Beiträge von Sokrates

    Zitat von BlueZoo

    Ich habe dermaßen Angst vor dieser Beschneidung wie andere vor einer Krebsdiagnose..ich habe im Dezember die Diagnose Diabetes 2 erhalten, etwas wo wohl jeder komplett geschockt gewesen wäre mit Zuckerwerten von 400....ich habe mich nur kurz geärgert, meine Ernährung umgestellt und der Zucker ist jetzt normal und ich habe 20 Kilo abgenommen...jeder andere würde sicher ne beschneidung einer Zuckerkrankheit vorziehen, aber da wusste ich eben ich kann was tun hier kann ich gar nichts machen...diese Hilflosigkeit ist schlimm..


    Beruhige dich erst mal: Es gibt keinen Grund für dich, dass du diese Beschneidung überhaupt über dich ergehen lässt. Überhaupt keinen. Und lass dich da auch nicht von den Ärzten unter Druck setzen. Das ist dein Körper.

    Lass das ganze erst Mal ausheilen. Und dann kannst Du dir in aller Ruhe überlegen, was die Ursachen für die wiederkehrenden Entzündungen sind. Hast du irgendwelche ungewöhnlichen Waschgewohnheiten? Nimmst Du irgenwelche Seifen oder Reinigungsmittel, die Du möglicherweise nicht verträgst. Treibst Du dich an Orten herum, an denen, aus welchen Gründen auch immer, erhöhte Infektionsgefahr mit Pilzsporen besteht?

    Nürnberg, immer wieder Nürnberg. Zuerst der Säugling, der durch eine Beschneidung lebensgefährlich verletzt wurde, dann dass unmoralische Angebot der Nürnberger Kliniken, gleich auch Beschneidungen ohne jedwede noch so scheinbare medizinische Begründung vorzunehmen.

    Der folgende Artikel ist schon etwas älter, er stammt aus dem Jahr 2012. Ich bin durch Zufall auf ihn gestolpert, als ich das Forum durchforste habe. Der ist mir damals aber komplett engangen. Ich denke, der Artikel verdient besondere Aufmerksamkeit, denn er hat es wirklich in sich:

    http://www.nordbayern.de/politik/wann-i…assig-1.2198662


    Es geht um einen Nürnberger Kinderchirurg, Christian Deindl, der in privater Praxis tätig ist, und damals Ärger mit dem Kassenärztlichen Vereinigung bekam, weil er religiös motivierte Beschneidungen auf Krankenkassenkosten abrechnete.

    Tatsächlich hat sich dieser Artz nach Angaben des Artikels "schon vor Jahren auf Beschneidungen spezialisiert, zu einer Zeit, als noch keine Krankenkasse und auch kein Gericht die Rechtmäßigkeit der Eingriffe angezweifelt hat." Nach Angaben des Berichts unterzog Dreidl 500 Jungen jährlich diesem schmerzhaften und entwürdigenden Eingriff.

    Das allein ist schon ein starkes Stück.

    Aber nicht nur das: Dieser "Arzt" besitzt doch tatsächlich die Unverfrohrenheit zu fordern, dass die religiös motivierte Beschneidung von Jungen auf Kosten der Krankenkassen abgerechnet werden solle:


    Zitat von Nordbayern

    Mehr Akzeptanz fordert auch Deindl. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre für ihn die Übernahme der Kosten aus psychosozialer Indikation. Eine Familie, die ihren Sohn nicht beschneiden lässt, werde in der muslimischen Gesellschaft geächtet: „Das erzeugt Stress und macht krank.“ Deshalb sollte es für Ärzte die Möglichkeit geben, eine Beschneidung auch aus religiös-rituellen Gründen abzurechnen. „Wir dürfen unsere christlich-abendländische Kultur niemandem aufzwingen“ empört er sich.


