Beiträge von NoCut

    @NoCut


    kann deine Argumentation verstehen... ist aber leider nicht ganz so einfach: Schon vor der Geburt, als klar war dass es ein Junge wird, waren die ersten auf der Matte und haben angefangen die Beschneidung zu thematisieren.


    Glaubst Du im Ernst, dass es für Dich einfacher würde, wenn Du Euren Sohn beschneiden lassen würdest. Denk doch mal darüber nach, was Dein Sohn über Dich denkt, wenn er in die Pubertät kommt und kapiert, was Ihr ihm angetan habt. Du bist nicht der türkische Papa, der selbst beschnitten wurde!

    Wenn Du Glück hast, wird Dir Dein Sohn verzeihen,dass er beschnitten wurde und Dich nur dafür verachten, dass Du nicht den Mut hattest, ihm zu helfen. Wenn Du aber Pech hast, wird er Dich ein Leben lang hassen und vielleicht sogar für immer den Kontakt mit Euch abbrechen. Und dieses Schicksal könnte Dir blühen, nachdem Du gerade Vater geworden bist. Du schreibst was von "...nicht ganz so einfach...", aber für Deinen Sohn geht es um seine spätere Sexualität, die nach einer Beschneidung im wahrsten Sinne des Wortes für immer beschnitten sein wird.

    Denk doch mal darüber nach, wie es Dir gehen würde, wenn Deine Eltern Dir dies angetan hätten. Vergiss außerdem nicht, dass die Beschneidung Deines Sohnes vielleicht nur der Anfang sein könnte. Und wenn man schon mal den Jüngsten in der Familie beschnitten hat, warum soll man dann nicht auch irgendwann Dir mal etwas Druck machen, so von Hygiene und Co. Frag Deine Schwägerin, die heute Deine Frau schon fast rumgekriegt hat.

    Werdet erwachsen und übernehmt für Euren Sohn die Verantwortung. Ihr seid doch keine Kinder mehr, denen andere erklären müssen (siehe Schwägerin & Co.), was sie zu tun und zu lassen haben. Ihr seid eine Familie und Ihr müsst bestimmen wie ihr leben wollt. Wenn Ihr damit nicht anfangt Euch von Euren Eltern und Verwandten abzunabeln, werdet Ihr im schlimmsten Fall ein Leben lang nach deren Pfeife tanzen.

    Natürlich soll dies nicht bedeuten, dass Ihr jeglichen Kontakt zu Euren Verwandten abbrechen sollt. Ihr müsst aber lernen deutliche Grenzen zu setzen (wie auch in der Erziehung). Sollten Eure Verwandten dies nicht akzeptieren, könnt Ihr ja notfalls noch immer für eine gewisse Zeit auf Distanz gehen. Meist ist aber der Wunsch der Verwandten den Nachwuchs zu sehen größer als die Sturheit, so dass ich hier recht zuversichtlich bin, dass man sich schnell wieder vertragen wird.

    Hatte gestern eine sehr hitzige Diskussion darüber mit meiner Schwägerin, da sie mir nicht auch nur ein sinnvolles Argument liefern konnten.


    Ganz offen verstehe ich nicht so ganz, was Deine Schwägerin überhaupt die Vorhaut Deines Sohnes angeht. Vielleicht wirke ich jetzt etwas "ruppig", aber an dieser Diskussion seid Ihr wohl auch selbst schuld, wenn ihr die ganze Familie in derart intime Gesundheitsfragen einweiht.

    Ich käme jedenfalls nicht im Traum auf die Idee, derartige Themen mit der Verwandschaft (Brüder, Schwestern, Eltern & Co.) zu besprechen. Ihr seid die Eltern und Ihr tragt auch die Verantwortung für Euer Handeln. Sollte sich Euer Sohn in 10 Jahren darüber beschweren, dass Ihr im einfach die Vorhaupt habt amputieren lassen, wird er ja auch Euch beiden und nicht seiner Tante die Schuld dafür geben.

    Falls Du übrigens die Entscheidung tendenziell mehr Deiner Frau überlassen solltest, bist Du damit auch nicht raus aus der Nummer. Dein Sohn würde Dir dann im Zweifel vermutlich die Schuld daran geben, weil Du zu "schwach" warst und ihn nicht vor den anderen beschützt hast. Jedenfalls könnte ich mir gut vorstellen, dass er eher Deiner Frau vergeben würde als Dir.

