Beiträge von Tante Jay

    Und last but not least meine Antwort an den zuständigen Arzt, auf die ich, ehrlich gesagt, keine Antwort mehr erwarte. ;)

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    ich danke ihnen für die Informationen und finde es nur fair, wenn ich die Scharade jetzt auflöse. Nein, den angenommenen Sohn gibt es nicht - und selbst wenn es ihn geben würde: Beschnitten würde er zu KEINER Zeit und niemals. Allerdings bin ich äußerst stark in der Abschaffung der Beschneidung engagiert. Und leider ist die Aussage, das in meinem Bekanntenkreis mindestens zwei Junge beschnitten wurden, weil die Mütter Infektionen verhindern wollten, richtig. Die Jungen waren 4 Monate alt bzw. 1 Jahr als sie beschnitten wurden und das ganze war der pure Horror mit anzusehen. Wenn ich noch *irgendeinen* Zweifel gehabt hätte, nach dem, was die Kinder durchmachen mussten, wäre jeder dagegen eingestellt gewesen. Aber ich hatte einen anderen Grund, sie, bzw. das Urologenportal anzuschreiben. Denn hier sind viele Informationen schlichtweg falsch bzw. sehr veraltet und das kann zu einer erhöhten Beschneidungsfrequenz von Kindern führen, weil die Eltern glauben, dass Probleme vorliegen, wo keine sind.

    Soviel zur Laienmeinung. Aber es gibt auch fachspezifisches. Ich nehme nicht an, dass sie sich mit mir auf eine Diskussion einlassen werden, da ich kein medizinisches Fachpersonal bin (das ist der Grund, warum ich übrigens diese Scharade aufgeführt habe, sonst wäre erfahrungsgemäß überhaupt keine Antwort gekommen).

    Ihr Interview halte ich für stringent, gut begründet und sehr klar gegen die Beschneidung aus nicht medizinischen Gründen positioniert und fand es im übrigen sehr gut. Ihre Antworten auf meine Fragen zum Teil allerdings weniger. Und ich kann das begründen. Und vielleicht bekomme ich ja doch eine Antwort?

    Zu 1: Physiologische Phimose

    Gemäß dem Flyer des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte ist das durchschnittliche Alter, ab dem eine Vorhaut zurückziehbar sein sollte, 10,4 Jahre. Durchschnittlich, das heißt, das kann auch durchaus später erfolgen. Die Kinderärzte propagieren: Solange es keine Probleme gibt, gibt es keinen Grund zur Beschneidung. Insbesondere die massive Zunahme der Beschneidungen zur Einschulung aufgrund einer Phimose ist laut den Kinderärzten völlig unnötig. Diese physiologische Phimose löst sich den Kinderärzten zufolge aufgrund von Reifungsvorgängen und durch die Hormonumstellung im Laufe der Pubertät. 3 Jahre, wie von ihnen genannt, ist in dem Zusammenhang eine völlig entgegenlautende Annahme. Wie kommt es zu dem Zeitpunkt "3 Jahre"?

    http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/pdf/Bvkj-…rhautbrosch.pdf
    http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/aktuelles…=4492&nodeid=26

    Zu 2: Ballonieren:
    DANKE. Sie sind buchstäblich der erste Urologe, den ich gesprochen habe, der das nicht für einen krankhaften Zustand hielt.

    Zu 3: Triple Inzision:

    Sie raten zur Radikalzirkumzision, weil die Triple Inzision Probleme birgt aufgrund der Narbenbildung. Es gibt Ärzte, die sagen, dass man diese Technik beherrschen muss, sonst gibt es in der Tat Probleme. Aber mehr Sorgen macht mir ihre These, dass beschnittene Männer keine Funktionseinbußen zu befürchten haben. Und ich fürchte, hier muss ich ihnen widersprechen. Als 44jährige Frau WEISS ich, dass es Funktionseinbußen gibt, da ich beides kenne: Beschnittene und intakte Sexualpartner.

