Beiträge von NoCut

    Jetzt weiß ich endlich, was Trump damals bei "Fox News" vermutlich gesehen und sich falsch gemerkt hatte. Die haben wohl über die Religionsfreiheit in Dänemark berichtet und Trump hat wohl mal wieder nur die Namen bzw. Schweden und Dänemark aufgrund der räumlichen Nähe verwechselt.
    http://www.spiegel.de/politik/auslan…-a-1135729.html

    Anders ausgedrückt kann man Schlagzeilen & Co. aus den USA zwar auch während der Ära Trump noch lesen, aber man sollte diese niemals ungeprüft glauben ;)

    Wie eine geeignete Behandlung aussehen könnte, die den starken Leidensdruck auf Dauer reduziert, ist bisher unklar. „Es ist auf jeden Fall nicht falsch, zunächst eine Psychotherapie zu empfehlen“, sagt der Forscher. „Sie kann helfen, besser mit dem Wunsch nach einer Amputation umzugehen, den Leidensdruck der Betroffenen zu reduzieren und eine eventuell vorhandene Depression zu lindern.“ Allerdings verändert sich der Wunsch nach Amputation nach bisherigen Erfahrungen durch die Therapie kaum.


    Das ist in der Tat ein sehr interessanter Artikel. Das Krankheitsbild Xenomelie dürfte jedoch nicht mit dem Wunsch nach Zwangsbeschneidung des eigenen Sohns oder der eigenen Tochter kaum identisch sein. Selbst wenn bei den Menschen mit dieser psychischen Störung nach einer Amputation ein Schlüsselerlebnis der Auslöser war, so reden wir hier ja "nur" über ein paar tausend Menschen. Bei der Zwangsbeschneidung reden wir dagegen vermutlich von Milliarden von Eltern, die ihre Kinder haben beschneiden lassen (FGM+MGM).

    Im vorliegenden Artikel wurde berichtet, dass man auch teilweise im Gehirn eine Veränderung feststellen konnte. Mich würde es wenig verwundern, wenn man ähnliches bei Menschen entdecken würde, die ihre Kinder haben beschneiden lassen. Lernen egal welcher Art führt ja zu "Verknüpfungen" im Gehirn. Warum sollte daher die Zwangsbeschneidung nicht sowohl beim Opfer wie auch bei den Tätern (Eltern, Arzt, Beschneider, etc.) zu pathologischen Veränderungen im Gehirn führen.

    Das Opfer erleidet massive Schmerzen und muss mit den Defiziten leben lernen und die Täter müssen ihre Schuldgefühle mit religiösen oder pseudomoralischen Dogmen und Ideologien verdrängen. Diese Vorgänge spielen sich ja dann ebenfalls im Gehirn ab und es wäre ja erstaunlich, wenn dies sich nicht irgendwann ebenfalls in Form von entsprechenden "Verknüpfungen" nachweisen ließe.

    Wichtiger bzw. leider auch bedauerlicher ist aber das Fazit des Artikel zur Xenomelie. Wenn es hier für die Betroffenen neben Psychotherapie und Selbsthilfegruppen gegenwärtig kaum Behandlungsmöglichkeiten gibt, dürfte dies auch für die Beschneidungsbefürworter gelten, deren Störung sich zwar von der Xenomelie deutlich unterscheidet, aber dennoch einem ähnlichen Muster folgt.

    Es ist ziemlich abwegig, den Eltern oder den Beschneider(innen) und Ärzten/Ärtzinnen zu unterstellen, sie täten das um sexuelle Lust oder sexuelle Befriedigung zu empfinden. Es ist nicht nur ziemlich abwegig, es ist auch zu Recht empörend für Muslime, Juden, US-Bürger und Afrikaner.


    Es war einmal ein Mann, der nach heutiger Zeitrechnung mitten in der Midlife-Krise gesteckt hatte. Er war bereits lange verheiratet, aber trotz vieler vergeblicher Versuche wurde seine Frau nicht von ihm schwanger. Das einzige Kind, dass dieser Mann je gezeugt hatte, stammt aus einem Seitensprung mit einer Angestellten.

    Wie durch ein Wunder schoss dem Mann dann eine Idee in den Kopf. Wenn er sich die Vorhaut abschneiden würde, wäre er vielleicht so potent, dass er sogar seine Frau, die in den ganzen letzten Jahrzehnten nie von ihm schwanger geworden ist nun doch noch zu einem gemeinsamen Kind verhelfen könnte. Gesagt, getan, sein Frau wurde trotz ihres Alters nun doch von ihm schwanger.

