Beiträge von Pensador

    Es ist doch gar nicht so schwierig: die derzeit im Bundestag vertretenen Parteien haben sich spätestens am 12. 12. nachhaltig disqualifiziert und können daher von mir (und ich hoffe von vielen anderen, für die Menschenrechte nicht nur eine Worthülse sind) keine Zweitstimme mehr bekommen. Wer sich politisch eher nach links orientiert, kann die Piraten wählen und wer konservative oder marktwirtschaftliche Ansätze überzeugender findet, mag sich mit der AfD anfreunden - beide Parteien haben jedenfalls nicht unsägliches Leid verharmlost oder befördert.

    Für die Erststimme gilt, dass die 100 Aufrechten, von denen in der Tat viele für die Linkspartei im Bundestag sitzen, diesem in der nächsten Legislaturperiode wieder angehören sollten. In den anderen Wahlkreisen kann man die Kandidaten ja mal darauf ansprechen, wie sie zu der Sache stehen, mit Ausnahme der 434 personae non gratae, die für das menschenverachtende Gesetz verantwortlich sind.

    Auch von mir herzliches Beileid an die Angehörigen - ich durfte Benni, seine Frau und seine Tochter noch letzten Dienstag persönlich kennenlernen und bin entsprechend fassungslos. Auch wenn seine Pläne für die Zukunft einschließlich bedeutsamer Projekte in der Sache, für die wir hier gemeinsam stehen, nun nicht mehr realisiert werden können, bleiben doch seine Persönlichkeit und sein Einsatz für Aufklärung, Menschenrechte und Redlichkeit in unserer Erinnerung erhalten und in Form seiner vielfältigen Beiträge dokumentiert. Ich würde mir daher wünschen, dass die in diesem Forum zu findenden Beiträge Bennis verfügbar bleiben.

    Hier schon mal der Beitrag von Steven Swoboda und Robert Van Howe sowie die Antwort der AAP Task Force, die in der Mitte der ersten Spalte eine bemerkenswerte Selbstbeschreibung abgibt.

    Übrigens: Der Beitrag von Swoboda und Van Howe unterliegt nicht dem Copyright "(These copies are unattributable and may be distributed freely"), Ihr könnt ihn also nach Belieben ins Netz stellen, vervielfältigen, weitergeben, übersetzen, auf CDs brennen, etc.

    Pöser Pürger: Ich teile durchaus Deine Einschätzung, dass das Risiko eines gefährlichen Präzedenzfalls derzeit wohl noch zu hoch ist. Der dem Opfer entstandene Schaden kann sowieso auch durch alles Geld der Welt nicht ausgeglichen werden. Dem gegenüber steht die Signalwirkung eines solchen - notwendigerweise mit einer Betrachtung der relevanten Zusammenhänge vor Gericht verbundenen - Falles, die wünschenswert wäre. Man könnte es vielleicht so zusammenfassen: die Zeit ist derzeit in Deutschland wohl noch nicht reif für einen solchen Prozess. Zuvor muss eine umfassende Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit auch dem Letzten klar wird, dass der durch eine Beschneidung entstehende Verlust an Lebensqualität unermesslich groß ist. Dies ist der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Diskussion, aus dem letztlich alles andere folgt.

    Übrigens gibt es in den USA bereits eine Vielzahl von Fällen, in denen es zumeist um Beschneidungen ohne wirksames Einverständnis der Erziehungsberechtigten oder um Komplikationen ging, und in denen zum Teil Schadenersatz auch im sechsstelligen Bereich erzielt werden konnte.

    Für die Bevölkerung wird übrigbleiben, dass ein Opfer geklagt hat, was auf einen hohen Leidensdruck schließen lässt, den niemand wegleugnen kann. Dass jemand den Mut und die Kraft hat, zu klagen, ist bewundernswert, wichtig und zu unterstützen. Dabei kann sich jeder verständige Mensch klarmachen, dass nur die wenigsten bereit sind, einen solchen Schritt zu gehen und man daher hier nur die Spitze eines Eisbergs sieht. Auch letztes Jahr haben sich gemäß einer Umfrage 70 % der Menschen von der über Monate hinweg allgegenwärtigen Propaganda der Täter und Verharmloser nicht beeindrucken lassen und das Beschneidungsgesetz abgelehnt. Die Leute sind doch nicht blöd.

