Beiträge von NoCut


    Zuerst möchte ich mal was loswerden. Die Passagen der Rede von Frau Knobloch, die in den Nachrichten zu hören waren, habe ich als sehr deplatziert empfunden. Es ging um das Gedenken von Opfern des Nationalsozialismus und sie hatte mit Erfolg versucht einen politischen Eklat mit der AfD zu provozieren. Ich denke, die Opfer hätten es verdient gehabt, dass man ihrer gedenkt, statt sie für aktuelle und sehr konkrete politische Interessen zu missbrauchen.

    Ich kann nicht abschließend beurteilen, ob die AfD "nur" rassistisch oder auch antisemitisch ausgerichtet ist. Das spielt aber aus meiner Sicht ohnehin keine Rolle, weil beides ein Verstoß gegen die Menschenrechte darstellt und diese Partei überwacht und wohl leider aufgelöst werden muss. "Leider" deshalb, weil wir hinterher noch schwerer einschätzen können, bei welchen etablierten Parteien dann solche Politiker wieder an Einfluss gewinnen werden.

    Hinsichtlich der Glaubensdogmen von Frau Charlotte Knobloch gebe ich zu bedenken, dass es dem Judentum doch auch nicht geschadet hat, dass jetzt auch Frauen gleichberechtigt angesehen werden. Je nach Lesart der Bibel dürfte es doch sonst keine Frau als Präsidentin des Zentralrats der Juden geben.

    Wenn man das Judentum auf das Schächten und die Beschneidung reduzieren will, trägt man die Asche als Tradition weiter, was dafür sprechen würde, dass man zu blöd dafür war oder ist, das Feuer am brennen zu halten. Ich wünsche daher den jüdischen Gläubigen, dass sie bald von Menschen vertreten werden, die nach vorne, statt ständig zurück blicken.

    Wenn ich mich bspw. eines Tages mit meinem intakten Bruder streiten sollte, und er den Joker: die Vorhaut-Karte zieht (mich wegen Zirkumzision verbal attackieren), wie soll ich mich rechtfertigen?

    Mein Bruder konnte früher sehr aggressiv werden. Mittlerweile eigentlich nicht wie damals. Dennoch frage ich lieber nach.


    Bevor Du Dir hier einer "Rechtfertigung" überlegst, solltest Du Dir aber zuerst überlegen, wie Du reagierst, wenn just an diesem Tag ein Erdbeben alles um Dich herum einstürzen lässt, die Klimakatastrophe ganz Europa überschwemmt oder das gesamte Internet weltweit für 3 Stunden wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet werden muss. Und während Du Dir dies überlegst, wird Dir wohl hoffentlich bewusst werden, dass nicht alle Foristen so blöd sind, jedem Troll Futter zu geben.

    Ich möchte ja gar nicht abstreiten, dass Du tatsächlich psychische Probleme hast. Manche mögen sogar mit Deiner Beschneidung zu tun haben. Überwiegend wirfst Du hier aber Hirngespinste ins Forum und erwartest, dass diese mit allem ernst diskutiert und auf breite Resonanz stoßen. Wie mehrfach erwähnt brauchst Du aber kein Publikum, sondern einen Therapeuten. (off topic)

    Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn in einem Forum auch externe Inhalte als Quellen verlinkt werden. Ich persönlich empfinde es jedoch als eine Unsitte, wenn Quellen verlinkt werden, aber man sich noch nicht mal die Mühe macht, deren Inhalte entweder wörtlich oder mit eigenen Worten darzustellen. Nicht jeder kann überall oder auf der Arbeit einfach mal eben ein paar Videos abspielen.

    Und wie kann man sich über das hinwegsetzen, was in der heiligen Schrift steht?


    Die Heilige Schrift ist sehr alt und wurde zwar auch über Jahrhunderte hinweg immer wieder übersetzt, abgeschrieben, verfälscht und auf andere Weise verändert, aber die Gesellschaft hat sich stärker verändert als dieses Buch, dessen "Erstausgabe" ja auch schon seit vielen Jahrhunderten zu Staub zerfallen ist.

    Menschenrechte sind im Vergleich zur Bibel wesentlich moderner. Die Bürgerrechte wurden bereits 1789 ausgerufen und Olympe de Gouge forderte bereits zwei Jahre später die gleichen Rechte für Frauen ein. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bedeuteten seinerzeit aber nur, dass Olympe de Gouge wie sie es selbst prophezeit hatte, wie ein "Mann" für ihre Forderungen hingerichtet wurde.

