Aber von Gauck zu verlangen das Jungenverstümmelungsgesetz nicht zu unterschreiben war in etwa so blauäugig wie ein Nashorn zum Zitherspiel aufzufordern...
Joachim Gauck ist ja protestantischer Pfarrer. Bei der evangelischen Kirche gibt es keinen Vatikan, der festlegen kann, wie die Bibel auszulegen sei. Daher glauben hier viele fast wörtlich an den Inhalt der Luther-Übersetzung. Im alten Testament steht die Beschneidung und im neuen Testament hält Paulus sie salopp gesagt dann für weniger wichtig, wenn sie bei der Missionierung von unbeschnittenen Heiden zum Problem werden könnte. In den Briefen an die Galater (römische Provinz mit keltischen Wurzeln) hat daher Paulus die Notwendigkeit dieses schmerzhaften Rituals gewissermaßen als entbehrlich betrachtet (symbolische Beschneidung der Herzen).
Ist es daher verwunderlich, wenn dieser Theologe, der nun den Staat in weltlicher Sicht vertritt, mutmaßlich seine theologische Sichtweise durch eine Unterschrift bei einem Gesetz zur Zwangsbeschneidung dokumentiert. Wir leben in einer Art "Gottesstaat" bzw. haben wir es noch immer nicht geschafft Staat und Kirche zu trennen. Früher waren Geistliche auch weltliche Fürsten und jetzt im 21. Jahrhundert wurde wieder ein Geistlicher zum weltlichen Repräsentanten unsere Landes gewählt.
Da aber die Zwangsbeschneidung auch in Frankreich nicht verboten ist, würde auch eine saubere Trennung die Probleme nicht automatisch lösen. Dennoch ist Deutschland vermutlich die einzige Komikernation der Welt, die Zwangsbeschneidungen offiziell erlaubt.