Anno Domini 2011: "Worauf muss man achten, wenn man eine sehr stramme Beschneidung für die Jungen wünscht?"

  • Es ist doch klar, dass Sexualfeindlichkeit NICHT AUSSCHLIESSLICH von Religionen ausgeht.

    Das hat nie jemand behauptet.

    Allerdings sind Vorhautamputationen grundsätzlich sexualfeindlich, denn dem liegt zu Grunde, diesen Eingriff entweder für harmlos (also die Vorhaut für wertlos) oder die daraus folgende verminderte Empfindsamkeit gar für sinnvoll zu halten (also männliche Sexualität wie von der Natur gewollt für korrigierwürdig zu halten).

    Wenn man jemandem ein Auge ausschlägt, ist das auch grundsätzlich schädlich für seine Sehkraft.

    Und Christentum, Judentum und Islam haben alle sexualunterdrückende Dogmen, die sie für unverzichtbar halten.

  • Pizarro73 "Das hat nie jemand behauptet."


    Doch,doch, ausgehend von B.O.Bachter wurde das oben diskutiert. Mit meinem Zitat wollte ich die Diskussion sozusagen " historisch verorten", denn es wurde hier ja auch über Geschichte diskutiert, z.B. über viktorianische Prüderie, die in das 19. Jahrhundert gehört.
    Es fällt ja doch auf, dass z.B. In Amerika die Beschneidung fast überhaupt nicht mehr religiös, sondern " gesundheitlich" begründet wird. Ich glaube darüber hinaus, dass sich unter Muslimen und Juden das Gebot der Beschneidung heutzutage eher als "sozialer Gruppendruck" darstellt (" das machen alle so") und das religiöse Argument "nur" als dessen Verstärkung und für die Legitimation nach aussen benutzt wird.

    Die durch die Beschneidung eintretende Verminderung der Empfindlichkeit schränkt das sexuelle Empfinden ein, aber nicht die Fortpflanzung. ALLE Religionen wollen die Sexualität innerhalb der Familie zum Zeck der Fortpflanzung (!) befördern, alles, was darüber hinausgeht einschränken. Beschneidung ist dafür ein probates Mittel. In Amerika - eigentlich ein ziemlich religiöses Land - hat aber nicht die Religion, sondern das Hygieneargument diese Funktion übernommen. Der Zweck bleibt derselbe.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • @ werner:

    Zitat

    "Ich glaube darüber hinaus, dass sich unter Muslimen und Juden das Gebot der Beschneidung heutzutage eher als "sozialer Gruppendruck" darstellt (" das machen alle so") und das religiöse Argument "nur" als dessen Verstärkung und für die Legitimation nach aussen benutzt wird. "

    Du setzt das "nur" ja bewußt in Gänsefüßchen. Schließlich wird momentan ja die ganze Aushebelung des Grundgesetzes zu 95% mit RELIGIÖSEM LEBEN in Deutschland begründet!

    Ja natürlich fällt der Wahnsinn in den USA auf, wo man mit "Hygiene"-Argumenten arbeitet. Trotzdem ist es sicher kein Zufall, dass in einem Land, in dem religiöser Fundamentalismus derart hoffähig ist, sexualfeindliche Verstümmelungspraktiken in einem solchen Ausmass Usus werden konnten. Da sehe ich mindestens eine Duldung! Denn die Kirchen haben dort derart viel Macht, dass wenn sie etwa DAGEGEN hätten, so eine Entwicklung nie möglich gewesen wäre. Man sieht ja bei Themen wie Abtreibung, Homosexualität und Evolutionstheorie wozu die fähig sind, wenn ihnen etwas gegen den Strich geht.

    Also nochmal: natürlich haben Religionen nicht an allem Übel dieser Welt Schuld - auch nicht ALLEIN an Vorhautamputationen.

    Aber viele Religionen haben ein krankhaftes Verhältnis zu Sexualität. Und ein großes Misstrauen gegenüber freier Selbstbestimmung von Menschen, was sich in ihrem Bestehen auf Initiationsriten zeigt.

    Und das dient dem Kampf für genitale Selbstbestimmung mitnichten.

  • Du setzt das "nur" ja bewußt in Gänsefüßchen. Schließlich wird momentan ja die ganze Aushebelung des Grundgesetzes zu 95% mit RELIGIÖSEM LEBEN in Deutschland begründet!

    Man kann ja schlecht ( bzw. noch schlechter) das Grundgesetz mit der Begründung "Das machen ( bei uns) alle so" aushebeln :)
    Was ich meinte, war eher das wahre Empfinden der betreffenden Gläubigen an der " Basis".

    Ja natürlich fällt der Wahnsinn in den USA auf, wo man mit "Hygiene"-Argumenten arbeitet. Trotzdem ist es sicher kein Zufall, dass in einem Land, in dem religiöser Fundamentalismus derart hoffähig ist, sexualfeindliche Verstümmelungspraktiken in einem solchen Ausmass Usus werden konnten. Da sehe ich mindestens eine Duldung! Denn die Kirchen haben dort derart viel Macht, dass wenn sie etwa DAGEGEN hätten, so eine Entwicklung nie möglich gewesen wäre. Man sieht ja bei Themen wie Abtreibung, Homosexualität und Evolutionstheorie wozu die fähig sind, wenn ihnen etwas gegen den Strich geht.

    Die amerikanischen Kirchen haben sicher nichts gegen die Beschneidungsbefürworter. Aber gerade angesichts des dort herrschenden religiösen Fundamentalisten wundert es mich eben, dass religiöse Begründungen für die Beschneidung so gut wie gar nicht nachzulesen sind,

    Also nochmal: natürlich haben Religionen nicht an allem Übel dieser Welt Schuld - auch nicht ALLEIN an Vorhautamputationen.

    Wir sind uns einig!

    Aber viele Religionen haben ein krankhaftes Verhältnis zu Sexualität. Und ein großes Misstrauen gegenüber freier Selbstbestimmung von Menschen, was sich in ihrem Bestehen auf Initiationsriten zeigt.

    Auch da sind wir uns einig!

    Und das dient dem Kampf für genitale Selbstbestimmung mitnichten.

    So ist es!

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Zitat von »Pizarro73«
    Aber viele Religionen haben ein krankhaftes Verhältnis zu Sexualität. Und ein großes Misstrauen gegenüber freier Selbstbestimmung von Menschen, was sich in ihrem Bestehen auf Initiationsriten zeigt.

    Ich würde "gestörtes Verhältnis" als Bezeichnung bevorzugen.

  • werner:

    Verständnisfrage: wann ist ein Produkt eine " Medizin- Produkt" im Sinne des Gesetzes? Ich nehme mal an, dass ein Nagelknipser kein Medizinprodukt ist.

    Ich habe genau diese Frage an das Bundesinstitut
    für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gerichtet, und heute folgende Antwort bekommen:

    Das heißt, das BfArM wird von sich aus nicht tätig, sondern dies ist eine Aufgabe der zuständigen Landesbehörde. - Also werd ich die mal anschreiben.

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