    Nach über zweihundert Jahre ist es so gesehen tatsächlich eine Schande für die ganze Menschheit, dass wir Gleichheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit noch immer vom Geschlecht der Betroffenen abhängig machen. Da wirkt es richtig kleinbürgerlich, wenn ein Politiker wie Wolfgang Schäuble das Frauenwahlrecht als Fortschritt würdigt, während seine Partei dafür gesorgt hat, dass wieder Jahrtausende alte Rituale straffrei an Kinder praktiziert werden dürfen. Man kann nicht einerseits wehrlose Kinder zwangsverstümmeln und auf der anderen Seite die Einführung des Frauenwahlrechts feiern.

    Ich finde es klasse, wenn sich Hebammen und Entbindungspfleger hier auch für die körperliche Unversehrtheit von Jungen einsetzen. Im Gegensatz zu Politikern, religiösen Demagogen und anderen Scharlatanen besitzt diese Berufsgruppe wie wohl kaum eine andere noch eine Gespür dafür, wie wertvoll Leben ist und wie sehr sich eine aufgeklärte Gesellschaft dafür einsetzen sollte, das Recht auf körperliche Unversehrtheit zu schützen.

    Jüdisches Leben ist nicht nur Zwangsbeschneidung. Wir haben es hier mit der ältesten Weltreligion zu tun, die wie alle Religionen sowohl ihre Sonnen- wie auch ihre Schattenseiten besitzt. Es wäre aus meiner Sicht dumm und naiv, die Schattenseiten zu verleugnen, aber auf der anderen Seite ist es dringend notwendig, dass mehr Menschen von der "Sonnenseite" dieser Religion erfahren, damit dem Antisemitismus entgegengewirkt wird.

    Menschen lehnen oft das ab, was sie nicht kennen. Davon abgesehen war es wohl auch der Nationalsozialismus, der seinerzeit die Bewegung des Reformjudentums jäh ausgebremst hatte. Vielleicht hätten die jüdischen Gemeinden das Thema Beschneidung längst von sich aus abgeschafft. Die Judenverfolgung hat aber wohl auch dazu geführt, dass man sich seiner Identität bedroht fühlte und in diesem Kontext ist es ja nahezu verständlich, dass man jedes Fragment zum elementaren Inbegriff der eigenen Religion hochstilisiert hat und auch heute noch daran festhält (siehe hier z.B. auch Menschen, die hier leben, aber sich mit der arabischen Kultur eng verbunden fühlen).

    Das Problem dürfte aber sein, dass alle Beteiligten viel zu verkrampft sind, wenn es hier um einen offenen Dialog gehen soll. Und dies führt dann leider oft dazu, dass Kinder von Erwachsenen manipuliert werden, weil diese sich selbst nicht trauen sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen (frei nach I. Kant).

    - bitte versuche, pauschales Religions-Bashing zu vermeiden.


    Ich gebe Dir insofern Recht, dass ich nicht ausschließen möchte, dass es vielleicht auch irgendwo auf unserem Planeten eine Religion geben könnte, die vollkommen friedlich ist und die noch nie einem Menschen Leid zugefügt hat. Mir fällt hier nur leider kein einziges Beispiel ein ;)

    Mir ging es aber eh um Bonhoeffer, dem auch folgender Text zugeschrieben wird:

    "Wer des Zweifels schale Frucht genossen, bleibt vom Tische Gottes ausgeschlossen.
    Von des hell‘gen Landes voller Traube trinkt allein der unversehrte Glaube.
    ...
    Reich‘ dem Zweifler drum den bittern Trank, und der Glaube sagt Dir Lob und Dank."

    Bonhoeffer war es wohl mit seiner Kritik an der Religion schon ernst. Er hat gesehen, wie Christen sich einer Ideologie anschlossen, statt dieser entschlossen entgegenzutreten. Und genau so hat sich aus meiner Sicht auch die evangelische Kirche wieder schuldig gemacht. Als es um ein Verbot von Zwangsbeschneidungen ging, hat sich die evangelische Kirche auf die Seite derer gestellt, welche die Grundrechte von Kindern auch weiterhin missachten wollten.