    Macht Euch bewusst, dass Ihr beiden hier eine Entscheidung für Euren Sohn und nicht für die Verwandten treffen müsst.

    Dass meine eigene Mutter mir sowas antun könnte, kann ich heute kaum glauben.


    Deine Geschichte erschüttert mich zutiefst und ich danke Dir für die offenen Worte.

    Man spürt aus Deinen Schilderungen sehr deutlich, was da nicht nur physisch mit Dir passiert ist. Ich kenne mich medizinisch absolut nicht aus und habe keine Ahnung, was man hier noch "retten" kann. An Deiner Stelle würde ich aber vermutlich versuchen mit ärztlicher Hilfe eine Lösung zu finden, die für Dich besser akzeptabel ist als der aktuelle Zustand. Natürlich ist mir auch bewusst, dass Du nach Deinen Erfahrungen große Vorbehalte gegen Ärzte haben wirst.

    Darf ich fragen, wie Du nach diesen Erlebnissen zu Deinen Eltern stehst. Du bist ja noch minderjährig und damit vermutlich einerseits auf Deine Eltern angewiesen und auf der anderen Seiten wohl auch bitter von diesen enttäuscht worden. Deine Eltern muss ja außerdem durch Deine Therapie bewusst geworden sein, was diese Erlebnisse bei Dir angerichtet haben. Ich bin auch auf diesem Gebiet absoluter Laie, aber neben den physischen Verletzungen wirst Du hier ja sicherlich auch massiv unter den emotionalen Wunden leiden.

    Jedenfalls habe ich großen Respekt davor, dass Du Deine Geschichte öffentlich gemacht hast und somit dazu beiträgst, dass andere vor einem solchen Schicksal vielleicht bewahrt werden können. Und in Bezug auf Frauen hast Du doch mit der öffentlichen Schilderung bewiesen, dass Du Mumm in den Knochen hast. Mich würde es daher nicht wundern, wenn Deine Haltung seitens des anderen Geschlechts hier auch irgendwann entsprechend honoriert werden würde ;)

    Kommentierungen sind leider nicht möglich. Ob man auch vor dem Hinweis auf die Ungleichbehandlung mit Blick auf das Beschneidungsgesetz Kommentare befürchtet, die den Wertungswiderspruch und die Doppelmoral deutlich machen?


    Ich glaube nicht, dass hier wirklich eine Absicht dahinter steckt. Vielmehr vermute ich, dass Leute wie Herr Maas diese Doppelzüngigkeit noch nicht mal "kapieren" (fehlendes Werteverständnis).

    Außerdem muss ich ja zugeben, dass ich seine Aussage nicht nur aus dem Kontext gerissen habe, sondern bewusst falsch interpretiert habe. Herr Maas spricht von Frauen und Männern. Damit ist im Grunde schon klar, dass Kinder wohl nicht unter seine Definition derer fallen, die gleichberechtigt sind.

    Vor Jahren wurde ja schon gefordert, dass man die Rechte von Kindern ausdrücklich ins Grundgesetz aufnehmen müsste. Dazu gibt / gab es ja auch ein Aktionsbündnis:
    http://www.kinderrechte-ins-grundgesetz.de/fileadmin/cont…12-11-14-js.pdf

    Wären die Kinderrechte im Grundgesetz verankert gewesen, hätte man mit dem § 1631 d BGB Kinder mit Sicherheit nicht zu Ritualopfern der elterlichen Religionsausübung oder Objekten der Moral- und Hygienevorstellungen der Eltern degradieren dürfen. Natürlich verbietet der § 1631d BGB formell die Zwangsbeschneidung, sofern sie das Kindeswohl gefährdet. Aber diese scheinbar klare Ansage erscheint im Gesamtkontext wohl nur eine reine Worthülse zu sein, womit wir wieder bei der "Ansage" von Herrn Maas wären ;)

    "Der kulturelle Hintergrund rechtfertigt oder entschuldigt nichts. Er wäre noch nicht mal als Erklärung akzeptabel. Bei uns sind Frauen und Männer in allen Beziehungen gleichberechtigt. Das hat jeder zu akzeptieren, der hier lebt", sagte Maas.


