Hallo Kate,
Das hast du eine richtige Ärzte-Odysseehinter dir. Was dir und deinem Sohn angetan wurde an ärztlicher Desinformationund Falschbehandlung, stimmt traurig.
Um deine bereits im Thread-Titel gestellte Frage zu beantworten: Ja, es wareine Fehlentscheidung. Nach allem was Du hier berichtet hat, war es das.
Dein Sohn hatte deinen Schilderungen zu urteilen, eine normale entwicklungsbedingte,physiologische Phimose und hätte keiner Behandlung erfordert. Das Ballonierenbei der Vorhaut ist auch im Rahmen der normalen Entwicklung. Siehe diesenArtikel und die darin enthaltenen Information:http://flexikon.doccheck.com/de/Ballonieren…ign=DC%2BSearch
Die medizinische Fehlbehandlung begann schon beim Kinderarzt: Es istüberhaupt nicht Sinn der Sache bei der U-Untersuchung das Kind auf die Präsenzirgendwelcher Phimosen zu untersuchen oder auf fehlende Zurückziehbarkeit zukontrollieren.
Ich werde dir nun deine Fragen beantworten:
"1. ich habemittlerweile alle Unterlagen zur OP angefordert. Abgerechnet wurde bei der KKeine Präputiumplastik und Frenulumplastik. Ist das richtig abgerechnet, wenndie Eichel immer komplett frei liegt?"
– Definitiv Nein. Ganz sicher nein. Eine Präputiumsplastikbedeutet eine Operationstechnik, bei der die Vorhaut vollständig erhaltenbleibt und kein Stück der Vorhaut entfernt wird. Vor allem aber geht esüberhaupt nicht, dass am Ende eine ganz andere Operation durchgeführt wird alsdie, die der Patient und deinem Fall sein gesetzlicher Stellvertreter eingewilligthaben.
"2. wie finde ichheraus, welcher Stil bei ihm angewandt wurde? Im entspannten Zustand liegt dieNarbe hinter der Eichel. Ich habe bereits morgens einen errigierten Zustandgesehen. Dann befindet sich die Narbe ca. auf der Hälfte des kleinen Schaftes.Bedeutet das, dass Teile des inneren vorhautblattes (das weiss ich erst dankeurer Seite) erhalten geblieben sind?"
Das ist schwer zu sagen. Es gibt streng genommen überhaupt keine"Beschneidungsstile".
Diese Stil-Bezeichnungen –"High-Tight, "Low-Loose" usw.– sind keine medizinischenBegrifflichkeiten sondern Begriffe aus der Fetischisten-Szene. Es gibtverschiedene Beschneidungstechniken und dazu noch individuelle Unterschiedezwischen den Operateuren, die dann dazu führen, dass die Vorhautentfernungradikaler oder weniger radikal ausfällt oder mehr vom inneren als vom äußerenVorhautblatt erhalten bleibt. Die Unterschiede werden dann von Fetischistennachträglich in "Stile" unterteilt.
Aber kein Operateur geht hin und sagt"Ich mache jetzt eine "High-Tight"-Beschneidung" -zumindest kein normaler Operateur.
3. wie gehe ich weiter damitum? Soll ich weiter offen mit ihm sprechen, in wenigen Jahren wird er mitseiner Mutter nicht mehr über seinen penis reden wollen? Was habt ihr euch voneuren Eltern diesbezüglich gewünscht?
- Ja, ich denke auch, dass es besserwäre, offen und unverkrampft über diese Themen reden würdet.
4. soll ich ihn weiter (sowie wir jeden Abend Zähne putzen) zum „reinstecken“ ( zurvorhautwiederherstellung) so nennen wir es- animieren oder soll ich es lassenund ihm die Entscheidung selbst überlassen? Konsequenzen versteht er ja jetztnoch nicht.
– Ich verstehe ehrlich gesagt nicht,was du darunter verstehst. Eines musst Du aber wissen: Eine Vorhautwiederherstellungist nur etwas für ausgewachsene Männer. Das ist keine leichte Angelegenheit,es lässt sich nicht so ohne weiteres und nicht ohne Hilfsmittel bewerkstelligen
Dem würde ich mich anschließen.
