Beiträge von Benni

    Werner schrieb am 3.2.2013:

    Zitat

    "Der ZDJ legte damals Wulf, der noch Ministerpräsident war, den Rücktritt nahe. Er sollte jetzt mit dem Papst genauso verfahren."

    Und schon tritt Papst Benedikt zurück, sogar ohne Forderung des ZDJ. Es ist das erste Mal seit 1294, dass ein Papst aus freier Entscheidung sein Amt aufgibt.
    Papst Benedikt XVI. tritt zurck - SPIEGEL ONLINE

    Seine Erklärung in einer ersten Wortlaut-Wiedergabe und Übersetzung aus dem Lateinischen:

    Zitat

    Papst Benedikt XVI. wird zurücktreten. Während des Konsistoriums an diesem Montag verlas er folgende Erklärung:
    "Liebe Mitbrüder!
    Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewißheit gelangt, daß meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. Ich bin mir sehr bewußt, daß dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, daß ich mein Unvermögen erkennen muß, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen. Im Bewußtsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so daß ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muß. Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen."
    Papst Benedikt XVI. tritt zurück: “Bin nicht mehr geeignet, das Amt auszuüben!” | DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

    Die Diskussion auf Claudia Roths Seite spricht für sich selbst. Das nenne ich einen historischen Moment:
    https://www.facebook.com/Roth/posts/101…85&notif_t=like

    Und hier die Sicht von iranischen Opositionellen: "Claudia Roth und der Massenmörder" (sind wohl schon länger befreundet, Claudia trägt auch gerne ein Kopftuch u.s.w.) Ich könnte kotzen, wenn ich das lese:
    Claudia Roth und der Massenmörder « FREE IRAN NOW!

    Genauso wie Claudia Roth in der Beschneidungsfrage keinen Sinn für die Menschenrechte kleiner Jungen hatte, so beweist sie auch keinen Sinn für die vielen Opfer des iranischen Mullah-Regimes. Einfach unglaublich! Menschenrechtler und Menschenrechtlerinnen sind schockiert. Ich auch.
    High-Five-Skandal: Warum klatscht sich Claudia Roth mit dem iranischen Botschafter ab? | Politik & Wirtschaft - Berliner Kurier

    Und wenn man konsequent weiter denkt, käme in Anlehnung an Roth und Peinlich hypothetisch ungefähr der folgende Text zustande:

    "Nach wie vor werden weltweit hunderte Millionen, wenn nicht sogar mehr als eine Milliarde von Jungen und Männern an ihren Genitalien verstümmelt und leiden ein Leben lang an den Folgen dieser schweren Körperverletzung. ... Auch in Deutschland leben mindestens vier Millionen Jungen und Männer, die bereits von Genitalverstümmelung betroffen sind, und mehrere hundertausend Kinder, die als gefährdet gelten."

    Aber das wäre dann vielleicht doch zu furchtbar, um solchen Realitaten ins Auge zu schauen. Darum distanziere ich mich auch gleich wieder von diesem Text und Gedankenspiel.

    Toller Text, den du gefunden hast, Werner.
    Claudia Roth und Astrid Rothe-Peinlich schreiben weiter:

    "Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Genitalverstümmelung als Fall schwerer Körperverletzung ins Strafgesetzbuch aufgenommen wird."

    Die beiden grünen Politikerinnen also plötzlich auf Seiten des Kölner Gerichts? Was für ein Umdenken! In so kurzer Zeit!

    "Um Genitalverstümmelung zu unterbinden, brauchen wir Aufklärungskampagnen und Beratungsangebote, aber auch spezielle Weiterbildungen für Ärztinnen und Ärzte, für Polizistinnen und Polizisten sowie für das pädagogische und juristische Personal."

    Geradezu hervorragend! Roth und Peinlich scheinen ihre Weiterbildungen schon genommen zu haben. Aber warum erwähnen sie dann nicht das andere politische Personal, dem Aufklärungskampagnen und Weiterbildungen auch gut täten.

