Beiträge von NoCut

    Wie kommt Dr. Art Zaltz nun darauf, dass Eltern die Wahl hätten, die späteren sexuellen Genüsse ihres Sohnes lebenslang zu vermindern?

    Vielleicht sind die Überlegungen dieses Mediziners gar nicht so abwegig. Wenn er (oder sie) es nicht bereits als grotesk verwirft, dass man ein Kind zwangsbeschneidet, weil dessen Vater zwangsbeschnitten ist, warum soll dann der Sohn mehr sexuelle Lust empfinden können als sein eigener Vater.

    Richtig blöd wird das ganze aber, wenn die Mutter sich ein Jahr nach der Geburt des Sohnes von ihrem Ehemann trennt und einen unbeschnitten Mann heiratet. Hier wäre es dann wohl besser gewesen, wenn das Kind nicht beschnitten worden wäre. Ich glaube hier wir deutlich wie bescheuert diese Argumente mit Vater und Sohn in Wahrheit sind.

    Nachtrag:
    Hier mal ein anderer Artikel mit Bild von Dr. Arthur Zaltz. Ich finde man kann sich immer besser in jemanden eindenken, wenn man ein Bild von ihm gesehen hat.
    http://www.theglobeandmail.com/life/health-an…article4107082/

    "Aberglaube" sagt immer der, der was anderes glaubt.


    Aberglaube kann auch der sagen, der an gar nichts glaubt ;)

    Tendenziell ist das Wort Aberglaube aus meiner Sicht mit dem Wort Unvernunft bzw. dem Gegenteil eines aufgeklärten Menschen eng verbunden. Ein gläubiger Mensch muss zwar kein Tor sein, aber ein Mensch, der unreflektiert anerzogene Glaubensdogmen lebt, wird wohl eher ein Kleingeist sein und bleiben.

    Und hier sind wir wieder beim Thema. Die WHO will den Menschen in Afrika z.B. glauben machen, dass Beschneidung vor HIV schützt. Weil dieses Dogma oft nicht kritisch hinterfragt wird, verlieren viele Männer und indirekt auch Frauen einen Teil ihrer Sexualität.

    Die im Ausgangsposting ausgeführte Überlegung, dass ein religiöses Kondomverbot der Grund für die Beschneidungen in Afrika sei, halte ich persönlich eher für abwegig. Davon abgesehen existiert ja z.B. in der Bibel auch an keiner Stelle ein Kondomverbot bzw. ist dieses der "reinen Phantasie" derjenigen entsprungen, welche sich die Deutungshoheit über die Bibel angeeignet haben. Und bevor jetzt jemand die Geschichte mit Onan falsch zitiert, möchte ich mal wieder feststellen, dass es auch in unserem Kulturkreis Entsetzen hervorrufen würde, wenn ein Mann gezwungen würde mit der Schwägerin seines verstorbenen Bruders Kinder zu zeugen, die dann rechtlich als dessen Kinder gelten würden.

    Ein Kondomverbot ließe sich natürlich auch mit dem "seiet fruchtbar und mehret Euch" scheinbar begründen. Es wird ja tatsächlich theologisch auch die "Verschwendung von Samen" ins Spiel gebracht. Neutral betrachtet beinhaltet diese Bibelstelle keine quantitative Komponente, weshalb auch diese Begründung aus meiner Sicht reiner Unsinn ist. Umgekehrt erschweren missglückte Beschneidungen die Möglichkeit sich "zu mehren" oder machen dies sogar unmöglich. Hier hört man allerdings nichts von den religiösen Vordenkern!

    In Bezug auf ein "katholisches" Kondomverbot und HIV möchte ich noch eines zu Bedenken geben. Würden wenigstens alle "gläubigen" Menschen niemals ehebrechen und jungfräulich heiraten, wäre die Zahl der HIV-Infektionen wohl wesentlich geringer. Mit anderen Worten werden die 10 Gebote genauso ignoriert wie auch das frei erfundene Kondomverbot.

    Wenn jemand wissen will, warum es in Afrika die Beschneidungskampagnen zur Verhütung von HIV gibt, sollte einfach mal ihn fragen.


