Beiträge von NoCut

    Wird dann die Debatte um Genitalverstümmelung nicht erweitert neu geführt werden müssen?


    In Deutschland, der Komikernation schlechthin, wird man einfach den § 1631d BGB nach seinem Sinn und Zweck interpretieren. Und hier war es das erklärte Ziel den Eltern die Willkür zu erlauben ihren Kindern die Vorhaupt straffrei amputieren zu lassen. Da man nur dort die Penisvorhaut amputieren kann, wo ein Penis vorhanden ist, wird man wohl nicht lange überlegen, welche Kinder auch künftig zwangsbeschnitten werden dürfen.

    Davon abgesehen kann ich mir nur schlecht vorstellen, wie man z.B. bei einem acht Tage alten Baby erahnen will, ob hier ein Mädchen im Körper eines Jungen steckt.

    Dass ein Harnwegsinfekt zu einem Verlust einer Niere führt, da habt ihr statistisch gesehen wohl eher einen 6er im Lotto. Wenn ein HWI eintritt und dieser entsprechend behandelt wird, passiert da nichts.


    Im Umkehrschluss würde dies dann aber auch bedeuten, dass die Ärzte, welche ausdrücklich zur Beschneidung geraten haben, fast schon einen Kunstfehler oder laienhaft beinahe eine grob fahrlässige Körperverletzung begehen wollten. Sicher bin ich auch gegenüber Ärzten kritisch, aber laufen tatsächlich solche Vollpfosten mit Approbation rum und wenn ja, warum sorgen die anderen nicht dafür, dass diesen Kurpfuscher dann das Handwerk gelegt wird. Deren Fehler schädigen doch dann den Ruf des gesamten Berufsstands.

    "Beschneidung ist keine Religionsfreiheit. Es ist reiner Zwang!"


    Das kranke dabei ist ja, dass auch hier die Realität in eine Lüge umgedeutet wird. Die Eltern entscheiden "frei" und ohne "Zwang" stellvertretend für ihre Kinder und nennen dies dann Religionsfreiheit oder elterliches Erziehungsrecht.

    Habt Ihr mal von den Begriff "Schweigespirale" (siehe z.B. Wikipedia) gehört? So lange viele Menschen sich nicht trauen die Dinge beim Namen zu nennen, bestimmen Medien (vierte Gewalt im Staat) oder diejenigen, welche den Mainstream darstellen, welche Lüge als gesellschaftlich akzeptierte Wahrheit gehandelt wird. Je mehr Menschen wie jetzt in Dänemark dieses Schweigen brechen und ihre Meinung öffentlich kund tun, desto mehr Menschen werden sich vermutlich auch in ganz Europa eher trauen ihre eigene Meinung bzw. ihre Missbilligung der Zwangsbeschneidungen öffentlich kund zu tun.

    Dennoch hat die Geschichte wie im Artikel des Jyllands Posten durchklingt wohl einen Pferdefuß. Wenn die Stimmung in Dänemark vorwiegend deshalb angeheizt ist, weil man Menschen mit muslimischem Glauben das Leben schwer machen will und es einem nicht um die Menschenrechte bzw. hier um die Rechte der Kinder geht, mag das Ziel das gleiche sein, aber die falsche Motivation wäre ein Verrat an den Menschenrechten selbst.

    Man muss die Beschneidung einfach nur zum nicht schädlichen Brauch erklären, und meint dann, daß man der Diskussion damit entkommen könnte könnte.


    Ich verstehe was Du meinst und Du hast völlig Recht. Und wenn ich darüber nachdenke, könnte ich innerlich Platzen, weil Du Recht hast. Nur weil etwas Offensichtliches bewusst falsch definiert wird, ist es auf der ganzen Welt zulässig Kinder zwangszubeschneiden, sofern sie keine Mädchen sind.

    Die Geschichte mit Dänemark und der UN-Resolution ist ja aber nicht neu. War da nicht auch irgendwas mit Straßburg?

    Aber so, wie ich moltobene verstehe, ist das im Grunde eh so geplant. Keine Beschneidung, sondern Salbentherapie und die Reflux OP ebenfalls ohne die Vorhaut zu entfernen.