    Oder verstehe ich das alles falsch, weil es im Deutschen ja bekanntlich DIE Verstümmelung ist. Wie lautet noch mal die männliche Form des Wortes? Oder handelt es sich um inklusive, gerechte Sprache?

    "Weibliche Genitalverstümmelung" ist entweder eine Tautologie oder aber ein sehr seltsamer Ausdruck. Denn wenn man/frau extra betonen muss, dass es sich hier NUR um die kriminelle weibliche Genitalverstümmelung handelt, dann muss es ja auch eine männliche Genitalverstümmelung geben. Nicht wahr? Oder haben Jungs und Männer am Ende für Roth und Peinlich überhaupt keine Genitalien? Oder wissen die beiden es bloß nicht? Aber dann bräuchten Roth und Peinlich ja doch eine Weiterbildung! Also, Ihr merkt, mich verwirrt dieser Text und dieser unsaubere Neusprech.

    Am heutigen 10. Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung fällt mir ein gesellschaftlicher Wandel und eine gewisse Verwirrung in Deutschland auf.

    Zunächst einmal eine ganz bemerkenswerte Nachricht, die ich Pizarro verdanke: Die Menschenrechtlerin Tobe Levin sagte:
    "Ich bin selbst Jüdin und trotzdem gegen die genitale Verstümmelung von Jungen. Mit Kinderrechten ist auch das nicht vereinbar." (Am Ende des Artikels bei Domradio)
    Ein Thema, über das man nicht spricht | domradio.de

    Bei Domradio heißt der Tag wie in den neun Jahren davor.

    Terre des Femmes scheint den Tag nun jedoch umbenannt zu haben. Die Genitalverstümmelung findet sprachlich einen Zusatz. Der Tag heißt bei TdF jetzt "Internationaler Tag gegen die weibliche Genitalverstümmelung". Das ist sehr schade, wie ich finde, und dient nicht unserem gemeinsamen Kampf gegen jegliche Verstümmelung.
    TERRE DES FEMMES e.V. Menschenrechte für die Frau

    Einige Zeitungen und Nachrichtenagenturen halten dennoch an der alten Bezeichnung fest, oftmals jedoch, ohne die männliche Genitalverstümmelung bzw. die Jungenbeschneidung auch nur mit einem Wort zu erwähnen:
    Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung : Waris Dirie - ein Model kämpft gegen grausames Beschneiden - Nachrichten Newsticker - Leute - Stars - DIE WELT

    Tag gegen Genitalverstümmelung - Panorama - WDR.de

    [url=http://www.swp.de/hechingen/lokales/hechingen/Annette-Widmann-Mauz-fordert-noch-haertere-Bestrafungen-bei-Genitalverstuemmelung;art5612,1838728]http://www.swp.de/hechingen/loka…art5612,1838728[/url]

    Dann entstehen Sätze, die für meine Ohren schon sehr seltsam klingen:

    "Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, fordert anlässlich des Internationalen Tages gegen Genitalverstümmelung der UN-Menschenrechtskommission ein stärkeres Engagement im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung.
    Nicht religiös begründet | domradio.de

    Und was ist mit des Erzbischofs Engagement im Kampf gegen die männliche Genitalverstümmelung? Selbst wenn er meinen sollte, dass es sich bei der sog. Beschneidung um keine Genitalverstümmelung handele ... Was ist mit all den Formen, wie sie bei manchen Stämmen z.B. in Afrika, Ozeanien und Australien geübt werden sollen und bei denen der männliche Penis noch viel ärger als bei der Zirkumzision zugerichtet und verstümmelt wird?

    Haben unsere Gruppen eigentlich was für heute gemacht? International wohl schon, aber in Deutschland?

    Wir könnten hier ja mal sammeln, was heute am 10. Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung in puncto Jungenbeschneidung versäumt und was erreicht wurde.

    werner: Betr. die Hadithe zur FGM

    Eine grüne Abgeordnete in meiner Stadt teilte kürzlich auf ihrer Internetseite meinen Link zu dem Bilderessay von Dr. Sami Aldeeb "Beschneidung ist Kindesmissbrauch" (Den hatte ich hier im Forum gefunden. Danke!)