    Wie würde man wohl diese "Idee" im realen Leben bezeichnen. Der Mann hatte irgendwo eine sexuelle motivierte Allmachtsphantasie, weil er sich einbildete, dass er durch das Abschneiden seiner Vorhaut derart potent würde, dass er selbst seine bereits durch ihr Alter schon tendenziell unfruchtbare Frau noch schwängern könnte.

    Und jetzt kommst Du uns sagst mir, dass es hier abwegig sei, eine sexuelle Motivation nicht ganz auszuschließen. Ist aber die Büchse der Pandora erst mal geöffnet, kommen eben auch die ganzen anderen unschönen Dinge zum Vorschein.

    Bei der FGM stellt sich außerdem die Frage nach der Motivation des Eingriffs. Wenn man Frauen erklärt, dass sie ohne Beschneidung zu viel Lust besäßen und daher keinen Ehemann fänden, geht es doch auch hier ausschließlich um Sexualität. Ob nun Sexualität ausgelebt oder verhindert wird, kann übrigens auch eine Frage der jeweiligen Spielart sein (siehe Dr. Kelloggs).

    @Selbstbestimmung

    Zitat von Kodalle

    Anstelle der Leerformel “westliches Wertesystem” ist die Unterscheidung von “Moral” und “lebensweltlichem Ethos” geeigneter, Schneisen durch den aufgeregten öffentlichen Diskurs zu schlagen und die "öffentliche Meinung“ kritisch zu durchleuchten.


    Die "öffentliche Meinung" sieht bezüglich dem § 1631d BGB mehrheitlich keinen Handlungsbedarf. Wer 1933 geschwiegen hat, wurde auch nicht gleich deportiert, aber weil immer mehr geschwiegen haben, wurde am Ende alle diejenigen deportiert, die nicht geschwiegen haben.

    Sicherlich kannst Du heute auf einen Marktplatz stehen und gegen Zwangsbeschneidungen demonstrieren. Wenn Du damit Erfolg hast, liest Du kurz darauf etwas in der Zeitung, dass eine bestimmte Form des religiösen Lebens in Deutschland nicht mehr möglich sei, wenn Du nicht sofort damit aufhörst und Du selbst wirst in die rechte Ecke verbannt. Tatsächlich kann Dir jedoch gegenwärtig "fast" nichts passieren.

    Das Problem des § 1631d BGB ist das gleiche wie die fehlende Möglichkeit einer Volksabstimmung. Was die Bürger wollen, aber von der Politik nicht konsequent einfordern, wird nicht realisiert. Politik ändert aber nur dann ihr Verhalten, wenn die Bürger Protest machen oder ihr eigenes Wahlverhalten ändern. Jeder Politiker müsste irre sein, wenn er trotz guter Wahlergebnisse Entscheidungen der Vergangenheit in Frage stellen würde.

    Interessanterweise wird der Eingriff auch als "sexuelle Aktivität" eingestuft (während man Rabbiner, die den Penis eines Babies in den Mund nehmen gewähren lässt).


    Die Frage, ob eine Beschneidung eine "sexuelle Aktivität" darstellt, ist ja grundsätzlich nicht abwegig. Das Objekt der "Begierde" ist ja die permanente Veränderung (Manipulation) des Genitals. Mit anderen Worten dreht sich die gesamt Beschneidung ausschließlich um das primäre Geschlechtsmerkmal eines anderen Menschen.

    Da diese Veränderungen für den Betroffenen auch mit massiven Schmerzen während dem Eingriff wie auch postoperativ einher geht, käme hier auch eine eventuell sexuell motivierte sadistische Neigung ins Spiel. Sofern das Opfer wie teilweise bei Säuglingsbeschneidungen auch noch fixiert wird, käme hier die sexuelle Neigung des Bondages zum tragen (Circumstraint). Sollte die Beschneidung auch noch gefilmt werden, käme neben der Strafbarkeit, ein Gewaltvideo veröffentlicht zu haben, auch das Thema Pornographie hinzu.

    Da vorwiegend Kinder oder sogar Babys beschnitten werden, drängt sich die Frage der Pädophilie auf und Last but not least werden Beschneidungen von Jungen häufig von Männern durchgeführt, weshalb hier sogar das Thema Homosexualität nicht abwegig ist. Letzteres wäre nicht so brisant, wenn nicht gerade die beschneidenden Religionen größte Probleme mit der Homosexualität hätten.