    Ich sehe dies genauso und halte dies auch für die vernünftigste Lösung. Dennoch ist dieser Fall völlig anders als die vielen üblichen Zwangsbeschneidungsfälle. Es ist nicht auszuschließen, dass der Verzicht auf eine Beschneidung hier ein Restrisiko bezüglich der Nieren mit sich bringt. Wir sind keine Mediziner und selbst die werden keine sichere Prognose abgeben können, ob eine Salbentherapie zum Ziel führt. Die Eltern stehen also vor der grausamen Wahl, dem Jungen für immer seine Sexualität ein Stück weit zu vergällen oder das Restrisiko in Kauf zu nehmen, dass die Nieren einen irreparablen Schaden nehmen.

    Wie schon geschrieben, wüsste ich, wie ich mich entscheiden würde. Selbst wenn es mit den Nieren Probleme geben würde, sind diese mal krass gesagt "ersetzbar". Eine Vorhaut oder die abgestorbenen Nervenzellen kann man aber in keinem Fall transplantieren.

    Mir geht es darum, dass sich die Eltern bewusst entscheiden. Tun sie dies nicht, werden sie sich später Vorwürfe machen, dass sie den Verlust der Nieren für ein "kleines Stück Haut" in Kauf genommen haben. Dass dies Unsinn ist, wissen wir, aber ohne eine bewusste Entscheidung besteht die Gefahr, dass die Eltern sich hier von entsprechenden Ärzten auch noch Schuldgefühle einreden lassen, obwohl sie dann aus meiner Sicht die einzig richtige Entscheidung getroffen haben.

    Mal eine blöde Frage am Rande. Ist die UN zu blöd oder nur ein Papiertiger. Warum wird Deutschland, die USA oder andere Staaten nicht dafür angeklagt, dass sie noch immer den Artikel 24 (3) missachten. Ich sehe zwar ein, dass man vielleicht die anderen Länder mit Ausnahme von Deutschland schlechter zur Rechenschaft ziehen kann, weil sie zwar nichts unternommen haben, um Zwangsbeschneidungen (religiöse Bräuche, die Kindern Schaden zufügen oder so ähnlich) zu verhindern, aber gerade Deutschland hat ja im Jahr 2012 aktiv Zwangsbeschneidungen offiziell legalisiert.

    Ich freue mich jedenfalls, dass dann wohl Dänemark hoffentlich bald als erstes und "neutrales Land" die Menschenrechte künftig auch Kindern uneingeschränkt gewähren wird bzw. diese nicht wie in Deutschland als Mensch zweiter Klasse behandelt werden, wo deren körperliche Unversehrtheit der Willkür der Eltern überlassen wird.

    Eine mögliche Lösung ohne Beschneidung ist laut Arzt, die Phimose zu lösen. Das geht recht einfach mit Kortison- und Östrogen-Salbe, ganz ohne systemische Nebenwirkungen (auch wenn diese Praxis erst im Alter von ab 4-5 Jahren üblich ist). Damit sollte sich die Vorhaut von der Glans lösen und man kann die Vorhaut regelmäßig reinigen.


    Wow! Da will ein Arzt rund 50% der Penishaut amputieren, zig tausend Nervenzellen ins Jenseits befördern, nur weil im der Versuch mit einer Salbe vermutlich mehr Zeit kostet und damit weniger Honorar einbringt als eine Beschneidung.

    Dir ist bekannt, dass nach einer Beschneidung die Glans eine Art Hornhaut bildet, weil sie ja eigentlich als innere Haut ausgebildet ist. In der Folge daraus, verliert Dein Sohn Sensibilität, was seine Sexualität für immer beeinträchtigen wird.

    Natürlich hört sich die Geschichte mit den Nieren auch nicht so toll an. Sofern jedoch ein Arzt selbst die Option einer Salbenbehandlung nicht deshalb kategorisch ausschließt, weil vielleicht ein akuter Verlust beider Nieren im Raum steht, wüsste ich persönlich, wie ich mich für mein Kind entscheiden würde. Dennoch ist mir auch bewusst, dass es für Euch keine leichte Entscheidung sein wird, weil ihr irgendwo zwischen einem Restrisiko hinsichtlich der Nieren und eine teilweisen Verlust im sexuellen Empfinden Eures Sohnes eine Entscheidung treffen müsst.