    Wird in Afrika nicht aufgrund einer Empfehlung der WHO beschnitten? Die WHO bekommt pro Jahr rund 4 Mrd. US Dollar. 3/4 davon wird von Lobbyisten bezahlt.

    Mein letzter Stand war, dass sie eine Freimaurer-Hexe sei. Wurde zumindest in einem Video behauptet...


    Was ist eine "Freimaurer-Hexe"? Früher wurden Menschen beiderlei Geschlechts gefoltert und ermordet, weil man ihnen mit Hilfe von Aberglauben den Hexen-Prozess gemacht hat. Die Freimauer sind mit der Aufklärung eng verbunden und wurden auch teilweise aufgrund von abergläubischen Verschwörungstheorien verfolgt.

    Und hier diskutieren wir über das Thema Beschneidung. Alle drei Themen haben eines gemeinsam, denn reiner Aberglaube ist die Grundlage dessen, was hier Menschen Leid zugefügt hat bzw. bei der Beschneidung noch immer zufügt.

    Die Beschneidung könnte übrigens mit dem Aberglauben verbunden sein, dass der Mensch als eine Art Hermaphrodit auf die Welt kommt und man ihn mit der Beschneidung einem Geschlecht zuordnen müsse. Daher werden ja in einigen Ländern beiderlei Geschlechter beschnitten.

    Ein Baby hat keine Religion.

    Als Außenstehender bzw. als Teil einer Religionsgemeinschaft stellt sich diese Situation anders dar. Das Baby ist hier religionslos, bis es beschnitten oder getauft wird. Rechtlich kann die Zuordnung auch ohne Ritual in der Geburtsurkunde erfolgen.

    Tatsächlich wird aber vermutlich weder ein Baby noch ein Kind bei seiner Beschneidung neben furchtbaren Schmerzen religiöse Gefühle oder Empfindungen entwickeln.

    Der Grund, warum die Beschneidung für bestimmte Religionen besonders wichtig sein wird, müsste darin bestehen, dass hierdurch die Zahl der "Gläubigen" künstlich gepusht wird. Ein getauftes Kind, dass später der Kirchensteuer überdrüssig geworden ist, wird sich leichter zum Atheismus bekennen als ein junger Mann, der genau weiß, dass er aus sexueller Sicht auch mit einem Austritt seine Situation nicht mehr verbessern kann.

    Jetzt also auch Beschneidungsdebatte in einem Atemzug mit Terrorismus.


    Wenn man alle Menschen, Gruppen, Religionsgemeinschaften und ähnliches in Schubladen steckt, macht man sich das Leben ungemein leichter. Man braucht dann nicht mehr kritisch zu überlegen, wer gut oder wer böse ist, sondern man schaut nur noch auf das Etikett, dass auf der jeweiligen Schublade klebt.

    Wer aber sind z.B. DIE Beschneidungsgegner? Sicherlich verstecken sich unter diesem Sammelbegriff auch Leute, die einen antisemitischen Hintergrund haben. Ich persönlich gehe jedoch davon aus, dass die Mehrzahl der Beschneidungsgegner eher humanistische Ziele verfolgen und daher weit davon entfernt wären als religiös oder wie auch immer intolerant einzustufen zu seien.

    Viele haben zwischenzeitlich schon kapiert, dass Terroristen, die eine Religion für ihre grausamen Anschläge als Vorwand nehmen, einfach nur Terroristen sind. Nur verblendete Menschen geben noch immer einer Religion die Schuld an diesen Attentaten. Ich möchte jetzt aber nicht den gleichen Fehler begehen bzw. ins selbe Horn stoßen. Daher möchte ich auch nicht weiter darüber nachdenken, wie sehr man eventuell in einer "Glaubenswelt" gefangen sein muss, wo es nur schwarz und weiß gibt.

    Obwohl ich hier und da schon mal draufgelklickt habe, erst heute wieder, (auch im alten Forum), frage ich mich dennoch was dies in diesem Forum hier bezwecken soll?


