Hallo Jerrylein,
Willkommen hier im Forum,
Gleich im Voraus: Meine Antwort ist leider etwas lang geworden. Ich habe zwar versucht mich kurz zu fassen, aber wenn es um medizinische Themen geht, ist das nicht immer leicht.
Erstmal möchte ich mich mir dem anschließen, was "Selbstbestimmung" und "Brokendream" dir geschrieben haben.
Hallo,ich bin kein Arzt und kann nichts Definitives dazu sagen. Es könnte vielleicht eine Blasenentzündung sein. (Was ist ein "Erkältungsbad"?).
Wenn es eine bakterielle Blasenentzündung ist, kann ein Antibiotikum oft schnell helfen.
Da würde ich nicht auf einen Termin warten, der Junge hat ja extreme Schmerzen. Ab In die Praxis und die Wartezeit in Kauf nehmen. Bei starken Schmerzen können sie euch nicht wegschicken.
Zum Thema Vorhautverengung:
Ich gehe stark davon aus, dass die Salbenbehandlung, die der Kinderchirurg, bei dem Du vor einem Jahr warst, empfohlen hatte, tatsächlich gar nicht nötig war.
Es ist zunächst mal vollkommen normal, wenn Jungen in dem Alter deines Sohnes eine noch enge Vorhaut haben. Eine Vorhautverengung ohne Beschwerden und ohne ursächliche Narbenbildung im Kindesalter ist keine Krankheit sondern ein Entwicklungszustand. Bei der Geburt ist bei nahezu allen Jungen die Vorhaut noch eng; und ferner ist die Vorhaut mit der Eichel fest verklebt. (Diese entwicklungsbedingte Vorhautverengung und -verklebung mit manchmal auch „physiologische Phimose“ bezeichnet). Im Rahmen der körperlichen Entwicklung löst sich dieser Zustand dann von selbst. Diese Entwicklung kann aber sehr lange andauern - bei einigen Jungen bis in die Pubertätsalter.
Daher sollte laut aktuellen medizinischen Leitlinien eine Behandlung einer Phimose/Vorhautverengung vor dem Ende der Pubertät grundsätzlich nur dann vorgenommen werden, wenn diese mit Beschwerden verbunden ist, oder in seltenen Fällen, wenn die Verengung durch Narbenbildung infolge einer Lichen-sclerosus genannten Hautkrankheit entstanden ist.
Lass dich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn die Vorhautöffnung auch sehr eng aussieht: Solange die Vorhautöffnung weit genug ist, dass das Wasserlassen ungehindert möglich ist, ist die Vorhaut weit genug.
Laut den Phimose-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und anderer medizinischer Fachgesellschaften haben selbst im Alter von 7 Jahren rund die Hälfte der Jungen eine Vorhaut, die "weitgehend" zurückziehbar ist
Zitat von S2k Leitlinie „Phimose und Paraphimose bei Kindern und Jugendlichen“
Reifungsvorgänge bedingen eine Auflösung der physiologischen Vorhautsynechie* und -enge. Im Alter von sieben Jahren kann etwa die Hälfte der Knaben das Präputium wenigstens weitgehend zurückstreifen. Mit 10 Jahren sind es etwa zwei Drittel. In diesem Alter hat also noch etwa 1/3 der Jungen entwicklungsbedingt eine mindestens partielle Enge oder Synechie. Selbst im Alter von 13 Jahren muss man bei acht Prozent der Jungen noch mit einer entwicklungsbedingten Vorhautenge rechnen.
* "Synechie" fachsprachlich für Verklebung.
Das heißt also, in dem Alter von 5 Jahren – als Du mit deinem Sohn bei dem Kinderchirurgen vorstellig warst – ist noch bei der Mehrheit der Jungen die Vorhaut noch nicht komplett zurückziehbar und es liegt immer noch eine, zumindest teilweise entwicklungsbedingte Verengung vor. Wenn man eine Notwendigkeit einer Salbenbehandlung dann einfach nur mit einer Enge der Vorhaut oder mangelnden Zurückziehbarkeit gleichsetzt, müsste der Kinderchirurg demnach bei mehr als der Hälfte der 5-jährigen eine Salbenbehandlung anordnen!!!
Vorhautöffnung wird enger:
Zitat
Kann man vlt. einfach nur das Loch etwas größer machen, damit Urin besser abfließen kann? und gibt es vlt. etwas was beim dehnen helfen könnte?
Ich denke nicht, dass diese Schmerzen deines Sohnes mit einer zu engen Vorhautöffnung zu tun haben.
Du hast selbst geschrieben, dass bis vor diesem Erkältungsbad vor ein paar Tagen dein Sohn störungsfrei Wasserlassen konnte. Und dass allein durch diese Erkältungsband die Vorhautöffnung in so kurzer Zeit derart verengt, dass der Harnabfluss behindert ist, halte ich für unwahrscheinlich.
Was mich tatsächlich ein wenig irritiert ist, sind deine Schilderungen, dass die Vorhautöffnung enger geworden sei?! Bist du dir da sicher?! Oder ist das nur dein subjektiver Eindruck?!
Es kann auch sein, dass die Vorhautöffnung jetzt einfach subjektiv enger aussieht. Der Penis verändert sich ja auch im Rahmen der Entwicklung. Vielleicht erscheint die Öffnung jetzt einfach nur enger als noch mit 3 Jahren.
Es ist zwar theoretisch möglich, dass eine Vorhaut sich nachträglich verengt. Dies ist allerdings erstens ein langwieriger Prozess und passiert zweitens normalerweise auch nicht einfach so "von allein", sondern ist die Folge von Vernarbungen. Diese Narbenbildung ist seltener die Folge von wiederholten Entzündungen oder gewaltsamen Zurückziehversuchen, kann aber auch auf eine sog. Lichen sclerosus genannte chronische Hauterkrankung zurückzuführen sein. Diese Vernarbungen würden dann aber auch auffallen. Der Lichen sclerosus hat klare diagnostische Zeichen, an denen man diese Erkrankung erkennen kann - etwa einen weißlichen, narbigen Ring entlang der Vorhautöffnung. Hier ist ein Bild einer Phimose verursacht durch Lichen sclerosus.
In deinem Bericht erkenne ich jetzt aber nichts, was solche Vernarbungen und dadurch bedingte Verengungen hätte auslösen können, und dir sind auch offenbar keine sichtbaren Narbenbildungen an der Vorhaut aufgefallen. Es würde auch einige Zeit dauern.
Dass eine Vorhautöffnung, infolge eines Erkältungsbades binnen weniger Tage sich so radikal verengt, dass das Wasserlassen behindert ist, halte ich wie schon gesagt für nicht plausibel.