    Vor Tausenden von Jahren haben sich "Heiden" die Beschneidung ausgedacht. Und die Bibel hat dafür gesorgt, dass dieses "Ritual" bis in die heutige Zeit überliefert wurde. Als die Beschneidung entstand, gab es noch keinen Siegmund Freud, der den Menschen hätte erklären können, was hier in ihren Köpfen unterbewusst abläuft.

    Auch galten damals für die Sexualität andere Gesetze als heute. Welche Frau könnte es sich heute beispielsweise noch vorstellen, dass sie gezwungen würde nach dem frühen Ableben ihres Ehemanns mit dessen Bruder Kinder zu zeugen [Onan]. Oder welcher Sohn könnte sich heute noch vorstellen versklavt zu werden, nur weil er seinen Vater nackt (oder beim Beischlaf) gesehen hat [Sohn Noahs].

    Dass uns im Zusammenhang mit der Beschneidung gegenwärtig skurrile bzw. sogar abscheuliche Vergleiche in den Kopf schießen, ist wohl nicht verwunderlich. Wir leben in der Zeit nach der sexuellen Revolution und die Aufklärung ist auch schon ein paar hundert Jahre her. Rituale aus der Zeit davor sind ähnlich wie Dinosaurier, nur dass diese aufgrund schriftlicher Überlieferungen bis heute noch nicht ausgestorben sind.

    Aber in den Artikeln wird doch erklärt, dass der Vater, nicht der Arzt schuld war. Der hat ein Foto machen wollen, da hat der Junge sich bewegt, und da hat es halt die Eichel erwischt.


    Um solche sinnlosen Unfälle zu vermeiden, reicht es beleibe nicht aus, wenn man nur das Fotografieren während einer Vorhautamputation verbietet. Der Vater hatte den Jungen abgelenkt und dieser sich bewegt. Mit anderen Worten war der Junge sich dessen nicht bewusst, was passieren kann, wenn er nicht still hält.

    Daher hat es keinen Sinn Kinder zu beschneiden, die noch nicht die geistige Reife besitzen, die Konsequenzen eines falschen Zuckens während dem Schnitt ins Gemächt richtig abzuschätzen. Mit anderen Worten muss die Altersgrenze für Beschneidungen dringend - aus Sicherheitsgründen - auf mindestens 18 Jahre angehoben werden ;)

    Du meine ja auch. Ich möchte keine "kleinsten Übel" mehr wählen, auch nicht "taktisch", keine "Überraschungspakete" - ich möchte selbst mitbestimmen.


    Es gibt doch gegenwärtig bereits zwei Möglichkeiten die Politik aktiv zu verändern. Die eine besteht darin, denen keine Stimme mehr zu geben, die das Grundgesetz mit Füßen treten.

    Die zweite Möglichkeit sind Bürgerinitiativen oder Interessengemeinschaften wie auch hier dieses Forum. Außerhalb von Parteistrukturen gibt es kein Grundsatzprogramme, keinen Fraktionszwang oder andere Denkverbote. Solang wir "überparteilich" bzw. unpolitisch bleiben, müssen wir keinen gemeinsamen Nenner suchen und deswegen auch keine inakzeptablen Kompromisse eingehen.

    Der Grund, warum in Deutschland der § 1631d BGB den Bundestag, den Bundesrat sowie den Bundespräsidenten passiert hat, liegt wohl darin begründet, dass "Deutschland" mehrheitlich aufgrund seines "historisch-kulturell geprägten Ethos" die Klappe gehalten hat. Deutschland hat 1933 geschwiegen und 2012 glaubte man, dass man aufgrund es Schweigens im Jahr 1933 "historisch" nun die Pflicht hätte wieder zu schweigen.

    Also Folge daraus hat sich Deutschland zum zweiten Mal schuldig gemacht.

    P.S. Die Idee mit der Volksabstimmung überlasse ich den Couch-Potatoes. Wer was verändern will, soll bitte auch seinen Hintern in Bewegung setzen ;)

    L'état c'est moi?Nein, nicht unserer Gesellschaft, sondern der Politik und der Medien. Das ist ein Unterschied.


    Wir leben in einer Demokratie. Keiner wird bestraft, wenn er sein Meinung öffentlich äußert. Wir dürfen alle 4 Jahr unsere Bundesregierung wählen. Der Gesellschaft ist der § 1631d BGB mehrheitlich derart "egal", dass sie sogar die christlichen Beschneidungsbefürworter im Amt bestätigt haben.

    Meine Auffassung kennst Du ja bereits. Wenn eine Partei massiv gegen die Menschenrechte verstößt oder gehandelt hat, ist sie für mich unwählbar geworden. Deutschland ist aber eine Komikernation, die mehrheitlich das eine sagt und das andere wählt.