    Like oder Dislike sind in jedem Forum enorm wichtig. Die meisten Menschen besitzen ein Geltungsbedürfnis bzw. möchten viele auch im anonymen Web, wo jeder erst mal per se gleich ist, zeigen, dass sie besonders wichtig sind. I.r.L. haben Menschen die Möglichkeit durch Kleidung oder Prestigeobjekte zu signalisieren, wo sie sich in der gesellschaftlichen Hierarchie wahrgenommen fühlen wollen.

    In einem Forum sind dann aber alle gleich und damit dies nicht so bleibt, gibt es bei vielen Foren neben dem Beitragszähler auch Like und Dislike. Neben der Hackordnung kann diese Funktion auch zur Disziplinierung der User genutzt werden, die abweichende Meinungen vertreten.

    Aber jetzt mal Spaß beiseite, ich verstehe auch nicht, warum diese Funktion HIER eingeführt wurde. Wenn ich mit meinen Befürchtungen richtig liege, hat sich nicht nur das Design des Forums verändert.

    Was war wohl zuerst da, die Genitalverstümmelungen oder die göttliche Forderung dazu?


    Die Bibel* kann man aus meiner Sicht als "symbolisches Lehrbuch" oder "schriftliche Anleitung zur Religion" verstehen. Somit wurden hier von Menschen theologische Texte verfasst, die dem religiösen Leben dienen sollten. Wie selbstverständlich sind somit damalige Gebräuche und heidnische Rituale in die Bibel übernommen worden.

    Die Frage danach, was zuerst da war, stellt sich für mich nicht. Warum soll es eine göttliche Forderung geben, die Schöpfung Gottes besserwisserisch vollenden zu wollen oder objektiv betrachtet zu schädigen.

    Wenn man aber schon die eigene Verantwortung an eine Religion delegiert, sollte man sich vielleicht auch mal die Frage stellen, ob ein solcher Unglücksfalls wie mit dem Jungen nicht ein göttliches Zeichen sein könnte, endlich von diesem Ritual abzulassen. Oder anders gesagt, wie deutlich müsste ein Zeichen denn noch sein, damit es endlich in den Köpfen ankommt.

    * Auch Moslems und (koptische) Christen stützen sich in Sachen Beschneidung auf die Bibel.

    Ich weiß nicht, ob ich hier total auf dem Holzweg bin, aber Leo Baeck gehörte doch dem liberalen Judentum an. Stammen oder stammten (vor der Schoah) nicht gerade seitens des Reformjudentums bereits Bestrebungen die Beschneidung abzuschaffen.

    Falls ja, ist ja die Auszeichnung von Volker Beck fast schon pervers. Hier bekäme dann jemand einen Preis, weil er eine rückwärtsgewandte Denkweise verteidigt und dieser Preis ist dann nach einem Mann benannt, der vorwärtsgerichtet gedacht hat?!

    Das wäre wohl so ähnlich, wie wenn VW jetzt den Blauen Umweltengel für seine Motoren bekäme...

    Nein, nein, Asylgrund ist das nur bei Erwachsenen. Männer sind im Gegensatz zu Jungen bei uns geschützt.


    Wäre es nicht endlich an der Zeit, dass unser Grundgesetz entsprechend den tatsächlichen Verhältnissen angepasst wird und man beim Artikel 3 eine Fußnote einfügt, dass der Gleichheitsgrundsatz nicht für Jungen gilt. Bei Artikel 2 müsste man dann nur noch auf die Fußnote von Artikel 3 verweisen. Natürlich müsste man auch bei Artikel 1 auf die Fußnote verweisen bzw. die bestehenden Einschränkungen in Bezug auf die "unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft".

    Und sämtliche Verträge, mit denen Deutschland sich dazu verpflichtet hat, die Menschenrechte zu achten, wurden ja ohnehin schon gebrochen. Solange wir jedoch nur heucheln, dass wir die Menschenrechte beachten würden, werden Zwangsbeschneidungen in Deutschland auch weiterhin ungestraft stattfinden.

