Ihr Versuch, die religionsdogmatisch vorgeschriebene Vorhautampuation im Säuglingsalter mit angeblichen Vorteilen für das Kindeswohl zu rechtfertigen, erscheint mir etwas fragwürdig.
1) Unter "Vorteile für Partnerinnen" schreiben Sie "Bei einer Beschneidung des Mannes im Erwachsenenalter ist dagegen dieser Vorteil (Verminderung des Risikos an Zervix oder Vulvakarzinom zu erkranken) für die Frau praktisch nicht mehr vorhanden, wie entsprechende Studien gezeigt haben."
Aus zugegebenermaßen laienhafter Sicht ist nicht nachvollziehbar, wieso eine z. B. erst mit 16 Jahren vorgenommene Beschneidung diese (angeblichen) Vorteile nicht haben sollte. Können Sie die Studien nachweisen?
2) Was das spätere Sexualleben anbelangt, beziehen sich die Klagen der Betroffen in erster Linie auf den durch die Verhornung der Eichel entstandenen Sensibilitätsverlust. Es ist vielleicht nicht verkehrt, hier einmal den gesunden Menschenverstand heranzuziehen, der diese Aussage vollkommen plausibel erscheinen lässt.
Sie schreiben "Ist man beschnitten, dann könnte das doch der Grund für alle Probleme sein, oder? Oder auch nicht. Für letzteres spricht jedenfalls, dass prozentual deutlich mehr beschnittene Männer mit ihrem Körper und Sexualleben zufrieden sind als unzufrieden. Die Gründe für Probleme in der Partnerschaft sind eben vielfältig, und nicht allein durch eine Beschneidung zu erklären.".
Diese Aussage erscheint mir doch reichlich trivial, denn sie besagt nicht mehr, als dass AUCH in der Gruppe der Beschnitten die Mehrzahl der Männer mit ihrem Sexualleben zufreiden sind. Aussagekräftig wäre das nur dann, wenn in der Gruppe der Beschnittenen die Anzahl derer, die (speziell im forgeschrittenen Alter) mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind nicht höher ist als in der Gruppe der Unbeschnittenen. Hierzu gibt es jedoch eine Vielzahl von Studien, die das genaue Gegenteil belegen, daher auch hier meine Frage an Sie: auf welche Untersuchungen beziehen Sie sich?
Zuetzt noch zu Ihrem Statement "... und wo ist eigentlich der öffentliche Aufschrei in Deutschland hinsichtlich der Genitalverstümmelung von Mädchen? Wenn überhaupt, dann kommt er nur im Kometenschweif der Diskussion um die Beschneidung von Knaben daher".
Das ist - mit Verlaub gesagt - Quatsch. Gegen FGM wird von wirkungsmächtiger, insbesondere feministischer Seite seit Jahrzehnten vorgegangen, sie ist in Deutschland in allen Variationen verboten und wird auch von den islamischen Verbänden strikt abgelehnt, was das von Ihnen beanstandete Fehlen eines "Aufschreis" eigentlich ziemlich leicht erklärbar macht.