Beiträge von Hickhack

    Eine Frenulotomie (die Durchtrennung - NICHT die Entfernung des Bändchens) ist tatsächlich kein großer Akt. Das habe ich auch machen lassen und verlief völlig problemlos.

    Aber wer hat Dir erzählt, daß Deine Vorhaut "zu lang" wäre? Hast Du irgendein Problem damit? Oder meint das nur Deine Urologin?

    Es gibt kein "zu lang", solange Du keine gesundheitlichen bzw. sexuellen Einschränkungen hast.

    Und selbst dann gibt es nicht nur eine Urologin (wer geht freiwillig mit sowas zu einer Frau?) auf der Welt - such dir eine zweite Meinung bevor Du irgendeine OP machen lässt, deren (Langzeit-)Folgen Du noch gar nicht abschätzen kannst.

    Nach der Aussage des Papstes zum würdevollen Verdreschen von Kindern, fällt mir hier gleich die erste Organisation ein...

    Wenn man davon absieht, daß der Papst keine Erziehungsmethode empfohlen hat, sondern im Rahmen einer großen Ansage an Väter sich gefälligst um ihre Kinder zu sorgen und an Eltern im allgemeinen ebenso gefälligst ihren Erziehungsauftrag wahrnehmen sollen eine Anekdote erzählt hat (im übrigen unvollständig - was der Papst letztlich von Körperstrafen als Erziehungsmethoden hält wurde in dem Interview überhaupt nicht geklärt), die bei uns im so toll aufgeklärten Westen Stirnrunzeln hervorruft - im Rest der Welt allerdings durchaus Überraschung bei den Hörern hervorrufen kann (ähnlich wie die Idee, daß Männer und Frauen eine gleiche Würde haben im römischen Reich für Irritationen gesorgt haben muss).

    Wenn wir über Erziehung und ihre Ideale nachdenken wollen, können wir das allenfalls in unserem ureigenen kulturellen Kontext tun. Daß wir "weiterentwickelte" Prinzipien haben (was ich für einen Irrglauben halte - die Idee einer "gewaltfreien" Erziehung so wie sie bei uns teilweise proklamiert wird, ist meiner Meinung nach irgendwo zwischen Selbstbetrug und Massentäuschung anzusiedeln) ist das eine. Daß in den Aussagen des Papstes andere Ansätze stecken, die für unsere Gesellschaft relevanter sind, als je zuvor ist kommt noch dazu.

    Zumal man gerade aus der Forderung die Würde des Kindes zu achten, der Ansage an die Eltern (und insbesondere an die Väter) ihren verdammten Erziehungsauftrag wahrzunehmen könnte man verdammt gut ein Bewusstsein bei Eltern für die psychische und körperliche Unversehrtheit der Kinder ableiten könnte. Daß Problem ist meiner Meinung nach ja nicht, daß das es 1631d gibt, sondern daß es überhaupt Leute gibt, die auf die Idee kommen von diesem "Recht" gebrauchen machen.

    In Deutschland hatten wir jahrzehntelang den Kranzgeldparagraphen mit dem sich eine "unbescholtene" Frau die ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattete bei Lösung der Verlobung noch einen Schadenersatz für die verlorene Jungfräulichkeit einklagen konnte - ein Paragraph, der Ewigkeiten nicht mehr in Anspruch genommen wurde.
    Bis 1992 eine Frau auf Basis dieses Paragraphen 1.000 Euro kassieren wollte - die Klage wurde abgewiesen, weil der Paragraph gegen das Gleichheitsgebot verstieß (ein Mann hätte nicht gegen seine Exverlobte klagen können). Es hat 98 Jahre gedauert (von Inkrafttreten des BGB 1900 bis zur Neuordnung des Eherechts 1998') bis das Kranzgeld als veraltet galt - ich hoffe nur, daß es bei 1631d etwas schneller geht...

    Der Papst hat keinen Erziehungsratgeber verfasst und auch nicht Schläge bzw. Körperstrafen als Erziehungsmittel empfohlen oder bewertet (was er dem Vater aus der Anekdote geantwortet hat, ist nicht bekannt).

    Ähnlich wie auf den Philippinen hat er in einer bestimmten Situation eine Anekdote zur Illustrierung erzählt - daß der Inhalt dieser Anekdote in unserem Kulturkreis auf Unverständnis stößt weil bei uns die gewaltfreie Erziehung (die ich für eine selbstbetrügerische Illusion halte) eine so dominante Präsenz einnimmt. In anderen Ländern der Welt (und Argentinien dürfte da keine Ausnahme sein) wird die Frage nach der elterlichen Gewalt (sic!) völlig anders beantwortet.

    Kulturimperialismus ist ein zweischneidiges Schwert - so sehr wir uns hier auch im Recht fühlen, so wenig sind wir repräsentativ für den Erdball.

