Die Geschichte mit Judentum und einem Zwangsbeschneidungsverbot bzw. einer Altersgrenze für aus medizinischer Sicht überflüssige Beschneidungen, ist wohl das größte Hindernis für ein umfassendes Umdenken. Es wird lieber ein Kopftuch verboten oder man ordnet den Schwimmunterricht für Mädchen an, als hier einer massiven Kinderrechtsverletzung Einhalt zu gebieten.
Am Wochenende hatte ich hier mit einem Freund eine sehr interessante Diskussion. Sein Argument war es, dass ein Zwangsbeschneidungsverbot durch die jüdische Community selbst angestoßen werden müsste bzw. dass man gerade nach dem Holocaust nicht das Recht hätte sich hier einzumischen. Und jetzt müssen wir zusehen, wie selbst in Dänemark der Versuch einer gesetzlichen Änderung sich gegen den Vorwurf der Feindseligkeit verwehren muss.
Vielleicht sollte man hier mal einen Schritt zurück gehen und das ganze mal wieder in einem größeren Kontext betrachten. Wie wäre wohl die Einschätzung, wenn es im Judentum keine Zwangsbeschneidung von Kindern gäbe und diese z.B. nur im Islam praktiziert würde. Wie würde sich hier "Bayern", Deutschland oder Dänemark äußern oder dafür sorgen, dass die Rechte der Kinder gewahrt bleiben. Und selbst wer hier noch zweifelt, soll sich doch mal selbst fragen, wie er darüber denken würde, wenn es weder im Judentum noch im Islam eine Beschneidung gäbe und lediglich vereinzelte Sekten darauf bestehen würden, dieses Ritual an ihren Kindern verüben zu dürfen.
Es wird hier schnell klar, dass wir hier nicht über das Thema Religionsfreiheit sprechen und jedem müsste hier auch sofort klar sein, dass die Religionsfreiheit uns nicht im geringsten interessieren würde, wenn nur Sekten dieses Ritual verüben würden. Umgekehrt wird jeder Versuch diese Grausamkeit zu unterbinden als feindseliges Verhalten gegenüber dem Judentum diffamiert.
Was ist dies aber mit Judentum und der panischen Angst davor, hier religiösen Gefühle zu verletzen. Menschen jüdischen Glaubens würde schon im Mittelalter viel Unrecht angetan und die Schrecken des Holocaust sind noch lange nicht vergessen. Wir können doch aber nicht durch eine falschverstandene Rücksichtsnahme hinnehmen, dass hier Kindern Leid und Schmerz ertragen müssen bzw. deren Rechte auf körperliche Unversehrtheit beschnitten wird.
Wer uns hier als Feind sieht, wird uns bei allem und jedem als Feind betrachten, wenn wir ihm nicht immer und überall alles zugestehen. Wollen wir aber zur Marionette solcher Erpresser werden? Wollen wir Menschenrechte bzw. die Rechte von Kindern, die sich selbst nicht wehren können für solche Menschen über Board werfen.
Ich möchte hier klar stellen, dass sich meine Kritik nicht gegen die Menschen richtet, die ihren Glauben für sich leben, sondern nur gegen jene, welche hier kompromisslos alle als Feinde beschimpfen, die sich darum bemühen die Menschenrechte über den Stand von vor über zweitausend Jahre hinweg voranzutreiben. Außerdem richtet sich meine Kritik ausdrücklich nicht gegen die Religionen in ihrer Ganzheit, sondern ausschließlich gegen das Ritual der Zwangsbeschneidung. Ich habe kein Problem damit, wenn sich erwachsene Männer dazu entschließen wie beim Übertritt in die entsprechenden Religonsgemeinschaften beschneiden zu lassen. Umgekehrt habe ich aber Null Verständnis dafür, wenn sich Eltern einbilden sie hätten das Recht willkürlich über die körperliche Unversehrtheit ihrer Kinder frei zu verfügen.