Zitat von Zipfelmuetze
Was du aber machen kannst, ist, ihm behutsam zu erzählen, dass es da eine Methode gibt, mit der er später, wenn er die Konsequenzen versteht, seinen Zustand wieder so ähnlich wie vorher bekommen kann, wenn er das dann möchte (dabei könntest du ihm dann helfen bei der Beschaffung der nötigen Hilfsmittel, aber das ist jetzt erst mal Zukunftsmusik). Ich denke, dass ihm die Hoffnung psychisch helfen kann.
5. ich habe der Chirurgin mitgeteilt,dass es psychische Probleme bei ihmgibt. Sie hat mir einen kinderpsychologen empfohlen. ich will aber diesmal meinunangenehmes Bauchgefühl nicht wieder ausschalten. Nicht, dass ich ihm mitsolch einem schritt das Gefühl gebe, er und sein penis sind völlig krank.
– Das ist grundsätzlich keine verkehrte Idee. Erst recht, wenn es wie offenbar bei deinem Sohn erste Hinweise vorliegen, dass ihn die Beschneidung und deren körperliche Folgen psychisch ziemlich mitgenommen haben, wasleider eine "normale" Reaktion auf einen extremen Eingriff auf einen psychisch hoch-besetzten Körperteil ist. Es müsste dann in jedem Falle ein Kinderpsychologe sein, der für solche Fälle sensibiliert ist und den Eingriff und dessen psychologischen Folgen auch ernst nimmt. Ich würde an deiner Stelle aber erst einmal abwarten, und deinem Bauchgefühl vertrauen. Es eilt sicher nicht.
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"Ich wünschte, ich hätte solche Seiten wie diese vorher gefunden. Bitte verurteilt mich als Mutter nicht, die gedacht hat- sie handelt im Interesse ihres Kindes."
Nein, wir werden dich ganz sicher nicht verurteilen. Du bist selbst Opfer. Man hat dich letztendlich betrogen. Man hat dich mit falschen, komplett veralteten und in jedem Falle – nach aktuellen nationalen wie internationalen Behandlungs- und Diagnosestandards – unsachgemäßen Informationen versorgt und dich so dazu gebracht einer Operation zuzustimmen, die du ansonsten niemals zugestimmt hättest. Ob dieser Betrug nun "nur" aus verantwortungslosen Unwissen der Ärzte erfolge oder aus Vorsatz müsste noch geklärt werden.
Wenn es mein Kind wäre, und ich notwendige Zeit dafür aufbringen könnte, dann würde ich die verantwortlichen Mediziner verklagen - sowohl den Kinderarzt als auch die Kinderchirurgin.
Das ist vermutlich in der jetzigen Zeit die einzige Möglichkeit, wie man solche Ärzte zu einem Einlenken bringen kann,indem man ihnen mal "ordentlich auf die Finger klopft".
Diese Ärzte werden sonst sei es aufgrund der Verantwortungslosigkeit, sich über die zeitgemäßige Behandlung vonVorhautproblemen und der normalen Entwicklung der Vorhaut zu informieren, oderaus sonstigen Motiven immer weiter die Unwissenheit von Eltern ausnutzen undkleinen Jungen schaden.
Mediziner sind ethisch und rechtlich verpflichtetsich auf dem neuesten medizinischen Stand zu halten, sich zu informieren überdie natürliche Entwicklungsgeschichte des Körperbereichs, den sie behandeln,über aktuelle Therapieverfahren, über die korrekte Diagnosestellungeinschließlich der Differenzierung zwischen pathologischen(krankhaften) undphysiologischen (normalen) Zuständen. Ganz besonders dann, wenn irreversibelund Gewebe-entfernende Behandlungen im Raume stehen. Die Therapiefreiheit von Ärzten hatauch Grenzen.
Der Gesetzgeber hat zwar vor einiger Zeit dieBeschneidung von Jungen explizit straffrei gestellt, aber wenn die Einwilligung in den operativen Eingriff unter Vortäuschung falscher Tatsachen oder auf Grundlage falscher Informationen erfolgte, und zudem noch ein ganz andere Operation vorgenommenwurde als jene, der zuvor eingewilligt wurde, dann ist das immer noch ein krimineller Akt.