    Gewiss, gewiss. Bloß Wahlfreiheit und freie Selbstbestimmung für Männer, dagegen hat Roth etwas.


    Wahlfreiheit und Selbstbestimmung sind ja nach dem § 1631d BGB auch für "minderjährige Männer" vollumfänglich gewährleistet. Der einzige Wermutstropfen besteht ja darin, dass die Eltern diese Rechte willkürlich nach ihrem Gusto stellvertretend ausüben können.

    Wenn wir aber beim Thema Wahlfreiheit sind, wurde keiner gezwungen die SPD oder einer der anderen Parteien zu wählen, welche seinerzeit den § 1631d BGB ermöglicht haben. Auch hier haben wieder einige willkürlich nach ihrem Gusto gewählt, ohne höhere Ziele wie die Einhaltung der Menschenrechte bei ihrer Wahlentscheidung einzubeziehen.

    Die Politik ist nur der Baum der Schande, der auf den Wurzeln des Übels gedeiht. Und die Wurzeln sind die Wähler, welche diesen Baum immer wieder aufs Neue mit Nährstoffen versorgen.

    Ich bin erst 16, aber sexuell eher 70.


    Irgendwo scheinst Du nach meinem Eindruck stark in Schubladen zu denken. Es gibt Menschen, die erste spät ihre sexuelle Erfüllung finden und andere finde diese sogar nie. Dies alles hat aber wenig bzw. meist nichts damit zu tun, ob sie beschnitten sind oder nicht.

    Erotik ist im besten Fall die geistige und körperliche Vereinigung zweier Menschen. Wenn man sich dies mal völlig bewusst macht, tritt der Höhepunkt bzw. der Orgasmus ein Stück weit in den Hintergrund. Der Weg wird zum Ziel und das Gefühl sowie das Erlebnis kann selbst einen bombastischen Höhepunkt ohne Liebe problemlos in den Schatten stellen.

    Versau Dir nicht Deine Jugend, sondern such Dir besser gleich Hilfe, die Dir dabei hilft den richtigen Weg für Dich zu finden. Ich würde übrigens tendenziell eher zu einer "Sexualberatung" statt einem "normalen" Psychologen oder Psychiater gehen. Es geht ja nicht darum Dir zu erklären, warum Du Dich mit Deiner Situation abfinden sollst, sondern darum, wie Du es schaffen kannst, Deine Sexualität dennoch möglichst uneingeschränkt ausleben zu können.

    Das noch kein Zwangsbeschneidungsbefürworter jemals auch nur einen ethisch haltbaren Grund dafür liefern konnte, warum Zwangsbeschneidungen legal sein sollen, ist doch einleuchtend. Ethisch betrachtet sprechen wir von einer gefährlichen Körperverletzung, die nur durch ideologische, religiöse oder verlogene Argumente mit den allgemeinen Menschenrechten vereinbar erklärt wird.

    Es ist übrigens erschreckend, wenn eine vermeintliche ästhetische Präferenz als Grund für Zwangsbeschneidungen bemüht wird. In Afrika werden tausende Mädchen beschnitten, weil dort einige Männer beschnittene Frauen ästhetisch "schöner" finden. Und selbst in Deutschland lassen sich freiwillig Frauen beschneiden, um einem solchen fragwürdigen "Schönheitsideal" zu entsprechen. Die Diskussion scheint in Dänemark jetzt auch an dem Punkt angekommen zu sein, wo den Befürwortern wie seinerzeit in Deutschland die Argumente ausgehen und man daher damit beginnt das Unrecht mit immer abstruseren Begründungen zu rechtfertigen.

    Wäre ich nicht Deutscher, würde ich jetzt Dänemark dazu auffordern sich ganz doll zu schämen. Wir haben aber Frau Merkel und Frau Leutheusser-Schnarrenberger und unsere Schande haben wir daher bereits mit dem § 1631d BGB besiegelt und damit wie bereits im letzten Jahrhundert bewiesen, dass wir im Zweifel jederzeit bereit dazu sind Minderheiten (=wehrlose Kinder) für populistische Forderungen zu opfern.