    Wenn wir Herr Kodalle hier richtig interpretieren, kann uns dies auch für unser politisches Verständnis innerhalb der Gesellschaft nutzen. Es gibt keinen Grund für eine Partei zu fiebern wie für eine Fussballmannschaft. Eine Partei als politische Heimat zu besitzen, ist wie der verlängerte Arm des Fraktionszwangs. Freiheit kann nur dort entstehen, wo wir uns jedes Mal aufs Neue anschauen, wer in der Vergangenheit wie gehandelt hat und alleine davon unsere Entscheidung abhängig machen.

    P.S. Früher habe ich auch (fast) immer schwarz mit gelb oder grün gewählt. Jetzt wähle ich nur noch das aus meiner Sicht kleinste Übel und hin und wieder sogar "taktisch", wenn mir daran liegt, dass sich politische Machtverhältnisse verändern.

    Mir wurde zum Beispiel nie gezeigt, dass ich die Vorhaut zurückziehen können muss - das habe ich dann erst irgendwann von anderen Jungs "erfahren".

    Diese Geschichte kommt mir sehr bekannt vor ;)

    Warum Eltern oder Lehrer die Kinder erst aufklären, wenn es quasi schon zu spät ist, werde ich wohl nie verstehen. Bei uns war es übrigens die Religionslehrerin, die "uns Jungs" erklärt hat, dass wir uns gefälligst "richtig" waschen sollen, weil sonst die Frauen Krebs davon bekommen können.

    In Deinem Fall ist es natürlich noch krasser, dass Du Dich aufgrund von Unwissenheit sogar selbst verletzt hast.

    Fazit:
    Aufklärung sollte und muss bereits kindgerecht in der Grundschule und nicht erst in der weiterführenden Schule stattfinden. Kinder sind heute früher geschlechtsreif als früher und es ist daher auch unverantwortlich, wenn man Kinder erst einen Tag vor der Hochzeitsnacht aufklären möchte.

    Boah, was für ein philosodophischen Geschmodder...

    Nachtrag:
    Jetzt habe ich mich doch noch etwas mehr durch den Artikel "gekämpft". Obwohl schon nicht mehr ganz jung muss ich mich wohl mit den Worten Goethes entschuldigen: "Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort...". Tatsächlich scheint Herr Kodalle eine universelle Moral ehr als eine Art Utopie zu projizieren. Seine Aussagen zur Zwangsbeschneidung wären unter dieser Sichtweise dann eine Art Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft.

    Dennoch hätte ich von einem Philosophen erwartet, dass er Missstände beim Namen nennt und sich nicht nur mit seinem Abschnitt "Grenzen der Schuld-Erinnerungs-Kultur" aus der Affaire zieht. Er ist Philosoph und betrachtet als Zaungast das gesellschaftliche Geschehen, welches er zu beschreiben versucht. Diese Passivität verhindert jedoch, dass denen geholfen werden kann, die aufgrund dieser Moral, die sich wie ein Fähnchen im Wind verhält, Kinder Schmerz und Leid ertragen müssen.

    Boah, was für ein philosodophischen Geschmodder...


    Genau deshalb, habe ich den Artikel nur überflogen und nicht gelesen.

    Herr Kodalle will uns übrigens nichts vorschreiben, sondern lediglich "seine Sicht der Welt" näher bringen. Der eine nimmt´s daher wohl für bare Münze, wenn es in seinen Kram passt, und ein anderer bezeichnet es schlicht als "Geschmodder" oder vielleicht sogar schon als Hegelei.

    Ethik im philosophischen Sinne bedeutet ja meines Wissens nach, dass man die jeweilige Moral hinterfragt. Eine Moral als "universell" zu bezeichnen, bedeutet dann im Grunde eine Moral als unfehlbar zu definieren.

    Mit anderen Worten wäre eine "universelle Moral", die Zwangsbeschneidungen nur von Jungen im Staat X legitimiert und im Staat Y als Körperverletzung bezeichnet ein Fähnchen im Wind. Weder das Geschlecht, noch das Alter des Opfers, noch der Staat, wo die Zwangsbeschneidung verübt wird, kann und darf einen Unterschied machen, ob diese nach einer "universellen Moral" verwerflich ist oder nicht. Alles andere ist eine Moral, die von einer Ideologie oder Religion besudelt wurde und damit eine "prostituierte Form der Moral" darstellt.

    Was ist eigentlich ein Religionsphilosoph?

