Die Katholiken haben die VA während ihrer gesamten Geschichte (im Frühchristentum gab es keine Katholiken in diesem Sinne) abgelehnt.
Ich weiß nicht, ob diese Schlussfolgerung so ganz richtig ist. Sicherlich wird in der katholischen Kirche seit 1969 kein Beschneidungsfest mehr gefeiert und man hat sich auch im 19. Jahrhundert explizit von der Beschneidungspraxis abgewandt, aber umgekehrt hat der Papst jetzt den Katholiken in den Philippinen auch nicht gesagt, dass sie mit dem Zwangsbeschneiden endlich aufhören sollen.
Davon abgesehen war es die Aufklärung und nicht die Kirche, welche dafür gesorgt haben, dass Kinder überhaupt ähnliche Rechte eingeräumt bekommen wie Erwachsene. Ich schreibe deshalb "ähnliche", weil ja das Recht auf körperliche Unversehrtheit für männliche Kinder bisher in keinem Land per Gesetz garantiert wird.
Die Geschichte mit den Kindern und Jesus, an welche der Papst wohl auch vorwiegend anknüpfen wollte, hat ja vorallem symbolische Bedeutung. Es geht um die Reinheit bzw. darum, dass man Kinder mit "frei von Sünde" gleichstellt. Das ist wichtig, weil Jesus (=Mensch) als Christus (=Gottes Sohn / nicht von dieser Erde) im Sinne der christlichen Religion die Menschen nur dann von ihren Sünden erlösen kann, wenn er selbst ohne Sünde auf die Welt gekommen ist.
Im alten Testament glaubte man eher an die Erbsünde(*), die von einer Generation auf die andere übergeht (Sündenfall von Adam und Eva, etc.). Das Christentum bzw. die Judenchristen versuchten sich durch solche Details vom Judentum abzugrenzen. Dies ist ja auch der Grund, warum Maria eine Jungfrau sein musste.
Fazit:
Zitat
Die Güte Gottes sei durch das schutzbedürftige Kind Jesus in die Welt gebracht worden.
Solche Aussagen kann man, wenn man diese etwas theologischer betrachtet, wohl fast schon als Marketing oder PR-Maßnahme in eigener Sache bezeichnen. Das Wort Kind wird hier zum Symbolbegriff, so wie das männliche Kind mit seiner Vorhaut in anderen Religionen als Gegenstand für die Ausübung des Beschneidungsritual missbraucht wird.
(*)Anmerkung: Vielleicht ist vielen schon mal aufgefallen, dass man oft etwas von "historischer Verantwortung" hört. Diese Floskel geht nach meinem Dafürhalten auch auf die Idee der Erbsünde zurück. Das wir in einem christlich geprägten Land leben, hat bei uns ja sowohl das alte wie auch das neue Testament eine Bedeutung.