Ich würde das Ganze so gerne rückgängig machen, aber das geht nicht.
Du bereust aufrichtig Deine damalige Entscheidung. Sicherlich lässt sich die Beschneidung nicht rückgängig machen, aber Du hast Anstand und Verantwortungsgefühl.
Als dies alles geschah, lebtest Du ja in den USA. Dort war die Bescheidung quasi Normalität und ist es wohl auch noch heute. Auch wenn Du Deinem Sohn nicht mehr direkt helfen kannst, so tust Du hier sehr viel für alle diejenigen, welche noch intakt sind und deren Eltern ebenfalls vor dem Schritt stehen ihre Kinder unüberlegt beschneiden zu lassen.
Auch gibt mir Deine Posting einen tiefen Einblick in das Empfinden, wie es vermutlich viele Eltern erleben, die ihre Kinder irgendwann mal aus religiösen oder verdreht moralischen (siehe USA wg. Masturbation) Gründen haben beschneiden lassen. Wenn man wie Du diese Entscheidung selbst als falsch erkennt, setzt man sich ja auch den eigenen Schuldvorwürfen aus, was die meisten vermutlich nicht ertragen und daher lieber darauf drängen, dass auch die Enkel unters Messer kommen.
Ich finde es auch klasse, dass Du mit Deinem Sohn darüber reden möchtest. Sicherlich hast Du Deinem Ex-Mann bzw. dem Vater seines Sohnes nachgegeben. Aus eigenen Stücken hättest Du ihm dies aber offenbar nicht "angetan", weshalb die eigentliche Schuld mehr bei seinem Vater liegt. Du schreibst, dass Du jung warst und es nicht besser wusstest, was vor 20 Jahren ja auch tatsächlich für die meisten noch gegolten haben wird.
Quäle Dich nicht zu sehr mit Selbstvorwürfen, denn Du hast eigentlich großen Respekt dafür verdient, wie Du nun mit dem ganzen umgehst. Und Dein Sohn wird bestimmt auch verstehen, wie das ganze passieren konnte. Davon abgesehen war und ist für ihn vermutlich die Beschneidung "Normalität" gewesen, wenn ja auch sein Vater beschnitten war. Sicherlich ein schwacher Trost, aber ich vermute, dass er weniger mit der damaligen Entscheidung hadert als Du. Vorallem kannst Du aber in einem Gespräch erreichen, dass nicht auch noch irgendwann die nächste Generation der "Tradition folgend" beschnitten wird.
Ich frage mich, woher auf einmal deine Selbstvorwürfe kommen?
Ja, dies ist eben der Unterschied. Du empfiehlst aktuell jedem unreflektiert die Beschneidung, weil Deine Beschneidung noch nicht lange her ist und bei Dir daher wohl noch keine Nachteile (Keratinisierung mit Sensibilitätsverlust) aufgetreten sind. Steffi ist aber im Gegensatz zu Dir ein verantwortungsvoller Mensch, der anderen nicht schaden möchte.