    Ich dachte immer, dass sich die Philosophie mit Dingen beschäftigt, die empirisch gegeben sind. Sollte es jedoch nur einem Religionsphilosophen gelingen Religion zu beweisen, wäre dies das Ende jeden Glaubens. Denn was man weiß, muss man ja nicht mehr glauben ;)

    Jetzt aber mal kurz Butter bei die Fische:

    Zitat Klaus-Michale Kodalle:
    "Ganz grob ließe sich die Begründung einer Moral mit universalistischen Geltungsansprüchen eher einer Philosophie des Typs “Kant” zuordnen, während die reflexive Vergegenwärtigung der komplexen konkreten sittlichen Lebensverhältnisse eher einem Denken des Typs “Hegel” zuzuordnen wäre."

    Bevor ich diesen im Eingangsthread verlinkten Artikel überflogen habe (es war mir zu blöde, diesen Artikel komplett zu lesen), wusste ich nicht, dass es eine "universelle Moral" überhaupt geben kann. Auch war mir nicht bewusst, dass der kantsche Imperativ irgendwas mit Moral zu tun hätte. Ich dachte immer, der hätte etwas über die Ethik geschrieben. Naja, ich bin halt auch kein Philosoph und werde daher auch nicht verstehen, warum Menschenrechte wie beim Thema Beschneidung aufgrund "historisch bedingter Rücksichtnahme auf das Judentum" (=Zitat Klaus-Michale Kodalle) zu Lasten von wehrlosen Kinder eingeschränkt werden können.

    Eine entscheidende Antwort blieb uns Herr Kodalle übrigens schuldig:

    "Diese lebensweltlich-historische Vorgegebenheit hat – auch nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts – formierende Kraft auch für die Gesetzgebung und die Auslegung des Grundgesetzes!"

    Wie schafft es der deutsche Gesetzgeber das Unrecht der Zwangsbeschneidung mit dem Grundgesetz in Einklang zu bringen. Herr Kodalle hat so viel "kluges Zeug" geschrieben, aber irgendwie die wenigen interessanten Fragen hat der dann doch komplett ausgelassen.

    Statt zu stänkern und zu ätzen, würde ich mir wünschen, dass wir die Gruppe unterstützen unabhängig davon, wo wir uns selbst politisch beheimatet fühlen.


    Auch wenn dies unglaubwürdig erscheint, interessiere ich mich nicht wirklich für Politik. Mich interessieren nur "Themen" und das Recht auf körperliche Unversehrtheit für alle Kinder ist eines dieser Themen.

    Du hast sicherlich Recht, dass die JuLis unsere Unterstützung verdienen, schon weil sie ja umgekehrt auch unser Anliegen unterstützen. Auch wenn ich mich nicht für Politik interessiere bzw. diese mir sogar ein absoluter Graus ist, habe ich gelernt, dass der "Fraktionszwang" das Mittel ist, was aus einer astreinen Demokratie eine Komikernation bzw. eine "demokratisch gewählte Diktatur auf Zeit" werden lässt.

    Die jungen Liberalen mögen auf dem richtigen Weg sein, aber würden sie sich einestages tatsächlich gegen den § 1631d BGB auflehnen, wenn die Fraktion anderer Meinung ist und der Ungehorsam ihre politische Karriere gefährden würde. Sowohl bei der FDP wie auch bei der CDU gab es einige wenige Abweichler. Parteien, die bei einer Frage wie dem § 1631d BGB mit Fraktionszwang reagieren, sehe ich jedoch als ungeeignet, hier eine Veränderung herbeizuführen.

    Den jungen Liberalen wünsche ich jedoch von ganzem Herzen, dass sie niemals vergessen, was liberal bedeutet und hoffe dass wenigstens einige von ihnen notfalls auch bereit sind ihre politische Karriere für die Freiheit zu opfern. Und wenn diese jungen Liberalen wirklich was verändern wollen, werden sie hoffentlich auch begreifen, dass man in der "APO" mehr erreichen kann als wenn man sich durch eine "politische Heimat" an die Kandare nehmen lässt.

    Henry Ford Health System’s “America is one of the few industrialized countries to routinely circumcise infants for non-religious reasons.”


    Ok., die USA mag eines der wenigen industrialisierten Länder der Welt sein, wo viele Kinder beschnitten werden, aber die USA gehört auch zu den Ländern, wo auch heute die Todesstrafe noch immer nicht abgeschafft wurde. Länder, in denen die Todesstrafe noch existiert, gehören fast immer auch zu den Ländern, wo Kinder häufiger beschnitten werden.

