Beiträge von Sokrates
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Medizinische FachliteraturAuch in der medizinischen Fachliteratur wird das Ballonieren der Vorhaut seit 1999 ausnahmslos als harmloses, physiologisches Phänomen beschrieben – zumindest in der englischsprachigen international relevanten Fachliteratur und die ist es, worauf es ankommt.
Rickwood 1999Der englische Kinderurologe A. Rickwood beschrieb in seinem im BJU erschienenen Artikel "Indications of Circumcisions" das Ballonieren der Vorhaut als harmlos.
Der Artikel "Indications of Circumcision" ist ein Standardartikel oder Referenzartikel zur Behandlung häufiger Vorhauterkrankungen, der auch sehr häufig zitiert wurde. Das BJU ist (zusammen mit dem "Journal of Urology" und "European Urology") die weltweit wohl angesehenste und einflussreichste medizinische Fachzeitschrift im Fachbereich Urologie.
During infancy, an unretractile foreskin is often associated with ‘ballooning’ of the prepuce during
micturition, a phenomenon typically first noticed by parents during the course of toilet-training,
although undoubtedly occurring long before then. It is self- limiting, resolving as the prepuce naturally becomes more retractable. In the absence of pathological phimosis, ballooning is not indicative of urinary obstruction, among affected individuals, measured flow-rates lie within the normal range and ultrasonography shows no hydronephrosis, no thickening of the bladder wall and no residual urine.Im Säuglingsalter ist eine nichtzurückziehbare Vorhaut häufig mit einer "Ballonierung" der Vorhaut während der Miktion vergesellschaftet, ein Phänomen das typischerweise von Eltern das erste Mal im Verlauf des Töpchens-Training bemerkt wirkt, obwohl es zweifellos schon lange Zeit zuvor aufgetreten ist. Es ist selbstbegrenzend, und löst sich von allein während die Vorhaut auf natürliche Weise zurückziehbarer wird. In Abwesenheit einer pathologischen Phimose ist die Ballonierung kein Anzeichen für eine Harnabflussbehinderung. Bei den betroffenen Personen, liegen die gemessenen Uroflow-Werte innerhalb des normalen Bereichs und eine Ultrasonographie zeigt keine Hydronephrose, keine Verdickung der Blasenwand und keinen Resturin.
Rickwood AMK. Medical indications for circumcision. BJU Int 1999: 83 Suppl 1, 45-51.
Clark et al. 2004
Die britischen Kinderchirurgen Claire Clark, James Huntley, Fraser Munro und Derrick Wilson-Storey vom Royal Hospital for Sick Children in Edinburgh beschreiben die Ballonierung der Vorhaut als „Variante des Normalen“:
'Ballooning' of the foreskin (urine collecting under the foreskin during micturition) is often attributed to a phimotic foreskin. If the patient does not have repeated episodes of infection, then ballooning is considered a variant of normal.
Die "Ballonierung" der Vorhaut (Das Ansammeln von Urin unter der Vorhaut während der Myktion) wird oft auf eine phimotischen Vorhaut zurückgeführt. Wenn der Patient keine wiederholten Episoden von Entzündungen aufweist, ist die Ballonierung der Vorhaut als eine Variante des Normalen zu betrachten.
Clark C, Huntley JS, Munro FD, Wilson-Storey D. Managing the paediatric foreskin. Practitioner 2004;248(1665):888, 891-2, 894 passim.
Malone und Steinbrecher 2007
Selbst im wohl bedeutendsten und einflussreichsten Medizinzeitschrift Europas, dem BJM, beschreiben die Kinderurologen Padraig Malone und Henrik Steinbrecher die Ballonierung der Vorhaut als physiologisch:
The absolute indications for male circumcision in childhood are rare and include phimosis secondary to balanitis xerotica obliterans and recurrent balanoposthitis, both of which affect about 2% of children. Preputial adhesions and pearls, ballooning on micturition, and a non-retractile foreskin are all physiological, and parents can be reassured without the need for specialist referral.
Die absoluten Indikationen für die männliche Zirkumzision sind selten und umfassen Phimose infolge von Balanitis xerotica obliterans und rezidivierende Balanoposthiditis [wiederkehrende Eichel- und Vorhautentzündungen], welche beide zusammen etwa 2% aller Kinder betreffen. Vorhautverklebungen und -perlen, Ballonieren bei der Myktion und eine nichtzurückziehbare Vorhaut sind allesamt physiologisch und Eltern können beruhigt werden, ohne dass eine Notwendigkeit für eine Überweisung an einen Spezialisten bestehen würde.