    Eine empörte Muslima meldete sich darauf prompt zu Wort und schrieb:

    Zitat

    "Die Beschneidung bei Mädchen ist im Islam verboten und eigentlich sollte jeder Journalist gründlichst recherchieren, wenn er/sie solch einen Artikel schreibt! ..."

    Ich reagierte ziemlich rechthaberisch und schrieb zurück:

    Zitat

    "Woher haben Sie denn diese Information, dass das im Islam verboten sei? Wissen Sie (noch) nicht, dass es bei den Shafiiten Pflicht, bei den Malikiten Sunna (Brauch) und bei den Hanbaliten und Hanafiten als ehrenhaft gilt, ein Mädchen zu beschneiden? Um hier nur die vier wichtigsten islamischen Rechtsschulen zu nennen. Oder sehen Sie das anders? ..."


    Darauf war das Gespräch Gott-sei-Dank noch nicht abgebrochen. Die junge Muslima schrieb nämlich zurück:

    Zitat

    "Ich sage nicht, dass ich nicht gegen diese barbarische Verstümmelung des weiblichen Körpers bin! Ganz im Gegenteil ich verachte es zutiefst ABER im Koran wird in keiner Sure die Beschneidung der Frau gefordert oder gerechtfertigt!!! Es gibt Hadithe, auf die sich Rechtsschulen berufen ABER diese Hadithe gelten als schwach und selbst in diesen Hadithen wird es gefordert, weil es wohl dem Ehemann gefallen könnte und nicht, weil Gott es fordert! Ich stamme selbst aus Afghanistan und zur Geschichte Afghanistans und der Schreckensherrschaft der Taliban dort muss ich ja nichts weiter sagen ABER in Afghanistan, einem durch und durch islamischen Land, gibt es keine Beschneidung der Frau...im Iran gibt es sie auch nicht und im Iraq auch nicht! Wie kann es islamisch sein, aber ein paar islamische Länder halten sich nicht dran? Wobei eines dieser Länder eine Theokratie ist und gerade dieses Land jeder islamischen Pflicht nachgehn müsste?!"


    Ich habe mich bei der Muslima für ihre Antwort mit einem "Gefällt mir" bedankt und abschließend geschrieben;

    Zitat

    "Ich glaube, wir sind uns einig. In diesem Punkt ist es ein Glück für Sie, dass Sie aus Afghanistan kommen. Wir sind uns absolut einig, dass der Koran an keiner einzigen Stelle diese barbarische Verstümmelung des weiblichen Körpers fordert und die Belege in der Sunna sehr, sehr schwach sind. Genauso aber ist es meines Wissens auch hinsichtlich der Beschneidung der Jungen: An keiner einzigen Stelle des Koran finde ich ein göttliches Gebot für die barbarische Verstümmelung des männlichen Körpers. So ist es im Koran vielmehr absolut verboten (haram), die Schöpfung Allahs zu verändern (Sure 4:119), denn Gott schuf den Menschen gewiss in schönster Gestalt (Sure 95:4)."


    Zu meinem großen Erstaunen gab die Frau aus Afghanistan dann meinen Sätzen ebenfalls ein "Gefällt mir" und stimmte mir zu, dass auch die "barbarische Verstümmelung des männlichen Körpers" nicht von Gott gewollt sein kann.