    Nicht unbedingt jederzeit, aber zumindest deutlich besser als Männer mit Genitalbehinderung und 90% weniger Nervenzellen am Glied.


    Ich möchte Dir nicht zu nahe treten, aber ich habe das Gefühl, dass Dir da vieles im Kopf rumschwirrt, was in der Realität manchmal ganz anders aussehen kann. Z.B. gab es mal eine Zeit, wo ich selbst mit dem Gedanken gespielt habe, mich beschneiden zu lassen. Damals war ich jünger und hatte das Problem, dass es oft viel zu schnell ging. Hätte es das Internet nicht gegeben, wäre ich heute vermutlich auch beschnitten.

    Oder bedenke, dass ein Medikament wie Viagra nicht zufällig so ein Erfolg werden konnte. Der Wunsch nach Sexualität ist oft viel größer als das, was viele am Ende bekommen. Schau Dir in diesem Zusammenhang auch mal die Umfragen an, wie häufig Menschen laut eigener Aussage Sex haben bzw. wie vieles dieser Aussagen eher Wunschdenken ist.

    Vielleicht ist es Dir bereits aufgefallen, dass ich in den beiden vorherigen Abschnitten Probleme angesprochen habe, die jetzt nichts direkt mit Beschneidung bzw. dem Verlust von Nervenzellen oder dem Empfinden des Orgasmus nach einer Beschneidung zu tun hätten. Wir reden hier bei der Beschneidung über einen Faktor, der das Sexualleben beeinträchtigt. Zugegebenermaßen ein unnötiger bzw. vermeidbarer Faktor, der sich zu alle dem auch noch auf die Qualität wie man Sexualität erlebt auswirkt.

    Wenn wir aber über die Qualität sprechen, dann reden wir bereits von mehr als Nichts. Wer unter einer unbehandelten ED leidet, aus persönlichen Gründen keinen Partner findet oder aus andere Gründen gar keinen Sex haben kann, hat es dann unter Umständen noch schwerer. Wie schon zuvor geschrieben, möchte ich aber nichts schönreden und verstehe sehr wohl Dein Problem.

    Bitte lass aber nicht zu, dass die physische Einschränkung Dich so sehr mental einschränkt, dass Du am Ende den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr siehst. Und stelle Dich notfalls darauf ein, dass Du heute mit einem Problem kämpfst, welches im Laufe des Lebens nicht das letzte gewesen sein wird, wenn Du zumindest überwiegend ein erfülltes Sexualleben führen möchtest.

    Zitat

    Der freiheitliche Verfassungsstaat ist eben - zum Glück - kein Tugendstaat, der auf Herz und Seele der Bürger zugreifen möchte.


    Diesem Satz kann man doch aber wenigstens irgendwie zustimmen. Ein Staat, der was von Gleichheit und Recht auf körperliche Unversehrtheit labert, aber diese Rechte am Ende einseitig Eltern als dispositives Recht überlässt, ist wohl tatsächlich kein Tugendstaat, sondern ein verkommener Unrechtsstaat einer Komikernation.

    Wie ist es realisierbar, nicht mehr Mental von der lebenslänglichen körperlichen Behinderung belastet zu werden?


    Die Antwort auf Deine Frage steckt bereits in Deiner Frage. Suche Dir jemand, der Dir dabei hilft Deine mentalen Scheuklappen los zu werden. Ich will nichts schönreden, aber schon der Gedanke, dass Dich Frauen nur aufgrund Deiner Beschneidung bereits ablehnen könnten, ist reine Kopfsache.

    BTW, glaubst Du tatsächlich, dass alle unbeschnittenen Männer ohne Ausnahme immer und jederzeit ein absolut erfülltes Sexualleben genießen? Die meisten sprechen über ihre Sexualität, wenn es toll läuft und wenn dem nicht so ist, wird es zum Tabu, über welches man gerne schweigt.