    Endlich sagt das mal jemand ;)

    Die ganze Zeit dürfen Jungen zwangsbeschnitten werden und Mädchen sind durch unsere Gesetze geschützt. Es wurde im Gesetz eine Ungleichbehandlung geschaffen (§ 1631d BGB), die einen kulturellen Hintergrund besitzt und nun scheint Herr Maas dann wohl der erste zu sein, der begriffen hat, dass Gleichberechtigung nicht vor kulturellen (oder religiösen) Unterschieden zurückweichen darf. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass er und auch andere irgendwann kapieren, was der oben zitierte Satz in Bezug auf die körperliche Unversehrtheit von Kindern tatsächlich bedeutet.

    OT: Hoffentlich denken unsere Politiker auch an die Gleichberechtigung, wenn sie Straftäter schneller abschieben wollen. Ich kann doch einen sexuellen Übergriff incl. Raubüberfall nicht härter bestrafen als einen Brandstifter, der sogar Menschenleben in Gefahr bringt.

    “That's the beginning and end to it.”

    Welchen Sinn hat ein Ritual, welches nach kritischer Reflexion wohlmöglich verworfen würde. Welchen religiösen Inhalt kann dieses Ritual noch bieten, wenn schon jegliches Nachdenken über dessen Sinn und Unsinn vorsorglich bewusst ausgeblendet wird.

    Irgendwie wäre dies doch so ähnlich, wie wenn man im Kino die Vorstellung eines Gruselfilms besucht, sich aber vorsorglich die Augen zuhält, damit man sich nicht so sehr gruselt.

    Das errechnet das Forum aus erhaltenen Likes, den Anzahl an Beiträgen und der Anzahl an Themen, die ein Mitglied oder ein Ohneglied eröffnet.


    Zwischenzeitlich nutze ich ja das Liken auch als "freundliches Kompliment" für die Mitforisten. Denn Sinn sehe ich aber bis dato nicht.

    Warum brauchen wir Likes, wenn wir doch eigentlich alle über einen Verstand verfügen, der uns zu kritischem Denken befähigen sollte. Je mehr ein Posting dem gewünschten Mainstream entspricht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass geliked wird. Je mehr jemand Google nach möglichen Themen durchforstet, desto mehr Punkte auf dem Konto.

    Ich verstehe schon, dass die Likes eine "Lenkungsfunktion" oder eine Art demokratische "Führung" im Forum übernehmen sollen, aber dies lässt bei mir den bitteren Nachgeschmack auch nicht verschwinden.

    Fazit (zumindest für mich):

    Jede Religion hat verschiedene Interpretationen.


    Hast Du mal darüber nachgedacht, was Religion ist?

    "Im Anfang" haben wir den Glauben. Dann kommt z.B. ein Prophet oder Auserwählter, der den anderen erklärt, wie sie richtig glauben müssen. Und wenn man das ganze dann auf die Spitze getrieben hat, glauben die Menschen am Ende der Schrift oder den Worten derer, die die Schrift am besten zu verstehen vorgeben, mehr als der eigenen Gottheit. Halleluja!

    Der rechtliche Aspekt ist ein anderer,als der moralische Aspekt.

    Ich habe keineswegs gemeint,daß eine Kindesbeschneidung ein moralischer Aspekt sei.
    Der rechtliche Aspekt ist (noch),daß man mit der Diagnose Phimose per Krankenkasse sein Kind beschneiden darf.


    Der einzige Grund, warum eine Beschneidung seitens der Krankenkasse übernommen werden dürfte, wäre für mich der Fall, wenn konservative Behandlungsmethoden nachweislich keinen Erfolg hatten und die Phimose tatsächlich nachhaltig Beschwerden verursacht.

    Moral ist ein großes Wort, dass sich mit jedem denkbaren Inhalt füllen lässt. Und das Gesetz folgt der Moral wie der Hund seinem Herrn (in Anlehnung an das Hund-Herr-Prinzip von Andre Kostolany).

    Offiziell haben die Christen einen neuen Bund geschlossen,welche den alten Bund aufhob.


    Wir hatten hier im Forum einen Foristen, der Pfarrer und Beschneidungsgegner war. Leider ist Benni aber an Ostern 2013 verstorben. Er hatte mich hier im Forum mal darauf aufmerksam gemacht, dass es im alten Testament wesentlich mehr als einen Bund mit Gott gegeben hat.