    Der Sex mit den beschnittenen Partnern war schmerzhaft, rauh und beinahe gewalttätig. Die Männer mussten immer stärker ran. Ich hatte permanent ein Trockengefühl und war auch nach kurzer Zeit wundgerieben. Inzwischen weiß ich: Das liegt definitiv an der Beschneidung. Der Gleitmechanismus der Vorhaut ist weg. Beim Beischlaf schiebt sich beim zurückziehen die Vorhaut über die Eichel, sie liegt eng an der Scheidenwand an. Das System Vagina/Vorhaut/Eichel ist durch die Natur aufeinander abgestimmt, die Feuchtigkeit, die die Eichel produziert, wird auch benötigt, damit der Sex entsprechend sanfter ist. Hinzu kommt, dass die Vorhaut das empfindlichste Teil am männlichen Genital ist. Ist sie weg, spüren die Männer nur noch wenig, da die sensorischen Zellen auf der Eichel keine Tastempfindlichen Zellen sind, sondern eher mit "Schmerz" in Verbindung gebracht werden.

    Aber das führt mich direkt zu:

    Punkt 4: Sensorische Deprivation

    Es gibt inzwischen viele Webseiten, die sich mit Vorhautwiederherstellung beschäftigen. Sei es Devices wie der DLCtugger, oder Senslip für die Männer, die zu radikal beschnitten wurden, um die Restvorhaut verlängern zu können oder die die mehrjährige Prozedur nicht über sich ergehen lassen wollen.

    Es gibt Foren, die sich mit dem Thema "Folgen der Beschneidung" beschäftigen. Und die Geschichten der Männer gleichen sich: Die Eichel keratinisiert, da die schützende Vorhaut fehlt. Die Keratinisierung geht einher mit einer zunehmenden Unempfindlichkeit, die nicht aufhört, nachdem es nicht mehr unangenehm ist, sich Unterwäsche anzuziehen.

    Die Berichte der Betroffenen, die entweder eine De-Keratinisierung der Eichel betreiben oder aber Vorhautwiederherstellung gleichen sich wie ein Ei dem anderen: Vorher nahezu völlige Taubheit und hinterher eine hundertprozentige Verbesserung der Situation durch die Rückkehr der Empfindsamkeit. Sex begann wieder Spaß zu machen und bei einigen konnten selbst Spätfolgen wie die sexuelle Dysfunktion wieder rückgängig gemacht werden. Nur psychologische Fälle? Eher nicht, wie die Studie von Bronselear et. al. zeigt (eine ins Deutsche übersetzte Version dieser Studie kann ich ihnen gerne zukommen lassen):

    http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.…E07498A7.f03t01

    Sie widersprechen sich übrigens in einem Punkt, auch wenn das nicht sehr augenfällig ist:

    Leider oder Gott sei Dank ändert sich das sexuelle Empfinden nach einer Beschneidung nicht - das ist in den Bereich der Legende einzuordnen. Die Eichel bleibt nach dem Eingriff ein paar Wochen empfindlicher und passt sich dann der "normalen" Sensibilität an.
    Wenn der liebe Gott(oder für Atheisten: die Natur) - und das meine ich durchaus ernst - die Vorhaut für überflüssig gehalten hätte, hätte er (oder sie) sie im Laufe der Evolution abgeschafft.

    WENN die Vorhaut eine Funktion hat, dann *KANN* das Empfinden nach Entfernen derselben nicht mehr dasselbe sein, weil die Funktion dann entfallen ist. Und weil etwas WENIGER ist, kann es nicht MEHR vom Empfinden her sein - oder auch nur GLEICH.

    Weitere Betroffenenberichte kann ich ihnen gerne ebenfalls auf Wunsch zukommen lassen.

    Was ihre Annahme betrifft, dass in den USA überwiegend unsteril operiert wird: Nein, wird es nicht. Es wird dort die RIC betrieben, die Routine Infant Circumcision. Die Babies werden bis maximal 24 Stunden nach der Geburt beschnitten, ohne Betäubung (Succhrose pacifier, also Zuckerschnuller fällt bei mir nicht unter "Betäubung", wird aber als solche gewertet, weil die gequälten Kinder wie die Berserker auf dem Ding rumnuckeln, in der Hoffnung, etwas Erleichterung zu finden) und angeschnallt auf dem Circumstraint. Beschnitten wird entweder mit der Mogen- oder der Gomco-Clamp. Beide Klemmen sind leider notwendig, da die Kinder sonst verbluten, haben aber eklatante Nachteile.

