Hier stimme ich Anna zu.
Um es salopp zu sagen: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
Aber im Ernst: Ich verstehe Dich, Damaged, dass Du mit dem Argument, der Junge könnte sich durch seine Beschneidung vom Islam abwenden oder sich ihm gar nicht erst zuwenden, nichts anfangen kannst. Mir widerstrebt der Gedanke auch, dass die Verletzung des Jungen unwichtig wird vor dem Hintergrund der Religion. Aber versetz Dich mal in die Lage eines gläubigen Muslimen, der in der Beschneidung eine Glaubenspflicht sieht, aber niemals eine Körperverletzung oder Verstümmelung, so wie Du oder ich. Aber um uns beide gehts nunmal nicht, sondern um den Jungen.
Und hinterher ist es mir schlicht und einfach schnurz, warum er verschont wurde.
Hauptsache, er bleibt intakt, oder?
Ja, hauptsache er bleibt intakt. Das bleibt er aber auch, wenn sie einfach NEIN sagt, ohne eine Begründung zu liefern. Aber das möchte sie aus guten Gründen so nicht handhaben und ich finde das auch gut und unterstütze das ausdrücklich, weswegen es mich auch wahnsinnig freut, dass sie sich hier angemeldet und geöffnet hat. Denn es geht zwar zuallererst um den Jungen, aber eben auch um eine Familie und die Beziehung der Eltern zueinander. Jetzt einfach zu sagen "sag ihm einfach was er hören will/muss" kann (nicht muss!) durchaus zu weiteren Belastungen in der Beziehung führen. Ich würde mich dann z. B. nicht wohl in meiner Haut fühlen, weil ich das Gefühl hätte, zurückstecken zu müssen wegen der Religion. Das muss Sabine aber für sich selbst herausfinden und entscheiden. Und wenn sie zu dem Schluss kommt, es auf Annas Tour zu machen, dann soll es so sein. Aber schöner wäre es sicher für alle Beteiligten, wenn dem Vater klar wird, dass es nicht um ihn oder seine Religion, sondern um seinen Sohn geht.
Ich verwahre mich jedoch dagegen, dass hier in diesem Forum religiöse Propaganda betrieben wird. Und diese Grenze sah ich durch die verkürzte und tendenziöse Darstellung der Sachverhalte überschritten.