    Nebenbei: wenn von atheistisch-säkularer Seite nicht mit der Zirkumzision gleich die komplette innere Autonomie der Relegionsgemeinschaften in Frage gestellt werden würde, wäre die Unterstützung von jüdischer und muslimischer Gemeinschaft durch die Kirchen vielleicht auch anders ausgefallen...

    Daß die lose Vorhaut eine Folge der Frenulutomie sein soll, war mir schon bewusst. Ich wollte lediglich ausdrücken, daß ich diese Komplikation nicht habe.

    Soweit ich das beurteilen kann (es existiert kein OP-Bericht mehr), wurde das F. komplett (d.h. bis zum Schaft) durchtrennt.

    Bilder habe ich keine (und werde auch keine anfertigen).

    Hallo Frencut,

    bei mir wurde das Frenulum auch durchtrennt (ich war jung und Privatpatient), aber Probleme habe ich damit seit Abschluss der Heilungsphase (nach ca. 8-10 Wochen) nicht mehr.

    Klar - der Frenulumrest ist nicht wirklich "hübsch", aber nochmal lasse ich da niemanden mehr mit Skalpell dran. Aber ich bin auch auch dem Alter raus, in dem man mit seinem besten Stück noch Schönheitswettbewerbe gewinnen will. ;)

    Allerdings ist bei mir weder die Vorhaut so lose, daß sie von allein zurückrutscht noch habe ich ein Zuviel an Bewegungsspielraum. Im Gegenteil war ein OP-Grund, daß die Vorhaut eben nicht bis zum "Anschlag" zurückziehbar war und daher die Gefahr bestand, daß bei zu heftiger Beanspruchung das Frenulum komplett einreißen könnte (von winzigen Fissuren und möglicher Vernarbungen ganz abgesehen).

    Von daher wäre ich mit einer erneuten OP sehr vorsichtig. Ob Narbenpflege etwas bringt müsstest Du ausprobieren.

    Sofern diese OP erst bei Frauen über 21 im Vollbesitz ihrer Einwilligungsfähigkeit nach medizinisch-standardisierter Aufklärung vorgenommen werden, sehe ich keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf - wir werden mit so viel Werbung für echten Schrott konfrontiert, da fällt das auch nicht mehr ins Gewicht.

    Ich muss sowas ja nicht bezahlen oder sonst wie gut/attraktiv/sexy finden.

    Davon ab, daß ich problemlos tausend andere Gründe für einen Kirchenaustritt fände als ausgerechnet ihr Statement zum Thema VA bin ich mir gar nicht so sicher, ob der Papst (der bei aller Extravaganz noch ganz anderen Zwängen unterliegt als unsereins) in dieser Frage überhaupt irgendeine Weiche stellen könnte.

    Unsere "christlich-abendländische" Kultur, die ja nun 2.000 Jahre Christentum mitgemacht hat, hat es immerhin geschafft ca. 70% der Bevölkerung dazu zu bringen die Zirkumzision abzulehnen (sofern nicht die Medizin was anderes behauptet). Der Kern der Botschaft scheint also durchaus verankert zu sein - trotz politischer Gegenwehr.

    Für die Weltkirche sehe ich ähnliche Probleme wie die Politik sie ebenfalls diesseits und jenseits der EU-Grenzen erlebt. Die kulturellen Unterschiede sind schlicht zu stark um per ordre de Mufti einfach übergebügelt werden zu können. Die Veränderung uralter Bräuche kann heute kaum mehr "von oben" übergestülpt werden.

    Ich denke das vorrangige Ziel muss sein, zu verhindern, daß sich bei uns Brauchtum einbürgert, das unserem bisher hart erarbeiteten Wertesystem widerspricht.

    Diplomatie ist vielleicht nicht seine Stärke, aber Aussagen wie die von Mario Lichtenheldt nebenan, zeigen sehr deutlich, daß die Zirkumzisionsdebatte eben nicht "weltanschaulich-neutral" geführt wird, sondern immer wieder gerne als Rundumschlag gegen Religion und Religionsgemeinschaften insgesamt genutzt wird.

    Ich für mich - als Katholik und Vater - finde in meinem Glauben kein einziges Argument, für eine Schönheits-OP (was die medizinisch-nicht unumgängliche VA ja im Grunde immer ist) an meinen Kindern. Wir überlegen meiner Tochter zur Erstkommunion die ersten Ohrlöcher zu erlauben - ich bin noch nicht überzeugt (ich habe meinen ersten Ohrring erst mit 16 oder 17 stechen lassen). Wenn allerdings die VA als Vorwand genommen wird der Religion die gesellschaftliche Präsenz abzusprechen, kann ich nachvollziehen, daß man an dieser Stelle sehr vorsichtig wird.

