Das mit dem Kompensationsdrang kann ich super gut verstehen. Die ganze Fetisch Geschichte haben wir ja oben, glaube ich, auch schonmal angesprochen gehabt.
Mir ist beim lesen dieses Satzes eingefallen, dass es auch noch ein anderes, sehr häufig bei Beschnittenen zu beobachtendes Phänomen gibt: Sexuelle Prüderie. Das lässt sich z.B. sehr gut im Amiland erkennen, wo insbesondere Männer mit Nacktheit extreme Probleme haben. Oder in muslimischen Ländern, wo Frauen möglichst gut ihre weiblichen Reize verstecken müssen. Aus meinem schwulen Bekanntenkreis fällt mir jemand beschnittenes ein, der sich immer wahnsinnig über Leute, die sexuelle Kontakte suchen/unterhalten echauffiert hat. Diese Männer waren für ihn dann immer "Schlampen". Er würde sowas nie machen, weil er es einfach nicht nötig hätte. Man kann eben Dinge, die man selbst nicht "fühlen" kann, auch nicht schön finden oder wollen. Bei manchen kanalisiert sich eben das körperliche, sensorische Defizit in sexuelle Deviation, bei anderen in Prüderie.
Gerade auch dieses Buch, das ich über Mohammed gelesen habe, bringt das ganze auch noch in einen krasseren Kontext.
Da ist eine Menge dran. Man muss nur mal das Aggressionspotential in Ländern beobachten, in denen die Mehrheit der Männer genitalverstümmelt ist. Komischerweise sind es genau die Länder, die sich permanent im Kriegszustand befinden. Klar, es wirkt etwas konstruiert, hier von einer Kausalität zu sprechen. Aber bemerkenswert ist es schon. Wenn einem Mann durch Beschneidung ein sensorisches Defizit zugefügt wird, kann sich der sexuelle "Drang" nunmal nicht mehr natürlich entladen. Dadurch entsteht Frust, der wiederum in Gewalt ausarten kann. Bei diesen Männern fehlt der "Blitzableiter", wenn man es so will. Ronald Goldman differenziert in seinem Buch "Circumcision - The hidden trauma" ja auch bewusst zwischen Schäden, die der einzelne durch MGM erleidet und Schäden, die sich daraus auf die Gesellschaft niederschlagen. Ich finde es höchst erstaunlich, dass es zu diesem Thema bisher so wenig Literatur gibt, die die Auswirkungen von MGM auf die Gesellschaft untersucht. Es scheint für Psychotherapeuten ein Tabu zu sein, diesbezüglich Nachforschungen anzustellen und deren Ergebnisse zu publizieren. Und das angesichts der Tatsache, dass 20% der männlichen Weltbevölkerung beschnitten ist.
