Nun - ich schrieb es bereits an anderer Stelle, bevor durch persönliche Hassreden durch andere vom eigentlichen Thema abgelenkt wurde - meines Erachtens nach macht es nur wenig Sinn, jeden kleinsten Schnipsel journalistischer oder politischer Berichterstattung aufzugreifen, egal wie schwer oder weit her geholt dieser sich überhaupt mit dem Thema Beschneidung/BGM in Assoziation setzen lässt. Das lässt nämlich für Außenstehende den Eindruck erwecken, dass uns die sinn- und inhaltvollen Argumente fehlen und wir einfach nur allgemeines "Rumgeheul" betreiben.
Dahingehend fand ich den Aufbau von Phimose-Info weitaus sinnvoller, eine Mischung aus grundsätzlicher Aufklärungsseite - getrennt für Erwachsene und Eltern "betroffener" Kinder - und Forum für konkrete Problemanfragen einzelner (wiederum getrennt nach Eltern- und Erwachsenen/Jugendlichen-Bereich).
Allerdings ist der allgemeine Trend leider, wie geschrieben, nicht zu verleugnen. Egal in welche Elternforen man rein schaut, teilweise seit Jahren wurde dort keine Anfrage zum Thema Phimose beim Filius mehr gepostet und wenn liest man vielfach "ja, war bei unserem auch ganz schlimm, er wurde dann mit 3, 4, 5 Jahren operiert und hat seitdem keine Probleme mehr". Ein trauriger Satz, der die Unversehrtheit des Kindes in einem Satz abfrühstückt und darstellt, wie lapidar diesbezüglich mittlerweile die Einstellung von Eltern und Ärzten zu dem Thema ist.
Die Jugendlichen-Foren sehen nicht viel besser aus. Zahlreiche Beiträge ala "bin auch beschnitten und ist viel besser" (ein Hohn und Spott, eine solche Aussage von 13-, 14-, 15-Jährigen Bengels, deren einziger sexueller Kontakt bisher die rechte Hand i. V. mit schlecht gemachten Drittklass-Pornos auf xhamster & Co waren) zeugen davon, dass die heranwachsende Generation offenbar zahlreich unters Messer gelegt wurde. Private Unterhaltungen mit anderen Eltern oder Rückmeldungen von selbigen aus den extrem selten gewordenen Phimose-Anfragen zeichnen ein ähnliches Bild.
Doch die wichtigste aller Fragen lautet: Was können wir konkret dagegen machen?
Die Antwort lautet, ganz nüchtern betrachtet: Nicht viel!
Phimose-Info beispielsweise war eine Institution, die in den Phimose-Anfragen von Eltern in diversen Foren damals als quasi universelle Informationsadresse verlinkt wurde, da es dort einen speziell für Eltern aufbereiteten Informationsbereich gab, in dem ganz klar die aktuellen Erkenntnisse in verständlicher Form (d. h. beispielsweise kein umherwerfen mit medizinischen Fachbegriffen, wie in den Leitlinien der Fall) niedergeschrieben waren.
Ein solcher Bereich fehlt hier gänzlich!
Ein weiterer Punkt war dort das Forum, aufgeteilt nach Eltern-, Jugendlichen- und Erwachsenen-Bereich. Politische, gesellschaftliche oder Journalistische "Ergüsse" wurden in der "Speakers Corner" thematisiert, das heißt in einem Forum gebündelt und auf einem erträglichen, den thematischen Zusammenhang zur Beschneidung ganz klar erkennbaren Maß gehalten.
Dem gegenüber verliert sich dieses Forum geradezu in diversen Zitaten irgendwelcher Ergüsse irgendwelcher mitunter total unwichtiger Lokaljournalisten oder -politikern, vielfach auch noch fremdsprachig, so dass die Zahl der Interessenten daran sehr sehr begrenzt sein dürfte, und der Aufklärung/Information des uns überwiegend besuchenden Publikums (nämlich deutschsprachige Leute auf der Suche nach Information) auch nicht dienlich. Die wenigen Rat suchenden Beiträge gehen dahinter geradezu unter.
Auch - und das muss aus mehreren Privatkontakten mit ehemaligen Fragestellern mal ganz deutlich betont werden - ist es ganz strikt zu vermeiden, insbesondere anfragende Eltern hier mit Formulierungen ala "lass die Vorhaut deines Jungen in Ruhe" oder ähnlichem zu versehen. Das versetzt denjenigen nämlich sofort und ohne Vorwarnung in eine Verteidigungshaltung, denn kein Elternteil möchte sich sagen lassen, es mache einfach nur so an der Vorhaut seines Jungen rum. Welche Blüten das treiben kann, hat die Diskussion, die letztendlich in eine Diskussion um sexuellen Missbrauch mündete, deutlich gezeigt. Diverse Beiträge dort schrammten sehr knapp am Stoff für eine Strafanzeige vorbei (und einer gar nicht mehr).
Solche verbalen Angriffe haben gegen Rat suchende Fragesteller absolut zu unterbleiben. Diese kann man sich allenfalls vielleicht erlauben, wenn klar erkennbar ist, dass da jemand entweder seinen Beschneidungsfetisch verbal ausleben will, oder aber "Werbung" dafür betreiben will oder sich einfach absolut und völlig beratungsresistent zeigt. Aber auf gar keinen Fall in der Erstantwort auf die Frage, bzw. direkt im Anschluss.
Gerade bei der Beratung Rat suchender Eltern ist es wichtig, da mit dem notwendigen Feingefühl gegen eine höchstwahrscheinlich schon erfolgte ärztliche Beeinflussung in Richtung Pro-Beschneidung an zu kommen. Denn das Gros der Eltern, die sich diesbezüglich überhaupt im Internet erkundigen und nicht gleich die Unterschrift unter den OP-Bogen setzen, will einzig und allein das Beste für seine Kinder - und nicht einfach mal gerne öffentlich thematisieren, dass man bald den Filius beschneiden lässt.
Der "Kampf" gegen die Beschneidung wird also am ehesten an der Basis gewonnen, nämlich da wo sie entsteht - bei den jüngsten! Die "Irrtümer" zum Thema, wann eine Phimose überhaupt eine Phimose ist und wann sie behandelt gehört oder eben nicht, sind die ersten, die es auszumerzen gilt. Dann hat man schon verdammt viel erreicht.
Damit hat man dann auch etwas, womit man gegen allzu zweifelhaft berichtende Journalisten oder anderweitige Möchtegern-Redner zu Felde ziehen kann.
Das hohe Gut der religiösen Diskussion ist eine, an die wir uns mal noch ganz lange nicht dran wagen sollten, denn sie wird für alle Zeiten ein heißes Pflaster sein und selbst Nicht-Moslems oder Nicht-Juden mehr verschrecken als anlocken, bedenkt man, wie schnell man in unserem Land bei Stimmung GEGEN religiöse Beschneidung in der Antisemiten-Ecke sitzt. Das ist ein Faktum, gegen das WIR HIER auf gar keinen Fall ankommen. Dahingehend gilt es also - so wütend einen diese Praktiken machen - mit SEHR viel Fingerspitzengefühl vorzugehen, und erst, wenn das Grundgerüst für die "normalen" Anti-Beschneidungsthemen steht.
So aber wird sich hier derzeit jedenfalls nur auf der Stelle gedreht. So erreichen wir gar nichts.