    Nun muss ich Terre des Femmes aber doch auch einmal in Schutz nehmen. Wenn man den gesamten Text liest, sprechen sich die Frauen von TdF nach wie vor entschieden für die genitale Unversehrtheit aller Kinder (Mädchen und Jungen) aus. Einen "Kniefall vor der Religion" kann ich da nicht herauslesen. Der eine Satz, dass die Beschneidung im Koran nicht gefordert wird, ist doch lediglich Erwiderung auf die Irrtümer indonesischer Mullahs. Ein Argument neben anderen. Es geht ja auch darum, die islamische Welt insgesamt auf die Seite der internationalen Ächtung der FGM zu bekommen. In der deutschen Debatte um die Jungenbeschneidung war der Islam ja relativ ruhig (im Vergleich zum Judentum), weil die selber wissen, wie schwach ihre "religiösen" Begründungen in Wirklichkeit sind. Und wenn es darum geht, in Afrika den Kampf gegen FGM und MGM (beides ist dort auch bei vielen Christen in Brauch) zu führen, dann ist mir jedes Argument recht: dass es nämlich biblisch für Christen sogar verboten ist. Wie will man sonst an die Leute rankommen? Es geht doch um die Kinder und nicht um die reine Theorie.

    Wie am 18. Januar schon prophezeit. Es war nur eine Frage der Zeit. Unser spezieller Liebling Volker Beck hat sich zu Wort gemeldet.

    Zitat Spiegel:
    "Der Parlamentsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, sagte, Kritik an der Kirche mit dem Holocaust zu vergleichen, sei "einfach daneben".

    Empörung über Äusserung zu "Pogromstimmung" von Erzbischof Müller - SPIEGEL ONLINE

    Und fast genauso gut Sabine Leutheusser-Schnarrenberger:
    "Vergleiche mit dem Holocaust sind geschmacklos, wenn es um unterschiedliche Auffassungen in unserer Gesellschaft zu aktuellen Fragen wie auch der Rolle der Ehe, Familie und eingetragenen Lebenspartnerschaften geht", sagte die FDP-Bundesjustizministerin.

    und Claudia Roth darf natürlich auch nicht fehlen:
    "Der Chefideologe des Vatikans klingt, als wolle er die katholische Kirche am liebsten wieder in das Mittelalter zurückbeamen."

    Als es um die seltsamen Riten anderer Religionsgemeinschaften ging, klang das aber alles noch ganz, ganz anders. Was für eine Heuchelei!

    Mother, why was I circumcised? - Moeder, waarom ben ik besnieden?
    Ein Film von Michael Schaap, Niederlande 2004
    Auch mit dem Titel: Mom, why did you circumcise me?
    Niederländisch-Englisch, 35 Minuten
    http://vimeo.com/m/21204358

    Film eines beschnittenen jùdischen Regisseurs. Warum habe ich den jetzt erst entdeckt? Ich bin so wütend, nachdem ich diesen Film gesehen habe. Wäre der 2012 zu guter Sendezeit in deutsch gezeigt worden ... Ich bin überzeugt, das Beschneidungsgesetz wäre nicht so einfach über die Bühne gegangen. Der Film ist verdammt ehrlich. Er öffnet einem die Augen. Viele Live-Aufnahmen von Beschneidungs-OPs mit schreienden Kindern und erschütternde Interviews mit Betroffenen.
    Als Fachleute kommen mit sehr guten Statements zu Wort:
    Nico Vissel (Chirurg und vormals jüdischer Beschneider in Amsterdam),
    Steve Scott (NOCIRC, USA),
    Abdulwahid van Bommel (niederländischer Imam),
    Leo Mock (Talmud-Historiker),
    Marilyn Milos (die Grandma der amerikanischen Anti-Beschneidungsbewegung),
    Joep Hubben (Jurist für Gesundheitsrecht),
    Dr. Peter Ball (NORM-UK),
    Ayaan Hirsi Ali (Frauenrechtlerin und Islamkritikerin). - Wirklich sehenswert!

    Quote from the original Press release:
    This is the first time that a (critical) film about the circumcision of boys has been made in the Netherlands, and this broadcast led to a strong public debate.
    On Friday, 17 December 2004, the Minister decided to exclude the circumcision of boys from the Dutch National Health insurance scheme. 90% of the circumcisions were carried out for religious, rather than health reasons.