    Ich finde es dennoch im Grunde schon fast positiv, wenn eine Beschneidung nach deren Statement erst dann überhaupt "in Betracht" kommt, wenn die Behandlung mit Salbe nicht funktioniert hat. Auch wird ja indirekt erläutert, dass ohne Beschwerden gewartet werden kann bzw. auch bei einem Prozent der 16 Jährigen Verklebungen noch vorkommen.

    Da wurde doch schon von anderen Fachleuten ganz andere Thesen vertreten. Das IQWiG arbeitet aber offenbar auch wie viele "evidenzbasiert". Würde dies dann nicht fast schon im Umkehrschluss bedeuten, dass sich die zugrundeliegenden Studien zwischenzeitlich endlich vermehrt gegen Beschneidungen aussprechen?

    Und hier noch etwas mehr Text von IQWiG selbst:

    https://www.gesundheitsinformation.de/vorhautverengu…tml#!einleitung

    Wie man sieht, spielen die verschiedenen Medien stille Post und jedes Mal wird beim Nachplappern ein Teil weggelassen ;)

    Ich habe auch davon gehört, dass Samen nicht vergeudet werden darf und Selbstbefriedung unter Strafe (Verbot) steht. Auch Kondome dürfen nicht genutzt werden. Warum???


    Onan weigerte sich lediglich, mit seiner Schwägerin ein Kind zu zeugen, dass als Kind seines verstorbenen Bruders gegolten hätte. Würde man heute ins BGB schreiben, dass ein Mann gezwungen wäre mit seiner Schwägerin Beischlaf zu haben, um Nachkommen zu zeugen, wenn der eigene Bruder verstorben ist, würde man wohl auf ziemliches Unverständnis stoßen.

    Das Wort Kondome habe ich in der Bibel noch nie gelesen und weiß daher auch nicht, warum dies verboten sein sollte ;)

    Falls Du also einen Zusammenhang zwischen "Vergeudung von Samen" und Beschneidung angenommen hast, dürfte dies nicht der Grund sein.


    Bei der Frage der Knabenbeschneidung geht es am Wenigstens um religiöse Belange, sondern um eine Verletzung von fundamentalen Rechten.


    Religiöse Belange haben sich wohl noch nie so wirklich für fundamentale Rechte interessiert. Ich suche ja auch noch immer nach einer Religion, die nicht ständig verbietet und alles vorschreibt, sondern mal positiv etwas erlaubt oder die eigene Freiheit nicht unnötig einschränkt ;)

    Tatsächlich ist es aber schon verwunderlich, mit welcher Selbstverständlichkeit sich hier Laien ausbilden lassen wollen, um Kinder durch eine Zwangsbeschneidung massive Schmerzen verbunden mit lebenslänglichen Einschränkungen anzutun. Wenn etwas aber nicht mit Vernunft begreiflich ist, muss es sich ja fast zwangsläufig um eine Religion handeln ;)

    Zitat von Wikipedia

    Religion ... „die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften.“


    Die Zwangsbeschneidung stellt wohl in jedem Fall eine "gewissenhafte" Sorgfalt bei der Beachtung einer biblischen Vorschrift dar. Nach meinem Verständnis ist es nicht der Glaube, der Vorschriften oder Regeln festlegt, nach denen man leben soll oder müsste. Es ist die Religion mit ihren "religiösen Hirten", die bestimmen, was ein Gläubiger zu tun oder zu lassen hat, um als guter Gläubiger zu gelten.

    Im aktuellen Fall haben Eltern dabei ihren einen Sohn brutal ermordet getötet und den anderen schwer verletzt. Mich hat dies zuerst sprachlos gemacht und zugleich entsetzt. Dann musste ich an die von mir zitierte Bibelstelle denken und dass die Eltern dieses "Gebot" haarklein befolgt haben.

    Die nächste Frage, die ich mir dann gestellt habe war, warum hier vermutlich fast jeder entsetzt ist, aber wenn es um eine Zwangsbeschneidung geht, die Akzeptanz doch schon bei mehr Menschen vorhanden ist. Es schwabbert hier meist der Begriff Religionsfreiheit herum, der bei genauerer Betrachtung für das Wort Freiheit eine Blasphemie darstellt. Alle drei Weltreligionen haben die Bibel gemeinsam und die religiöse Zwangsbeschneidung stützt sich in ihren Ursprüngen auf dieses eine Buch.