    Wolfgang Huber behauptet, dass er sich sein Leben lang mit Dietrich Bonhoeffer beschäftigt hätte. Kapiert hat er es wohl bis heute nicht. Davon abgesehen war es nie die Aufgabe der evangelischen Kirche für die Zwangsbeschneidung einzutreten. Im Christentum gibt es die symbolische Beschneidung der Herzen. Aber immer wenn eine solche Reißleine überschritten wird bzw. Dogmen untermauert werden, die dem eigentlichen Glauben fremd sind, betrachte ich dies als religiöse Ideologie.

    Zitat von Wolfgang Huber

    Mich selbst hat das Leben und Denken Dietrich Bonhoeffers ein Leben lang beschäftigt.

    Und Dietrich Bonhoeffer hatte nicht nur den Mut an einem politischen Attentatsversuch teilzunehmen, sondern er dachte, obwohl er selbst Theologe war, über ein religionsloses Christentum nach.

    Die evangelische Kirche hat im Jahr 2012 und auch bis heute die Kinderrechte genauso mit Füßen getreten wie alle anderen Religionen. Wäre der Teufel keine Erfindung der Religiösen, würde ich diese selbst dorthin wünschen.

    Erläuterung:
    Religion könnte man übertrieben ausgedrückt als die ideologische bzw. fanatische Form des Glaubens bezeichnen, welche überall auf der Welt immer wieder für Leid und Elend gesorgt hat. Man müsste also nur den Glauben von der sündigen Religion befreien, damit die Nächstenliebe z.B. auch die Kinder vor dem grausamen Ritual der Zwangsbeschneidung schützen würde.

    "Was für ein Pass jemand hat...oder welchen Glaubens er ist...spielt das eine Rolle?"

    - hallo Urolüge, spätestens wenn es um Klingen am und im Kinderkörper geht, bin ich der Ansicht:

    Ein Kind hat noch gar keine Religion.


    Die grausame Ironie besteht aber darin, dass Kinder deshalb beschnitten werden, weil sie noch keine Religion haben und die Beschneidung im Gegensatz zur Taufe auch lebenslang sichtbare Spuren hinterlässt.

    Ob die Justiz oder die Ärzteschaft für Gerechtigkeit sorgen kann, welche der Gesetzgeber in Form der Regierung ausdrücklich mit Füßen getreten hat, ist fraglich. Was ist bedeutet "ärztliche Kunst", die schadet und weder heilt noch die Vermeidung von Krankheit zum Zweck hat. Da muss es schon extrem dick kommen, um gegen diesen Gummiparagraphen zu verstoßen.

    @Saimaa

    Du hast natürlich vollkommen Recht, dass ich hier wild mit Begriffen jongliere, die je nach Perspektive, Weltanschauung, Religion, Ideologie oder Kulturkreis völlig unterschiedlich definiert sein können. Selbst die Droits de l’Homme, welche in Artikel 4 bereits jedem verboten haben etwas zu tun, was einem anderen schadet, hatten einen großen "Schönheitsfehler". Und Olympe de Gouges, welche diesen elementaren "Schönheitsfehler" kritisierte, landete dafür auf dem Schafott.

    Ich denke aber dennoch, dass man die Menschenrechte nicht gefühlt zum hundertsten Mal neu definieren muss, um "Gut" und "Böse" bzw. Recht und Unrecht zu unterscheiden. Sicherlich ist es die Aufgabe der Ethik darüber zu entscheiden, welche Moral eine Hure ihrer Erschaffer ist oder welche Moral tatsächlich dem Menschen dient und dessen Wohl zu ihrer Aufgabe macht.

    Politik kennt dagegen tatsächlich weder Moral noch Ethik. Die Politiker entscheiden im Sinne ihrer Partei und die Wähler geben denen die Stimme, die gerade die Parolen vorlügen, welche sich fürs Wahlvolk gut anhören.

    Wen wundert es da, dass selbst in Deutschland, wo doch der eine oder andere Aufklärer oder Menschenrechtler die Gesellschaft geformt hatte, etwas wie der § 1631d BGB möglich wurde. Eine Gesellschaft entwickelt sich wohl nicht immer nur vorwärts, sondern auch zuweilen rückwärts, wie ja auch der Blick ins vergangene Jahrhundert mehrfach bewiesen hat.