Malone P. Steinbrecher H. Medical aspects of male circumcision. BMJ 2007;335:1206-1290
Stellungnahmen von Ärzteverbänden
Pediatric Society of New Zealand (Neuseeländischer Kinderärzteverband)
Auch die Pediatric Society of New Zealand (Neuseeländischer Kinderärzteverband) erklärt in ihrem Leitpfaden zur Pflege der Vorhaut (Stand 2014) die Ballonierung der Vorhaut für normal.
Alles anzeigenWhy does my son's foreskin "balloon" when he wees?
This is another indication that the natural separation of the foreskin from the head of the penis is occurring, but the opening of the foreskin is still narrow.
Ballooning can be normal but if it is severe so the flow of wee (urine) is restricted you should seek advice from your GP (general practitioner). Encouraging boys to gently try and retract (pull back) the foreskin as part of daily hygiene can help. Sometimes a course of steroid cream is needed. Your GP can advise you about this.Warum balloniert die Vorhaut meines Sohnes, wenn er uriniert?
Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die natürliche Ablösung der Vorhaut von der Eichel gerade stattfindet, aber die Öffnung der Vorhaut immer noch eng ist.
Das Ballonieren der Vorhaut kann normal sein. Nur wenn der Harnabfluss behindert ist, sollten Sie Beratung durch Ihren Hausarzt aufsuchen. Ihren Sohn dazu zu ermutigen, als Teil der täglichen Hygiene vorsichtig zu versuchen, seine Vorhaut zurückzuziehen, kann bereits helfen. Manchmal ist eine Behandlung mit Steroidsalbe notwendig. Ihr Hausarzt sollte Ihnen darüber kompetente Auskunft geben können.Foreskin Care. Wellington: Paediatric Society of New Zealand, 2014.
American Academy of Pediatrics (Amerikanischer Kinderärzteverband)
Selbst die alles andere als vorhautfreundliche American Academy of Pediatrics stellt in ihrer "Richtlinie zur Pflege des Unbeschnittenen Penis" (2000) klar, dass die Ballonierung der Vorhaut harmlos ist.
Alles anzeigenWhat is foreskin retraction?
Foreskin retraction occurs when the foreskin can be pulled back away from the glans toward the abdomen. This process happens on its own. When it happens is different for every child. It may take a few days, weeks, months, or even years. [Or the foreskin may never become retractable.] This is normal. Most boys will be able to retract their foreskins by the time they are 18 years old. Some foreskins retract soon after birth. Separation can even occur before birth, but it is rare. As a boy becomes more aware of his body, he will most likely discover how to retract his own foreskin. Sometimes the foreskin will puff out, like a balloon, while a boy urinates. This is normal and is a sign that the foreskin and the glans have begun to separate from each other.
Was ist die Vorhautretraktion?
Die Retraktion der Vorhaut erfolgt, wenn die Vorhaut von der Eichel weg in Richtung des Unterbauchs gezogen werden kann. Dieser Prozess tritt von alleine auf. Wann er auftritt, ist bei jedem Kind unterschiedlich. Es kann wenige Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern. Die meisten Jungen werden ihre Vorhaut zurückziehen können, wenn sie 18. Jahre alt sind. Einige Vorhäute lassen sich schon früh nach der Geburt zurückziehen. Die Ablösung kann sogar vor der Geburt erfolgen, was aber selten vorkommt. Wenn ein Junge sich seines Körper mehr bewusst wird, wird er sehr wahrscheinlich entdecken, wie er seine Vorhaut zurückziehen kann. Manchmal bläht sich die Vorhaut auf, ähnlich wie ein Ballon, während ein Junge Wasser lässt. Das ist normal und ist ein Anzeichen dafür, dass die Vorhaut und die Eichel begonnen haben, sich von einander zu lösen.
Care of the Uncircumcised Penis. Elk Grove Village, IL: American Academy of Pediatrics, 2000.
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Weil es gerade Thema in einem anderen Thread ist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, das Phänomen der Vorhautballonierung genauer zu beleuchten. Was sagt die medizinische Forschung darüber? Was sagt die medizinische Fachliteratur?
