Deswegen brauchen wir mehr direkte Demokratie, auch wenn Volksabstimmungen sicherlich auch manchmal Resultate bringen werden, die mir und/oder dir nicht schmecken. Das ist der Preis, den man bezahlen muss.
Wie schon erwähnt, weiß ich ja auch nicht, ob diese neue Partei eine Möglichkeit ist, unser gemeinsames Ziel, ein Verbot von Zwangsbeschneidungen, Nachdruck zu verleihen. Hier wird man abwarten müssen, ob es diese Partei überhaupt rechtzeitig ins Bewusstsein der potentiellen Wähler schaffen wird.
Früher glaubte ich auch, dass direkte Demokratie die Politik an die Kandare nehmen könnte. Man sieht ja aber z.B. in der Schweiz, wie dort auch im Rahmen der direkten Demokratie Entscheidungen durch entsprechende Kampagnen "beeinflusst" werden.
Die Bürger Dänemarks sind wie die Bürger Deutschlands offensichtlich für ein Verbot der Zwangsbeschneidungen. Statt aber mit der Brechstange per Gesetz hier Fakten zu schaffen, schafft man mit der Dokumentationspflicht eine neue Öffentlichkeit für dieses Thema und baut natürlich auch gesellschaftlichen Druck auf.
Der eine oder andere wird jetzt enttäuscht denken, dass wir hier "nur" von einem Papiertiger sprechen, aber die Reaktionen scheinen klar deutlich zu machen, dass dieses Vorgehen seine Wirkung nicht verfehlt und daher auch schon für entsprechende Reaktionen gesorgt hat:
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26703
[Man beachte übrigens das "Kompliment" bezüglich der guten Organisation,Vernetzung und Hartnäckigkeit von "uns" Zwangsbeschneidungsgegnern.]
Sobald ein Gesetzgeber die Zwangsbeschneidung Kraft Gesetz unter Strafe stellt, habe die Religionsgemeinschaften rechtliche Möglichkeiten bis hin zur politischen Lobbyarbeit, um ihrer Interessen zu wahren. Genau so ist es ja auch im Jahr 2012 in Deutschland der Fall gewesen. Sofern jetzt aber die Zwangsbeschneidung nicht verboten, aber immer mehr in den öffentlichen Fokus gerückt wird, entsteht ein gesellschaftlicher Druck, den die Religionsgemeinschaften nicht mehr einfacht mit gezielten strategischen Mitteln ruhig stellen können.
Auch darf man ja nicht vergessen, dass man gesellschaftlich in Bezug auf die Zwangsbeschneidung ja keinerlei Überzeugsarbeit mehr leisten muss. Die Mehrheit der Bürger lehnen jede Form der Zwangsbeschneidung kategorisch ab und halten sich eher angewidert oder unangenehm berührt aus dieser zutiefst intimen Diskussion zurück. Sobald dieses Tabu aber gebrochen ist und vermehrt Öffentlichkeit erfährt, wird es für die Beteiligten schon schwieriger zu erklären, warum sie nicht ihren Kindern selbst diese höchst intime Entscheidung überlassen.
Ich denke, das dänische Modell der Dokumentation in Verbindung mit der klaren Empfehlung eine Zwangsbeschneidung zu unterlassen, hat sehr viel Potential, um auch von anderen Länder adaptiert zu werden. Man vermeidet den Eklat und setzt dennoch den mehrheitlichen Konsens der Bürger um. Gleichzeitig schafft man eine Datenbasis, welche im Laufe der Jahre genau aufzeigen wird, welche fatalen Folgen Beschneidungen nach sich ziehen. Und solche Fakten lassen sich dann auch nicht mehr einfach ignorieren oder wegdiskutieren.
Hier übrigens auch noch ein Link zum hpd:
http://hpd.de/artikel/daenis…g-kindern-13860