    Zum Ethikrat und den Religionen:

    Wir sollten das Junktim von Religion und Genitalverstümmelung, das da gelegentlich in den Raum gestellt wird, keinesfalls akzeptieren, geschweige denn es uns zu eigen machen. Das ist nur die Rhetorik der Täter und Verharmloser, deren Kalkül lautet: wenn der Glaube angegriffen wird, rücken die Gläubigen zusammen. Dabei haben sie dann denn Vorteil jahrtausendelang etablierter Organisationen und Argumente in der Sache werden überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Versucht lieber, sie einzubinden, indem ihr ihnen klarmacht, dass Genitalverstümmelung im höchsten Maße unethisch, unmoralisch, unchristlich und mit Sicherheit auch unislamisch ist und dass im Judentum, von dem - wie bei Abu-Salieh nachzulesen ist - die Araber diese perverse Tradition aufgedrängt bekommen und übernommen haben, als zentrale Botschaft die bekannte Aufforderung "was du nicht willst, das dir getan, das tu auch keinem anderen an", anerkannt ist. Außerdem war Jesus zwar sicher nicht der erste, aber der wohl am nachhaltigsten erfolgreiche Intaktivist und in wer in die Kirchengeschichte schaut, findet Positionen, die die Beschneidung verdammen, alles klar? Natürlich gibt es in Geschichte und Gegenwart gute Gründe, den Klerus zu kritisieren, aber die gehören unter die Überschrift "Machtmissbrauch", die sowieso eine ganz große Überschrift ist. Wir dürfen allerdings keine Gruppe darauf reduzieren.

    Zur AAP Task Force on Circumcision: Klarer Fall von Täter-Opfer-Zyklus in Verbindung mit Geldgier und Menschenverachtung.

    @ Götz: Das kann man so nicht sagen - auch Frauen haben eine Vorhaut und DOC bezogen sich hier sicher ausschließlich auf die männlichen Mitglieder der Task Force. Die Kitzlervorhaut bedeckt die Klitoris ähnlich wie die männliche Vorhaut die Eichel und sie ist auch ein extrem erogenes Gewebe, das mit einem Frenulum mit den kleinen Schamlippen verbunden ist. Überhaupt haben Männer und Frauen homologe Genitalien, d. h. Geschlechtsorgane, die sich aus den selben Anlagen entwickelt haben - man könnte von menschlichen Genitalien in männlicher und weiblicher Verteilung sprechen. Daraus folgt, dass wir auch über die gleiche Anzahl an sexuell stimulierbaren Nervenenden verfügen - von denen sich beim Mann die meisten in Vorhaut und Vorhautbändchen befinden. Fazit: Dr. Susan Blanck verfügt wahrscheinlich als einzige aus dieser Gruppe über eine Vorhaut!

    Diese Ansicht ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, aber meines Erachtens immer noch viel zu zurückhaltend. Sachgerecht wäre allein, Genitalverstümmelung aufgrund der irreversiblen körperlichen und seelischen Folgen für die Opfer als besonders schweres Sexualverbrechen zu behandeln. Der gesamte Tatbestand der Körperverletzung einschließlich der schweren Körperverletzung berücksichtigt die sexuelle Dimension der Sache nicht. Erforderlich wäre die Einführung eines § 176c ins Strafgesetzbuch, der weibliche, männliche und intersexuelle Kinder gleichermaßen vor der Verstümmelung ihrer Genitalien schützt - doch die Gesellschaft scheint noch nicht reif dafür zu sein.

    Nur der Vollständigkeit halber: die Vorhaut ist keineswegs ein rudimentäres Organ, das sich im Laufe der Evolution zurückgebildet hat - im Gegenteil ist entwicklungsgeschichtlich ihre Weiterentwicklung zu beobachten und sie erfüllt ihre Hauptfunktionen (Schutzfunktion, koitale Funktion, sensorische Funktion) in vollem Umfang.

    Wenn also bereits für die rudimentären Organe, die in dem zitierten Artikel gemachten Aussagen gelten, denen ich in vollem Umfang zustimme, dann gilt das a fortiori für die Vorhaut.