    Der Zusammenhang mag auf den ersten Blick an den Haaren herbei gezogen erscheinen, aber wenn ich noch nicht mal einem unschuldigen Kind das Recht auf körperliche Unversehrtheit gewähre, ist der Schritt zur Tötung von Menschen, die sich nach den Landesgesetzen strafbar gemacht haben, nahe liegen. Ein Hund, der mal gebissen hat, wird in der Regel eingeschläfert, bevor er jemanden umbringt. Eine Verfassung, welche es erlaubt ein Kind zu verstümmeln, ist auch nichts anderes als ein bissiger Hund.

    Und den Unterschied zwischen FGM und MGM kann diskutieren wer will. Mich persönlich interessiert es nicht, wie viele Engel auf eine Nadelspitze passen und daher ist für mich eine Zwangsbeschneidung immer nur eine Körperverletzung, bei der das Geschlecht keinerlei Rolle spielt.

    BTW: Eigentlich wäre es bezüglich der Türkei nur konsequent, wenn hier wieder die Todesstrafe eingeführt würde. In diesem Land hat keiner Skrupel davor Kindern gegen ihren Willen einer schmerzhaften Beschneidung zu unterziehen und der Schritt zur Todesstrafe ist daher in diesem Land wohl kleiner als wir uns dies vorstellen können. Als man irgendwann den Tierschutz eingeführt hatte, ging es nicht um die Tiere, sondern mal wollte verhindern, dass Menschen sich nicht gegenüber Menschen genauso brutal verhalten wie gegenüber Tieren. Das Stichwort heißt somit Hemmschwelle, welche in Ländern wie den USA oder der Türkei einfach trotz "Industrialisierung" einfach nicht groß genug ist. In diesem Sinne "Make America great again" in Bezug auf Menschenrechte!!!

    Oder was eigentlich vom Demokratieverständnis von parteifinanzierten PR-Fachkräften aus der "Milbertshofener Hood" zu halten ist, die ihr Konvolut dreister Sophistereien mit der Feststellung abbinden, dass der Normalsterbliche von der Komplexität der Materie ja ohnehin überfordert sei.


    Wenn die Normalsterblichen die Komplexität nicht verstehen, kann dies auch an der Unfähigkeit derer liegen, die zu blöd dafür sind solche Zusammenhänge anschaulich zu erklären. In der Causa Holzfurtner würde ich hier aber ehr Frechheit statt Dummheit unterstellen. Herrschaftswissen hat ja eine Jahrtausende alte Tradition. Selbst religiöse Schriften wurden lange Zeit so verfasst, dass nur eine kleine Gruppe ihren Inhalt lesen oder gar verstehen konnte.

    Dass Frau Holzfurtner nicht der Gruppe der Dummen, sondern der zweiten Gruppe angehört, zeigt sich mir z.B. bei der Formulierung, dass die Beschneidung ein "Kassenschlager" sei, wenn man hier mit juristischer Kritik aufwartet. Es ist ja ein subtil angelegter Versuch den Gegenargumenten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

    Aus einem Quadrat wird aber niemals ein Kreis und eine Körperverletzung kann daher auch niemals als eine mit den Menschenrechten vereinbare Handlung im Rahmen der Erziehungs- oder Religionsfreiheit in Zusammenhang gebracht werden. Spätestens dort wo Blut fließt, ist der Unterschied zur Taufe deutlich zu erkennen und falsch verstandene Toleranz macht hier jeden, der nicht eingreift, zum Mittäter.

    Die betroffenen Religionen sind in Zeiten entstanden, wo man noch keine Vorstellung von Menschenrechten hatte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Beschneidung hier genauso aneckt (siehe Quadrat / Kreis) wie auch z.B. das Zölibat, welches eine der Gründe darstellt, warum der Vatikan die Menschenrechtserklärung (*) nicht unterzeichnen kann.

    Wer im Gestern lebt, lebt in der Vergangenheit und wird daher ständig mit Menschen aus der Gegenwart in Konflikte geraten. Von einer Religionskritkerin (oder für was sich Frau Holzfurtner auch hält) hätte ich daher erwartet, dass sie diese offensichtliche Zusammenhänge erkennt. Manchmal genügt es eben nicht, wenn man sein WLAN selbst einrichten kann, denn viel wichtiger ist es, die damit gewonnen Erkenntnisse auch zu verstehen ;)

    (*) Nachtrag:
    Wer sich mit dem Thema Menschenrechte vs. Naturrechte etwas beschäftigen will, hier ein passender Link zum Einstieg:
    http://www.deutschlandfunk.de/staat-und-reli…ticle_id=308219