    Die Säuglingsgenitalien sind verdammt klein. Und während bei der Gomco-Clamp ein durchaus normaler Nebeneffekt ist, dass man die Penisarterie anritzt, ist bei der Mogen-Clamp eine recht häufige "Nebenwirkung", dass hier die Eichel zumindest teilamputiert wird. Die Beschneidung wird in sterilem Umfeld vorgenommen, sofern es um die RIC geht. Die Kinder sterben dann an einem nichtbehandelten neurogenischen Schock, sie verbluten, entwickeln Infektionen bis hin zur Sepsis (Offene Wunde, nur mit Gaze und Vaseline bedeckt in einer warmen Windel ist nicht gerade ideal). Die religiöse Beschneidung fordert eine andere Art von Tributen: Hier sind aufgrund des Rituals der Metzitzah b'peh Herpes-Infektionen verbreitet, wenn die Mohelim das Blut vom Babypenis saugen ohne weitere Schutzmaßnahmen zu treffen. Manchmal haben diese Mohelim eine offene Herpes-Infektion, führen das Ritual in völliger Ignoranz der Probleme dennoch durch und hinterlassen einen ziemlichen Tsunami an toten und schwerst behinderten Kindern.

    Aber "mangelnde Hygiene" kann man den USA da nicht vorwerfen. Das ist - noch - kein Dritte Welt-Land.

    **********
    Ende. ;)

    Ehrlich, ich *kann* sowas nicht stehenlassen. Und wenns unwidersprochen bleibt, dann ist das doch echt... :-/

    Und hier die (von mir hoffentlich gut anonymisierte) Antwort vom Urologen-Portal:

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    gerne nehme ich zu Ihren Fragen, die mir von unserer Pressestelle übermittelt wurden Stellung, soweit das ohne Untersuchung Ihres Kleinen möglich ist - ich stelle die Antworten dirket unter die Fragen.


    Ich hoffe, Ihnen damit ein paar Hilfen zur Entscheidungfindung geben zu können und empfehle Ihnen ggf. folgendes Video dazu:


    http://www.springermedizin.de/video-religioe…er/3541410.html


    Sehr geehrte durch Zufall bin ich in ihrem Urologenportal über die Beschneidungsinformationen gestolpert und habe dazu einige Fragen, möglicherweise können sie die an die Autorinnen weiterleiten? Mein kleiner Sohn soll möglicherweise aufgrund einer Phimose beschnitten werden (er ist zwei) und bevor ich mich entscheide, möchte ich sicher sein, dass ich die beste Entscheidung in seinem Sinne treffe.


    1. die Autoren behaupten, dass 90% der Kinder im Alter von einem Jahr die Vorhaut komplett zurückziehen können. Wäre es möglich, hier einen Quellennachweis zu benennen? Ich bin bei meinen Recherchen auf die physiologische Phimose gestoßen, aber die Alterszahlen waren ganz andere, die ich da gefunden habe. Woher kommen die Altersangaben der Autoren?


    Die Prozentzahl ist eine Schätzung, da es keine verläßliche Statistiken gibt, für Ihren Sohn aber auch ohne Bedeutung. Tatsächlich besteht nach der Geburt eine natürliche Enge, die - so von der Natur vorgesehen - die Benutzung der Eichel mit Urin verhindern soll, etwa bis zum 3. Lebensjahr, bis die Jungs überwiegend trocken sind.


    2. Das Ballonnieren wurde als Beschneidungsgrund angegeben. Mein Kinderarzt sagte mir, dass wäre ein völlig normaler und vorübergehender Befund, weil sich die Vorhaut teilweise gelöst hätte, die vordere
    Öffnung aber noch nicht entsprechend geweitet hätte. Der Kinderurologe riet zur sofortigen Beschneidung. Wer hat recht?


    Das Ballonieren der Vorhaut beim Urinlassen ist ebenso ein natürlicher Vorgang, solange eine gewisse Enge besteht, und allein kein Grund zur Beschneidung.