    Der Artikel verdeutlicht auch, wie mittels der "Diagnose Phimose" ganz einfach Zirkumsionen indiziert werden können. Denn Dr. Deindl verteidigte seine Praxis doch tatsächlich damit, dass alle seine Beschneidungen medizinisch begründet wären:

    Zitat von Nordbayern

    "Bei Deindl hingegen sind es hauptsächlich Jungen im Vorschulalter, die seiner Meinung nach an Vorhautverengung leiden. Der Facharzt für Kinderchirurgie und Chirurgie beteuert die Ordnungsmäßigkeit seiner Eingriffe – und seiner Abrechnungen. Es lägen immer medizinische Gründe vor. Außerdem rate er zuerst stets zu einer konservativen, also die Vorhaut bewahrenden Behandlung: „Aber was soll man machen, wenn eine Salbe nichts bringt oder sich die Kinder dagegen wehren?“, fragt er rhetorisch. Dann bleibe bei Erkrankungen wie einer Vorhautverengung nichts anderes übrig als eine Beschneidung, die er daraufhin in seinem hochmodernen ambulanten OP-Zentrum vornimmt."


    Diese Beteuerungen werden nicht nur durch die Tatsache widerlegt, dass Dreindl seine minderjährigen Opfer maßgeblich aus dem muslimischen Kulturkreis zu beziehen scheint, und dass er selbst damit prahlt, dass Familien aus ganz Bayern seine Praxis aufsuchen (Die werden gewiss nicht für konservative Therapie die weite Anreise auf sich nehmen), sondern sie sind auch medizinisch völliger Unsinn:

    Fast alle Jungen im Vorschulalter haben eine (physiologische) Phimose. Die Vorhaut in diesem Alter typischerweise noch vollständig oder teilweise mit der Eichel verklebt und nicht oder zum Teil zurückziehbar.
    Natürlich haben auch muslimische Jungen eine physiologische Phimose. Dr. Deindl nutzt diesen natürlichen Entwicklungszustand der physiologischen Phimose aus, um Indikationen für Beschneidungen zu stellen.


    Der Artikel stellt vergleicht auch die medizinische Praxis des Kinderchirurgen mit jener der Nürnberger Kliniken:

    Zitat von Nordbayern

    Im Vergleich dazu fällt die Zahl der Zirkumzisionen – wie Beschneidungen in der Fachsprache heißen – am Nürnberger Klinikum tatsächlich gering aus: Dort wurden im vergangenen Jahr 62 Beschneidungen durchgeführt. Dabei seien Patienten, die eine Beschneidung aus religiösen Gründen wünschten, die Ausnahme, erläutert Reimund Walther, der Leitende Oberarzt der Urologischen Klinik. Die größte Gruppe sind über 50-Jährige mit einer erworbenen, narbigen Phimose. An zweiter Stelle stehen Patienten im jugendlichen oder frühen Erwachsenenalter, die an einer angeborenen Phimose leiden.


    Der Nordbayern-Redakteur vergaß hierbei allerdings zu erwähnen, dass es nebem der Klinik für Urologie noch eine weitere Abteilung gibt, die Beschneidungen durchführt. Nämlich die Klinik für Kinderurologie, die zugleich die Klinik für Kinderchirurgie ist – jene Klinik, die das ""Super-Sonderangebot" für medizinisch-völlig grundlose Beschneidungen hat.

    Sehr wahrscheinlich führt die Klinik für Urologie der Nürnberger Kliniken überhaupt keine Beschneidungen an Kindern durch, dafür ist nach der klinikinternen Arbeitsteilung ja die Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie zuständig. Im Klinikverzeichnis der Webseite der Nürnberger Kliniken findet sich die Klinik für Urologie nur unter "Urologie für Erwachsene".

    Tatsächlich steht die Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie der Nürnberger Kliniken mit der Praxis des Christian Deindls, sofern er sein moralisch abstoßendes Werk noch verrichten sollte, in einem Konkurenzverhältnis.

    @Guy,

    Es ging mir hier aber nicht um pseudo-"prophylaktisch" motivierte Neugeborenenbeschneidungen sondern allein um medizinisch-begründete Beschneidungen wegen echter bzw. vermeintlicher Vorhauterkrankungen ect.

    Die Experimente mit Neugeborenenbeschneidungen an dem Ostberliner Volkspolizeikrankenhaus sind mir wohl bekannt, ähnliche "Expiremente" gab es auch in Westdeutschland.

    Zitat von Thommyx

    Ich bin 37 und komme aus Sachsen, d.h. die Vorhaut-Geschichte war bereits zu DDR-Zeiten bzw. in der Wendezeit.

    Danke für diese Information.