    Natürlich sind viele medizinisch Behandlungen "Verletzungen des Körpers", welche durch die Einwilligung erst legitim werden. Steht bei einer medizinischen Behandlung die Gesundheit des Patienten im Vordergrund, ist ja auch alles im grünen Bereich. Wird aber ein Kind aufgrund einer Ideologie oder Religion zwangsbeschnitten, wird diese Einwilligung zur Farce und die Körperverletzung bleibt zwar gegenwärtig aufgrund des § 1631d BGB straffrei, aber dennoch macht sich sowohl der Arzt, Beschneider wie auch die Auftraggeber in Form der Eltern damit eines Verbrechens gegen die Menschenrechte bzw. gegenüber dem minderjährigen Opfer schuldig.

    Man kann sich zwar durch den § 1631d BGB oder religiöse Vorschriften einreden, richtig gehandelt zu haben, aber wenn jemand auch nur etwas aufrichtig ist und seine Sinne nicht beschränkt sind, muss er doch irgendwann erkennen, welche Schuld er hier auf sich geladen hat. Ähnlich verhält es sich hier wohl auch mit "asiatischen Menschenrechten" und anderen Ideologien, die dem Menschen schaden und damit auch insgesamt dazu führen, dass eine ganze Gesellschaft in Angst und Schrecken leben muss.

    Natürlich kann auch eine Körperverletzung "erlaubt" sein. Es gibt ja sogar Länder, wo noch heute Steinigungen "erlaubt" sind. Es hängt also nur davon ab, wie aufgeklärt bzw. wie sehr sich eine Gesellschaft oder deren Regierung mit den Menschenrechten identifiziert oder diese auch gerne aus opportunistischen Gründen mal mit den Füßen tritt.

    Es ist naiv zu glauben, dass eine Frau Merkel, die CDU/CSU oder Frau Leutheusser-Schnarrenberger Verfechter des Humanismus oder der Menschenrechte wären, nur weil sie in Deutschland "wirken" und von den Bürgern gerne als integer wahrgenommen werden. Fakt ist aber, dass man nach dem Handeln und nicht nach dem Geschwafel urteilen sollte, ob Menschen Gutes oder Böses tun.

    Und ich habe den Eindruck, das es Dir gefällt, dass Du im Mittelpunkt einer großen Diskussion stehst. Aber die Diskussion führt zu nichts, Du bist immer noch auf Deinem Standpunkt. Also wozu das alles??
    Für mich ist das nur viel Theater...

    Und diese Meinung darf ich haben, so wie Du Deine haben darfst!


    Bei der Frage, was "echt" und was "Theater" ist, fällt es auch mir allmählich immer schwerer, das eine vom anderen zu unterscheiden. Tatsächlich bekomme aber auch ich immer mehr den Eindruck, dass dieser Thread zu nichts führt, weil CCrippled offenbar bis heute lieber im Internet rumtrollt, statt sich professionelle Hilfe zu holen. Vielleicht hilft es ihm daher sogar mehr, wenn er auf einer Bühne im Mittelpunkt steht und langsam erkennt, dass das Publikum bereits gegangen ist.

    P.S. Der letzte macht bitte das Licht aus ;)

    Das Gespräch vor der OP war ziemlich kurz. Mir wurde erzählt was gemacht wird, wann die Fäden ca. von selbst abfallen und das wars. Ich kam mir ziemlich abgefertigt vor...


    Dann bleibt zu hoffen, dass Du wenigstens bei lebensentscheidenden Operationen erst dann Deine Einwilligung erteilst, wenn die Ärzte Dich nicht im Schweinsgalopp abfertigen.

    Da hast übrigens nicht erwähnt, warum Du beschnitten wurdest bzw. welche Therapien bereits ohne Erfolg zuvor zur Anwendung kamen. Oder hast Du Deine Sexualität gar auf eigenen Wunsch hin beschneiden lassen? Falls ja, wird die OP wenigstens in diesem Punkt voraussichtlich ein voller "Erfolg" werden.

    Ich wäre mal neugierig auf Studien zu Komplikationen aus Israel und anderen Ländern wo Nicht-Mediziner traditionelle Beschneidungen durchführen.


    In Israel gibt es tendenziell "niemals" tödliche Zwischenfälle nach einer Beschneidung. Stirbt dort ein Kind aufgrund einer Beschneidung, wird einfach dessen "Existenz" quasi verleugnet bzw. aus dem Bewusstsein verdrängt:

    Nur ein kleiner Teil dieser Todesfälle kam bislang an die Öffentlichkeit. Wie soll man die wahre Zahl der Todesopfer herausfinden, wenn solche Fälle aus den Stammbäumen jüdischer Familien gelöscht wurden, wie meine Dokumentation zeigt?