    Abgesehen von dem grausligen Fall:

    Wenn ein Mann das Kondom weg lässt, weil er "sonst nichts merkt" erhöht sich das HIV Risiko logischerweise dramatisch.


    Für dieses Thema müssten Melinda und Bill Gates die Experten sein, aber das Risiko einer HIV-Infektion erhöht sich ja vorwiegend für Frauen, weshalb in Afrika ja massenhaft Männer beschnitten werden sollen. Mit anderen Worten ist das Risiko einer HIV-Infektion ja nur für 50% der Geschlechtspartner signifikant erhöht (wer hier etwas bitterböse Ironie heraus hört, scheint richtig zu ticken).

    Mich erstaunt aber in diesem Artikel die Berichterstattung. Das Thema Kondome und "nichts spüren", besonders bei beschnittenen Männern ist doch eigentlich ein Tabuthema. Seid es Aids gibt, werden Kondome doch als "nicht wahrnehmbar" verherrlicht. Und jetzt wird sogar mal beiläufig eine Aussage eines mutmaßlichen Straftäters veröffentlicht, die klar zu erkennen gibt, dass Beschneidung und Kondome nicht wirklich funktionieren können und deshalb schon in Zeiten von HIV längst ein Umdenken erfordert hätten. Wir können doch nicht wollen, dass Männer beschnitten sind und dann durch ungeschützten Geschlechtsverkehr Frauen mit HIV infizieren.

    In einem anderen Thread ging es ja mal um die Ursprünge der Beschneidung. Vielleicht muss man hier ja etwas differenzieren. Es gibt oder gab ja offenbar die Vorstellung, dass die Beschneidung beim Mann das Weibliche und bei der Frau das Männliche entfernen soll. Bei dieser Sichtweise hängen beide Formen der Beschneidung eng zusammen.

    Bei der religiösen Beschneidung müsste aber das heidnische Ritual lediglich Pate gestanden haben, weshalb sich hier vorwiegend nur die Zwangsbeschneidung von Jungen etabliert hat. In den meisten Religionen gelten Frauen als "minderwertig", weshalb man bestimmt nichts verankern wollte, was diesen Zustand auch nur im Ansatz unterhöhlen könnte. Natürlich haben sich die Religionen weiterentwickelt und selbst die katholische Kirche soll ja angeblich mal eine Frau zum Papst gewählt haben ;)

    So gesehen muss man wohl bis zu vier Gründe unterscheiden, warum beschnitten wird. Das eine ist dieser Naturglaube, dass ein Mensch nur durch Beschneidung einem Geschlecht angepasst werden könnte, das andere die religiöse Beschneidung, dann die Linie von Dr. Kellogs, der sich lieber einen Einlauf gegönnt hat, statt mal einfach zu masturbieren und zu guter letzt natürlich kann oder könnte auch die Idee dahinter stecken, den Nachwuchs durch die Beschneidung künstlich sexuell zu schwächen.

    Die These, dass FGM ohne MGM nicht denkbar sei, kann daher für Kenia z.B. zutreffen, aber bei den drei übrigen potentiellen Gründen kommen ja noch andere Faktoren ins Spiel.

    Wie es sich heute wohl verhielte, wenn das Judentum nicht die Beschneidung von Jungen, sondern die Beschneidung von Mädchen von den Ägyptern übernommen hätte? Evtl. nur eine "leichtere Form"?


    Zwangsbeschneidungen nicht zu verbieten ist eine Frage der Moral. Die vorherrschende Moral, welche sich aus allen drei Weltreligionen ableiten lässt, ist eine wohlwollende Einstellung zur Zwangsbeschneidung von Jungen.

    Hätte Abraham zwei Töchter bekommen und wären diese mit spitzen Steinen verstümmelt worden, wären die Jungen heute geschützt und die Mädchen diesen Religionen brutal ausgeliefert. Aber schon im Judentum galten Frauen / Mädchen als "minderwertig" und es wäre daher wohl theologisch fast ein Affront gegen Abraham gewesen, wenn er im hohen Alter zwar noch Vater geworden wäre, dieser Nachwuchs jedoch "nur" weiblich gewesen wäre.

