Beiträge von R(h)einwein

    Nur wer erkennt, sich eingesteht, dass ihm etwas genommen wurde, kann ja auch etwas vermissen. Oder zumindest Neugier entwickeln, wie er Sexualität mit einem kompletten Penis erleben würde.

    Darin sehe ich den Kern des Problems. Die massiven (inneren und äußeren) Hindernisse gegen ein Sich-eingestehen.

    Wer das Schicksal eines einzigen Mannes billigend in Kauf nimmt, um den Dogmen von Vertretern der Religionsgemeinschaften zu genügen, der nimmt auch das Schicksal tausender anderer in Kauf.

    Maria ich bin mit dir einer Meinung, dass nicht die Zahl, d.h. die Quantität zählt, sondern die Qualität der Menschenrechtsverletzung. (Deswegen möchte ich mich auch ungern öffentlich auf eine Diskussion einlassen, die die Schwere der Verletzung bei Männlein/Weiblein vergleicht. Der erste Ritz ist Körperverletzung und hat zu unterbleiben.)

    Aber wir müssen schon ein wenig sehen, wie das politisch läuft. Sonst stehen wir am Ende da, wissen, dass wir Recht haben und es wird fröhlich weiter beschnitten. Und da muss ich eben auch sehen, wie politisch argumentiert wird. "Plötzlich habt ihr ein Thema - jahrzehntelang hat das euch nicht interessiert -man kann die Knabenbeschneidung nicht mit der der Mädchen vergleichen - das Thema wird aufgebauscht - ihr seht doch dass beschnittene Männer sagen, sie hätten keine Probleme damit - ihr seid religiös intolerant - ihr seid antisemitisch, ihr seid ...... und außenpolitisch können wir uns das schon gar nicht leisten". So wie wir uns mit allen anderen "Gegenargumenten" auseinandersetzen, sollten wir auch Argumentationen auf taktische Hintergründe abklopfen (da sie möglicherweise auch organisiert in die Diskussion eingebracht werden) zur Kenntnis nehmen und uns mit ihnen auseinandersetzen. Es geht hier eben nicht um eine abstrakte (Menschen-)Rechtsfrage, die im Seminar abgehandelt wird, sondern um politische Durchsetzbarkeit. Umso mehr, als die Chancen vor dem BVerfG skeptisch gesehen werden. In der Politik zählt der Erfolg und nicht die gute Absicht. Ob uns das gefällt oder nicht.

    Ich halte es deswegen nicht für egal, weil sich die Politik möglicherweise auch genau dieser "positiven" Zeugnisse bedienen wird, um ihr krudes Gesetzesvorhaben zu legitimieren. Motto: "die schädlichen Folgen sind höchst umstritten, von den Beschneidungskritikern aufgebauscht, deshalb ...." (s.auch Alice Schwarzer).
    Man wird sich also doch die Frage stellen müssen, wie glaubwürdig solche Testimonials sind. In dem von Dir aufgeführten Beispiel hätte ich eine Reihe von Fragen, die ich an dieser Stelle nicht stellen möchte. Statt dessen mache ich ein Gedankenexperiment. Angenommen in einer Gesellschaft würden kurz nach der Geburt aus rituellen Gründen beide Ohren (ohne Betäubung) abgeschnitten und eines Tages käme dagegen Protest auf, weil es eine Quälerei ist und man zudem mit den Ohrmuscheln dran besser hört. Ich bin sicher, dass es da Gegenstimmen gäbe, die sagen, sie würden auch ohne Ohrmuscheln ganz gut hören. Es gibt so etwas wie eine Evidenz, dass man mit Ohrmuscheln besser hört und mit Vorhaut einen schöneren Sex hat. Da darf es einen schon verwundern, wenn jemand etwas anderes behauptet. Und dann darf man auch Fragen stellen, wie das wohl zu so einer Aussage kommt, was davon ehrlich ist, wie man sich diese Feststellungen erklären kann, was mit ihnen eventuell bezweckt wird. Dabei will ich keineswegs bestreiten, dass es auch ehrliche Statements gibt, wonach auch beschnittene Männer ein glückliches (Sexual-)Leben führen können. Es wäre auch nicht auszuhalten, wenn es anders wäre.

    Mir fallen zwei Dinge auf:
    1.die Beschneidungskritiker (männlich wie weiblich) mit eigenen Erfahrungen beschreiben ihre physische und psychische Situation, ihre Erfahrungen und ihr Verständnis für den/die Partner mit viel Feingefühl
    2. es erscheinen zunehmend "Gegentestimonials", die ihre Situation als Beschnittene als besser, schöner beschreiben. Das mag in Einzelfällen so sein. Bei der teilweisen Heftigkeit dieser Bezeugungen keimt bei mir allerdings der Verdacht, es handele sich um eine Propagandamasche von Beschneidungsbefürwortern.

    Dass diesmal die anderen auswandern dürfte heißen, dass wohl die Mehrheit der Deutschen auswandern soll. Toll!

    Mit einem solchen Artikel mauern sich die Beschneidungsfürsprecher ein: wir Verfolgten gegen den Rest der bösen Welt. Wie nennt man das? - Wagenburgmentalität!

    Leider gibt der Artikel überhaupt keinen Ansatz für eine Diskussion. Er ist die schiere Polemik.

    Wieder ein typischer Chirurgenvorschlag! Ich würde die Operation nicht vornehmen lassen. Da die Empfindlichkeit und Erregbarkeit im Laufe der Jahre nachlässt, würde ich erst einmal vermuten, dass der vorzeitige Samenerguss sich von allein erledigt. Die künstliche Verringerung in jungen Jahren könnte im Alter zu einem verfrühten Nachlassen der Erregbarkeit und damit zu (vermeidbaren) Orgasmusschwierigkeiten führen.

    Ihr Lieben,
    ich bin nicht scharf auf die Befürworter und glaube, dass es die Stärke dieses Forums, ja geradezu sein Alleinstellungsmerkmal ist, einen faktisch geschützten Raum für Beschneidungsopfer zu bieten. Hier kriegst halt nicht zu hören "stell dich nicht so an","du hast was an der Birne" und derlei Geringschätzung, wie es anderswo zu lesen ist.
    Wo gibt es das sonst im Netz?
    Also, ich möchte die Trolls hier nicht haben. Deren "Argumente" sind bekannt und wiederlegt, bis auf die, die man nicht wiederlegen kann (den Glauben). Und mit denen zu diskutieren ist purer Zeitverlust.

    Das sehe ich auch so. Wir vertreten einen klaren Standpunkt. Mit den Gegenargumenten setzen wir uns argumentativ und fair auseinander. Aber wir helfen ihnen nicht, ihre grundgesetzwidrige Propaganda zu verbreiten.