    Ich habe auch gehört, dass in der ehemaligen DDR, Zirkumzisionen aus medizinischer Indikation weniger häufiger durchgeführt wurden als in der "Alt-Bundesrepublik". Dafür gibt es aber keine belastbaren Beweise in Form von Studien und Statistiken. Jedenfalls sind mir dafür keine bekannt. Deshalb sind wir in dieser Hinsicht auf persönliche Erfahrungen angewiesen.

    Genau aus diesem Grunde habe ich dich auch nach dem Alter und dem Ort gefragt, an dem Du aufgewachsen bist.

    Ein Erfahrungsbericht von Anfang 2015::::

    Hallo BlueZoo,

    Zu deinem Problem:

    Balantiden können verschiedene Ursachen haben - Sie müssen nicht mit der Vorhaut zusammenhängen. Ich kann mir in deinem Fall beim besten Willen nicht vorstellen, wie ausgerechnet die Vorhaut der Übeltäter sein soll. Du sagst, dass du eine relative Phimose hast, dass du deine Vorhaut also im Normalzustand zurückschieben kannst, und es folgerichtig auch keine Schwierigkeiten beim Waschen/bei der körperlichen Hygiene gibt, die eventuell Entzündungen begünstigen könnten.

    "Einfach mal die Vorhaut abschneiden", ohne die Ursache des Problems zu kennen, ist ein "Schuss ins Blaue" und hat mit professioneller medizinischer Behandlung auch nichts mehr zu tun. Am Ende hast du keine Vorhaut mehr und die Balantiden kommen trotzdem regelmäßig, weil die Ursache nicht beseitigt wurde.

    Zitat von BlueZoo

    was ich nicht verstehe ist einfach, das es bei den Ärzten keine Grauzone gibt...geht die Entzündung weg ist es gut, geht sie nicht weg muss alles ab...da ist überhaupt keine Alternative vorhanden, wenn man sich von denen beraten lässt..

    Ja, das verstehen wir hier auch nicht. Mir persönlich fehlt dafür mittlerweile jedes Verständnis. Wie ich bereits ausgeführt habe, hat es auch nichts mehr mit "normaler", medizinischer Praxis auf den Standards der Medizin des 21. Jahrhunderts zu tun, einfach mal als erstbestes Mittel die Vorhaut zu entfernen, in der abstrusen Hoffnung, dadurch würde das Problem würde auf wundersame Weise dann einfach verschwinden.

    Der folgende Artikel (Es ist ein Webblog eines Kinderarztes) dreht sich wie der Titel schon verrät, um Hodenfehlstellungen - also nicht direkt um unser Thema. Allerdings geht der Artikel auch auf das Thema Genitaluntersuchungen im Rahmen der U-Untersuchung ein.

    http://news.doccheck.com/de/blog/post/6…ign=DC%2BSearch


    Dazu heißt es:

    Zitat von ....

    "Wir wiederholen diese Prozedur bei allen "kleinen" Vorsorgen, also bis zur U7, danach ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein zuvor tastbarer Hoden plötzlich nicht mehr zu finden ist. Dennoch schaut man ebenso bei den "grossen" Vorsorgen, also mit drei, vier und fünf Jahren, routinemäßig nach den Nüsschen. Das ist ein Blick, schließlich geht es auch um die Entwicklung des Genitales, der Vorhaut und der Beurteilung eines möglichen Leistenbruches oder ähnlichem."

    Also für mich hört sich das so an, als würde dieser Arzt bei den Vorsorgeuntersuchungen die Vorhaut unsinnigerweise auf eine Zurückziehbarkeit kontrollieren und, falls diese ab einem gewissen Alter nicht vorhanden ist, eine Krankheit feststellen.


    Ich möchte daher alle Forenteilnehmer und Leser bitten, den Artikel entsprechend reichlich zu kommentieren - nur um auf Nummer Sicher zu gehen. Die Kommentierung ist einfach. Es ist keine Vorabmeldung notwendig, es kann einfach drauf los geschrieben werden.