    3. Was halten die Autoren von der Triple Inzision, also der vorhauterhaltenden Vorhautplastik?


    Kann ich nicht sagen, weil ich nicht der Autor bin. Aus eigener (selbst habe ich etwa 1500 Circumcisionen durchgeführt) und fremder Erfahrung kann ich Ihnen von einer vorhauterhaltenden Operation nur abraten, da dabei ein etwa 30%iges Risiko einer durch Narbenbildung erneut nowtwendigen Operation besteht. Da weder kosmetisch (Frauen kennen den männlichen Penis hauptsächlich im erigierten Zustand ohne Vorhaut) noch von der Funktion her Nachteile bestehen, meine ich, dass Kinder nicht unnötig wiederkehrenden Operationen unterzogen werden sollten. Selbst habe ich einen meiner Söhne nach der "klassischen" Technik beschnitten.


    4. wie häufig kommen diese wiederkehrenden Harnwegsinfekte bei männlichen Säuglingen eigentlich vor? Ehrlich gesagt, war das bei keinem der Jungs, die ich gesehen hatte, der Fall. Aber mindestens 2 wurden beschnitten, um diese Infekte zu verhüten?

    Ein Zusammenhang zwischen Vorhautenge und Harnwegsinfekten ist nicht nachgewiesen und auch ncht nachzuvollziehen. Eichel und Vorhaut sind immer keimbesiedelt (das muss auch so sein), was aber nicht bedeutet, dass dadurch eine Harnwegsinfektion entsteht, da die Keime erst durch die relativ lange männliche Harnröhre in die Prostata oder Blase gelangen und erst dort eventuell Infekte verursachen. Eine Blasenentzündung ist bei Männern übrigens eine absolute Rarität, eher entzündet sich die Prostata. Nicht selten werden Keime von der Vorhaut/Eichel, die man im Urin findet, mit einer Harnwegsinfektion in Zusammenhang gebracht. Ohne Schmerzen beim Wasseerlassen und/oder Fieber gibt es keinen Grund, Bakterien im Urin zu behandeln.


    5.Die Autoren schreiben, dass die Beschneidung ein komplikationsarmer Eingriff ist. Bei meinen Google-Recherchen bin ich aber mehrfach darüber gestolpert, dass alleine in den USA um die 100 Kinder jedes Jahr daran sterben, und in den Nachrichten sah ich jetzt mehrfach Fälle, wo der Beschneider verklagt wurde, weil er das Kind schwerst verstümmelt hat. Das klingt in meinen Ohren nicht nach "komplikationsarm"?

    Es gibt - wie bei jeder Operation - mögliche Komplikationen; in Deutschland sind mir allerdings keine Todesfälle bekannt. Geringergradige Blutungen, manchmal auch Engen am Harnröhrenausgang können auftreten, sind aber beherrschbar. Die Todesfälle in den USA beruhen ganz überwiegend auf nicht ärztlich-fachgerecht durchgeführten Eingriffen, durch Infektionen wegen unsteriler Instrumente, fehlerhafte Narkosen etc.


    6.Laut den Autoren hätten Männer über verstärkte Orgasmen nach der Beschneidung berichtet. Gibt es Studien dazu? Während die andere Argumente alle sehr durchdacht und fundiert wirken, ist dieses so
    seltsam "out of place", anders als bei den anderen Argumenten wird hier mit "Hörensagen" argumentiert.


    Leider oder Gott sei Dank ändert sich das sexuelle Empfinden nach einer Beschneidung nicht - das ist in den Bereich der Legende einzuordnen. Die Eichel bleibt nach dem Eingriff ein paar Wochen empfindlicher und passt sich dann der "normalen" Sensibilität an.


    Verstehen sie mich nicht falsch, ich will die Kompetenz der Autoren nicht anzweifeln. Aber ich muss die Entscheidung treffen, ob ich meinen Sohn dieser Operation unterziehen soll. Und wenn man einen Körperteil entfernt, bekommt man ihn nicht zurück. Mein Kinderurologe meinte, es wäre nur ein Stückchen haut und er würde nichts vermissen. Mein Kinderarzt sagt das Gegenteil und ich weiß derzeit nicht, wem ich trauen soll.