Das Ballonieren der Vorhaut ist ein harmloses, physiologisches (=normales) Phänomen, das bei manchen Jungen im Rahmen der körperlichen Entwicklung auftritt. Das Ballonieren tritt dann auf, wenn sich die Verklebung zwischen Vorhaut und Eichel zu lösen beginnt, die Vorhautöffnung aber immer noch eng ist.
Dennoch behandeln augenscheinlich viele deutsche Ärzte das Ballonieren der Vorhaut als einen krankhaften Zustand, bringen das Ballonieren mit einer Behinderung der Blasenentleerung, einer Gefahr für Nierenschäden oder sonstigen Problemen in Zusammenhang, natürlich ohne irgendeine Form von handfestem Beleg für diese Verbindung vorzubringen. In der Tat beruhen diese Zusammenhänge zwischen Ballonierung der Vorhaut und Erkrankungen nicht auf medzinischer Wissenschaft sondern auf reiner Spekulation. Gegen diesen vermeintlich krankhaften Zustand empfehlen solche Ärzte dann selbstverständlich auch eine Behandlung, die dann nicht selten sogar eine Beschneidung ist.
Was sagt aber die medizinische Forschung nun tatsächlich über die Ballonierung wirklich aus? Was sagt die aktuelle medizinische Fachliteratur zu diesem Phänomen? Das soll im folgenden nun geklärt werden.
Die Studie
Im Jahr 2004 befasste sich eine aufwändige britische Studie von der Universität Cardiff in Wales mit der Ballonierung der Vorhaut, und untersuchte das Phänomen auf mögliche schädliche Auswirkungen auf die Blasenentleerung.
http://www.cirp.org/library/normal/babu1/
Die Autoren untersuchten dabei 32 Jungen im Alter von 3 bis 12 Jahren mit physiologischer Phimose, davon 18 Jungen mit Ballonieren und 14 Jungen ohne Ballonieren, mittels zahlreicher Mess- und Untersuchungsverfahren.
Das Ergebnis? – Es wurden keine Unterschiede zwischen den Jungen mit Ballonieren und den Jungen ohne Ballonieren festgestellt!
Die Studie fand heraus, dass die Jungen mit Ballonieren eine normale Blasenwanddicke, eine normale Harnstrahlkurve, eine normale Resturinmenge und einen normalen maximalen Urinfluss hatten. Es gab also überhaupt kein Anzeichen dafür, dass das Ballonieren der Vorhaut die Entleerung der Blase in irgendeiner Weise behinderte. Somit kann auch kein Schluss gezogen werden, dass es Blase oder Nieren schädigt.
Die Schlussfolgerungen dieser Studie lauteten wie folgt:
In conclusion, the noninvasive assessment of voiding efficiency in boys with physiological phimosis with or without ballooning of the foreskin, using uroflowmetry, PVR and assessment of bladder wall thickness, showed no evidence of obstructed voiding.
Zusammengefasst ergab die nicht-invasive Untersuchung der Effizienz der Blasenentleerung mittels Uroflowmetrie, Restharnmessung und Messung des Blasenwanddicke bei Jungen mit physiologischer Phimose mit oder ohne ballonierender Vorhaut keine Hinweise für eine Beeinträchtigung der Blasenentleerung.“
Die Autoren beschrieben ferner, dass die meisten britischen Kinderchirurgen und Kinderurologen das Ballonieren der Vorhaut als physiologisches Phänomen betrachten würden.
Most paediatric surgeons and urologists consider physiological phimosis and associated foreskin ballooning as self-limiting features of normal foreskin development [3,5], confirmed by follow-up studies with no intervention
Die meisten Kinderchirurgen und Kinderurologen betrachten die physiologische Phimose und das damit einhergehende Ballonieren der Vorhaut als selbst-begrenzende Merkmale einer normalen Vorhautentwicklung, was durch Verlaufsstudien ohne Interventionen bestätigt wurde.
In Deutschland scheint das – mehr als 10 Jahre nach Erscheinen dieser Studie – bedauerlicherweise immer noch ganz anders zu sein. -
Hallo Erika,
Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen.
Die Ballonierung der Vorhaut ist ein vollständig normaler, harmloser Vorgang, der bei manchen Jungen auftritt, wenn sich Vorhaut gerade zu lösen beginnt.
Solange der Jungen keine Beschwerden hat, besteht absolut kein Grund für irgendeine Behandlung.