    In Religionen ist es ja durchaus üblich, dass "Naturrechte" über die Menschenrechte gestellt werden. Die Beschneidung eines Säuglings oder eines Knabens entsprechen ja dem Naturrecht, weil hier der Stärkere über den Schwächeren bestimmt. Dieses "Naturrecht" ist jedoch auch kein reines Naturrecht im biologischen Sinne. Ihm liegt vielmehr die Idee zugrunde, dass eine Gottheit mit der Natur gleichgesetzt wird, unter die sich alle zu unterwerfen haben. Dies geht dann so weit, dass auch "Heiden" notfalls mit Gewalt missioniert werden, weil es ja so "natürlich" gewollt sei.

    Wie unnatürlich dieses "Naturrecht" tatsächlich ist, sieht man nicht nur beim Thema Beschneidung, welche ja offensichtlich wider die Natur und somit pervers ist. Vielmehr ist es in vielen Religionen üblich, dass Frauen keine leitenden Funktionen einnehmen dürfen. Die Natur bietet jedoch keinerlei Grundlage für eine Bevorzugung eines Geschlechts als "Herrschergeschlecht". In diesem Punkt erscheinen mir die Ausführungen von Frau Holzfurtner (Feminismus!) dann auch irgendwie dümmlich, weil ihre Weltanschauung in einem Kartenhaus mündet, welches selbst dem kleinsten Windstoß nicht standhalten kann.

    Leider scheinen die "Julis Ruhrgebiet" nicht zur Bundestagswahl anzutreten, und selbst wenn - die absolute Mehrheit dürften sie kaum erzielen und dann hat man ja regelmäßig den Koalitionspartner als Ausrede.


    Aktuell herrscht Wahlkampf und oft wird versucht in verschiedenen Gewässern gleichzeitig zu fischen. Der alte Trick, dass die Jungen das Spektrum abdecken, welches die anderen so nicht angehen möchten, ist ja oft gängige Praxis.

    Davon abgesehen halte ich nichts davon, eine Partei danach zu wählen, was sie verspricht, sondern danach, was sie getan hat. Von 84 Abgeordneten haben damals 79 mit JA gestimmt. Selbst wenn jetzt einige der Mitglieder der Ex-FDP umschwenken würden, ist diese Partei für mich in Summe noch immer genauso verachtenswert wie die Partei, welche die Opfer der Zwangsbeschneidung mit dem Begriff "Komikernation" verhöhnt hat.

    Davon abgesehen kann ich mir nicht vorstellen, dass die genannte Partei einen Koalitionspartner finden wird. Entweder regieren die christlichen Beschneidungsbefürworter in der großen Koalition weiter oder das ganze verlagert sich etwas mehr nach links. Letzteres würde dafür sorgen, dass die Linken, von denen die wenigsten mit Ja gestimmt hatten, an Einfluss gewinnen würden.

    wenn du dich da mal nicht irrst:

    "Eigene Erfahrung", sixtas?
    Mit dem Schaf ins Bad, ob das hilft? Muss es gleich ein ganzes Schaf sein, reicht nicht auch Penaten-Creme?

    Aber mit den Eltern da könntest du richtig liegen. Eine beschnittene katholische Feministin?


    Ich glaube Du hast die nach eigenem Bekunden "intelligente" Gardinenpredigerin missverstanden. Sie wollte wohl einen legasthenisch veranlagten Besucher ihrer Seite beweisen, dass sie sich sowohl für klug wie auch witzig hält. Der Besucher hatte statt Kamille das Wort "kamelen" bei Google oder wo auch immer reingehämmert (vielleicht sogar mit einem Smartphone oder Siri) und sie fand nun die Bemerkung witzig, dass "Schafe" besser geeignet seien als "Kamele"

    Wäre Frau Holzfurtner übrigens selbst beschnitten, würde sie wohl kaum die Zwangsbeschneidung von Jungen herunterspielen. Vielleicht ist es Euch auch schon in Gesprächen aufgefallen, dass meist diejenigen die Beschneidung bagatellisieren, die selbst nicht beschnitten sind. Die anderen erzählen einem tendenziell eher etwas von der Hygiene, der Ästhetik oder ihrer Religion.

    Wie soll denn ein Laie einschätzen, ob die Heilung normal verläuft? Von den Ärzten bekommt man ja nix gesagt...