    Da mich die Ursachen für religiös motivierte Beschneidungen immer wieder stark interessieren, habe ich mich auch etwas mehr mit diesem Thema beschäftigt. Ein Bund ist ja quasi eine Art "Vertrag" oder "Abkommen" zwischen den Menschen und Gott.

    Im alten Testament gibt es hier den Noahbund (Regenbogen), die Beschneidung (=meist Zwangsbeschneidung von Kindern) und den Dekalog (zehn Gebote). Ich bin jedoch Laie auf diesem Gebiet und vermutlich ist dies daher keine abschließende Aufzählung.

    Wie jeder weiß, wurde die Bibel nicht von einem Autor geschrieben, sondern es ist eine Ansammlung von verschiedenen religiösen Texten, die zu einem Kanon zusammengefasst wurden (wie Wikipedia, nur wurde über die Richtigkeit der Contents nicht demokratisch entschieden und das ganze ist mit einem "Schreibschutz" versehen). Die drei großen Weltreligionen sind alle samt Buchreligionen, die derartig zusammengetragene Aufzeichnungen als heilige Schriften ihrer Religion zu Grunde legen. Wer jedoch schon mal das Kinderspiel "Stille Post" gespielt hat, kann sich vielleicht vorstellen, wie authentisch die Überlieferungen wohl sind. Viele Aufzeichnungen wurden ja Generationen später erst notiert. Denkt mal selbst darüber nach, was ihr gestern unternommen habt. Und nun überlegt mal, was ihr gestern vor einem Jahr unternommen hattet. Zum Abschluss überlegt dann mal, was ihr z.B. gestern vor 10 oder 20 Jahren unternommen habt. Schriftgläubige hängen jedoch an jedem Wort, welches sie akribisch auszulegen versuchen und auch genauso penibel zu befolgen versuchen.

    In einigen Abschnitten der Bibel wurde nun halt auch die zu der damaligen Zeit ohnehin übliche Beschneidung beschrieben und von der damals "neuen" Religion (Judentum) adaptiert. Von dort gelangte die Beschneidung bis ins Christentum (z.B. kopitische Christen) oder auch durch Auslegung in den Islam.

    Für Christen war es anfangs theologisch sehr wichtig, dass Jesus beschnitten war. Das Christentum ist eine Religion, die missioniert (Dank Paulus, etc.). Die ersten Christen mussten noch den Spagat vollführen, einerseits die Wurzel zu bewahren und sich dennoch auf der anderen Seite von der "alten" Religion (Judentum) emanzipieren. Erst als das Christentum "erwachsen" wurde, begann auch der Antijudaismus, der sich nicht so leicht vom Antisemitismus unterscheiden lässt (siehe z.B. Aussagen von Martin Luther).

    Jedenfalls waren den Urchristen beschnittene Konvertiten genauso recht wie missionierte Heiden. Konvertierte Juden nannte man Judenchristen. Da eine Beschneidung bekanntlich schmerzhaft und nicht ungefährlich ist, sprach sich Paulus dafür aus, dass man sich für den Übertritt vom Heiden zum Christen nicht beschneiden lassen muss. Dadurch, dass aber Jesus als beschnitten galt, stand der Glaube aber sowohl Beschnittenen wie Unbeschnittenen offen.

    Dass auch heute noch christliche Religionen die "Beschneidung des Herrn" feiern, zeigt mir, dass man auch hier nichts dazugelernt hat.

    Leite den Link doch mal an die Staatsanwaltschaft weiter. Wetten, dass nix passiert?


    Wieso Staatsanwaltschaft? Wir reden hier von 160-300 EUR bzw. Peanuts und der Forist schreibt ja, dass der Arzt eine Vorhautverengung prognostizieren kann falls eine vorliegt...

    Es gibt aber auch noch die GKV, die sich hier mehr für diesen Fall interessieren sollte: https://www.gkv-spitzenverband.de/
    Ich habe denen jedenfalls mal eine Mail mit dem Link geschickt und geschrieben, dass es ja wohl nicht sein könne, dass die Zusatzbeiträge erhöht werden und umgekehrt Beschneidungen durch die Kasse bezahlt werden, ohne dass zuvor mehrfach Harnwegsinfektionen oder ähnliches über die Kasse abgerechnet wurden.