    Wir haben also Religionen, die mehr oder weniger Regeln kennen, die in diesem oder auch weiteren Bücher beschrieben sind. Gäbe es diese Bücher nicht, würden vielleicht auch viele Menschen beten und gläubig sein, aber es gäbe niemanden, der ihnen vorschreiben würde, dass sie ihre Kinder zwangsbeschneiden oder verprügeln sollen.

    Eine dogmatische Ideologie ähnelt einer Religion vielleicht in ihrem Wesen, aber ich würde diese dann nicht mit einer Religion gleichsetzen. Die "Lehrmeinung" einiger Mediziner zum Thema Beschneidung würde ich übrigens ebenfalls in den Bereich dogmatische Ideologie verfrachten. Diese Mediziner sind nicht mehr für Argumente offen und vertreten ihre Anschauung selbst gegenüber jeglichen ethischen und auch medizinischen Bedenken.

    Eltern haben ihren Sohn zu Tode geprügelt, weil er seine Sünden nicht bekennen wollte. Damit folgen sie lediglich einem Gebot aus der Bibel:

    http://www.n-tv.de/panorama/Elter…le16142596.html

    Todesstrafe für ungeratene Söhne
    18 Wenn jemand einen eigenwilligen und ungehorsamen Sohn hat, der seines Vaters und seiner Mutter Stimme nicht gehorcht und, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, 19 so sollen ihn Vater und Mutter greifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Orts, 20 und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist eigenwillig und ungehorsam und gehorcht unsrer Stimme nicht und ist ein Schlemmer und ein Trunkenbold. 21 So sollen ihn steinigen alle Leute der Stadt, daß er sterbe, und sollst also das Böse von dir tun, daß es ganz Israel höre und sich fürchte. (5. Moses 21)


    Zwangsbeschneidung

    Andere Eltern lassen ihre Söhne aufgrund eines Gebots aus der Bibel zwangsbeschneiden*. Auch hier sterben jedes Jahr Kinder an den Folgen dieser Vorhautamputation.

    Ich frage mich hierbei, wann die Menschheit endlich so aufgeklärt sein wird, dass sie den Menschenrechten einen höheren Stellenwert als der Religion einräumt. Glaube an sich ist noch nicht gefährlich, Religion dagegen führt häufig zu unmenschlichem Verhalten, Krieg, Elend und Tod. Solange aber selbst "weltliche" Gesetze sich religiösen Fanatismus unterwerfen, habe ich wenig Hoffnung, dass es mehr "Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" geben wird.

    * Hinweis: Die Zwangsbeschneidung wird im jüdischen, muslimischen, aber auch teilweise im christlichen Glauben praktiziert.

    Was aber auch damit zusammenhängen dürfte, daß nach Ansicht einiger jüdischer theologischer Richtungen ein Kind erst ab dem Zeitpunkt seiner Geburt als Mensch gilt (im Gegensatz zum Christentum, das das menschliche Leben sehr viel früher als schützenswert betrachtet, was zusammen mit der medizinischen Forschung der letzten 50 Jahre unsere Gesetzgebung/Rechtsprechung mitgeprägt hat).


    @Selbstbestimmung
    Eins vorweg, ich kann Deinen Standpunkt gut nachvollziehen, auch wenn ich selbst anderer Meinung bin.

    Nach meiner Einschätzung wird in unserem Kulturkreis einem Ungeborenen (eigentlich ein Unwort!) der Status "Mensch" tendenziell dann zuerkannt, wenn er nicht mehr all zu weit davon entfernt ist, selbst lebensfähig zu sein. Dieser Aspekt prägt nach meinen Schlussfolgerungen unsere Rechtsauffassung und Moralvorstellungen für eine straffreie Abtreibung. Selbst beim Thema Sterbehilfe taucht die Frage nach dem "selbst lebensfähig sein" wieder auf.