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    Zum Ausgangsposting:

    Wie jedes Mal, wenn ein Kind an einer Zwangsbeschneidung stirbt, ist auch dieser Fall wieder schrecklich. Dennoch ist dieses Mal offenbar innerhalb der öffentlichen Wahrnehmung etwas anders. Vielleicht weil der Fall in Italien passiert ist oder weil es zur Weihnachtszeit geschehen ist, jedenfalls haben plötzlich Leute davon etwas mitbekommen, die sonst immer wieder viel Verständnis für Zwangsbeschneidungen geäußert haben.

    Frau Merkel hat sich geistig in den Ruhestand verabschiedet, Frau Leutheusser-Schnarrenberger kämpft auch für das digitale Vergessen ihres Gesetzesentwurfs hinsichtlich des § 1631d BGB und wir müssen alles daran setzen, dass dieser blutige Schandfleck aus unserem BGB gestrichen wird.

    Bevor ich die vollständige Akzeptanz erreiche, sollte ich zunächst einfach versuchen, es einfach zu vergessen.


    Wie willst Du Dein Problem mit "vergessen" lösen? Die Religionen haben wohl nicht ohne Grund eine Stelle dafür erkoren, an der sie die Angehörigen ihrer Herde "markieren", damit diese dann auch möglichst häufig daran erinnert werden, welchen Glauben man ihnen aufgezwungen hat. Bei Dir kommt dann aber noch Deine Familie und Dein Bruder ins Spiel, weshalb vergessen bei Dir vermutlich die dümmste Option wäre, um gegen diese inneren Verletzungen immuner zu werden.

    Ich habe mich schon vor meiner Pubertät auf meine erste Liebe gefreut. Als ich die Wahrheit über Beschneidung begriffen habe, war mir klar: „Ne'.... das ist leider zu schön um wahr zu sein für den Menschen der ich bin. Anders als Gefühlt 99% der Menschheit.


    Du schreibst von "gefühlt 99% der Menschheit", für die der Sex besser ist. Die Betonung liegt also auf gefühlt. Du weißt, dass viele Frauen nie einen Orgasmus erleben, viele Männer mit vorzeitigen Ejakulationen zu kämpfen haben und viele andere Problem, die auch dazu führen, dass Deine 99% mit der Realität rein gar nicht zu tun haben. Der Unterschied dürfte aber sein, dass die meisten versuchen aus der Realität das Maximum herauszuholen und damit wohl tendenziell ein großer Teil der Menschheit mit seinem Sexualleben zumindest zufrieden und ein bescheidener Teil vielleicht sogar rund um und ständig glücklich ist.

    Die meisten sind entweder genetisch bedingt oder geschehen auf eigene Verantwortung. Bspw. verantwortungsloses Fahren.

    Meine Behinderung wäre so leicht vermeidbar gewesen, schon wäre ich auf der überlegenen Seite der männlichen Weltbevölkerung.


    Was ist mit Unfallopfern, die querschnittgelähmt sind, weil ein anderer Autofahrer aufs Smartphone statt auf den Verkehr geachtet hat? Was ist mit einem Motorradfahrer, der vielleicht selbst die "Verantwortung" für einen erlittenen Unfall hat, aber ist das gerecht, dass der dann für den Rest seines Lebens leiden muss, während die anderen aus seiner Motorrad-Clique weiterhin glücklich ihre Runden drehen und einfach etwas mehr Glück gehabt haben. Ob wir unser Schicksal ändern können, ist wohl eine religiöse oder esoterische Frage. Wie wir mit unserem Schicksal aber umgehen und ob es uns gelingt dennoch glücklich zu werden, hängt vorwiegend von uns selbst ab.

    Ein sehr wertvoller Gedanke.


    Eine Frau wird einen Mann bestimmt nicht wegen einer Beschneidung den Laufpass geben oder nicht mit ihm zusammen sein wollen. Sie wird ihm aber postwendend einen Korb geben, wenn er wie ein Jammerlappen im Selbstmitleid versinkt. Jeder Mensch will doch glücklich werden und wie soll eine Frau glücklich werden, wenn sie sich die Last eines Mannes aufbürdet, der immer nur damit beschäftigt ist sein eigenes Schicksal zu beweinen, egal wie unschön dieses Schicksal auch sein mag.

