und verweigert ihnen ihre Rechte. Religionsfreiheit wird leider in Deutschland nur gewährt, wenn es ein Richter für angebracht hält.

  • Zitat


    Das ist jetzt vllt. etwas pervers
    aber wieso versucht man nicht auf der Schiene das Beschneidungsgesetz zu kippen?

    Eben deshalb, weil es pervers wäre, ein Kind auf diese Art zu benutzen. Übrigens hat es Überlegungen genau in umgekehrte Richtung gegeben:

    Zitat

    In der seit Juni 2012 stattfindenden gesellschaftlichen Debatte um ein Urteil des LG Köln zur Beschneidung eines vierjährigen Jungen aus religiösen Motiven sagte Mayzek zum FOCUS, seine Organisation prüfe gerade, „einen Präzedenzfall zu schaffen“ und den Fall über den Instanzenweg vor das Bundesverfassungsgericht zu bringen.[11]

    Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe kritisierte dies:

    „Die Ankündigung, einen Präzedenzfall zu schaffen, könnte im Sinne des rechtskräftigen Kölner Urteils durchaus als Aufruf zu einer Straftat gesehen werden. Es ist ethisch fragwürdig und nicht vertretbar, ein Kind gezielt nicht nur aus religiösen, sondern nun auch aus Lobby-taktischen Gründen öffentlichkeitswirksam beschneiden zu lassen.[12]“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Aiman_Mazyek

    There is no skin like foreskin

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