    Bei der Abtreibung wird einem Lebewesen nicht mehr die Zeit gewährt, die es gebraucht hätte ein selbständig lebensfähiger Mensch zu werden. In diesem Fall gesteht man der Mutter das Recht zu, selbst zu entscheiden, ob sie dem in ihrem Bauch heranwachsenden Leben noch die fehlende Zeit gewährt oder nicht.

    Beschneidung ist aber streng betrachtet genau der umgekehrte Fall. Der Mensch wird (i.d.R.) mit intakten Genitalien geboren und die Eltern nehmen diesem vollkommenen Menschen wieder ein Stück seine sexuellen Vollständigkeit weg.

    Mal anders betrachtet könnte man sich dies so vorstellen, dass Eltern ihrem Kind regelmäßig Geld ins Sparschwein werfen, damit es sich am Ende ein Fahrrad kaufen kann. Stellen diese Eltern die Geldzahlungen für ein Fahrrad ein, bevor das Kind das Fahrrad kaufen kann, ist "die Sache gestorben" (sorry für die harte Ausdrucksweise, aber so ist dies ja wirklich). Zahlen nun die Eltern aber bis zum Schluss das Geld ins Sparschwein und das Kind kann sich seinen Wunsch erfüllen, dann wäre die Zwangsbeschneidung so ähnlich, wie wenn man dem Kind unter Zwang den Sattel wegnehmen würde. Man kann auf dem Fahrrad ja auch ohne Sattel fahren und außerdem ist ein Fahrrad ohne Sattel ja auch vieeeeel hygenischer ;)

    Dass die Verstümmelunsgbefürworter immer mit der "Abtreibung" kommen ist ein durchschaubares Manöver, und man kann ihnen einfach eine simple Fallunterscheidung um die Ohren hauen, und fertig.


    Natürlich kann man ihnen "eine Fallunterscheidung um die Ohren hauen", aber damit wird das Thema auch nicht beendet sein. Ich für meinen Teil scheue hier aber auch keine Diskussion.

    Unsere Rechtsauffassung vertritt die Moral, dass Leben mit der Geburt beginnt. Dass dies auch einen gesellschaftlichen Kontext besitzt, kann man an jedem Grabstein nachvollziehen, der das Geburtsdatum und nicht den Beginn der Schwangerschaft nennt. Auch kenne ich keinen, der alljährlich seinen "Schwangerschaftstag" feiert.

    Die Zwangsbeschneidungsbefürworter fahren bei beiden Themen die gleiche Linie, die moralisch nicht vertretbar ist. Sie bestimmen einfach darüber, wer Schmerzen ertragen muss. Bei der Beschneidung bestimmen sie über unmündige Kinder und bei der Abtreibung über Schwangere, die im schlimmsten Fall sogar noch vergewaltigt wurden. Sie befinden sich somit mit ihren Argumenten abseits unserer Moralvorstellungen.

    Die Krux aus meiner Sicht dabei besteht darin, dass hier bei beiden Themen Argumente aus der Bibel herangezogen werden. Wenn man aber den Inhalt der Bibel wörtlich nimmt und nicht nach dem Sinn des Inhalts frägt, ist man ein bibeltreuer Narr. Im Grunde ist dies sogar eine Art von Perversion. Statt die Bibel als Gedankenanstoß für eine bessere Gesellschaft zu nehmen, wird hier dann die Bibel zur Waffe gegen jeglichen gesellschaftlichen Fortschritt eingesetzt.

    Bin ich OT? Vielleicht ja, vielleicht nein. Dass wir über die sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht sprechen, hängt wohl damit zusammen, dass wir unsere Moralvorstellungen nicht mehr wörtlich aus der Bibel übernehmen. Wir hatten die Aufklärung und streben daher nach einer freien Gesellschaft, wo nicht andere über einen bestimmen dürfen. Konflikte wie das Thema Zwangsbeschneidung zeigen aber, dass wir noch immer weit davon entfernt sind die Ideale der Aufklärung auch tatsächlich zu leben. Die Schwierigkeit wird aber sein auch "orthodoxen Kleingeistern" diese Zusammenhänge näher zu bringen ;)

    Lustig finde ich in dem thematischen Zusammenhang aber immer, dass man sich als Befürworter des Rechts auf körperliche Unversehrtheit von Becks Mitstreitern für die Genitalverstümmelung oft anhören muss, dass wäre scheinheilig, schließlich sei man ja für Abtreibung und zwar völlig undifferenziert möglichst bist zur Geburt und alleinig auf Basis des Willens der Mutter.


