Und hier die restlichen 3 Videos:
http://youtu.be/zN1n4qZATfY
Bernd Kammermeier
http://youtu.be/yyaMMlmrGLM
Alexander Bachl
http://youtu.be/qIEI8zEPdoc
Viola Schäfer
Und hier die restlichen 3 Videos:
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Bernd Kammermeier
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Alexander Bachl
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Viola Schäfer
In den letzten Jahren wurden den hilflosesten Mitgliedern unserer Gesellschaft Stück für Stück immer mehr Rechte uerkannt. Kinder gelten nicht mehr als Eigentum ihrer Eltern. Ihre Wünsche, ihre Träume, ihre Hoffnungen und ihre Ängste zählen, müssen beachtet werden. Vor einem Jahr hat ein Gericht in Köln zum ersten Mal die Zwangsbeschneidung als das bezeichnet, was sie ist. Eine einem hilflosen Kind aufgezwungene Amputation eines wichtigen Sexualorgans aus dem einzigen willkürlichen Grund heraus, weil die Eltern es so wollen. Kurz: Körperverletzung.
Dieses Urteil war ein Lichtblick für alle leidenden Männer, die so viele Jahre ihr Unglück für sich behalten haben. Endlich Gerechtigkeit. Was dann folgte, war die unwürdigste Debatte in der Geschichte der Bundesrepublik. Sie begann mit Neugierde und Interesse und endete in einem beispiellosen Shitstorm. Was als Möglichkeit begann Unrecht zu beenden, Kompromisse zu schaffen und Frieden zu stiften verwandelte sich binnen kürzester Zeit in eine Hetzkampagne gegen die Opfer. Kritiker, Menschenrechtler, aber auch die Kölner Richter und Staatsanwälte mussten sich auf unwürdige Weise beleidigen lassen. Am Ende stand ein verfassungswidriges Gesetz, dass mit großer Mehrheit verabschiedet wurde, in der Hoffnung, alle kritischen Stimmen zum Schweigen zu bringen.
KEIN Kind hat je darum gebeten, dass man ihm seine Vorhaut abschneidet. Es sind IMMER und EINZIG die Vorstellungen von ERWACHSENEN, die hier unter Ausnutzung ihrer physischen Überlegenheit verwirklicht werden. Die unglaubliche Zahl von weltweit „beschnittenen“ Männern kommt einzig dadurch zustande, dass man es ungefragt an Kindern praktiziert. Erwachsene Männer lassen sich nur sehr selten freiwillig ihre Vorhaut amputieren –die hier anwesenden unbeschnittenen Männer werden wissen warum nicht! Diese Zahl ist also mitnichten ein Zeichen für Normalität, sondern für millionenfache schwere Missachtung von erklärtem Kinderrecht. Einzig die Zwangsbeschneidung an wehrlosen Kindern macht Beschneidung überhaupt zu einem Massenphänomen.
Viele Menschen fragen sich wieso nicht mehr Männer über ihre Betroffenheit sprechen. Sich selber einzugestehen, dass einem etwas am Penis fehlt, kostet viel Überwindung. Anderen zu sagen, ich habe Probleme mit meinem Penis und meiner Sexualität ist etwas, dass viele nicht können. Schließlich waren es doch die eigenen Eltern, die einem das antaten. Es gibt so viele schädliche Traditionen, die einfach immer weiter geführt werden, einfach weil man das so macht. Auch die weibliche Genitalverstümmelung wird den Töchtern von den Eltern aufgezwungen und nicht weil diese ihren Kindern schaden wollen. Es waren keine Massendemonstrationen, die unsere Gesellschaft auf das Thema aufmerksam machte, sondern das Buch Wüstenblume. Und langsam aber stetig wächst auch dort der Widerstand.
Es war ein langer Weg für mich, bis ich vor Menschen über meine Probleme sprechen konnte. Er begann mit einem anonym verfassten Beitrag in einem Forum über Gespräche mit meiner Familie und Freunden. Und er war nicht einfach. Die Anonymität des Internets hilft vielen. Ich lade Sie herzlich ein: informieren Sie sich! Öffnen Sie sich den Berichten beschneidungsbetroffener Männer, z.B. im Beschneidungsforum, die unter Überwindung großer Scham über das Leid, dass die Taten Erwachsener an ihnen verursachten, berichten. Die erzählen von den Folgen für ihre Sexualität. Von der Ohnmacht, dass ihnen etwas genommen wurde, dass sie nie bewusst etwas erleben konnten, das die Schöpfung, die Natur, wie auch immer man es nennt, ihnen zu ihrer Freude und Lust geschenkt hatte. Verfolgen Sie bitte die zunehmend in den Medien veröffentlichten Studien, die eben diese Folgen untersuchen und alarmierende Fakten liefern.
Im Sinne der Vernunft und der Aufklärung haben wir uns hier versammelt um klarzustellen, dass wir unser Anliegen weiter verfolgen werden. Wir werden Kinder nicht als Kollateralschaden zur Vermeidung eines Kulturkampfes akzeptieren. Auch Tradition muss sich den Menschenrechten beugen. Immer mehr Eltern erkennen den Schaden, den sie anrichten würden. Ein Großteil der jüdischen Mitbürger verweigert die Beschneidung ihrer Kinder. Die Kritik an der Beschneidung wächst weltweit.