    Die Katholische Kirche hat außerdem vor rund 135 Jahren entschieden, daß keine äußere Gewalt sich in die innere Lehre und Struktur einmischen können soll (was angesichts der immer schiefgegangenen Ehen von Thronen und Altären tiefen Sinn ergibt und angesichts der Situation in China und den meisten muslimischen Ländern immer noch aktuell ist). Auch hier kann ich grundsätzlich nachvollziehen, daß man dieses Recht auch für andere Religionsgemeinschaften garantiert wissen will. Aber es fehlt die Grenze.

    Daß Vertreter der Kirche mit der - Verzeihung - Anbiederung an die zirkumzidierenden Religionen wiedereinmal bewiesen haben, wie wenig - nochmals Verzeihung - Eier sie in der Hose haben (es wäre eine schöne Gelegenheit gewesen das Wunderwerk Kind, seine Vollkommenheit als Gottes Geschöpf, die besondere Schutzaufgabe der Eltern zu betonen und ein deutliches Zeichen zu setzen, daß Kinder eben nicht "Verfügungsmasse" ihrer Erzeuger sind) ist mehr als traurig. Grundsätzlich wäre jeder dieser Punkte aus der Theologie heraus begründbar.

    Vor diesem Hintergrund hätte ich mit einem "Gesetz über die rituelle Zirkumzision von Söhnen jüdischer und muslimischer Eltern" jedenfalls eher leben können als mit der Totalfreigabe - die wir ja letztlich der Idee verdanken, daß alle gleiche Rechte haben müssen.

    An dieser Stelle bin ich sehr gespannt, wie sich Luxemburg nun weiterentwickelt, nachdem das Verhältnis von Staat und Religion neu geordnet werden soll. Ein kleines Land mit vermutlich noch kleinerer Intaktivisten-Szene, aber die Frage nach dem "was ist dort zukünftig möglich" ist interessant. Übrigens hat die Katholische Kirche ihre bisherige Position dort verloren, weil die muslimischen Gemeinde auf gleiche Rechte gepocht hat - bleibt abzuwarten, wie sich das Vakuum füllt...


    (Sorry, ist doch länger geworden als gedacht)

    Ich könnte hier auf ein Forum verweisen, daß zur Klärung mancher (zwar volkstümlicher aber) seltsamer Ansichten zum (katholischen) Christentum beitragen könnte, aber das führe hier zu weit.

    Nur so viel:

    Beim Fest der Beschneidung Jesu geht es aus christlicher Sicht nicht um die VA (zumal es sich um eine Beschneidung im alten Sinne gehandelt haben dürfte und nicht um eine VA), sondern nur darum den in den ersten Jahrzehnten noch zu missionierenden Juden zu vermitteln, daß Jesus nicht der Anti-Jude war. Er war Jude und gehorchte dem jüdischen Gesetz. Es geht lediglich um die Legitimation seiner Autorität.

    Davon abgesehen gibt es - den vermutlich bei uns eher unbekannten Satz in der kirchlichen Lehre, daß keine zwangsweisen Amputationen, Verstümmelungen, Sterilisationen etc. vorgenommen werden dürfen. In unserem mittlerweile eher folterfreien Land, sicherlich nichts, was besonders betont werden müsste. Aber: auch der kirchliche Lehrer gerät an dieser Stelle an die Grenze der elterlichen Gewalt und da war die Kirche - insbesondere nach den Erfahrungen von Nationalsozialismus und Kommunismus - eigentlich immer auf der Seite der Eltern gegenüber staatlicher Bevormundung. Aber ist die Entscheidung dann nicht Elternrecht... Wir kennen das Dilemma.

    Was die Philippinen angeht denke ich, daß die VA schlicht nicht als Thema erkannt wurde. Wenn der Papst von diesem seltsamen Brauch überhaupt weiß. Dazu kommt die grundsätzliche Mühe die regionalen Eigenheiten der Gastgebernation zu achten - eine Predigt gegen die VA hätte erstens völliges Unverständnis bei der Bevölkerung hervorgerufen und wäre außerdem viel zu speziell für diesen Papst gewesen, der eher ein Mann der groben Richtung zu sein scheint, denn ein Detail-Erklärer.

    Nur als Erfahrungsbericht: Ich hatte vor ca. 20 Jahren eine Frenulutomie. Der Eingriff wurde von einem niedergelassenen Urologen in einem Krankenhaus (Beleg-OP bzw. Belegbetten) vorgenommen.

    Da es die Praxis immer noch gibt, hatte ich vor zwei Jahren mal nach eine Kopie meines OP-Berichts gefragt. Weder das Krankenhaus hatte noch was (weil kein angestellter Operateur) noch die Arztpraxis (Aufbewahrungsfrist 10 Jahre). Auch die Krankenkasse hatte keine Unterlagen mehr.

