Hallo,
qualvoll erlebte ich meine Zirkumzision als Kind nicht. Es lag auch damit zusammen, dass in dem damaligen ambulanten OP Zentrum, in dem ich vorstellig gemacht wurde, derartige Operationen wie am Fließband abzulaufen schienen und so routiniert, unter effektiver Schmerzausschaltung und tiefer narkotischer Betäubung die damals zeitgemäße ärztliche Kunst an mir wie an so vielen meiner Schicksalsgenossen entsprechend praktiziert wurde. Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis blieb es mir jedenfalls in Erinnerung, dass man damals in meiner Gegend Anfang bis Mitte der 1980er Jahre mit entsprechender Stellung der Diagnose, die eine sofortige chirurgische Therapie nach sich zog, sehr großzügig zu sein schien. Somit wurde auch nur nebenbei, ganz beiläufig, meist von den Müttern erwähnt, dass dieser oder jener auch schon operiert worden sei. Die angeblich bessere Hygiene, da sich Jungs ja in diesem Bereich ohnehin nicht gerne waschen, sowie die Vermeidung von Krankheiten, nebst den lapidaren Satz "besser jetzt als später, will ja nichts versäumen als Eltern", wurden als Begründungen allgemein gerne angegeben.
So "erwischte" es dann auch mich. Wortlos bekam ich als Kind meine Hose ausgezogen und es wurde von Seiten meiner Mutter versucht meine Vorhaut zurückzuziehen. Dies geschah dann in gleicher Weise bei meiner Kinderärztin. Bis heute ist mir genau diese Situation sehr suspekt. Der Umstand, dass es ohne irgendwelche Erklärungen, ganz nebenbei ablief, mir Schamgefühl und Intimsphäre nicht zugestanden wurden. Meine Beschneidung selbst mache ich niemanden zum Vorwurf: Es schien eben das damalige Credo zu sein, es sei gesünder und besser so für die Jungs und Männer.
Vielleicht wäre es jetzt zuviel zu schreiben, dass auch ich geschändet worden bin. Aber wenn ich mich genau daran zurückerinnere, so geht es schon in diese Richtung. Aber ich weiß auch nicht so genau....