    Kommentar: Wenn der liebe Gott(oder für Atheisten: die Natur) - und das meine ich durchaus ernst - die Vorhaut für überflüssig gehalten hätte, hätte er (oder sie) sie im Laufe der Evolution abgeschafft. Wenn Ihr Sohn meiner wäre, würde ich ihn nach dem, was sie geschildert haben, nicht beschneiden lassen. Im Alter von zwei Jahren ist eine Beschneidung extrem selten, und wenn, dann nur notwendig, wenn er unter immer wiederkehrenden eitrigen Entzündungen mit Schmerzen leidet. Sollte das nicht der Fall sein, würde ich ihn etwa 6 Monate vor der geplanten Einschulung noch einmal von einem Urologen Ihres Vertrauens ansehen lassen, um - falls dann notwendig - eine Beschneidung vor Einschulung planen zu können, um in der Phase der beginnenden Schulzeit eine "Diskriminierung" durch andere Schüler zu vermeiden - in dem Alter fängt die Seele der Jungs an, sich für ihre Genitalien zu schämen, ebenso unsinnig wie kompliziert, aber so sind nun einmal die Jungs.

    Eins ist sicher: die Vorhaut ist deutlich mehr als nur ein Stück Haut - und es muss (wie übrigens überall am menschlichen Körper) ein guter Grund vorliegen, irgendetwas am Menschen zu entfernen. Dies ist übrigens Ärzten in Deutschland auch gesetzlich vorgegeben bw. verboten.

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    Und bevor ihr euch aufregt, guckt bitte meine Antwort - auf die ich aller Wahrscheinlichkeit nach KEINE Antwort mehr erhalten werde ;)

    Grüezi,

    ich kann ja meinen Schnabel nicht halten. Konnt ich noch nie. ;)
    Und als ich über das Urologen-Portal gestolpert bin, hab ich mir fast ein Loch in den Bauch geärgert. Fehlinformation, Falschinformation und teilweise hoch veraltete Positionen. Aber wie sagte schon meine Großmutter? Ärger dich nicht im stillen, lass es raus.

    Habbsch gemacht. Ich hab mir eine falsche Flagge genäht und hab dann mal beim Urologen-Portal freundlich angeklopft:

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    Sehr geehrte/r Herr Mustermann,

    durch Zufall bin ich in ihrem Urologenportal über die Beschneidungsinformationen gestolpert und habe dazu einige Fragen, möglicherweise können sie die an die Autoren weiterleiten? Mein kleiner Sohn soll möglicherweise aufgrund einer Phimose beschnitten werden (er ist zwei) und bevor ich mich entscheide, möchte ich sicher sein, dass ich die beste Entscheidung in seinem Sinne treffe.

    1. die Autorinnen behaupten, dass 90% der Kinder im Alter von einem Jahr die Vorhaut komplett zurückziehen können. Wäre es möglich, hier einen Quellennachweis zu benennen? Ich bin bei meinen Recherchen auf die physiologische Phimose gestoßen, aber die Alterszahlen waren ganz andere, die ich da gefunden habe. Woher kommen die Altersangaben der Autoren?

    2. Das Ballonnieren wurde als Beschneidungsgrund angegeben. Mein Kinderarzt sagte mir, dass wäre ein völlig normaler und vorübergehender Befund, weil sich die Vorhaut teilweise gelöst hätte, die vordere Öffnung aber noch nicht entsprechend geweitet hätte. Der Kinderurologe riet zur sofortigen Beschneidung. Wer hat recht?

    3. Was halten die Autoren von der Triple Inzision, also der vorhauterhaltenden Vorhautplastik?

    4. wie häufig kommen diese wiederkehrenden Harnwegsinfekte bei männlichen Säuglingen eigentlich vor? Ehrlich gesagt, war das bei keinem der Jungs, die ich gesehen hatte, der Fall. Aber mindestens 2 wurden beschnitten, um diese Infekte zu verhüten?

