Diplomatie ist vielleicht nicht seine Stärke, aber Aussagen wie die von Mario Lichtenheldt nebenan, zeigen sehr deutlich, daß die Zirkumzisionsdebatte eben nicht "weltanschaulich-neutral" geführt wird, sondern immer wieder gerne als Rundumschlag gegen Religion und Religionsgemeinschaften insgesamt genutzt wird.
Ich für mich - als Katholik und Vater - finde in meinem Glauben kein einziges Argument, für eine Schönheits-OP (was die medizinisch-nicht unumgängliche VA ja im Grunde immer ist) an meinen Kindern. Wir überlegen meiner Tochter zur Erstkommunion die ersten Ohrlöcher zu erlauben - ich bin noch nicht überzeugt (ich habe meinen ersten Ohrring erst mit 16 oder 17 stechen lassen). Wenn allerdings die VA als Vorwand genommen wird der Religion die gesellschaftliche Präsenz abzusprechen, kann ich nachvollziehen, daß man an dieser Stelle sehr vorsichtig wird.
Die Katholische Kirche hat außerdem vor rund 135 Jahren entschieden, daß keine äußere Gewalt sich in die innere Lehre und Struktur einmischen können soll (was angesichts der immer schiefgegangenen Ehen von Thronen und Altären tiefen Sinn ergibt und angesichts der Situation in China und den meisten muslimischen Ländern immer noch aktuell ist). Auch hier kann ich grundsätzlich nachvollziehen, daß man dieses Recht auch für andere Religionsgemeinschaften garantiert wissen will. Aber es fehlt die Grenze.
Daß Vertreter der Kirche mit der - Verzeihung - Anbiederung an die zirkumzidierenden Religionen wiedereinmal bewiesen haben, wie wenig - nochmals Verzeihung - Eier sie in der Hose haben (es wäre eine schöne Gelegenheit gewesen das Wunderwerk Kind, seine Vollkommenheit als Gottes Geschöpf, die besondere Schutzaufgabe der Eltern zu betonen und ein deutliches Zeichen zu setzen, daß Kinder eben nicht "Verfügungsmasse" ihrer Erzeuger sind) ist mehr als traurig. Grundsätzlich wäre jeder dieser Punkte aus der Theologie heraus begründbar.
Vor diesem Hintergrund hätte ich mit einem "Gesetz über die rituelle Zirkumzision von Söhnen jüdischer und muslimischer Eltern" jedenfalls eher leben können als mit der Totalfreigabe - die wir ja letztlich der Idee verdanken, daß alle gleiche Rechte haben müssen.
An dieser Stelle bin ich sehr gespannt, wie sich Luxemburg nun weiterentwickelt, nachdem das Verhältnis von Staat und Religion neu geordnet werden soll. Ein kleines Land mit vermutlich noch kleinerer Intaktivisten-Szene, aber die Frage nach dem "was ist dort zukünftig möglich" ist interessant. Übrigens hat die Katholische Kirche ihre bisherige Position dort verloren, weil die muslimischen Gemeinde auf gleiche Rechte gepocht hat - bleibt abzuwarten, wie sich das Vakuum füllt...
(Sorry, ist doch länger geworden als gedacht)