Die Komplikationen, unter denen die Betroffenen leiden, lassen sich nicht kleinreden. Kein Gesetz, keine Regelung kann die Probleme lindern. Immer mehr beschnittene Männer bekennen sich zu ihren Problemen und ihrer Abneigung gegenüber der Zwangsbeschneidung. Wie lange die Politik die Scharade der „Harmlosigkeit der Beschneidung“ aufrechterhalten will, weiß ich nicht. Aber ich werde sie immer wieder daran erinnern, dass es mich gibt.
Die gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen nicht still. Seit dem Jahr 2000 haben Kinder das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Eine reichlich späte aber richtige Entscheidung des Parlaments. Einen Eingriff, der als notwendige Folge eine massive Einschränkung der Sexualität hat mit dem Kindeswohl zu begründen erinnert an die schwarze Pädagogik des vergangenen Jahrtausends.
Das Gesetz zur Regelung der Beschneidung von einwilligungsunfähigen Kindern öffnet Tür und Tor für andere schädliche Traditionen. Mit den gleichen Argumenten, mit denen unsere Politiker die Zwangsbeschneidung in den Himmel loben, rechtfertigen Eltern in anderen Kulturen das Quälen ihrer Kinder. Wie soll Europa, die Hochburg der Menschenrechte, mit dieser Art der Gesetzgebung eine glaubhafte moralische Instanz sein? Heuchlerisch fordern Sie den Bruch von Traditionen in anderen Kulturen, bei den eigenen unterschreiben sie jedoch aus Feigheit jedes diktierte Gesetz.
Und wie begründen die Befürworter ihre Taten? Die Vorhaut ist etwas Widerliches und deshalb schneiden wir sie ab. Ein unbeschnittener Penis löst bei uns Ekel aus. Über einen Teil des menschlichen Körpers in dieser Weise zu sprechen, ist würde- und respektlos.
Im Interesse des Kindeswohls kann es niemals liegen, einem Kind unnötig Schmerzen zuzumuten. Auch eine durch einen Arzt durchgeführte Vorhautamputation verursacht Schmerzen, nicht nur die OP, sondern auch während der Wundbehandlung. Aber dies wird Jungen zugemutet. Von Männern wird zwar erwartet, dass sie Gefühle zeigen, sich in ihren Beziehungen öffnen und sich um ihre Kinder kümmern – aber bei Genitalbeschneidungen sollen sie auf einmal schon im Kindesalter die Zähne zusammenbeißen, männlich werden indem sie Schmerzen ertragen. Wir im Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffene lehnen entschieden ab, dass Jungen heute noch in solch schweren Konflikte getrieben werden, indem ihnen von den geliebten Eltern Schmerzen zugefügt werden darf – mit den daraus folgenden Kreisläufen von Verdrängung und Weitergabe der Gewalterfahrung.
Das Verständnis für die selbstverständliche Einhaltung der Menschenrechte ohne Wenn und Aber an die Gesellschaft zu vermitteln ist mein erklärtes Ziel. Noch immer wissen zu wenige von der Schädlichkeit der Beschneidung. Dank vieler fleißiger Helfer haben wir bisher viele Menschen erreichen können und genau da müssen wir weitermachen. Die Beschneidungsbefürworter stehen zunehmend isoliert da, auf der Seite der Kritiker stehen heute die Kinderärzte und die pädiatrische Wissenschaft, die Frauenrechtlerinnen, die moderne Sexualpädagogik! Wir dürfen uns nicht von Lobbyisten und Hetzern einschüchtern lassen, denn die Wahrheit ist auf unserer Seite.
Wir fordern Respekt für ein Mannsein, das Schwäche und Verletztheit eingestehen darf. Wir fordern Respekt vor der Würde des kindlichen männlichen Körpers in seiner Vollkommenheit - und vor der kindlichen Seele. Wir fordern, dass niemand für ANDERE, Schutzlose, entscheiden darf, dass etwas an diesem überflüssig oder verzichtenswert ist. 1800 Komplikationen hat der Berufsverband der Jugend- und Kinderärzte in nur zwei Jahren festgestellt, und es wurden nur ein kleiner Teil der deutschen Kinderarztpraxen gefragt. Wer kann da allen Ernstes behaupten, Kinder dieser Gefahr auszusetzen, sei im Interesse des Kindeswohls? Ich frage die, die diese Zahlen obwohl hinreichend bekannt ignorieren: wie hoch müßte diese Zahl sein, damit Sie bereit wären, Ihre Behauptung, Vorhautamputationen seien harm- und folgenlos, also das entscheidene Element des § 1631, zu überdenken?
Mit meiner Beschneidung wurde mir vieles gestohlen, was schön ist. Sie hat mich krank gemacht. Sich hat mich mit Scham erfüllt. Zu viele beklagen den Verlust der Empfindsamkeit. Zu viele leiden unter den Langzeitfolgen. Zu viele legen sich erneut unters Messer, nur um das, was geblieben ist, kosmetisch aufzubessern. Die große Mehrheit der Bevölkerung unterstützt unser Anliegen. Deshalb bitte ich Sie, schreiben Sie Ihrem Abgeordneten, sprechen Sie mit Ihren Freunden, auch mit Ihren Ärzten, helfen Sie, dieses Unrecht zu beenden. Wenn die Politik versagt, muss das Volk handeln.
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