    Hier hast Du indirekt des Pudels Kern ausgesprochen. Wer die Diagnose bekommt, dass bei ihm eine Beschneidung medizinisch indiziert sei, ist in der Regeln ein Laie und bekommt von Ärzten oft wenig Informationen über Alternativen. Aber auch Menschen, die es für ihre religiöse Pflicht halten, ihren Nachwuchs zwangsbeschneiden zu lassen, sind Laien, welche die Tragweite dieser Amputation nicht abschätzen können.

    Und weil dem allem so ist, gibt es immer wieder viele Menschen, die unter ihrer Beschneidung leiden, die ihnen durch andere zugefügt wurde oder der sie auch durch Unwissenheit zugestimmt haben. Mit anderen Worten will das Forum Zwangsbeschneidungen und Beschneidungen aufgrund falscher medizinischer Indikation vermeiden helfen sowie denen Helfen, die unter ihrer Beschneidung leiden.

    Du "leidest" zwar offensichtlich auch unter Deiner Beschneidung, was aber gegenwärtig lediglich mit dem postoperativen Verlauf zu tun hat. Mit anderen Worten bist Du hier zu spät oder zu früh aufgekreuzt. Gegenwärtig sind diejenigen Deine Ansprechpartner, die Dich in Deinem Vorhaben bestärkt hatten und Dich somit auch erst in diese missliche Lage gebracht haben.

    Das wird gewiss Balsam auf die Ohren der "12 Stämme" sein.


    Du meist vermutlich Rohrstockhiebe auf das Hinterteil der wehrlosen Kinder. Gemäß Frau Holzfurtner dürfen sich aber die Kinder der 12 Stämme dann sinngemäß wenigstens dessen bewusst sein, dass man sie als Teil der Gemeinschaft betrachtet. Ob dies den Schmerz angesichts der roten Hinterteile mildert, wage ich zu bezweifeln.

    Frau Holzfurtner befindet sich halt in der kommoden Ausgangslage, dass sie weder bei den 12 Stämmen aufwachsen musste, noch als Mitglied des weiblichen Geschlechts und mit Eltern von vermutlich christlichem Glauben befürchten musste, jemals zwangsbeschnitten zu werden. Wie Frau Leutheusser-Schnarrenberger oder Alice Schwarzer kann sie daher unbefangen oder gar dümmlich unbedarft über die Genitalien von Kindern reden, weil ihre eigenen Genitalien ja Kraft Gesetz vor jeder Verstümmelung stets geschützt waren und sind.

    Ehrlich gesagt halte ich die Ausführungen von Frau Holzfurtner für sehr gelungen. Sie schlägt mit einem sehr intellektuellen Schwerpunkt eine Kerbe für die Zwangsbeschneidung von wehrlosen Kindern. Wenn man hier nicht genau aufpasst, geht man ihr hier sogar fast auf den Leim.

    Natürlich ist sie wie alle Zwangsbeschneidungsbefürworter auf einem gefährlichen "Holzweg". Wenn Kinder aus einer Religionsgemeinschaft ausgeschlossen sind, weil man sie nicht beschnitten hat, müsste man gemäß der Logik von Frau Holzfurtner dringend dafür plädieren, dass künftig auch Mädchen in Deutschland beschnitten werden dürfen.

    Und dies macht dann wieder deutlich, dass Frau Holzfurtner auch nur ein Fähnchen im Wind ist, welches Objektivität "predigt" und in Wahrheit derart religiös verwurzelt ist, dass es mich nur noch anwidert.

    Dietrich Bonhoeffer hat mal den Begriff des religionslosen Christentums geprägt. Wenn ich mir solche scheinheiligen Aufsätze durchlese, wird mir bewusst, warum Religion die Wurzel vieler Kriege und Leid auf unserer Welt ist. Würden wir uns mit dem Glauben begnügen, könnte sich eine Frau Holzfurtner ihr sinnloses Schönreden einer brutalen Körperverletzung von Kindern als Aufnahmeritual sparen.

    Davon abgesehen gibt es keinen vernünftigen Grund, warum es im Interesse eines Kindes sein sollte sinnlose und extreme Schmerzen zu erleiden, nur um in einer Gemeinschaft aufgenommen zu werden, deren Aufnahmeritual brutaler ist als bei jeder schlagenden Studentenverbindung. Kinder wollen keine Schmerzen erleiden und Erwachsene, die Kindern Schmerzen zufügen, machen sich unabhängig der geltenden Gesetze immer schuldig. Wer die Zwangsbeschneidung für richtig hält, kann es "glauben", aber es wurden schon Menschen eingesperrt, die "geglaubt" haben, sie dürften andere ungestraft Schmerz oder Schaden zufügen.