Hier habe ich noch einen Artikel zum Thema gefunden.
Ballonieren der Vorhaut
Das Ballonieren der Vorhaut ist ein natürliches, physiologisches Phänomen, und erfordert keine Behandlung. Es ist ein Hinweis darauf, dass die normale Entwicklung der Vorhaut bereits eingesetzt hat, aber noch nicht abgeschlossen ist. Das Ballonieren verschwindet auf natürlichem Wege von selbst wieder, während die Vorhaut ihre Entwicklung fortsetzt und die Vorhautöffnung sich weitet.
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In der internationalen medizinischen Fachliteratur wird das Ballonieren der Vorhaut inzwischen einheitlich als harmloses, vorübergehendes Phänomen in einem bestimmten Entwicklungsstadium angesehen.[1][2][3][4][5][6][7]
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Ich habe auch noch ein paar Graphiken, die ich vor Jahren erstellt habe, und die für Facebook ect. geeignet sind. Kann ich die irgendwo hoch laden? Hat jemand Interesse?
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Ich bin, um ehrlich zu sein, überrascht, dass dir dein Arzt Ovestin-Salbe verschrieben hat.
Ovestin enthält als Wirkstoff Östriol - ein Östrogen.
Die Behandlung mittels Dehnung und Salben-Anwendung ist sehr gut erforscht. Es gibt über 30 Studien aus einer Vielzahl von Ländern, die die Wirksamkeit dieser Behandlung bestätigen. Allerdings mit Clucocorticoiden als Wirkstoff.
Es gibt auch einige Studien über die Phimose-Behandlung mittels Östrogen-haltiger Salben – eine davon aus Deutschland aus den frühen 1990ern. Ich habe in einer kurzen Pubmed-Suche drei Studien gefunden.
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/841334
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15188613
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10701883
Östrogene gehören wie die Glucocorticoide zu den Corticosteroiden. Sie sollten - mit Bezug auf die Haut - also ähnlich wirken wie die Clucocorticoide.
Ich will dich nicht verunsichern. Wenn die Behandlung bei dir bisher bereits zu großem Erfolg geführt hat, solltest Du sie auf alle Fälle weiterführen. Auch die wenigen Studien zur Östrogen-Therapie fanden eine ähnlich hohe Erfolgsquote bei den Östrogen-haltigen Salben wie bei den Clucocorticoid-haltigen Salben.
Dennoch muss man festhalten, dass dieser Wirkstoff ist deutlich weniger erforscht als die Clucocorticoide.
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Und ausgerechnet dieser Artikel ist hinter der Pay-Wall.
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Seltsam, das mache ich jetzt seit ca. einem halben Jahrhundert so. Morgens und Abends, mit Seife und Wasser. Manchmal mache ich mich auch "vorher" noch mal schnell "frisch".Meine Schutzbarriere heißt Vorhaut, die hat sich gut bewährt. Hals., Atemwege-, Magen-Darm- und Wundinfektionen hatte ich schon jede Menge,das bleibt nicht aus. Wenn in der Hinsicht alles so problemlos wäre wie mein Penis!
(Man muss die Seife natürlich restlos abspülen, das versteht sich doch von selbst)Entschudigung. Aber in dieser Hinsicht hat sie doch recht.
Übertriebenes Waschen und übertriebene Verwendung von Seife ist schädigend für (normale) Haut. Es ist erst recht schädigend für Schleimhäute. -
Zitat von Götz
Es kann doch wohl nicht sein, dass die Kinderärzte strikt gegen B. bei Kindern sind und die Urologen locker das Messer wetzen. Haben die Verbandshäuptlinge schon mal miteinander gesprochen?
Nun es ist kein Positionspapier oder eine Stellungnahme zum Thema Beschneidung. Es ist nur ein Informationsformular für aufnahmewillige Ärzte. -
Zitat von Koala
Ich bin immer noch der Meinung, dass es ein (deutsches) Recht auf ärztliche Beratung und Begleitung gibt. Auch in diesen Fällen. Hab erstmal die urologische Gesellschaft von Brandenburg und Berlin angeschrieben. Neben einzelnen Ärzten in Potsdam. Wenigstens will ich es versuchen. Vielleicht merke ich bald, dass ich da auf einem Irrweg bin.
