Ok. Nochmal ganz langsam: Mir ist vollkommen bewusst, dass es keine vollständigen verlässlichen Daten gibt. Beide Datensätze sind nicht "vollständig" weder die Daten des Artikels vom KJA noch die Studie von Aksoy et al.
Die Frage ist also, ob es - auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Zahlen unvollständig und fehlerhaft sind - der "Trend" nach oben oder nach unten ging. Denn auch unvollständige Daten können auf einen Trend hinweisen. Denn die Zahlen waren immer zu jedem Zeitpunkt unvollständig.
Zitat
Erfasst sind hier nur Beschneidungen,
die von Vertragsärzten abgerechnet wur-
den. Es fehlen also alle privatärztlichen
Zirkumzisionen, alle Beschneidungen in
Krankenhäusern....
Ja, die privatärztlichen Beschneidungen sind allerdings in beiden Zahlenreihen nicht enthalten - weder in der Studie von Aksoy et al. noch den Beschneidungszahlen aus dem Kinder- und Jugendarzt-Artikel.
Beide Zahlenreihen sind, wenn ich es richtig verstanden habe, Krankenkassen-Zahlen, d. h. die Zahlen von Beschneidungen, die auf Kosten der Gesetzlichen Krankenkassen durchgeführt wurden.
Bei den Beschneidungszahlen des KJA-Artikels fehlen auch die stationären Eingriffe. Sie sind allerdings vernachlässigbar.
Diese Zahlen der stationär durchgeführten Beschneidungen kann man für den Zeitraum 2005-2017 in dieser Studie von Sochaczewsky et al (2021) nachlesen.
Laut dieser Studie betrug die in diesem Zeitraum festgestellte Zahl aller Vorhaut-Eingriffe bei 0 bis 19 Jährigen etwa 10 000 (9418) pro Jahr und der der Zirkumzisionen etwa 5000 (4977). Tedenz fallend.
Zumindest laut der Beschreibung der Studienautoren waren die Daten für die stationären Vorhaut-Prozeduren in Krankenhäuser relativ verlässlich:
In brief, the national hospital statistic became mandatory in 2002 for every hospital that is reimbursed via the German system of diagnosis related groups, any licenced hospital with all its somatic departments, excluding only psychiatric departments, and can be obtained from 2005 onward [6]. Due to the mandatory nature, missing data for discharge information—principal diagnoses, procedures, age, sex, and length of stay—of hospitalised patients are almost non-existent [6]. Coding of these data follows standardised formats. Non-coded or incorrectly coded procedures lead to lack of reimbursement [6].
Laut der Studie von Aksoy et al. blieb der Anteil (nicht die absolute Zahl) der stationären Beschneidungen im Untersuchungszeitraum konstant bei 11%!
Zitat von Aksoy et al.
Von 2013 bis 2018 wurden in Deutschland insgesamt 673.819 Zirkumzisionen durchgeführt. Der Anteil ambulanter Eingriffe lag im Studienzeitraum konstant bei 89 %.
Man kann also bei den von Aksoy et al. ermittelteten Beschneidungszahlen jedes Jahr 11% abrechnen und erhält so die Zahl der ambulanten Beschneidungen.