Beiträge von picard_72

    Es geht wohl um eine nährere Auslegung von § 1631 d Abs. 1 Satz 2 : " Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird." Hier scheint das OLG Hamm eine restriktive Auslegung einführen zu wollen. Das ist sehr erfreulich. Das Urteil eines Oberlandesgerichtes hat natürlich sehr viel mehr Gewicht als das Urteil eines Amtsgerichtes.

    Nur mal so nebenbei, auch wenns mit unserem Thema nix zu tun hat : Die Pädophilie-Kampagne gegen Trittin ist durchsichtig und verlogen. Es steht außer Frage, dass es falsch war, Straffreiheit für pädophile Handlungen zu fordern- damals wie heute. Aber fragwürdige politische Haltungen und Forderungen hat es immer in allen Lagern gegeben. Die Union hat sich noch bis 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe positioniert - diese wurde dann gegen ihren Widerstand durchgesetzt. Sicher gibt es noch heute viele aktive Unionspolitiker, die diese Haltung damals unterstützt haben... alles Befürworter von ehelicher Gewalt ? Also, die sollten doch besser die Klappe halten...

    Dann könnte der Erlass einer einstweiligen Anordnung hilfreich sein. Vielleicht lässt er sich ja durch die Androhung eines Zwangsgeldes, ersatzweise Zwangshaft beeindrucken. Du müsstest im gerichtlichen Verfahren allerdings Tatsachen glaubhaft machen ( zB durch Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung ), dass es reale Anhaltspunkte für so ein Vorhaben gibt. uU könnte das Gericht sogar ein Ausreiseverbot für das Kind anordnen, dafür müsste es aber schon sehr konkrete und zwingende Anhaltspunkte geben.

    Eine einstweilige Anordnung in Familiensachen kann bei der Geschäftstelle des Gerichtes zu Protokoll beantragt oder schriftlich eingereicht werden. Anwaltszwang besteht nicht, ich würde aber dringend raten, dies über einen Anwalt laufen zu lassen, da dieser die formalen und inhaltlichen Voraussetzungen kennt, damit der Antrag erfolgreich ist. Für anfallende Kosten kann auch Beratungs- oder Prozesskostenhilfe beantragt werden. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt in Familiensachen regelmäßig nur eine Erstberatung, aber auch das kann ja schon hilfreich sein.

    Geh zu einem Anwalt und lass Dich beraten. Wahrscheinlich könnte eine einstweilige Anordnung beim Familiengericht erwirkt werden, wenn eine reale Gefahr besteht, dass Dein Mann auch ohne Deine Einwilligung die Beschneidung veranlasst.

    Es ist bestürzend, dass Herr Thierse offensichtlich so in seiner religiösen Vorstellungswelt gefangen ist, dass er jede nachhaltige und scharfe Kritik als " militant" wahrnimmt. Oder weiß er nicht, was "militant" bedeutet ? Kann ich mir bei einem so gebildeten Menschen eigentlich nicht vorstellen. Schon ziemlich erschütternd.

    Ich wähle ja in Niedersachsen, und habe gerade festgestellt, dass Katja Keul die Landesliste der niedersächsischen Grünen anführt. Sie war ja eine der Wortführerinnen bei den Grünen gegen das Beschneidungsgesetz. Zudem hat mir imponiert, wie sie " Parteifreund" Volker Beck in der Bundestagsdebatte abgekanzelt hat. Trittin, auf Platz 2 der niedersächsischen Landesliste, hat sich immerhin enthalten, was ich angesichts des enormen öffentlichen Drucks ebenso als versteckte Ablehnung werte. Vielleicht ein Grund - trotz Bauchschmerzen - doch wieder ein Kreuz bei den Grünen zu machen. Würde ich allerdings in NRW wohnen, käme das für mich nicht in Betracht, denn da steht Volker Beck auf dem Wahlzettel....

