WG: SZ vom 11.10.2012 Seite vier, Heribert
Prantl "Warum ein unnötiges Gesetz notwendig wurde"
Zu Händen von Herrn Kurt Kister
Sehr geehrter Herr Kister,
Darf ein Redakteur Ihrer Zeitung, auch wenn es sich um ein Mitglied der Chefredaktion handelt, seine Leser für dumm verkaufen?
Genau das tut Herr Prantl in seinem Artikel "Warum ein unnötiges Gesetz notwendig wurde".
Warum versucht Herr Prantl einerseits das Thema klein zu reden, setzt sich aber andererseits zum wiederholten Mal vehement für die Legalisierung der Beschneidung von Kindern ein?
Ist die Beschneidung von Kindern wirklich selbstverständlich?
Eltern lassen den Penis ihres Sohnes beschneiden. Sie bringen nicht eine rituelle Narbe oder eine Tätowierung an irgendeiner Stelle des Körpers an, sondern es wird ein wesentlicher Teil seines Sexualorgans entfernt. Die Beschneidung hat 2 Ziele:
1.
Am Penis des Jungen wird die niemals umkehrbare Bindung an die Religionsgemeinschaft markiert. (Mädchen bleiben ungeschoren, sie sind für die Weltreligionen uninteressant.)
2.
Mit der Beschneidung im Zusammenhang mit der Zufügung von Schmerz soll ein lebenslänglicher Einfluss auf das Sexualleben der nächsten Generation genommen werden.
Zu 1. Alle Religionen kämpfen um ihre Erhaltung und Verbreitung. Jede Religion weiß, wie schwierig es ist, Meinungen
und Überzeugungen von erwachsenen Menschen zu ändern. Mit dem Heranwachsen nimmt beim Menschen die Vernunft zu. Es wird damit immer schwieriger aus einem Ungläubigen einen Gläubigen zu machen, da Religion per se mit Vernunft nicht vereinbar ist, was allerdings nicht bedeuten soll, dass alle religiösen Menschen unintelligent sind. Es muss den Religionen daher darum gehen, den Menschen vor Erwachen der Vernunft an die Religion zu binden. Das geschieht im Islam und in der jüdischen Religion unter anderem durch die Beschneidung.
Zu 2. Jede Religion lebt von der der Setzung religiöser Normen. Die Beschneidung dient dazu den jungen Menschen schon vor Eintritt in die Pubertät daran zu erinnern, dass die Sexualität von der Religionsgemeinschaft diktiert wird. Der Beschnittene soll bei jedem Mal Wasserlassen und bei jeder sexuellen Handlung, sei es bei der Masturbation, bei jedem Hand Job oder beim Geschlechtsverkehr hieran erinnert werden.
Wenn also jüdische und muslimische Religionsführer bei der Beschneidung der Jungen nachgeben würden, dann würden
sie nach der inneren Logik ihrer Religion auf 2 elementaren Feldern verlieren. Es ist verständlich, dass sich die Führer der Muslimen und der jüdischen Glaubensgemeinschaft dagegen wehren.
Was aber treibt den katholischen Herr Prantl und die christlichen Religionsführer, sich reflexartig unmittelbar nach Bekanntwerden des Kölner Urteils für die Legalisierung der Beschneidung einzusetzen? Geht es nur darum überhaupt religiöse Inhalte zu verteidigen, weil gläubigen Menschen Andersgläubige immer noch lieber als Ungläubige sind?
Verfolgt Herr Prantl ebenfalls das Ziel nur ja keinen Meter Boden auf dem Feld der Beeinflussung von Menschen aufzugeben?
Herr Prantl weiß die Antworten, er soll sie darlegen und mich nicht mit dem fadenscheinigen Argument abspeisen, die Beschneidung von Kindern sei kein Thema.
Ich möchte als Leser Ihrer Zeitung nicht für dumm verkauft werden. Bitte sorgen Sie dafür!
Mit freundlichen Grüßen