Lieber Weguer,
ich bin beim Thema geblieben. Die hervorgehobene Bitte in meinem ersten Beitrag war ernst gemeint, themenbezogen und angemessen, wenn auch nicht direkt der erbetene (Haupt-)Gefallen. Der zweite Beitrag war eine Klarstellung.
Mit "Normalfall" meinte ich die öffentlich inszenierte "Beschneidungsdebatte" und bezog mich dabei explizit auf Maischberger und den in den öffentlich-rechtlichen und Mainstream-Medien veröffentlichten Teil (auch da gab es löbliche Ausnahmen). Das bei Maischberger und ebenso die Anhörung von Experten und Theokraten im Bundestag war tatsächlich eine inszenierte Scheindebatte, bei der kein Betroffener eingeladen worden war und genau das ist im Nachhinein zu Recht öffentlich kritisiert worden. Auch ich habe die Debatte damals verfolgt. Selbstverständlich haben an dieser Debatte auch viele kluge Menschen, Betroffene und solidarische Verbündete sich beteiligt. An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank dafür! Nur diese Stimmen wurden eben marginalisiert. Ich habe sie kaum wahrgenommen, schon gar nicht in den Mainstream-Medien. Erst Jahre später ist mir überhaupt bewusst geworden, was mir abgeschnitten wurde und dass die meisten Beschneidungen in D keiner religiösen Tradition, sondern einer medizinischen Fakediagnose, die System hat, geschuldet sind. Erst Jahre später habe ich von Vorhautwiederherstellung erfahren. Und da habe ich mir die Frage gestellt, warum das in der Öffentlichkeit marginalisiert wird und ob es wirklich allen, die behaupten, religiöse Beschneidungen abzulehnen, aber zum systematischen Ärztepfusch schweigen, um das Wohl der Beschnittenen geht. Ich habe mich von Maischberger und von der Politik verraten gefühlt (von den Phimose-Lügnern sowieso).
Beschneidungsforum, Mogis, beschneidung-von-jungen.de, Betroffenenverbände, Anti-Beschneidungskampagnen usw. sind eben leider nicht der Normalfall und eben leider nicht Teil der öffentlich inszenierten Scheindebatte und waren damit natürlich nicht gemeint.
Ich habe niemals ALLE Teilnehmer der Debatte als Rassisten und Antisemiten bezeichnet, schon gar nicht uns Betroffene und unsere solidarischen Verbündeten (an die alle nochmal einen herzlichen Dank dafür und dafür, dass es dieses Forum gibt!) sondern sogar durch eine explizite Klarstellung davon ausgenommen. Sonst würde ich mich ja gar nicht in diesem Forum tummeln.
Wenn es weiteren Diskussionsbedarf gibt, schlage ich vor, die Beschneidungsdebatte-Debatte in einem neuen Thread unter "Politik allgemein" weiterzuführen.
Ich habe mich missverständlich ausgedrückt und Falsches geschrieben. Mir ist die Sendung nicht mehr präsent, ich habe sie vor mehreren Jahren gesehen. Ich hätte sie mir vorher noch einmal anschauen müssen. Das war ein Fehler von mir. Dass ich Wolfgang Bühmann als "feigen Kinderarzt" bezeichnet habe, habe ich bereits relativiert und ich nehme es zurück. Es tut mir Leid und ich bedanke mich für Eure Antworten.
Mit "Pack" und den "biodeutschen Ärzten" meine ich die deutschen Ärzte, die grob fahrlässig oder vorsätzlich mit der Phimose-Fakediagnose Vorhäute abschneiden (darunter meine). "Biodeutsch" ist eine Abgrenzung zu den muslimischen und jüdischen deutschen Beschneidern/Ärzten. Der Kampf gegen die muslimische Vorhautbeschneidung sollte federführend von (ex-)muslimischen Betroffenen geführt werden, gegen die jüdische ebenso. Ich möchte solidarisch sein, aber mich nicht als Vormund (ex-)religiöser Beschnittener aufspielen. Deswegen richte ich meine Polemik explizit gegen die nichtjüdischen, nichtmuslimischen Scharlatane, um mir falsche Freunde vom Hals zu halten. Ich möchte für Arschlöcher für Deutschland unzitierbar sein. "Biodeutsch" ist eine gängige Bezeichnung für Menschen, die nicht aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion, Name o.dgl. als "undeutsch" oder "nicht deutsch genug" wahrgenommen und diskriminiert werden. Das geht auch so aus dem Kontext hervor. Das war nicht rassistisch, sondern antirassistisch. Ich bin übrigens selbst biodeutsch. Mit "Großvätern" meinte ich die Ärztegeneration vor 80 Jahren. Inhaltlich bleibe ich bei meiner Kontinuitäts-Aussage, obwohl sich selbstverständlich vieles erheblich gebessert hat, manches 1945 durch die Zerschlagung der Massenmordlogistik, maches erst ab den 70er Jahren, manches bis heute noch nicht. Selbstverständlich werden sich der "Euthanasie"-Massenmord und Zwangssterilisationen und Menschenversuche in KZs in der Form nicht wiederholen. Aber viele der Ursachen bestehen weiterhin. So sehe ich auch den praktizierten Phimose-Aberglauben nicht als ein isoliertes, ursachenloses Phänomen.
Mit "viele Ärzte" meine ich noch nicht einmal "die meisten". Aber jeder einzelne ist einer zu viel. Unnötige VAs (darunter meine) sind eben keine isolierten, ursachenlosen Einzelfälle, sondern ein gesellschaftliches Problem. Sonst würde man vielleicht alle zehn Jahre in der Zeitung lesen, dass ein Arzt in Deutschland zu Unrecht eine Phimose beim Knaben attestiert, dessen Eltern belogen, die Vorhaut amputiert hat, angezeigt, ange- und verklagt wurde, seine Approbation verloren hat, drei Jahre in den Knast wandert und 70000 Euro Schmerzensgeld zahlen muss. Dieser Phimose-Betrug funktioniert eben nicht, wenn man einmal eine Krankenkasse um 300 Euro und einen Jungen um seine Vorhaut betrügt und dafür seine Karriere aufs Spiel setzt, sondern nur, weil Ärzte regelmäßig unnötig Vorhäute amputieren können, ohne dabei um ihre Karriere fürchten zu müssen. Warum ist das möglich? Ein Roter Brief* könnte genügen, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.
Sorry Noah, für das, was ich angerichtet habe. Bitte lass Dich nicht davon beirren und mach eine tolle Reportage!
*Mit Roten Briefen werden alle Ärzte über einschlägige Behandlungsfehler mit Wiederholungsgefahr informiert. Die muss jeder Arzt lesen. Wenn er dann den gleichen Fehler wiederholt, sei es, weil er den Brief nicht gelesen oder gelesen und ignoriert hat, hat er vor Gericht und bei der Abrechnung mit der Krankenkasse ein gewaltiges Problem.