    Wir haben nicht das Recht darüber zu richten, ob eine Religion in ihrer Religionsausübung das Grundrecht der Gleichheit praktiziert und wir können auch nicht verbieten, dass Menschen z.B. je nach sexueller Ausrichtung das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit partiell aufgeben. Der Unterschied besteht aber immer im freien Willen. Eine Frau, die sich ihrem Mann aus freien Stücken und aus religiösen Verständnis unterwirft, ist etwas anderes als ein Kind, das gegen seinen Willen oder ohne gefragt werden zu können unter großen Schmerzen (selbst bei Betäubung gibt es Wundschmerzen) verstümmelt wird.

    Politik und Fraktionszwang sind übrigens ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht man sich, dass eine Fraktion durch die Bildung einer Einheit politische Ziele verwirklicht. Steht diese Einheit jedoch entgegen den eigenen Interessen, wünscht man sich, dass die Vertreter nach ihrem Gewissen abstimmen, weil man sich hieraus bessere Chancen für das eigene Anliegen erhofft. Und natürlich wird es hier in Dänemark wie seinerzeit in Deutschland richtig pervers, wenn der Fraktionszwang dazu genutzt wird gegen den Willen der Bürger etwas zu verabschieden.


    Keiner will der erste sein, aber jetzt scheint es neben Island und Dänemark auch in den Niederlanden vermehrt Befürworter eines Zwangsbeschneidungsverbots zu geben.

    Die Haltung von Ron van der Wieken hat etwas von einem eher infantilen Charakter. Seine Aussage, dass wenn man ihm oder seiner Religionsgemeinschaft etwas verbieten würde, sich die Juden in den Niederlanden nicht mehr willkommen fühlen würden, klingt schon sehr kindisch. Es ist so, wie wenn man einem kleinen Jungen das Zündeln verbieten möchte und der damit droht, dass er in diesem Fall von zu Hause ausbüchsen würde.

    Man kann eine Meinung oder eine Haltung haben, aber die ewig beleidigte Leberwurst zu spielen, ist keine besonders erwachsene Art mit anstehenden Veränderungen umzugehen. Richtig bescheuert wird es dann, wenn er medizinische Studien einfach als falsch bezeichnet ohne dafür auch nur ein Argument vorbringen zu können.

    Die Geschichte mit Judentum und einem Zwangsbeschneidungsverbot bzw. einer Altersgrenze für aus medizinischer Sicht überflüssige Beschneidungen, ist wohl das größte Hindernis für ein umfassendes Umdenken. Es wird lieber ein Kopftuch verboten oder man ordnet den Schwimmunterricht für Mädchen an, als hier einer massiven Kinderrechtsverletzung Einhalt zu gebieten.

    Am Wochenende hatte ich hier mit einem Freund eine sehr interessante Diskussion. Sein Argument war es, dass ein Zwangsbeschneidungsverbot durch die jüdische Community selbst angestoßen werden müsste bzw. dass man gerade nach dem Holocaust nicht das Recht hätte sich hier einzumischen. Und jetzt müssen wir zusehen, wie selbst in Dänemark der Versuch einer gesetzlichen Änderung sich gegen den Vorwurf der Feindseligkeit verwehren muss.

    Vielleicht sollte man hier mal einen Schritt zurück gehen und das ganze mal wieder in einem größeren Kontext betrachten. Wie wäre wohl die Einschätzung, wenn es im Judentum keine Zwangsbeschneidung von Kindern gäbe und diese z.B. nur im Islam praktiziert würde. Wie würde sich hier "Bayern", Deutschland oder Dänemark äußern oder dafür sorgen, dass die Rechte der Kinder gewahrt bleiben. Und selbst wer hier noch zweifelt, soll sich doch mal selbst fragen, wie er darüber denken würde, wenn es weder im Judentum noch im Islam eine Beschneidung gäbe und lediglich vereinzelte Sekten darauf bestehen würden, dieses Ritual an ihren Kindern verüben zu dürfen.

    Es wird hier schnell klar, dass wir hier nicht über das Thema Religionsfreiheit sprechen und jedem müsste hier auch sofort klar sein, dass die Religionsfreiheit uns nicht im geringsten interessieren würde, wenn nur Sekten dieses Ritual verüben würden. Umgekehrt wird jeder Versuch diese Grausamkeit zu unterbinden als feindseliges Verhalten gegenüber dem Judentum diffamiert.