Ja, dieser Meinung bin ich auch. Es ist auch so. Siehe die oben verlinkten Text. Aber wie so oft im Leben gilt: Wo kein Kläger, da auch kein Richter. Und wenn sich niemand gegen diese Praktiken wehrt, niemand das geltende Recht geltend macht, dann wird sich auch niemand, kein Arzt und kein Urologe darum kümmern, sofern er es nicht selbst unbedingt will.
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Hat dein Urologe dich auch über Behandlungsalternativen zur Beschneidung informiert? Sehr wahrscheinlich nicht. Das ist aber eine juristisch entscheidende Frage:
Alles anzeigenGrundsätzlich muss Der Arzt dem Patienten nicht ungefragt erläutern, welche Behandlungsmethoden theoretisch in Betracht kommen und was für oder gegen die eine oder die andere dieser Methoden spricht. Vielmehr ist die Wahl der Behandlungsmethode Sache des Arztes. Er kann die Methode wählen, die er für die geeignetste hält und in welcher er am besten geübt ist solange er eine Methode anwendet, die dem medizinischen Standard entspricht. Es gilt der Grundsatz der Therapiefreiheit. Notwendige Weiterentwicklung ärztlicher Therapien wird allein durch die Vielseitigkeit und Autonomie in der Methodenauswahl gewährleistet.
....
ABER:
Von diesem Ausgangspunkt abweichend ist eine Aufklärung über eine Behandlungsalternative aber dann erforderlich, wenn es
1. mehrere gleichermaßen medizinische indizierte, sinnvolle Therapien gibt und
2. sich die beiden Behandlungsmöglichkeiten den möglichen Risiken und
Komplikationen und/oder in ihrer Belastung für den Patienten wesentlich
unterscheiden.Das ist bei dir der Fall gewesen. In deinem Fall hätte es – mehrere – konservative Behandlungen gegeben, durch die eine Operation hätte vermieden werden können oder erst nach deren erfolgloser Vorschaltung
indiziert ist.Zitat von KoalaKann mir jemand helfen, einen Einstieg in die praktische Umsetzung zu machen? Die Links bei den FAQs führen zu lauter englischsprachigen Angeboten, mit denen ich wenig anfangen kann. Ich habe so schon Schwierigkeiten mit all den kleingedruckten Produktinformationen, und dann noch auf Englisch. Gibt es keinen deutschen Führer durch den Dschungel oder ist das das Eintrittsgeld in den Club?
Vielleicht hilft dir in dieser Angelenheit diese Seite fürs erste weiter: -
Die DGU hat einen Arbeitskreis Kinderurologie. Die DGU hat ein PDF über das Aufnahmeverfahren in den AK Kinderurologie auf ihrer Webseite veröffentlicht.
Darin wird unter anderem ein "strukturierter Op-Katalog" verlangt, über die bereits durchgeführten Eingriffe.
Zitat von DGU4. Strukturierter OP-Katalog:
Insgesamt mindestens 250 kinderurologische Eingriffe / plastisch rekonstruktive Operationen (ohne Zirkumzisionen), aufgeführt nach ...
Und die Unterstreichung habe ich nicht extra hinzugefügt!Das zeigt schon, welche enorme Bedeutung die Beschneidung für die urologische Praxis doch hat - und auch mit welcher krankhaft hohen Häufigkeit sie vornommen wird. Andernfalls müsste im Aufnahmekatalog nicht extra ein Hinweis sein, dass Zirkumzisionen nicht zu der erforderlichen Mindestzahl von 250 Eingriffen gezählt werden sollen.
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Zitat von NoCut
Die "öffentliche Meinung" sieht bezüglich dem § 1631d BGB mehrheitlich keinen Handlungsbedarf.
Die öffentliche Meinung sieht deshalb keinen Handlungsbedarf, weil jene Kräfte, die für die Formung der öffentlichen Meinung zuständig sind, nämlich die Massenmedien nicht bzw. so wie nicht über dieses Thema berichten.
Und weil "wir" es in über 5 Jahren nach 2012 (andere sind noch länger dabei) nicht geschafft haben, das Thema dauerhaft in den Massenmedien zu bringen oder auf anderem Wegen ein breites öffentliches Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen.Und durch Herumklagen in irgendwelchen Foren, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern.
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Zitat von Z...
Aufliegen tut er nicht - er ist direkt darüber. Von der Seite sieht es so aus:
Wenn nichts aufliegt, kann auch nichts zusammenwachsen. Da ist das Risiko für eine Hautbrücke schon mal nicht gegeben.