    5. Die Autoren schreiben, dass die Beschneidung ein komplikationsarmer Eingriff ist.
    Bei meinen Google-Recherchen bin ich aber mehrfach darüber gestolpert, dass alleine in den USA um die 100 Kinder jedes Jahr daran sterben, und in den Nachrichten sah ich jetzt mehrfach Fälle, wo der Beschneider verklagt wurde, weil er das Kind schwerst verstümmelt hat. Das klingt in meinen Ohren nicht nach "komplikationsarm"?

    6. Laut den Autoren hätten Männer über verstärkte Orgasmen nach der Beschneidung berichtet. Gibt es Studien dazu? Während die andere Argumente alle sehr durchdacht und fundiert wirken, ist dieses so seltsam "out of place", anders als bei den anderen Argumenten wird hier mit "Hörensagen" argumentiert.

    Verstehen sie mich nicht falsch, ich will die Kompetenz der Autoren nicht anzweifeln. Aber ich muss die Entscheidung treffen, ob ich meinen Sohn dieser Operation unterziehen soll. Und wenn man einen Körperteil entfernt, bekommt man ihn nicht zurück. Mein Kinderurologe meinte, es wäre nur ein Stückchen haut und er würde nichts vermissen. Mein Kinderarzt sagt das Gegenteil und ich weiß derzeit nicht, wem ich trauen soll.

    Soweit ich es verstehe, soll die Entscheidung in informierter Zustimmung getroffen werden. Aber wenn die Informationen falsch sind, habe ich allenfalls noch das Recht, den Arzt zu verklagen. Meinem Sohn wurde dann womöglich jedoch bereits unwiderruflich Schaden zugefügt. Sie verstehen vielleicht, dass ich das vermeiden möchte.
    Über weitere Informationen wäre ich hier wirklich sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen

    ME
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    Womit ich nicht gerechnet habe: Das ich eine Antwort bekomme. Kommt im nächsten Schritt, sonst wirds unübersichtlich.

    Ich hab überlegt, ob ich da mitdiskutieren soll. Nur: Da sind eine Menge Kinder, die auch mitlesen. Und ich weiß genau, dass ich meine Wut nicht zurückhalten können werde, dafür bin ich aktuell auf den Kika und die "Expertenauswahl" zu pissig. Ich kenne meine Grenzen und ein Wutanfall in einem Kinderchat ist jetzt nicht wirklich wünschenswert. Vor allem dann nicht, wenn, was zu erwarten ist, dort Kinder schreiben werden und ängstlich wegen der Beschneidung sind, die ihnen noch bevorsteht und diese "Religionsgeleerte" ihnen gut zuredet, weil das ja alles nicht so schlimm ist.

    Ich glaube, spätestens dann würde ich hier explodieren.

    Gut gemacht, Tante Jay!

    Man könnte sagen: "right, right, you're bloody well right.."

    Das "Blut muss fließen!" ist Staub aus der Bronzezeit, gehört weggespült. Die Menschheit hat sich in 3.000 Jahren weiterentwickelt. Mehrheitlich und in den meisten Bereichen, zumindest.


    Danke für die Blumen.

    Ich diskutiere nicht gerne auf der religiösen Ebene - hier kann man nur verlieren. Denn gegen Glaube ist kein Kraut gewachsen. Vielversprechender und vor allem zielführender ist die strikte Linie: KEINE Religion NUR die medizinischen Implikationen.

    Aber in dem Fall wollte ich ne Ausnahme machen, das war echt zu krass.

    Bevor es keine klinischen Studien zu der Apparatur gibt, ist grundsätzlich erst mal Vorsicht geboten.
    Darüber hinaus frage ich mich für was es so eine Stretch-Apparatur bedarf.


    Ich überlege auch gerade. Es gibt Cortisonsalben, die ide Haut dünner machen und ohne irgendwelche Verletzungen dehnen. Hochpotente Steroidsalben. Das reicht doch normal - schneller gehts doch mit dem Ding auch nicht?

    Und die Probleme liegen für mich auf der Hand: Ein Fremdkörper an der Stelle, selbst aus Weichplastik, ist irgendwie nicht wünschenswert. Das hat irgendwie was von einer Plastibellabwandlung an sich...

