Bevor ich mich mit Beschneidung kritisch auseinandersetzte, hatte ich keine Ahnung davon, dass Bestandteile vom menschlichen Körper in einer Hautpflegecreme drin sein können. Sobald das hochkommt, wird der Profit aus Gesichtscremes und bei den Medien aus den Anzeigen dafür arg leiden. Aber es wird nicht hochkommen
, denn wenn dieses Risiko bestünde, hätten die Konzerne gar nicht damit begonnen, Frauen in eine kannibalistische Praktik hineinzuziehn. Und die Frauen, die solche Cremes nichtsahnend kaufen, können dafür nichts (wiewohl sie sicherlich wissend in Kauf nehmen, dass die Schönheitscreme in Tierversuchen überprüft wurden, aber das tut auch jede/r, der sich in einer Drogerie bei den billigen Produkten bedient).
Es ist nicht so, dass ich Frauen für Unschuldslämmer halte. Wenn ZUM BEISPIEL eine Mutter ihren Sohn zur Beschneidung drängt, wenn und insoweit sie das tut, liebt sie ihn nicht sondern handelt sie destruktiv (aus welchen Motiven auch immer). Und da gibt es noch viel mehr, wo einige Frauen zu ihren Kindern gar nicht liebevoll sind und dann aber ungerechterweise mit dem "Mutterbonus" geschont oder gar idealisiert werden. Aber deswegen glaube ich nicht, dass die Mehrheit der Schönheitscreme-Nutzerinnen das Interesse verfolgt, dass darin Vorhäute von männlichen Babys verwertet wurden.
Ich merke, dass ich mich über Selbstbestimmungs Beitrag ärgere, weil er sowas Absurdes mit Frauenrechten in Verbindung bringt. Und es kommt mir so vor, dass in diesem Forum immer wieder auf Bevorzugung von Frauen als Erklärung für das Beschneidungselend bei Männern und kleinen Jungen abgehoben wird. Da ist ja wirklich vieles verdreht und ungerecht an den Gesetzen, und es ist logisch, dass es unter euch Männern große Empörung auslöst und den Wunsch, selbst als die gesellschaftlich Benachteiligten angesehen zu werden. Was ihr in Punkto genitale Intaktheit definitiv seid. Was jetzt den ganzen Themenkomplex angeht, Vorteile und Nachteile, männlich oder weiblich zu sein, oder welches Geschlecht häufiger Aggressor ist, das führt hier zu weit .
Ich erwähne aber bei der Gelegenheit: vor cirka zwei Jahren hörte ich darüber, wie es in der Berliner REALITÄT zuging, wenn die Beschneidung eines Mädchens bekannt wurde: es wurde NICHT angezeigt, denn dann müsste man ja das Mädchen aus der Familie nehmen, was angeblich zum Nachteil des Mädchens wäre. Seither wurde die Gesetzeslage verschärft, aber ich gehe nicht davon aus, dass von nun an alle Mädchen mit Hauptwohnsitz in Deutschland davor geschützt sein werden.
Sie sind zwar juristisch besser gestellt als die Jungen, können auch, wenn erwachsen geworden, klagen, aber mich regt die in diesem Forum gelegentlich gezeigte Haltung auf, der Kampf um die genitale Intaktheit der Mädchen wäre schon gewonnen!
Und mit Bezug auf die Frage, wer in 2012 den größten Druck machte, die Rechtslage wieder zum Nachteil der Jungen zu verändern, vermute ich, dass die Leitetagen der betreffenden Religionsgemeinschaften (jüdische, muslimische und christliche) weitgehend männlich dominiert waren. Eine Antje Deusel schwimmt da mit, lebt vermutlich auch dunkle Motive aus ihrer eigenen Psyche aus, wird mir aber in den Medien nur deshalb als Leitbild für meine weibliche Emanzipation vorgehalten, weil sie die Entscheidungen der männlichen Chefetage nicht in Frage stellt. Die beschneidungskritische Evelyne Hecht-Galinski, die von Henrik Broder als "hysterische Hausfrau" bezeichnet wurde, fand ich erst nach mehrjähriger Schnitzeljagd im Internet.
Habe mir das mal von der Seele geschrieben, weil es mich schon seit Längerem beschäftigt.