Beiträge von Gode_RE

    Glaube ich nicht, dass dieser Text unterm Strich etwas anderes wäre. Denn mit der Frage, ob oder was diese Religionen sonst nichts anderes zu bieten hätten, und der Diskussion, ob das hohl ist oder was auch immer, bleibt man auf der Ebene von Wertigkeit und Position betreffend der jeweiligen Religionszugehörigkeit. Und darüber hat jeder eine andere Meinung.

    Auch über medizinische Fragen kann man trefflich streiten. Auch das würde nicht weiterführen.

    Meines Erachtens ist der kleinste gemeinsame Nenner, dass Erwachsene in die Unterhose von Kindern greifen und an deren Geschlechtsteilen ihre eigenen Interessen befriedigen. Ob man dies durch "Ritualisierung" legalisiert oder gar als "Religionsausübung" labelt, ändert nichts daran, dass DRITTE ihre Geschlechtsteile herhalten müssen dafür. Und dann auch noch wehrunfähige schutzlose Kleinkinder.

    Also dieser Übergriff auf den Körper anderer, diese Koppelung der eigenen Bedürfnisse (genannt "Religionsausübung") an den Körper eines anderen, das ist der kleinste gemeinsame Nenner. So lange dieser andere das nicht freiwillig entscheidet, ist das nach meinem Verständnis Unrecht. Und auch nicht durch das Elternrecht gedeckt, denn Kinder sind nicht deren "Besitz", die man für eigene Interessen "gebrauchen" kann. Auch wenn man das als angeblich "im späteren Interesse des Kindes" zu rechtfertigen versucht.

    Da erübrigt sich jede andere Diskussion um Religion oder Medizin.

    "Hypnose" ist ein Begriff, der zwar einen Wirkfaktor von Hypnotherapie beschreibt, aber bei letzterem steht die therapeutische Komponente im Vordergrund. Eingesetzt wird sie, um die Aufmerksamkeit auf das Innenerleben zu fokussieren und die Hürden des Alltagsbewusstseins zu überwinden. Wenn das gelungen ist, kann mit inneren Anteilen gearbeitet werden, dazu gibt es verschiedene Modelle auch außerhalb therapeutischer Ansätze, manchen ist vielleicht das "Innere Team" oder die "Innere Familie" ein Begriff. Näheres dazu bitte googeln.

    Die Egostate-Therapie basiert auf diesem Verständnis. Dissoziierte innere Anteile können angesprochen und in Verbindung gebracht werden mit der Gesamtpersönlichkeit, und dysfunktionale Muster können modifiziert werden, so dass sie neue gesamtdienlichere Aufgaben übernehmen.

    Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit diesen Behandlungsmöglichkeiten gemacht, vor allem weil sie schonend sind und sehr effektiv sein können.

    Traumata im vorsprachlichen Bereich drücken sich oft auf der somatischen (körperlichen) Ebene aus, bis hin zu schwerem Krankheitserleben, z.B. Konversionsstörungen.

    Nicht versprachlichte Traumata können oft sehr gut hypnotherapeutisch, imaginativ und über Teilearbeit (Egostate-Therapie) erreicht werden (z.B. "PITT" Reddemann; "Egostate-Therapie" Watkins / Nijnhues)

    Sorry, das glaube ich jetzt nicht! Leider scheint in Deutschland Psychoanalyse und co. immer noch vorherrschend zu sein. Es ist nicht logisch, dass diese Erkenntnis alleine diese Symptome verschwinden lässt. Durch intellektuelle Einsicht kommt weder die Vorhaut zurück noch wird das Trauma selbst nennenswert behandelt.
    Bein Psychotherapien sind gerade Symptomorientierte wie die Verhaltenstherapie oft wirkungsvoller als rein aufdeckende Therapien.

    Die kognitive Traumabearbeitung, die Weguer in seinem ersten Beitrag beschreibt, hat nichts mit "Psychoanalyse" zu tun. Sondern es handelt sich um eine Vorgehensweise, die am ehesten mit der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (TFP) vergleichbar ist. Das Trauma aufzuhellen ist die Grundlage, automatische Gedanken zu identifizieren und umzustrukturieren. Die "Psychoanalyse" hingegen wird in der Fachliteratur sogar als ausgesprochen kontraindiziert für Traumatherapie bezeichnet. Gleichwohl wird sie in Diskussionen regelmäßig verwechselt mit Methoden, die struktur- und narrativbildend sind, wie z.B. die kognitive Traumabearbeitung oder TFP.

    Die Narrativbildung ist eine wichtige Komponente der Traumatherapie. Durch sie werden Erinnerungsfragmente strukturiert und zusammengeführt. Sich selbst, seine Traumamuster und das traumatische Geschehen verstehen, einordnen und benennen zu können, ist für viele schon sehr befreiend. Insofern halte ich den eingänglichen Bericht für sehr plausibel.