    Ich denke, dass die Zusatzbeiträge bei den Kassen aktuell ein wunder Punkt sein werden und warum nicht etwas Salz in diese offene Wunde schütten ;) Die wollen uns doch bestimmt auch künftig als Beitragszahler behalten und nicht alle von uns sind gezwungen in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben zu müssen.

    Das Wichtigste ist aber doch, dass man aufgrund dieser ganz persönlichen Reinheitsvorstellungen nicht an Kindern herumschneidet. Ein Erwachsener kann sich unmittelbar vor dem Gebet vernünftig waschen und wenn er darauf besteht, dann kann er sich selbst für die Vorhautamputation entscheiden. Seine Sache.


    Aber religiöse Vorstellungen per se als Schwachsinn zu bezeichnen, halte ich für problematisch und unnötig.


    In diesen Dokos wurde z.B. auch erklärt, dass es einigen Ausprägungen dieser Religionen sogar verboten ist, dass eine Frau ihr eigenes Baby wickelt oder sogar nur den Kinderwagen schiebt. Diese Geschichte mit der Reinheit kann man somit wohl definitiv als rein symbolisch bzw. imaginär sehen.

    Daher stellt sich schon die Frage, wozu man eine reale Vorhauptamputation im Rahmen einer Zwangsbeschneidung als notwendig erachtet, wenn man am Ende doch nur eine imaginäre Unreinheit beseitigen möchte. Die schlimmste Unreinheit bei uns Menschen wird aber ohnehin die Unreinheit des Herzens sein, die man nicht mit Wasser oder Seife beseitigen kann ;)

    Mir ist noch was zum Thema Reinheit fürs Gebet oder Hygiene allgemein eingefallen. Die Beschneidung wurde zu einer Zeit eingeführt als Hakle-Feucht noch nicht flächendeckend verfügbar war ;) Wenn also von Reinlichkeit die Rede ist, dann doch wohl eher im rein spirituellen bzw. im religiösen Sinn. Auch wäre hier die Frage, ob sich hier dann auch andere Reinlichkeitsvorschriften den aktuellen technischen Möglichkeiten angepasst wurden.

    Mir ist es egal, warum es zu der Einführung von Beschneidungen kam, mir wäre es lieber zu wissen, wie man diesen Mist wieder aus den Köpfen der Menschen bringen kann...

    Bisher sind die Gründe, warum man Zwangsbeschneidungen eingeführt hat, nicht zweifelsfrei geklärt. Vielleicht ist es eine der Folgen, die dadurch entstanden, dass jemand ein Stück Land eingezäunt hat und somit größere Ansiedlungen entstanden, die neue vorher ungeahnte soziale Probleme auch in sexueller Sicht haben entstehen lassen.

    In der Medizin wird nach den Ursachen geforscht, wenn man ein Gegenmittel entwickeln will. Vielleicht ist dies bei der Abschaffung von Zwangsbeschneidungen nicht notwendig, aber warum sollte man diese Chance verstreichen lassen.

    Zu Recht kritisierst Du, dass ich vorallem gegen Zwangsbeschneidungen argumentiere. Würden aber keine Zwangsbeschneidungen mehr erfolgen, würde diese Form der Amputation noch ¨unnormaler¨ auf Patienten wirken und sie damit gegenüber Ärzten von alleine viel kritischer machen.

    Welche Rolle die Religion bei Zwangsbeschneidungen spielt, ist aus meiner Sicht schwerer abschätzbar als es den Anschein hat. In den USA sind die Gründe häufig scheinbar andere, aber die Einstellung der Religion kann die Moralvorstellungen auch indirekt stark prägen.

    Ich halte es daher für einen möglichen Weg zu versuchen mehr darüber zu erfahren, was die Einführung der Zwangsbeschneidung war.

    Bin gerade im Urlaub, daher ein kurzes Feedback.

    Die ¨Heiligkeit des Körpers¨ ist aus meiner Sicht nicht mit dem ¨modernen¨ Recht auf körprliche Unversehrtheit identisch. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit schützt z.B. selbst einen Straftäter vor Folter. Der Schutz eines heiligen Körpers endet je nach Religion bereits bei Diebstahl, Ehebruch, Gotteslästerung und Ähnlichen (Körperstrafen, etc.)