    Oder mal ganz krass und direkt gesagt. Mit Gejammer wirst Du sicherlich auf Frauen treffen, die Mitleid mit Dir haben. Wenn Du aber Sex, statt Mitleid haben willst, funktioniert das so nicht.

    Am Liebsten würde ich meinen Bruder eine lange Zeit nicht mehr erblicken, denn er ist die primäre Quelle meines Minderwertigkeitskomplexes.


    Das ist doch ein ganz wichtiger Komplex, der offenbart, dass es eben nicht nur primär um Deine Beschneidung selbst geht. Therapeuten arbeiten hier oft mit sogenannten Familienaufstellungen. Wenn Du Dich auf so etwas einlässt, versuche aber zeitnah Folgetermine zu bekommen, weil hier vieles an die Oberfläche kommen kann, was man besser gemeinsam als allein verarbeiten kann. Eine Familie ist wie ein Mobilee, welches einen Gleichgewichtszustand besitzt. Wenn Du es jetzt schaffst, Deinen Minderwertigkeitskomplex zu begraben, gerät dieses Mobilee aus dem Gleichgewicht und die anderen werden tendenziell versuchen Dich wieder auf Deine alte Position zurückzudrängen. In einer Familie spielt jeder eine bestimmt Rolle und sobald man sich von dieser löst, erlebt man oft innere Widerstände. Wie schon geschrieben, suche Dir hierfür besser einen Therapeuten.

    Das Video ist von Jordan Arel. Eine sehr wertvolle Botschaft.


    Es geht hier um Dich und nicht um einen Jordan Arel, egal wie wertvoll dessen Botschaft auch sein mag.

    @Schnippi
    Ich denke nicht, dass wir uns im Kreis gedreht haben. So wie ein Katalysator eine bestimmte chemische Reaktion auslösen kann, hat hier wohl die Beschneidung ein anderes Problem massiv verstärkt.

    Stimmt...aber die sollte man differenziert sehen...was ist nunmal halt so...und was wurde von Menschen an anderen Menschen gemacht, denen angetan? Kein gewaltiger Unterschied?


    Du hast natürlich vollkommen Recht. Wenn die "Natur" oder das eigene Fehlverhalten an einem Handicap schuld trägt, ist das nicht das gleiche, wie wenn ein anderer Mensch, eine Religion oder Behandlungsfehler der Grund dafür sind. Es gibt aber eine große Gemeinsamkeit. In allen Fällen kann man die Situation akzeptieren oder daran zugrunde gehen.

    Akzeptieren bedeutet ja nicht, dass man nicht weiterhin mit dem Finger auf denjenigen zeigt, der einem dies angetan hat. Dennoch bedeutet akzeptieren aber, dass man damit beginnt, das beste aus dem zu machen, was einem bleibt. Und ich denke hier sind wir dann wieder auf einer Linie ;)

    Wer war Nelson Mandela? Jeder glaubt wohl zu wissen, wer dieser Mann war, aber wenn man seine Aussagen zum Thema Beschneidung hört, zeichnet sich ein fremdes und erschütterndes Bild von diesem Mann, an dem viele unkritisch hinaufgesehen haben. Jeder Mensch hat wohl seine dunklen Seiten und manchmal überschätzen wir auch Menschen gnadenlos, weil wir in ihnen etwas sehen wollen, was dort gar nicht so existiert. Wie würden wir z.B. über jemanden denken, der mit vierzig Jahren eine Frau mit Anfang zwanzig ehelicht. Es kann Liebe sein, aber es kann auch die Liebe nach der Jugend sein. Wäre Mandela kein Nationalheld geworden, hätte man seine drei Ehen wohl in einem völlig anderen Licht wahrgenommen. Mandela hat gegen die Rassentrennung gekämpft und wurde dafür verehrt. Und Schwachköpfe im Bundestag haben dabei völlig übersehen, dass Mandela somit kein Experte für Menschenrechte oder die Frage nach der ethischen Rechtfertigung von Zwangsbeschneidungen war.

    Bei dem verlinkten Bericht ist mir aufgefallen, dass hier so explizit betont wurde, dass die Beschneidungen ohne Betäubung stattfinden. Gem. dem § 1631d BGB gilt dies doch bei uns auch für alle Babys. Warum soll es für einen Erwachsenen schmerzhafter sein als für ein Baby. Und wenn es für einen Erwachsenen sehr schmerzhaft ist, warum verbietet man es dann nicht gerade erst recht für Babys? Hat man etwa Angst, dass man hier die einzigen Lobbyisten ausgebootet hätte, für den man den § 1631d BGB geschaffen hat. Und bevor hier Missverständnisse aufkommen, meine ich mit Lobbyisten nicht die Gläubigen, sondern die fanatischen orthodoxen Extremisten, die die Schar der Gläubigen seit Jahrtausenden daran hindern ihren Glauben weiterzuentwickeln.