    Ich könnte mir die Einrichtung eines Hilfsfonds für solche Fälle vorstellen und würde auch dazu beitragen. Die (derzeit noch niedrigen) Erfolgsaussichten stehen in Abhängigkeit vom Aufklärungsgrad in der Bevölkerung und insbesondere der gesellschaftlichen Entscheidungsträger sowie der dort wirksamen Machtkonstellationen. Hier wirkt noch die aus den USA der Nachkriegszeit kommende Verharmlosungspropaganda bezüglich der männlichen Genitalverstümmelung in Verbindung mit der historisch begründeten panischen Angst der heute in der deutschen Gesellschaft in den Schlüsselpositionen dominierenden Generation, irgendetwas zu sagen oder zu tun, das von irgendjemand als antisemitisch bezeichnet werden könnte, obwohl in diesem Fall bei objektiver Betrachtung das Gegenteil richtig wäre - Dr. Avshalom Zoossmann-Diskin und viele andere Juden bezeichneten zu Recht ein Beschneidungsverbot ausdrücklich als philosemitischen Akt.

    Die Aussage, dass "Millionen von Juden und Moslems" keine Probleme hätten, ist natürlich absurd. Dass eine Mehrheit über diese Probleme nicht sprechen möchte, was übrigens auch für die Opfer anderer Sexualverbrechen typisch ist, zeigt nicht, dass es diese nicht gäbe, sondern ist auf folgende Zusammenhänge zurückzuführen: Tabuisierung und Scham, Unkenntnis über die sensorisch-sexualwissenschaftlichen Zusammenhänge, fehlende gesellschaftliche Anerkennung der männlichen Genitalverstümmelung als Sexualverbrechen, intakte Täter-Opfer-Zyklen sowie religiös-kulturelle Überhöhung, verbunden mit dem Wunsch, das Fremdbild einer Gruppe, der man angehört, nicht zu beschädigen. Hinzu kommt, dass es individuell rational ist, sich als Opfer nicht mit diesem Thema zu beschäftigen, da man bei dieser Beschäftigung in entsetzliche Abgründe blicken würde, die dann natürlich zusätzlich belasten und man die Tat ohnehin nicht wieder ungeschehen machen kann. All dies gilt angesichts der allgemein bekannten Bedeutung von Genitalien und Sexualität für die Identität des Menschen in besonderem Umfang. Der weit verbreitete Versuch, sich und anderen einzureden, es sei ja nicht so schlimm, obwohl es im Innern der Psyche anders aussieht, ist also nachvollziehbar. Die genannten Zusammenhänge gelten - wie die darüber promovierte Anwältin sicherlich weiß - auch für die weibliche Genitalverstümmelung in den Gesellschaften, in denen sie praktiziert wird.

    Dennoch haben auch viele Juden und Moslems die Kraft gefunden, sich sogar öffentlich mit dem ihnen angetanen Leid auseinanderzusetzen - denken wir an die Bücher und Filme von Ronald Goldman, Riad Sattouf, Victor Schonfeld und Eliyahu Ungar-Sargon, die Auftritte von Ali Utlu, Eran Sadeh und vielen anderen mehr. Noch weitaus größer ist die Zahl derjenigen, die jahrelang mit hohem Aufwand die Haut an ihrem Penis mit Gewichten, Gummibändern und eigens dafür entwickelten Konstruktionen dehnen, um wenigstens die Schutzfunktion und den optischen Anschein einer Vorhaut wiederherzustellen und der Eichel zumindest ein kleines Stück Sensitivität zurückzugeben. Auch dieser Schritt erfordert psychische Stärke. Vor allem aber beweist die große Zahl der (übrigens bereits in der Antike praktizierten) Rekonstruktionsversuche, dass die Betroffenen sehr wohl Probleme mit ihrer Behinderung haben und zwar so massive, dass sie auch für nur partielle Erfolgsaussichten zu jahrelangen Unannehmlichkeiten bereit sind. Es gibt inzwischen einen Markt für Substanzen, die die Dehnung beschleunigen sollen, für Vorhautprothesen, die die Schmerzen beim Scheuern der Eichel an Kleidung verhindern, etc. - all dies ist mit der Vorstellung fehlender Probleme unvereinbar.

    Bitte weist möglichst viele Interessierte auf diese Veranstaltung hin, insbesondere wenn ihr mit Therapeuten oder Studenten persönlich bekannt seid. Die Sache ist den britischen Intaktivisten sehr wichtig, so dass sie mich gebeten haben, den Termin noch einmal in Erinnerung zu rufen. Es ist von einer hochkarätigen Besetzung auszugehen - unter anderem werden auch Vertreter der finnischen Sexpo-Foundation, die die Konferenz von Helsinki organisiert haben, sowie bedeutende Intaktivisten aus den USA anreisen. Ich bin aus beruflichen Gründen verhindert, würde mich aber über eine deutsche Präsenz in Keele freuen - vielleicht jemand von uns oder MOGIS oder Phimose-Info??