    Najaaaaaaaaa, wenn jemand erstmal sauer ist, dann schreibt er. Du kannst beim Wortschrank davon ausgehen, dass er das Thema nicht intensiv auf dem Schirm hat sondern die Ankündigung gesehen hat und sauer war. Kurze Recherche, was dahintersteht, den Tierschutzparagraphen gefunden und Blogeintrag rausgekloppt.

    Ich musste auch erst lernen, was geschickte Argumentation ist. Manchmal auf die harte Tour ;)

    Hallo, ich nehme an du bist der Junge aus dem GoFeminin-Post?

    Zur Info für die anderen: Die Furien da sind über den armen Kerl hergefallen wie die Geier. Das übliche in der gesamten Bandbreite: "Schwächling", "komm drüber weg", "das Problem existiert nur in deinem Kopf, ich hatte nur beschnittene Männer und NIE hatte irgendeiner irgendein Problem, also krieg dich wieder ein". Ein paar weibliche Schwarzmänner waren wohl auch dabei.

    Also seids lieb. Der hat nen Streifen mitgemacht. ;)

    Zur Wiederherstellung: Kurzfristig Abhilfe schafft wohl auch eincremen mit Urea-Creme und dauerhaftes bedecken. Das Ding zur Vorhautwiederherstellung ist ja eher langfristig angelegt, aber damit hast du dann die Möglichkeit, etwas schneller wieder etwas Gefühl zu kriegen.

    HIV ist lange zerlegt.

    Mittlerweile gibts erste Stimmen, die sagen, dass gerade die HIV-Disposition beschnittener Männer *höher* ist.

    Und die HiV-Zahlen in den USA, Israel und den neuen "Beschneidungs-Zentren" in Afrika belegen das auch. Ganz ehrlich: Wenn Beschneidung vor HIV schützt, dann müssten die Zahlen in Europa doch explodieren und in den USA hübsch niedrig sein.

    Das Gegenteil ist der Fall. Und wenn ich das richtig im Kopf habe, explodieren die Zahlen seit 2005 in Israel dramatisch. Warum ausgerechnet 2005 weiß ich nicht, vielleicht kann Eran Sadeh was dazu sagen?

    Und die HIV-Raten in Afrika, wo zu "Schutzzwecken" beschnitten wird, kennen die Zahlen nur eine Richtung: Nach oben.

    Zu den Bildern auf EUROCIRC: Meine ich das nur oder ist das "Frenulum Breve" da eigentlich ein beschnittener Penis mit Hautbrücke?

    Depressionen sind auch mir nicht fremd. Und ich reagiere inzwischen äußerst empfindlich auf jeden, der mir sagt, dass ich mich "zusammenreißen" soll.

    Das was ich sehe, ist vor allem ein Trauervorgang, so bescheuert sich das anhören mag.

    Man muss die Traurigkeit zulassen, dass einem etwas genommen wurde ohne dass man großartig gefragt wurde. Das tut weh, ist aber auch Teil des Verarbeitungsprozesses. Mit der Zeit kommt Akzeptanz, aber erst, wenn man die Traurigkeit überwunden hat.

    Das braucht Zeit. Das ist eine seelische Wunde und die heilt nicht von jetzt auf gleich.

    Manchmal gehts ohne Therapeuten und manchmal nur mit. Das muss jeder selbst entscheiden, und vor allem muss man das Glück haben, einen passenden Therapeuten zu finden.

    Ich bin da durch (bei mir auf dem Grabstein wird irgendwann R.I.P stehen: Rest in pieces, ich bin durch fast alle OPs durch, die etwas entfernen, was nicht lebensnotwendig ist) und inzwischen weiß ich: Et is wie es ist.

    Und eine Hoffnung besteht bei dir vielleicht in der Vorhautrestoration. Das ist ein Ziel. Und eins, was die Lebensqualität vieler entscheidend verbessert hat.

    Ihr könnt die gesellschaftlichen Entwicklungen der FGM und MGM nicht simplifizieren. Es funktioniert einfach nicht, dass man eine Schüssel nimmt, da "sauerei" draufschreibt und dass dann der jeweiligen Gesellschaft überstülpt.