    MOEDER, WAAROM BEN IK BESNEDEN?
    Zelfs de mildste vorm van vrouwenbesnijdenis wordt als een vorm van genitale verminking gezien; een barbaars ritueel. Maar jongensbesnijdenis, de oudste chirurgische ingreep ter wereld, daar praten we niet over. Althans, dat zou je denken...
    Meer informatie: vpro.nl/programma/geluk/afleveringen/22634573/

    Lieber Guy, wenn du schreibst, dass junge Olymioniken sich ihre Vorhäute wieder herzustellen versuchten, "um ihre religiöse Zugehörigkeit zu verdecken" und in diesem Zusammenhang sogar von "Apostasie" (Abfall vom Judentum) sprichst, machst du dir (wahrscheinlich ungewollt) die Sichtweise der orthodoxen jüdischen Geschichtsschreibung zu eigen.

    Was du beschreibst, geschah durch den Hohepriester Jason. Er hatte dieses Amt unter dem hellenistischen Herrscher Antiochus IV. von 175-171 v. Chr. in Jerusalem inne. Man kann wohl schlecht behaupten, dass ein Hohepriester vom Judentum abgefallen wäre. Natürlich stellt die orthoxe jüdische Geschichtsschreibung, angefangen mit den biblischen Makkabäerbüchern, den Hohepriester Jason in das denkbar schlechteste Licht und bezeichnet ihn als "gottlos". Jason führte viele Reformen ein und versuchte die griechische Lebensart seiner Zeit mit dem Judentum kompatibel zu machen. So ließ er direkt neben dem Jerusalemer Tempel ein griechisches Gymnasium für die jüdische Jugend erbauen. Dort fanden Sportwettbewerbe statt, bei denen die jüdischen Sportler nackt auftraten, so wie es in der hellenistischen Kultur üblich war (2. Makk. 4, 12-15). Diese jüdischen Sportler hatten sich "ihre Vorhaut künstlich wieder hergestellt" (1. Makk. 1, 16). Als Kinder der hellenistischen Zivilisation empfanden sie ihre (halb-)nackte Eichel nicht nur als un-chique, sondern wohl auch als Zeichen einer barbarischen Verstümmelung.

    Zu Jasons Gymnasium fand ich auf der Internetseite der Uni Graz einen kleinen Aufsatz von Friedrich Schipper, den ich hier als pdf anhänge: "Jasons Gymnasium in Jerusalem. Die Makkabäische Polemik gegen die griechische Athletik im Kontext der Hellenisierungsmaßnahmen des Hohepriesters Jason in Jerusalem" (Frankfurt a,M. / Wien 2003)

    Nicht viel anders war es, als im 19. Jahrhundert mehr und mehr liberale Juden aufhörten, ihre Kinder zu verstümmeln und sich damit ihrer Umgebungskultur anpassten.

    Den Begriff "Beschneidung" empfinde ich als keineswegs neutral. Es ist ein Euphemismus aus der Gärtner- oder Buchbindersprache. Die antiken griechischen und römischen Autoren sprachen fast immer von "Verstümmelung", weil ihnen der intakte Körper heilig war. Von Antiochus IV. (175-164 v. Chr.) und Kaiser Hadrian wurde das grausame Ritual daher verboten. Auch im 19. Jahrhundert sprachen viele aufgeklärte Autoren von Verstümmelung. Vielleicht sollte man auch einmal bedenken, dass unser Recht auf dem römischen aufbaut. Das Menschenrecht der körperlichen Unversehrtheit haben wir letzendlich den Griechen zu verdanken. Nur das Beschneidungsgesetz vom 12.12.2012 fällt aus diesem Rahmen gänzlich heraus.

    Wo ich dir Recht gebe, lieber Guy, ist deine Einschätzung der Periah (Radikal-Zirkumzision) als eine quasi totalitäre Reaktion der orthodoxen Rabbinen des 2. Jahrhunderts n.Chr. auf das hellenistische Judentum. Das ist mit unserem modernen Verständnis vom allgemeinen Selbstbestimmungsrecht des Menschen überhaupt nicht mehr vereinbar - und könnte daher eines Tages auch für das Bundesverfassungsgericht wichtig sein!