Zitat von Z...Ist für mich auch nicht das erste mal, dass ein Arzt sich keine Mühe mit seinen Patienten gibt. Diesmal hab ichs wohl zu sehr auf die leichte Schulter genommen
Im deutschen Gesundheitsystem liegt vieles im Argen - nicht nur was das Thema Beschneidung betrifft. Das kann und wird auch nicht lange gut gehen. Das sagts du mir nichts neues. Die Kosten steigen kontinuierlich, während die Qualität immer mehr abnimmt. -
Zitat von Z0q010s
Soewtas habe ich mir schon gedacht ...
Ist für mich auch nicht das erste mal, dass ein Arzt sich keine Mühe mit seinen Patienten gibt. Diesmal hab ichs wohl zu sehr auf die leichte Schulter genommenJa, aber in diesem Fall trifft DICH wirklich keine Schuld. Auch wenn du das ganze auf die leichte Schulter genommen hast und selbst einer Beschneidung nicht allzu negativ gegenüberstandest, hätte dich der Arzt besser aufklären müssen.
Und dass da "nur" eine Beschneidung helfen würde ist auch vollkommener Quatsch. Das kann man vorher (vor einem konservativen Behandlungsversuch) eigentlich gar nicht wissen.
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Zitat von Z0q010s
"Die Bilder sehen beängstigend aus :O Da ist bei der Heilung aber einiges schiefgelaufen :(( So wie es auf den Bildern zu sehen ist, kann ich mir das bei mir aber nicht vorstellen. Wenn die Schafthaut nun weiter wächst müssten diese Hautzellen direkt auf die bestehenden Hautzellen der Eichel stoßen. Ich sehe eher die Gefahr, dass die Kante nachher nicht gerade ist sondern eine Stufe drin hat"
Entschuldgung. Ich wollte nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Solche Hautbrücken sind in der Regel eine Komplikation bei der Neugeborenenbeschneidung, wie sie in den USA üblich ist.Nur auf Grundlage deiner Beschreibungen und deiner Illustration ist bei mir zumindest der Verdacht aufgekommen, dass es zumindest ein - geringes - Risiko für solch eine Komplikation geben könnte.
Dazu müsste der Hautlappen aber auf wunder, verletzer Haut aufliegen, dass er zusammenwachsen könnte. Ich bin mir nicht sicher, ob das bei dir der Fall ist.
Zitat von Z0q010Wie das dann nach zwei Wochen nicht besser wurde bin ich zum Hausarzt und zum Urologen. Der Urologe empfahl mir direkt die Beschneidung; die Phimose sei zu stark (über Alternativen hat er nicht gesprochen).
Das ist ganz einfach eine Sauerei!!! Dazu wäre der Arzt aus medizinethischer Sicht und auch aus rechtlicher Sicht eigentlich verplichtet gewesen.
Alles anzeigenGrundsätzlich muss Der Arzt dem Patienten nicht ungefragt erläutern, welche Behandlungsmethoden theoretisch in Betracht kommen und was für oder gegen die eine oder die andere dieser Methoden spricht. Vielmehr ist die Wahl der Behandlungsmethode Sache des Arztes. Er kann die Methode wählen, die er für die geeignetste hält und in welcher er am besten geübt ist solange er eine Methode anwendet, die dem medizinischen Standard entspricht. Es gilt der Grundsatz der Therapiefreiheit. Notwendige Weiterentwicklung ärztlicher Therapien wird allein durch die Vielseitigkeit und Autonomie in der Methodenauswahl gewährleistet.