    Beschneidung aber noch mehr.


    Diese These wage ich zu bezweifeln. Eine Beschneidung wird sicherlich die Empfindlichkeit verringern und in seltenen Fällen kann dies wohl auch dazu führen, dass ein Orgasmus unmöglich wird. Impotenz vom Rauchen bedeutet aber, dass es jedes Mal nicht mehr klappt bzw. das gar keine ausreichende Erektion mehr möglich ist, um einen Orgasmus zu bekommen. Ich muss jedoch auch eingestehen, dass Impotenz Dank der blauen Pillen vermutlich für die meisten seinen Schrecken verloren haben dürfte.

    Aber ähnlich wie bei einer Beschneidung, muss man hier erst mal mit seiner Partnerin offen darüber sprechen und Romantik bzw. Spontanität wird meist durch eine entsprechende Vorplanung ersetzt. Im Grunde hat doch jeder irgendwo ein Handicap, mit dem er leben muss. Der eine hat ein paar Pfund zu viel auf den Rippen und fürchtet verlassen zu werden, der andere hat extrem schwitzige / stinkige Füße, die eine Frau abturnend finden kann und der übernächste hat schon mit zwanzig eine Glatze, die ihn auch in sexuellen Dingen unsicher werden lässt.

    Wenn aber der Mann hinter diesem Handicap kein Weichei ist und versucht mit diesen Schwächen möglichst souverän umzugehen, bin ich fest davon überzeugt, dass ihn dies attraktiver, statt abstoßender auf die Damenwelt erscheinen lässt.

    Die Vorgehensweise einen Nachteil in einen Vorteil umzuwandeln, ist aber für Dich wohl gegenwärtig noch sehr schwer vorstellbar. Du musst erst noch lernen, das nicht Veränderbare für Dich selbst zu akzeptieren und Deinen Hass auf diejenigen, die Dir das angetan haben so zu erleben, dass dieser nicht am Ende wieder auf Dich selbst zurückfällt.

    Bald beginnt doch wieder ein neues Jahr. Versprichst Du mir, dass Du im neuen Jahr endlich mal zu einem Therapeuten gehst und mit ihm/ihr gemeinsam versuchst das ganze etwas auf die Reihe zu bekommen.

    P.S. Das verlinkte Video habe ich wie bereits bei den letzten Videos nicht angeklickt. Wenn Du was mitteilen möchtest, dann schreibe das auch und verlinke nicht irgendwelche Videos, die von anderen ins Netz gestellt wurden oder von Dir nur verändert wurden.

    Ich glaube aber zu wissen, dass man bei den Mandeln vor einigen Jahren auch noch sehr operationsfreudig war. Ich bin mir aber nicht sicher.


    Ich bekam selbst als Kind die Mandeln entfernt. Ähnlich ließ man sich ja früher auch oft häufig die Weisheitszähne prophylaktisch ziehen (auch das habe ich hinter mir). Diese Fragen haben aber alle nichts mit der Ausgangsfrage zu tun.

    Es gab und gibt Irrtümer innerhalb der Medizin, aber es gibt auch immer wieder Ärzte, die einfach ihrer Zeit hinterher hinken und damit für ihre Patienten eine potentielle Gefahr darstellen. Und es gibt natürlich auch Ärzte, die den aktuellen Stand der Wissenschaft bewusst ignorieren, um mehr Honorar zu generieren. Mit anderen Worten kann man somit zusammenfassen, dass Ärzte die heute noch grundlos Beschneidungen durchführen entweder unfähig sind oder kriminell. Bei denen, die religiöse Zwangsbeschneidungen vornehmen, kann die Unfähigkeit übrigens auch darin bestehen, dass sie nicht in der Lage sind, den Erziehungsberechtigten klar zu machen, dass Zwangsbeschneidungen eine Körperverletzung darstellen, die nur durch die Willkür des Gesetzgebers straffrei bleibt und gewissenhafte Eltern dies niemals ihren Kinder antun sollten.