    Eine bloße Verhaltenstherapie gilt in der Traumatherapie nicht als ausreichend. Sämtliche Trauma-Manualisierungen, z.B. basierend auf Reddemann (PITT), Foa (Exposition) oder Fredericks (SARI) sehen die Reprozessierung als unverzichtbaren Bestandteil, ebenso die Integration aller Komponenten, also Verhalten, Emotionen, Körpersensationen und Kognitionen. Allein Symptome auf verhaltenstherapeutischer Basis zu therapieren reicht m.E. nicht aus.

    Zitat

    Sorry, wegen meinen 1. Post ist eine Trauma von mir. War lange Zeit in Psycho-Einrichtungen von denen ich mich nicht verstanden fühlte. Sie haben nicht kapiern wollen dass psychische Symptome ein Teufelskreis ist sich selbst darstellen können, was natürlich eine Sympthombehandlung DOCH sinnvoll macht. Solche Erkenntniss kann auch nur selber kommen, wenn mir andere erzählen was ich so alles angeblich will, dann fühle ich mich veralbert


    Das macht mich traurig, dass Du sowas erleben musstest. Ich weiß (nicht aus eigener Erfahrung, aber oft genug aus Berichten), dass es sowas tatsächlich gibt. Der Schaden ist immens, neben dem zugrunde liegenden Trauma leiden solcherart Betroffene nun auch noch an berechtigten Aversionen gegen Psychotherapien. Ich wünschte, Du hättest Gelegenheit und fändest neuen Mut, heutige qualifizierte Vorgehensweisen kennenzulernen. Als Therapeut geht es nicht darum, zu denken, man wüsste besser, was für den Patienten gut ist - und (wie in einem anderen Posting geschrieben) passt auch "Macht" nicht in ein gutes therapeutisches Verhältnis. Ich glaube es aber grundsätzlich, dass es stimmt, wenn Betroffene von solchen schlimmen Erfahrungen in Therapien berichten - und es macht mich traurig..


    Vielen Dank für die Resonanz auf meine ersten Beiträge hier. Ich möchte noch ergänzen:

    Als Traumatherapeut teile ich die Ansicht vieler meiner Fachkollegen, dass die Beschneidung im frühkindlichen Alter ein hohes Risiko einer schweren Traumatisierung birgt. Die Erfahrung von überflutender Bedrohung, tatsächlich erlebter Verletzung (sogar Desintegration) am eigenen Körper und absoluter Ausweglosigkeit (Ohnmacht) sind die kardinalen Kriterien für ein Trauma gemäß ICD-10 und DSM IV.

    Zwar sind - relativ bezogen auf die Weltbevölkerung - die Zahlen der real bekannt gewordenen Betroffenen mit Traumafolgestörungen aufgrund genitaler Beschneidung im frühkindlichen Alter noch gering. Der Grund dafür wird darin jedoch darin vermutet, dass die Traumasymptome nicht in Verbindung gebracht werden können mit dem Traumaereignis, weil es im vorsprachlichen Zeitraum stattfand, also keine Narrativbildung möglich war. Die bislang bekannt gewordenen Fälle werden daher auch eher von Betroffenen geschildert, die im späteren Lebensalter beschnitten wurden, weil sie sich daran erinnern und eine Verbindung herstellen konnten. Dass Menschen, die im vorerinnerlichen Zeitraum traumatisiert wurden, keine Erinnerungen daran haben, ist daher nachvollziehbar - daher ermöglichen die bislang geringen Zahlen keine Rückschlüsse.


    Jedoch lässt der hohe Grad an transgenerativer Weitergabe der Traumamuster solche Rückschlüsse vermuten. Ich persönlich sehe darin auch die Ursache, warum sich solche archaischen Religionen halten. Die Gegensätze zwischen dem lebensdienlichen Ziel von Religion und den blutigen und lebenszerstörenden Ritualen sind unüberbrückbar. Wenn Religionen wesentlicher Bestandteil der Identitätsfindung sind, kann allein die Unüberbrückbarkeit solch krasser Gegensätze allein schon traumatisierend sein.


    Ich habe mich daher an der Unterschriftenaktion von über 700 Kinderärzten und -Psychologen gegen die Legalisierung der Kindesbeschneidung beteiligt.