    Ich möchte euch schon mal auf die April-Ausgabe von Pediatrics (das ist die Zeitschrift der AAP!) aufmerksam machen. Angekündigt ist unter anderem das hier:

    Cultural Bias in the AAP's 2012 Technical Report and Policy Statement on Male Circumcision

    Morten Frisch, Yves Aigrain, Vidmantas Barauskas, Ragnar Bjarnason, Su-Anna Boddy, Piotr Czauderna, Robert P.E. de Gier, Tom P.V.M. de Jong, Günter Fasching, Willem Fetter, Manfred Gahr, Christian Graugaard, Gorm Greisen, Anna Gunnarsdottir, Wolfram Hartmann, Petr Havranek, Rowena Hitchcock, Simon Huddart, Staffan Janson, Poul Jaszczak, Christoph Kupferschmid, Tuija Lahdes-Vasama, Harry Lindahl, Noni MacDonald, Trond Markestad, Matis Märtson, Solveig Marianne Nordhov, Heikki Pälve, Aigars Petersons, Feargal Quinn, Niels Qvist, Thrainn Rosmundsson, Harri Saxen, Olle Söder, Maximilian Stehr, Volker C.H. von Loewenich, Johan Wallander, Rene Wijnen
    Pediatrics 2013 131 (4)

    Cultural Bias and Circumcision: The AAP Task Force on Circumcision Responds

    TASK FORCE ON CIRCUMCISION
    Pediatrics 2013 131 (4)

    Benni:

    Für deine Beter gibt es schon eine kleine Gruppe bei Facebook:
    https://www.facebook.com/CatholicsAgainstCircumcision

    Gut so!

    Dürfen Nicht-Katholiken mitbeten?

    Na selbstverständlich.

    Und kannst du mir den Namen eines Intaktivisten verraten, der papabile ist?

    Hier wird es schon schwieriger, denn ich kenne die Herren, die hier in Frage kommen, nicht persönlich. Ich kann mir jedoch sehr gut vorstellen, dass Menschen, die über diese Sache nachdenken, zu den selben Erkenntnissen kommen wie wir und das gilt dann auch für Kardinäle. Er muss sich ja bisher noch nicht zu erkennen gegeben haben, was vielleicht sogar recht klug wäre.

    Ob die Kardinäle überhaupt wissen, was eine Vorhaut ist?


    Ich denke, das sollten wir ihnen zugestehen.

    Der Intaktivist M. N. aus den USA erzählte mir folgende Begebenheit:

    Er betreute vor einigen Jahren zusammen mit der Intaktivistin M. M. einen Stand auf einer Messe für Babyartikel und andere Dinge, die werdende Eltern interessieren. Nach einiger Zeit kam eine Frau zu dem Stand und die beiden Intaktivisten sagten zu ihr, dass sie sehr gerne alle ihre Fragen beantworten würden. Zur Überraschung der beiden antwortete die Frau: "Ich habe keine Fragen, sondern Antworten."

    Sie stellte sich als Psychotherapeutin vor, die zur zeitlichen Eingrenzung möglicher traumatischer Erlebnisse Patienten unter Hypnose ihr gesamtes Leben von den ersten pränatalen Empfindungen bis zum aktuellen Zeitpunkt erneut durchleben lässt. Dabei machte sie die Erfahrung, dass der Zeitraum bis einschließlich zur Geburt von männlichen und weiblichen Patienten gleich erlebt wurde. Für die Zeit unmittelbar nach der Geburtserfahrung zeigten dann rund 80 % der Männer, jedoch keine einzige Frau, folgendes Verhalten: sie schrien, schwitzten, hyperventilierten, verkrampften mit geöffneten Armen und Beinen und brachen, wenn sie aus der Hypnose aufgeweckt wurden, weinend und völlig erschöpft zusammen.

    Die Psychotherapeutin glaubte, sie habe sexuellen Missbrauch gesehen und in der Tat hatte sie dies, doch sie dachte zunächst an Vergewaltigungen. Dabei wunderte sich über die seltsame Geschlechterverteilung und den fast immer gleichen Zeitpunkt. Sie sagte, dass sie erst nach mehreren Jahren verstand, was wirklich zugrunde lag und danach alle Männer im Rahmen der Anamnese ankreuzen ließ, ob sie beschnitten waren. Die Übereinstimmung mit dem beschriebenen Verhalten war hundertprozentig.