    Aus meiner Zivildienstzeit erinnere ich mich, daß Patientenkarteien nur für zwei Jahre "griffbereit" aufgehoben wurden. Danach kamen Sie ins Archiv und wurden nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist (ich weiß nicht mehr wie lange) vernichtet. Griffbereit waren nur die Karteikarten von Patienten, die regelmäßig (d.h. wenigstens einmal binnen 48 Monate) da waren. Ich könnte mir vorstellen, daß Arztpraxen ähnlich arbeiten.

    Insofern dürfte es teilweise nur mit sehr viel Glück möglch sein, alle Unterlagen noch mal zu Gesicht zu bekommen.

    Was verstehst Du unter einer "Frenulum Breve Untersuchung"?

    Ich habe mit 18/19 mal einen Check beim Urologen machen lassen, bei der auch die Frenulumlänge untersucht wurde (meins war auch zu kurz, was ich zu dem Zeitpunkt nur bedingt als Problem empfunden hatte).

    Angst ist der völlig falsche Ratgeber dabei. Zum einen dürfte Dein Arzt schon so ziemlich alles gesehen haben (sowohl was die Größe angeht als auch die verschiedenen Erektionsstadien), zum anderen dürfte er auch den ein oder anderen Trick auf Lager haben um den für die Untersuchung notwendigen Erektionsgrad (bzw. die Nichterektion) herbeizuführen.

    Bei mit wurde damals nur die Vorhaut einmal bis zum äußersten zurückgezogen um zu schauen, ob und ab wann das Frenulum spannte. An die OP habe ich nur wenige Erinnerungen - angesichts der Stressituation wäre es meiner Meinung nach allerdings schon fast ein Wunder, wenn Du auf dem OP-Tisch eine Erektion halten könntest. Eher dürften die Medikamente für die örtliche Betäubung eine solche schon mehr oder weniger automatisch ausschalten.

    Frohe Weihnachten.

    1. Wieso sollte 19 zu spät sein um sich organisiert und verantwortungsbewusst um eine Phimose zu kümmern? Eher finde ich es seltsam, daß Du mit einem echten Problem 5 Monate wartest.

    2. Wir sind keine Mediziner. Entsprechend vage dürften die Ratschläge bleiben. Neben der Photodokumentation kann man Dir eigentlich nur zur Beweissicherung (sprich OP-Bericht, Aufklärungsformular, Krankenakte), einem Gespräch mit Deiner Krankenkasse und vielleicht einer Vorstellung bei Deinem ehemaligen Kinderarzt (der ja anscheinend die Phimose für nicht behandlungsbedürftig betrachtet hat) raten. Und je nach Befund einen Anwalt für Ärztefehler hinzuzuziehen.

    3. Die Abstumpfung der Eichel ist kein Vorteil. Die sich bildende Hornhaut wird dafür sorgen, daß nicht nur das Schubbern an der Unterwäsche nicht mehr unangenehm ist, sondern auch dein sexuelles Empfinden weiter eingeschränkt wird.


    (Und auch, wenn es vermutlich nur deprimierende Antworten gibt: Warum melden sich Kandidaten wie Du immer erst NACH der OP???)

    Vorweg: Grundsätzlich halte ich einen Check-up für End-Teenager und junge Männer für ausgesprochen sinnvoll (jedes Mädchen geht früher oder später zum Gynäkologen).


    Trotzdem habe ich bei diesem Vorstoß nicht das allerbeste Gefühl: http://www.welt.de/gesundheit/art…uer-Jungen.html

    Hier die Homepage der Praxis: http://www.urologie-sylt.de/index.php/was-tun-wir-fuer-sie

    Gleichwohl Bühmann sich bisher eher gegen die Zirkumzision bei Kindern ausgesprochen hat: http://www.tagesspiegel.de/politik/beschn…rt/6806700.html

    1. Muss man mit 16 noch gar keinen Sex haben. Man kann getrost auch noch ein oder zwei Jahre warten, bis man begriffen hat, daß jeder Sex Konsequenzen haben kann. Emotionale wie körperliche. Und welchen Einfluss die Zirkumzision auf so elementare Dinge wie die Verwendung von Kondomen hat.

    2. Hätte ich erwartet, daß der Operateur Dir erklärt, wie lange die OP-Naht geschont und wie gepflegt werden muss. Bei meiner Frenulotomie (Verlängerung des Vorhautbändchens war alles erst nach ca. 6 Wochen völlig verheilt. Diese Zeit würde ich einer OP-Naht dieser Größenordnung auf jedenfall auch gönnen.

    3. Wieso landen soviele Teenager mit Interneterfahrung und auch sonst wachem Verstand eigentlich immer erst hier, wenn im Prinzip alles zu spät ist?