    Der Zusammenhang zwischen Abtreibung und Zwangsbeschneidung beschäftigt mich persönlich auch immer wieder. Ich sehe mich als Vertreter der Parole: "Mein Bauch gehört mir". Eine Schwangerschaft incl. Geburt mag bei einem Kinderwunsch trotz der Schmerzen und Probleme die Erfüllung eines Traumes sein. Umgekehrt kann ich verstehen, dass dies bei einer ungewollten Schwangerschaft dann ein Alptraum werden kann.

    Fakt ist wohl, dass eine Abtreibung ein ungeborenes Kind tötet und eine Zwangsbeschneidung ein geborenes Kind verstümmelt. Verbietet man aber einer Schwangeren das Recht auf Abtreibung, "verurteilt" man sie gleichzeitig zu den Folgen einer Schwangerschaft incl. schmerzhafter Geburt. Falls das Kind zu einer Adoption frei gegeben wird, kommen noch psychische Folgen hinzu.

    Jetzt könnte man argumentieren, dass eine Frau selbst schuld sei, wenn sie schwanger wird. In den letzten tausenden von Jahren wurde aber nur ein einziger Fall schriftlich festgehalten, wo eine Frau ohne die "Einwirkung" eines Mannes schwanger wurde und selbst dieser Fall ist in seiner Glaubwürdigkeit heftig umstritten.

    Bei einem Verbot der Abtreibung wird also im Zweifel eine Frau für eine "Tat" verurteilt, die ihr Partner in gleichem Maße zu verantworten hatte (bei Vergewaltigung wird hier sogar das Opfer verurteilt). Das Urteil würde in Form einer "Leibstrafe" durch physischen Schmerzen vollstreckt.

    Davon abgesehen ist mir durchaus bewusst, dass Frauen (meine eingeschlossen) für eine gewollte Schwangerschaft durchaus bereit sind, dies alles auf sich zu nehmen. Der Unterschied besteht daher darin, ob man einen Kinderwunsch hegt oder nicht.

    Was nun somit Abtreibung und Zwangsbeschneidung wieder gemeinsam haben, ist die Tatsache, das jeder Mensch für sich das Recht besitzen muss zu entscheiden, ob er die persönlichen Schmerzen auf sich nimmt oder nicht. Der Knackpunkt bei der Abtreibung besteht nun jedoch darin, dass die "Schmerzvermeidung" bei einer ungewollten Schwangerschaft den Tod eines ungeborenen Kindes bedingt. Hier kann man verschiedene Auffassungen vertreten, aber einer Seite tut man immer Unrecht.

    Mit welchem Selbstverständnis diese Frau ihren Sohn am 2. Tag nach der Geburt ohne Grund beschneiden lässt, an dem er ohne Hilfe seiner Mutter nicht mal lebensfähig wäre ist schon beängstigend.


    Ich glaube man darf hier nicht den Fehler begehen und Frau Waris Dirie eine Kompetenz unterstellen, die sich offensichtlich nicht besitzt. Sie wurde Opfer einer Genitalverstümmelung und hat ihren Sohn dennoch selbst zwangsbeschneiden lassen.

    Ihr Verdienst war und ist es, von ihrer eigenen Verstümmelung zu schreiben und das Problem damit öffentlich zu machen. Vielleicht eifert ihr Sohn ihr ja nach und veröffentlicht dann irgendwann ebenfalls ein Buch über die Folgen seiner MGM. Sollte dies der Fall sein, wird vielleicht auch Frau Dirie begreifen, dass kein Mensch das Recht besitzt, seine Kinder mit abstrusen Rechtfertigungsversuchen verstümmeln zu lassen.