    Ich bin besorgt, dass ein Dammbruch droht! Sieht nicht alles danach aus, dass unsere Politiker gerade in Begriff sind, den stärksten Schutzmechanismus unserer Verfassung außer Kraft zu setzen, die sogenannte Ewigkeitsklausel? Diese ist in unser Grundgesetz eingefügt worden aus den Erfahrungen der Zeit des Nationalsozialismus. Nie wieder sollte es möglich sein, dass fremde Ideologien die Grundrechte außer Kraft setzen und ermöglichen, dass Menschen durch institutionalisierte Gewalt getötet oder verletzt werden. Als auf ewig geschützt gelten die unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

    Steht nicht weniger als gerade das im Moment eigentlich auf dem Spiel, wenn unsere Volksvertreter in Berlin darüber diskutieren, ob sie sich dem Druck fremder Religionsgemeinschaften beugen und das blutige Verletzen von Kindern aus allein religiösen Ritualen heraus legalisieren? Die Kultur in unserem christlichen Abendland hat sich weiterentwickelt, weg vom Töten und Verletzen von Menschen aus religiösen Gründen, hin zur grundgesetzlich geschützten Achtung des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit. Wird all das nun geopfert gegenüber einer falsch verstandenen Toleranz, deren Basis allein kollektive Schuldgefühle mehrerer Generationen ist?

    Wenn es so einfach ist, selbst die Grundartikel unserer Verfassung zu erschüttern, bin ich mehr als besorgt. Was kommt als nächstes? Ist es nach solch einem Dammbruch möglich, dass das Rechtsverständnis fremder Ideologien unsere Verfassung ablöst? Ich finde nicht, dass wir Bürger dem ohnmächtig gegenüber stehen müssen. Ich habe meine Stimme erhoben. Viele Bürger können ihre Stimme erheben, das nennt man Demokratie. Unrecht geschieht nicht dadurch, dass es benannt wird, sondern dass es begangen wird. Ich benenne meine Besorgnis. Ist sie nicht begründet? Wer kann sie mir nehmen?

    In der Recklinghäuser Zeitung vom 22.11.2012 habe ich folgenden Leserbrief veröffentlicht:


    Die Beschneidungsdebatte macht Angst! Zum Beispiel davor, dass es Religionsgemeinschaften gelingt, unsere Verfassung auszuhebeln, wenn sie nur laut genug auftreten. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit in Art. II unseres Grundgesetzes ist ein Grundrecht, hinter dem nachrangige Rechte zurückstehen. Das Recht auf Religionsfreiheit zum Beispiel ist ein solches nachrangiges Recht, was es aber ganz sicher ebenfalls zu schützen gilt. Es ist jedoch ein Argumentationsfehler, das Recht auf Religionsfreiheit daran zu koppeln, dass einem zugleich das Recht auf den Körper eines anderen eingeräumt wird. Um den Deckmantel sprachlicher Schönfärberei mal ganz wegzuziehen: Geht es hier nicht eigentlich darum, dass deutsche Staatsbürger (auch kleine Kinder sind das schon) zukünftig gezwungen sind, sich blutig an ihren Geschlechtsteilen verletzen zu lassen, wenn andere Bürger ihr Recht auf freie Religion daran ausüben wollen? Und dass Erwachsene nur religiöse oder traditionelle Argumente herzuholen brauchen, um den Griff in die Unterhose von Kindern zu legalisieren? Wo fängt das an – und wo hört das auf? Das kann einem schon ganz schön Angst machen!

    Ebenso macht mir dieses Gottesbild Angst. Was ist das für ein brutaler Gott, der für den Bund mit ihm Schmerzen und Blutopfer fordert? Mein Verständnis von Religion ist auf die Bejahung der Schöpfung ausgerichtet, allein auf das Heil, nicht auf Zerstörung, Verletzung, Blut und Schmerzen. Sind es nicht furchtbar brutale Schmerzen, die Eltern ihren Kindern zumuten? Die Literatur belegt, dass das Schmerzunterdrückungssystem von Neugeborenen erst einige Monate nach der Geburt funktionstüchtig ist. Dies und die erlebte Hilflosigkeit, nicht von den eigenen Eltern beschützt worden zu sein, kann massive Traumatisierungen zur Folge haben, wovor Kinderärzte und Psychologen ja auch deutschlandweit massiv warnen.

    Angst macht mir auch die Art, wie diese Religionsgemeinschaften die Diskussion führen. Die Beschneidungsdebatte auf die Ebene des Holocaust zu heben, ist eine unerträgliche Verkürzung der Bedeutsamkeit des Massenmordes von Millionen von Juden. Religionsgemeinschaften tun sich keinen Gefallen, wenn sie der Öffentlichkeit mit geradezu inflationären Antisemitismus- oder Ausländerfeindlichkeits-Vorwürfen ein generelles Diskussionsverbot über sich auferlegen. Wenn sie daraus auch noch die Grundfeste der Sicherheit in unserer Gesellschaft in Frage stellen, kann dies breite Angst auslösen. Aus Angst entsteht Feindseligkeit, das lehrt die Geschichte. Wehret den Anfängen!

    Zum Leserbrief - und den Reaktionen darauf:

    [url=http://www.westline.de/lokales/recklinghausen/nachrichten/ln/Verfassung-wird-ausgehebelt;art1803,1182626]westline | Verfassung wird ausgehebelt[/url]