NoCut
Über Ihre Rückmeldung habe ich mich sehr gefreut. Ich bin Ihrer Meinung. Der protestantische Arzt Dr. Georg Freiherr von Wedekind äußerte die gleiche Auffassung sogar schon 1828 und bezeichnete die Beschneidung als "Gotteslästerung". Ich habe das hier im Forum schon einmal dargestellt: Dr. med. Georg Freiherr von Wedekind (1761-1831)
Die Debatte des Jahres 2012 ist in epischer Breite bereits im 19. Jahrhundert geführt worden. ALLE Argumente wurden auch vor fast 200 Jahren schon ausgetauscht. Jüdische Eltern haben damals schon nachgedacht und die blutige Beschneidung ihrer Söhne durch eine symbolische Namensgebung am 8. Tag (sowohl für Jungen als auch für Mädchen) ersetzt. Darum kann ich kaum Verständnis für die seither immer noch durchgeführten blutigen Beschneidungen aufbringen. Vieles in der jetzigen Diskussion erscheint mir wie ein Rückfall in die Zeit vor der Aufklärung. (vgl. auch einen anderen Thread hier im Forum, dort von mir Nr. 11: Kann ein gläubiger Christ gegen die Kindesbeschneidung sein?
Das Albert-Schweitzer-Gedenkjahr 2013 wäre für die evangelische Kirche (und für unsere Gesellschaft) eigentlich eine gute Gelegenheit, sich wieder auf die "Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben" zu besinnen.
Wenn Kirchenvertreter Veranstaltungen wie die an der Max-Eyth-Schule in Alsfeld organisieren und derart ungeheuerliche Aussagen wie die von Amnon Orbach ohne erkennbare Gegenrede stehen lassen, bedauere ich das sehr. So macht sich die evangelische Kirche in meinen Augen nicht nur unglaubwürdig, sondern lächerlich.
susanna
Tatsächlich scheint genau das, was Sie schreiben, eine der Ängste der Kirchen in der Debatte gewesen zu sein. Es könnte ja auch die Diskussion um die Kindertaufe aufkommen. Auch im 19. Jahrhundert wurde diese Angst schon geäußert.
Ich selbst sehe hier allerdings fundamentale Unterschiede. Das blutige Beschneidungs-Ritual mit der rein symbolischen und gewaltfreien Handlung der Taufe auch nur in irgendeiner Weise zu vergleichen, erscheint mir gänzlich unangemessen. Wenn ich mehr Zeit habe, will ich gerne mehr dazu schreiben.