    Wenn man da langfristig das Bewußtsein ändern will, sollte man sich (und das meine ich völlig ernst) eine Scheibe bei den frühen Feministinnen abschneiden. Die haben es geschafft, dass die weibliche Beschneidung inzwischen zumindest mit Argusaugen betrachtet wird und jeder, der ein Mädchen dieser Operation noch unterzieht, als Barbar darsteht und nicht als der geehrte Traditionsbewahrer, als der er oder sie sich gerne sehen würde.

    Das müssen wir bei der MGM auch schaffen, das geht aber nur auf Augenhöhe.

    Von dem hohen Ross des "ich weiß, dass du ein Kindesmissbraucher bist" oder "du pädophiler du" kann man zwar hervorragend diskutieren, aber man übersieht dabei sehr schnell folgendes:

    - auch beschneidende Eltern lieben ihre Kinder. Sie glauben tatsächlich, sie tun etwas Gutes. Und dass muss man denen einfach mal klarmachen, dass das nicht so ist. Das geht nur langfristig, indem man sagt: "Wenn du dein Kind wirklich liebst, dann läßt du das Messer weg."

    - Mohelim sind nicht per se schlechte Menschen oder abstoßende. Das sind im Regelfall Männer, die tatsächlich glauben, sie tun das richtige. Die erreicht man nicht. Ende der Diskussion. Mit oder über einem Mohel zu diskutieren wird nur folgendes auslösen:

    => ein ungebildeter Mohel/Rabbi glaubt tatsächlich, das ist "nur ein kleiner Schnitt". Der wird nicht verstehen, warum wir uns so aufregen. Weil ihm das Hintergrundwissen fehlt. Das können WIR ihm auch nicht vermitteln. Denn WIR sind:
    => Antisemiten. Denn wer wegen dem fimpsigen Schnittchen so einen Aufriss macht, dem geht es doch mal wieder nur darum, den Juden ans Bein zu pissen. Kinderschutz? Wie jetzt? Wegen dem bisschen Rumgeheule des Säuglings? Gehts noch?

    => ein gebildeter Mohel/Rabbi weiß GANZ GENAU, was Sache ist. Der wird sich aber auf gar keinen Fall den Ast absägen, auf dem er sitzt und zugeben, dass die Bris oder die muslimische Beschneidung schlimm ist.

    Mit Mohelim oder Rabbis braucht man nicht diskutieren, das funktioniert nicht. Wenn die nicht von selbst sehen, dass das ein furchtbares Unrecht ist, dann bleibt nur:

    der Umweg über die jeweiligen Länderparlamente. Das, was die jüdische und die muslimische Gemeinde in Deutschland aus dem Eff-Eff beherrscht, ist bei den Beschneidungsgegnern noch nicht richtig angekommen. Die haben brilliant auf der emotionalen Klaviatur eine Sonate nach der nächsten gespielt mit dem Ziel, weiter Babies beschneiden zu dürfen. Während sich die Beschneidungsgegner noch nichtmal formiert hatten, haben die schon die Gesetzesvorlage formuliert die dann mit kleineren Änderungen ins BGB eingeflossen ist.

    Da muss hier noch echt nachgearbeitet werden und da muss noch viel Koordinationsarbeit geleistet werden.

    Und auch *über* Mohelim zu diskutieren bringt nichts. Mir ist jetzt schon mehrfach aufgefallen, dass dann in der Tat auch mal deutlich Antisemitische Äußerungen kamen.

    Nochmal:
    Juden und Muslime lieben ihre Kinder. Die glauben im allgemeinen, dass sie das Richtige tun, wenn sie beschneiden. Die wissen es nicht besser.

    Und im langen Rennen kann eine Diskussion über Religion nur schaden. Haltet doch bitte Religion mal komplett raus. Wenn überhaupt, dann höchstens soweit gehen, dass man sagt: "Aha, also dein Gott ist der Meinung, dass.... (auflistung aller Gegenargumente zur Beschneidung)".

    Aber eigentlich kann der Weg nur darüber gehen, dass man Lobbyarbeit im Parlament betreibt. Und dazu muss man die Lobby der anderen Seite leider erstmal rauskicken. :(

    /edit.
    Eigentlich war das gar nicht das, was ich sagen wollte - aber so is auch gut *g*