    Was ist dies aber mit Judentum und der panischen Angst davor, hier religiösen Gefühle zu verletzen. Menschen jüdischen Glaubens würde schon im Mittelalter viel Unrecht angetan und die Schrecken des Holocaust sind noch lange nicht vergessen. Wir können doch aber nicht durch eine falschverstandene Rücksichtsnahme hinnehmen, dass hier Kindern Leid und Schmerz ertragen müssen bzw. deren Rechte auf körperliche Unversehrtheit beschnitten wird.

    Wer uns hier als Feind sieht, wird uns bei allem und jedem als Feind betrachten, wenn wir ihm nicht immer und überall alles zugestehen. Wollen wir aber zur Marionette solcher Erpresser werden? Wollen wir Menschenrechte bzw. die Rechte von Kindern, die sich selbst nicht wehren können für solche Menschen über Board werfen.

    Ich möchte hier klar stellen, dass sich meine Kritik nicht gegen die Menschen richtet, die ihren Glauben für sich leben, sondern nur gegen jene, welche hier kompromisslos alle als Feinde beschimpfen, die sich darum bemühen die Menschenrechte über den Stand von vor über zweitausend Jahre hinweg voranzutreiben. Außerdem richtet sich meine Kritik ausdrücklich nicht gegen die Religionen in ihrer Ganzheit, sondern ausschließlich gegen das Ritual der Zwangsbeschneidung. Ich habe kein Problem damit, wenn sich erwachsene Männer dazu entschließen wie beim Übertritt in die entsprechenden Religonsgemeinschaften beschneiden zu lassen. Umgekehrt habe ich aber Null Verständnis dafür, wenn sich Eltern einbilden sie hätten das Recht willkürlich über die körperliche Unversehrtheit ihrer Kinder frei zu verfügen.

    Unser Bundespräsident meint, wir Deutschen wären genetisch minderwertig.


    Wenn ich mir hier die Bundestagswahlen nach Verabschiedung des § 1631d BGB anschaue, hat der doch gar nicht so unrecht *** duck weg ***

    Am 12.12.12 hat die damalige Regierung sich öffentlich gegen unsere Verfassung, gegen die Menschenrechte und für das Recht ausgesprochen, dass Kinder im Namen jeder beliebigen Religion gequält und verstümmelt werden dürfen. Und was haben die Deutschen mit ihrer "politisch minderwertigen DNA" getan, sie haben die GroKo zwei Mal wieder im Amt bestätigt.

    Wir sind keine Dänen (und schon gar nicht Schweizer), obwohl ich auch denen nicht zutraue, dass die diejenigen politisch abstrafen werden, welche sich gegen die Menschenrechte positionieren.

    Wer gegen die Menschenrechte auch nur teilweise eine feindliche Gesinnung hegt, sollte ich mal im Ernst fragen, mit welchem Recht er von der Gesellschaft erwarten will, dass man seine Rechte achtet. Kinder sind keine Menschen zweiter Klasse und besitzen die gleichen Rechte wie ein Erwachsener. Eltern können für ihre Kinder Rechte stellvertretend ausüben, wenn dies notwendig ist. Für eine Zwangsbeschneidung kann es aber niemals eine Notwendigkeit geben, weshalb hier keinerlei Spielraum für Zugeständnisse existiert.

    Dass die Beschneidung seit Jahrtausenden nie in Frage gestellt wurde, mag wohl daran liegen, dass es Jahrtausende gedauert hat, bis die Grundrechte bzw. Menschenrechte sich in den Verfassungen der jeweiligen Länder etabliert haben. Die Rechte der Kinder bzw. das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung sind darüber hinaus sogar noch relativ jung. Kein Wunder also, dass die Debatte um ein Verbot der Zwangsbeschneidung erst in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen hat und erst dann ruhen wird, wenn diese genauso unter Strafe gestellt wird wie die Zwangsbeschneidung von Mädchen oder das Züchtigen von Kindern.