    Die Problematik der Abtreibung zeigt aus meiner Sicht, wie uneingeschränkt das Recht auf Unversehrtheit gilt. Man musste mit einem Zeitpunkt ¨künstlich¨ einen Kompromiss schaffen, um hier Unversehrtheit und Recht auf Leben gegeneinander abzuwägen.Auch zeigt diese Regelung, wie ¨modern¨ dieses Recht wirklich ist, weil hier erstmals diese Problematik überhaupt thematisiert wurde. Früher war es ja z.B. sogar in christlichen Krankenhäuser üblich, dass bei einer Problemgeburt im Zweifel das Kind gerettet wurde.

    Zum Kernpunkt selbst möchte ich zu bedenken geben, dass unser Recht meist mit Zeitverzögerung der herrschenden Moral folgt. Eine Gesellschaft, bei der sogar Religionsangehörige immer säkularer werden, wirft im Zweifel auch mal religiöse Vorschriften für die Humanität über den Haufen. Als Beispiel mochte ich hier das Partnerschaftgesetz nennen, das sogr bis zum Ehegattensplitting bei der Steuer endlich akzeptiert wird.

    Dass religiöse Vorschriften im Alltag immer mehr an Bedeutung verlieren, sieht man in der Doko. Irgendwo existieren hier noch Gebräuche, die an Folklore erinnern und die statt einem im Kern auch im Alltag gelebten Glauben eingetauscht wurden.

    @Guy
    Die Geschichte mit dem unterstellten Egoismus kam von mir. Aus meiner Sicht sind die Gründe für Zwangsbeschneidungen vielfältig, aber sie werden doch in der Regel egoistisch getroffen. Jedenfalls gibt es für mich keinen einzigen überzeugenden Grund, warum man nicht im Interesse der Kinder bis zu deren Volljährigkeit warten könnte bzw. sind alle Gründe, warum man nicht warten will, für mich ein Indiz, dass die Religion der Eltern der wahre Grund sind und somit Egoismus durchaus unterstellt werden kann. Ich gebe aber gerne offen zu, dass ich auch unser Kind aus egoistischen Gründen habe taufen lassen.

    (Hoffe man versteht mich etwas, die Tastatur vom Tablett ist ...)

    So wie keine Antwort auch eine Antwort ist - so die kritiklose Darstellung einer schweren Menschenrechtsvereltzung selber eine. Eben Voyeurismus.

    Die Jungen wurden sicher nicht gefragt ob ihre schmerzverzerrten Gesichter vermarktet werden dürfen.
    Noch eine Kinderrechtsverletzung oben drauf.


    Dein Einwurf bezüglich Voyeurismus ist nicht gänzlich unberechtigt. Das gleiche erleben wir, wenn Bilder von Unfällen und aus Katastrophen- oder Kriegsgebieten gezeigt werden.

    Mit Worten kann man Menschen manipulieren. Aber auch Bilder können uns berühren und damit lenken. Worte treffen uns auf einer geistigen Ebene, aber Bilder treffen uns meist eher auf unserer emotionalen Ebene.

    Ist es daher wirklich so verwerflich, wenn solche Bilder, die vielleicht formal betrachtet auch voyeuristisch sein könnten, dazu dienen, möglichst viele Menschen emotional zu treffen und damit einen Beitrag dazu zu leisten, dass immer mehr Menschen eine bessere Vorstellung davon bekommen, was eine Zwangsbeschneidung in Wahrheit ist.

    Ich habe die Ruhe der Weihnachtszeit genutzt und mir diese Doko aus dem Jahr 2014 in der ARD-Mediathek angeschaut:
    http://www.ardmediathek.de/tv/Glaube-Lieb…castId=20281138

    Es geht in diesen drei Sendungen nicht ein einziges Mal um das Thema Beschneidung bzw. könnte man daher oberflächlich betrachtet davon ausgehen, dass ich hier komplett OT einen Thread eröffne. Das Thema dieser Sendungen ist aber Sexualität und Religion oder genauer gesagt, welche Vorschriften es in den jeweiligen Religionen zum Thema Sexualität gibt.

