Herzlichen Dank für deinen hervorragend geschriebenen und erschütternden Bericht.
Der Informationsstand der breiten Bevölkerung ist in der Tat absolut verheerend. Es ist vor allem diese Ignoranz (von Eltern, Ärzten und Religionsführern) welche den meisten Beschneidungsopfern die Vorhaut gekostet hat.
Darum ist es umso wertvoller wenn Du dich mit deinen Erfahrungen gerade als schwuler Mann an die Öffentlichkeit wendest und die Dinge unverblümt beim Namen nennst!
Intakte Hetero Männer sind sich der Problematik oft überhaupt nicht bewusst, weil sie sich in unserem Kulturkreis mangels direkter Betroffenheit nie mit dem Thema auseinandersetzen mussten.
Wenn wir Frauen jedoch über ähnliche Vergleichserfahrungen mit der Sensibilität von beschnittenen Männern berichten, werden wir meist gar nicht Ernst genommen. Da wir ja nur über fremde Genitalien erzählen, wird uns von Beschneidungsberfürwortern die nötige Penis-Kompetenz allzugerne abgesprochen.
Es gibt daher wohl kaum glaubwürdigere Zeugenausagen über diesen wohl unvermeidlichen Sensibiltätsverlust und allfällige andere sexuellen Einschränkungen, als solche direkten 1:1 Vergleiche von homo- und bisexuellen Männern, welche beide Seiten kennen. Im Gegensatz zu den kolportierten glorifizierenden Mythen, welche in der Presse und in oberflächlichen Online-Ratgebern herumgeistern, sind dies nun wirklich Erfahrungen aus erster Hand 
Ich bin sowieso überzeugt, dass wir den Kampf gegen die MGM erst dann gewinnen können, wenn wir (und damit meine ich die Beschneidungsopfer) endlich den Mut aufbringen, auch die Auswirkungen auf die männliche Sexualität unverblümt und mit dem nötigen Nachdruck an die Öffentlichkeit zu tragen.
Der Kampf gegen die FGM zeigte nicht zuletzt dank den sexuellen Argumenten so schnell Wirkung. Frauen geben nicht nur die besseren Opfer ab, sie haben halt auch viel weniger Hemmungen die Einschränkungen anzuprangern, welche solche Eingriffe bei ihrer Sexualität anrichten. Und bei der MGM handelt es sich zweifellos um einen einschränkenden Eingriff, selbst wenn viele Opfer mangels Vergleichserfahrungen dies selber gar nie merken!
Auch wir Frauen müssen uns bei der Nase nehmen und viel offener über diese Problematik sprechen. Und zwar sowohl in unseren Gesprächen unter Frauen, wie auch mit unseren intakten oder beschnittenen Partnern. Selbst wenn es bei letzteren umso schwerer fällt, wenn diese ihre Sexualität als völlig normal empfinden, obwohl ihre Sensibilität bereits merklich reduziert ist.
Ich wünsche Dir bei deiner Restauration einen raschen und vor allem befriedigenden Erfolg und hoffe, dass dein mutiger Erfahrungsbericht auf möglichst viele offene Ohren stösst, damit wenigsten in Zukunft andern Jungen dieses traurige Schicksal erspart bleibt.