    Interessant ist der Foren-Beitrag von 2013 über den Chefarzt der Klinik.
    Beschneidung im Klassenzimmer

    Der Beitrag handelte über eine im Dezember 2012 anlässlich des Kölner Beschneidungsurteils veranstaltere Diskussionsrunde an einer Nürnberger Schule, an dem auch Dr. Bodenschatz teilnahm:

    http://www.nordbayern.de/ressorts/szene…immer-1.2563604

    Ein heute nicht mehr aktives Forenmitglied fasste den Bericht folgendermaßen zusammen:


    Zitat von AnMeS


    Interessant auch mal einen Bericht zu lesen, welcher nicht ständig die VA mit den tausenden Jahren der Tradition, Hygiene und Religionsfreiheit (dieses Argument verstehe ich absolut nicht, da die RF ja Personen nicht dazu berechtigt ihre religiösen Riten an anderen Personen durchzuführen) versucht zu rechtfertigen. Der Arzt hat alle Gründe und Nachteile der VA beschrieben, sogar die sexuellen Folgen. Danke für den Link, da der Bericht zeigt, dass sich in diesem Thema immer noch etwas tun.


    Ich habe mir den Bericht über die Diskussion nicht selbst durchgelesen.
    Kann dies jemand bestätigen???

    Interessant auch mal einen Bericht zu lesen, welcher nicht ständig die VA mit den tausenden Jahren der Tradition, Hygiene und Religionsfreiheit (dieses Argument verstehe ich absolut nicht, da die RF ja Personen nicht dazu berechtigt ihre religiösen Riten an anderen Personen durchzuführen) versucht zu rechtfertigen. Der Arzt hat alle Gründe und Nachteile der VA beschrieben, sogar die sexuellen Folgen. Danke für den Link, da der Bericht zeigt, dass sich in diesem Thema immer noch etwas tut. :thumbup:

    Ich habe mir den Zeitungsbericht jetzt nicht angetan.

    Aber die Klinik, wo besagter Herr Bodenschatz Chefarzt ist, bietet allem Anschein nach auch Beschneidungen ohne jede medizinische Indikationen an und wirbt damit auf der Webseite der Klinik:


    Klinikum Nürnberg: Kinderverstümmelung - im Doppelpack halber

    Zitat von NoCut

    Frau Katarina Barley könnte ein Glücksfall für die Kinderrechte werden (nicht nur Thema Zwangsbeschneidung). Sie ist Juristin und war auch als Rechtsanwältin für Medizinrecht tätig. Ihr Vater ist Brite und ihre Mutter eine deutsche Ärztin, was sie hinsichtlich einer "historischen Befangenheit" unabhängiger machen könnte.

    Inwiefern ist Frau Barley ein Glücksfall für die Kinderrechte?!

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich Frau Barleys politische Standpunkte nicht wirklich kenne.

    Hallo "25-M",


    Zitat von 25-M

    Meint ihr es hätte etwas gebracht, wenn ich als Kind gedehnt hätte oder
    ist es ab einem gewissen Grad sinnlos? Gibt es heute eigentlich schon
    bessere Möglichkeiten als die ganze Vorhaut zu entfernen zu lassen?

    Könntest Du uns mitteilen, wann der Eingriff genau stattfand (welches Jahr) und wie alt Du damals warst. Das ist für die Beantwortung deiner Frage wichtig.


    Grundsätzlich kann man deine Frage mit Ja beantworten.


    Vorhauterhaltende Behandlungsalternativen (Vorhautplastiken) existieren seit langem. Der britische Artzt Welsh beschrieb eine Vorhautplastik bereits im Jahr 1936. Aber diese Technik wurden in der medizinischen Praxis nie wirklich angewandt. Im "großen Stil", d. h. von großen Krankenhäusern durchgeführt werden Vorhautplastiken erst ab circa den 1990ern – zumindest im Ausland.

    Welsh Vorhautplastik wird heute in einer abgewandelten Form unter dem Namen "Triple Inzision" in großen Kliniken weltweit praktiziert. Allerdings dauerte es über 50 Jahre und sie musste erst 1992 vom schwedischen Arzt Wahlin modifiziert werden, ehe sie ihren Durchbruch fand.

    Die Behandlung mittels Corticosteroid-haltiger Salbe exisiert seit mindestens 1986 (1). Aber auch diese Behandlungsmethode hat sich erst in den 1990ern wirklich durchgesetzt. In Deutschland, so würde ich sagen, eigentlich erst in den letzten paar Jahren.

    1. Lang K. Conservative therapy of phimosis. Monatsschr Kinderheilkd 1986;134(11):824-5.http://www.cirp.org/library/treatment/phimosis/lang1/