    Für mich war es spannend zu erfahren, dass offenbar jede Religion ihren Anhängern genau vorschreiben möchte, wie er oder sie seine Sexualität ausleben oder teilweise sogar völlig unterdrücken soll. Ich habe mich hier nach dem Sinn und Zweck gefragt, warum Religionen der Sexualität eine Spiritualität verleihen wollen und im Gegenzug die Menschen bevormunden. Auch habe ich mich gefragt, welche Elemente aus einem "ursprünglichen" Glauben oder einem ethischen Grundverständnis stammen und welche Elemente wohl ehr im Laufe der Zeit den Zweck erfüllen sollten, Macht über die Gläubigen auszuüben.

    Dies sind aber nur vordergründig einige Aspekte, die mir durch den Kopf geschossen sind. Der Bereich, der mich dazu bewogen hat diese Sendungen hier zu verlinken ist ein anderer. Es gab die französische Revolution und auch die sexuelle Revolution. Die französische Revolution brachte u.a. Glaubensdogmen ins Wanken und hob auch offiziell Standesunterschiede für Geschlechtspartner untereinander auf. Sie brachte uns in der nachfolgenden Entwicklung die Menschenrechte und damit elementare Grundrechte wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

    Die sexuelle Revolution ist ja gemessen an der Menschheitsgeschichte noch nicht lange her und sie brachte beispielsweise Denkmuster wie die Stigmatisierung von Homosexualität oder außerehelichem Geschlechtsverkehr ins wanken. All diese Errungenschaften, die manche jedoch noch heute als Fluch empfinden, finden sich in unserem Grundgesetz wieder.

    Mir fällt hierbei auf, dass wir einerseits ein ziemlich modernes "Recht" besitzen und auf der anderen Seite mit Religionen konfrontiert werden, die auf Jahrtausende alte Traditionen pochen. Unser Rechtssystem erlaubt homosexuellen Geschlechtsverkehr und die katholische Kirche würde die Betroffen am liebsten dazu verdammen ihre persönliche Sexualität niemals auszuleben. Aber selbst in den evangelischen Kirchen kann der Begriff Gender Panik verbreiten.

    Unter diesem Kontext stellt sich für mich die Frage, ob die Beschneidungsdebatte nicht vielleicht sogar eine Art "Stellvertreterkrieg" zwischen einer modernen aufgeklärten Gesellschaft und dem ewig Gestrigen ist. Uns Recht versucht unsere körperliche Unversehrtheit zu schützen und soll jedem auch gewährleisten, dass er seine Sexualität frei und uneingeschränkt ausüben darf.

    Die eine Glaubensgemeinschaft kontert hier aber mit dem Zölibat und die anderen Religionen dürfen unter zur Hilfenahme des § 1631d BGB gegen das Recht der Unversehrtheit verstoßen und die Sexualität beschneiden. Irgendwo kommt mir dies so vor als ob alle den PC auf dem Schreibtisch stehen hätten, aber dennoch teilweise auf der Schreibmaschine ihre Postings tippen, weil dies so in den Glaubensdogmen ihrer Urahnen verankert ist.

    Vielleicht ist die Beschneidungsdebatte daher nur der Beginn einer dritten Revolution, wo es nun darum geht, die Errungenschaften der Aufklärung endlich uneingeschränkt in der Realität umzusetzen.

    Ich hoffe ich habe Euch mit meinen Ausführungen nicht zu sehr gelangweilt. Auch hoffe ich, dass Ihr auch erkennen könnt, warum ich zu dem Schluss gekommen bin, dass die Beschneidungsdebatte vermutlich nur die Spitze des Eisbergs sein wird.

    Die Geschichte mit der "Fremdheit" kapiere ich ja ohnehin nicht so richtig. Rund die Hälfte der Kinder unterscheiden sich genital eklatant von ihren Vätern und dennoch käme hier keiner auf die Idee plastische Chirurgen zu kontaktieren. Vielleicht ist der Mensch sogar in der Lage mit einer "Fremdheit" besser umzugehen als mit der Verstümmelung seiner Selbst.

    Aufgrund der zitierten Passagen, verstehe ich ja nur Bahnhof, um was es in diesem Buch tatsächlich gehen soll. Allerdings habe ich dennoch den Verdacht, dass hier Profis ihre beruflich "erlittenen Traumatas" statt mit einer Supervision durch das Verfassen eines Buches überwinden wollen.