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ABER:
Von diesem Ausgangspunkt abweichend ist eine Aufklärung über eine Behandlungsalternative aber dann erforderlich, wenn es
1. mehrere gleichermaßen medizinische indizierte, sinnvolle Therapien gibt und
2. sich die beiden Behandlungsmöglichkeiten den möglichen Risiken und Komplikationen und/oder in ihrer Belastung für den Patienten wesentlich unterscheiden.ZitatDer BGH hierzu wörtlich: „Dem liegt das Gebot zugrunde, dass der Patient aufgeklärt werden muss, wenn es mehrere medizinisch indizierte und übliche Behandlungsmethoden gibt, die unterschiedliche Risiken oder Erfolgschancen haben. Dies muss auch dann gelten, wenn eine Operation durch eine konservative Behandlung vermieden werden kann oder erst nach deren erfolgloser Vorschaltung indiziert ist. Auch in einem solchen Fall besteht nämlich eine echte Wahlmöglichkeit für den Patienten, so dass dieser nach der ständigen Rechtsprechung des Senats zur Wahrung seines Selbstbestimmungsrechts durch die gebotene vollständige ärztliche Belehrung in die Lage versetzt werden muss, eigenständig zu entscheiden, auf welchem Weg die Behandlung erfolgen soll und in welchem Zeitpunkt er sich auf dieses Risiko einlassen will.“
Das ist bei dir der Fall gewesen. In deinem Fall hätte es – mehrere – konservative Behandlungen gegeben, durch die eine Operation hätte vermieden werden können oder erst nach deren erfolgloser Vorschaltung indiziert ist.Das ist für dich insofern wichtig, wenn die "Komplikation" tatsächlich bleibende Schäden verursachen würde, und Du dich dazu entscheiden würdest, den Arzt gerichtlich dafür zur Verantworzung zu ziehen.
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Hallo,
Zunächst mal tut es mir leid für dich, da jetzt bereits "vollendete Tatsachen" geschaffen wurden und wir uns nur noch i Schadensbegrenzungen bemühen können.
Du solltest dir sicherheitshalber noch eine ärztliche Zweitmeinung einholen. So wie du das geschildert hast und basierend auf deiner Skizze, besteht nach meiner Meinung zumindest die Gefahr, dass sich eine Hautbrücke (engl. "skin bridge") bilden kann.
Hier ein paar Beisipielbilder:
Du hast uns immer noch nicht verraten, warum du dich hast beschneiden lassen? War das ein medizinisches Problem?
Hat dich dein Artzt über mögliche konservative Behandlungsmöglichkeiten bzw. operative vorhauterhaltende Behandlungsoptionen aufgeklärt. Das würde uns, denke ich, doch sehr, interessieren.Zitat von Z0q010sIch war der Beschneidung gegenüber aber positiv eingestellt, weil viele der Beschnittenen Männer, die ich kennengelernt habe (ich bin schwul - daher diese "Erfahrungswerte") - keine größeren Probleme damit haben.
Ja, aber "keine größere Probleme" ist etwas völlig anderes als "positiv". Um mal ein sehr krasses Beispiel anzuführen: Es gibt ja auch Gehörlose oder Querschnittsgelehmte die ohne "größeren Probleme" leben können und ihr Leben trotz allen Beinträchtigungen meistern. Deshalb ist der Verlust des Hörsinns oder der Fähigkeit, den Unterköper zu spüren und zu bewegen, noch lange nichts positives. Aber das hilft dir wahrscheinlich auch nicht weiter. -
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Zumindest tut sich etwas in der Schweiz. Zumindest suggeriert der Artikel das. Und was tut sich in Deutschland? - NICHTS?
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Diese Studie zeigt leider auch auf, welche katastrophalen Zustände in der deutschen medizinischen Praxis nach wie vor bestehen und wie wenig wir erreicht haben.
Was diese Studie nämlich aufzeigt, ist nichts anderes als ein medizinischer Skandal.
Diese Studie zeigt nämlich, dass rund 86% der Beschneidungen in dieser Studie an völlig gesunden Kindern durchgeführt wurden - einfach aufgrund einer nicht-zurückziehbaren Vorhaut, was in der Altersgruppe dieser Jungen der absolute Normalfall darstellt.
Wenn die Ergebnisse dieser Studie auf die gesamte deutsche medizinische Praxis überträgt, und es gibt leider nur wenig Hoffnung, die dagegen spricht, bedeutet das, dass die übergroße Mehrheit der "medizinisch indizierten" Beschneidungen an völlig gesunden Kindern durchgeführt werden. Dass die allermeisten Beschneidungen nicht einfach nur "vermeidbar" sind durch konservative Behandlungsmethoden, sondern an Kindern durchgeführt werden, die überhaupt keine Behandlung brauchen.
Die Ergebnisse dieser Studie decken sich auch mit den immens hohen medizinischen Beschneidungsraten in Deutschland.
Es muss jedoch klar gestellt werden, dass die Autoren der Studie keine Schuld für diesen Zustand trifft. Sie sind nur der "Überbringer" der schlechten Nachricht.