    Es ist doch immer wieder erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Leute wie diese Frau Güler glauben, ein Recht zu haben, an den Genitalien kleiner Jungen rumschneiden zu lassen. Dabei ist sie sicherlich keine traditionsgebundene oder bildungsferne Frau, die es nicht besser wissen könnte oder sich zumindest mal ernsthafte Gedanken darüber machen könnte. Da merkt man wieder mal, wie tief prägend die Sozialisation doch ist und wie schwer es ist, sowas zu durchbrechen. Zum Haare raufen...und Hut ab vor Parlamentariern wie Memet Kilic

    Ich kann mich Weguers Worten nur anschließen. Leider erlauben es meine beruflichen und privaten Verpflichtungen und auch meine Pflichten als Admin eines anderen Internetforums es nicht , mich hier in dem Maße einzubringen, wie ich es mir selber wünschen würde. Dennoch möchte ich einmal betonen, dass es mir ein Herzensanliegen ist, dass die Unsitte der Minderjährigenbeschneidung hoffentlich eines nicht allzu fernen Tages überwunden wird. Sicherlich wird das noch Zeit brauchen, und ob wir den Tag noch erleben werden, ist ziemlich unwahrscheinlich. Aber wir haben was angestoßen, was nicht mehr aufzuhalten ist. Es mag dem einen oder anderen vielleicht zu pathetisch klingen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir auf der richtigen Seite der Geschichte stehen. Eines Tages wird man das zu würdigen wissen, und die Menschen künftiger Jahrzehnte ( einschließlich zukünftiger Generationen von Juden, Muslime , Kopten und anderen ( noch ) beschneidenden Gruppen , die natürlich NICHT durch die Aufgabe der Beschneidung untergehen werden u.a. ) werden die Köpfe schütteln über diesen archaischen und unnötigen Brauch. Klar, würden wir uns alle wünschen, es könnte doch schneller gehen. Aber gemessen an den gesellschaftlichen Realitäten, haben wir in einem Jahr schon sehr viel erreicht , finde ich. Dass überhaupt öffentlich debattiert wird über ein Thema, über das sich die Wenigsten hierzulande zuvor jemals Gedanken gemacht haben, ist schon ein großer Erfolg. Zugegeben, auch auf " unserer " Seite hat es unschöne Stimmen gegeben, manch " falsche Freunde" versuchten, das Thema für ganz andere Zwecke auszuschlachten. Auch fiel im Eifer der Debatte so manches unbedachte Wort und wurde von Eiferern der anderen Seite gnadenlos ausgeschlachtet. Aber dieses Forum hat es geschafft, sich von solchen Tendenzen freizuhalten. Dafür und für alles andere, meinen Dank und meine Gratulation an alle Mitwirkenden !

    Ja, radikale Menschenrechtskämpfer sind wirklich eine Pest.... furchtbar diese Fanatiker ... ;) .

    Im Ernst : Die intellektuelle Armseligkeit und Hilflosigkeit vieler Beschneidungsverteidiger angesichts dieser Debatte ist zum Fremdschämen und fast schon mitleiderregend. In gewisser Weise tun mir die Leute schon leid, das meine ich mit vollem Ernst und ohne Häme. Ich versteh ja, warum sie so denken. Speziell bei der jüdischen Gemeinschaft ist es eine uralte, tief verwurzelte Tradition, oft verfemt und Verbote gingen in der Vergangenheit in der Regel mit dem Bestreben einher, die jüdische Identität oder das jüdische Volk zu diffamieren oder zu vernichten - und so wurde es für sehr viele ein zentrales Element ihrer Gruppenidentität. Aber leider völlig irrational und mit heutigen Vorstellungen von Kinderrechten und Selbstbestimmung in Konflikt stehend. Aber weil die Gruppenidentität eben doch für viele geistige Heimat ist, entscheidet man sich - oft gegen ansonsten eigene Prinzipien- in diesem Punkt für das Irrationale. Und um das sich selbst nicht eingestehen zu müssen, bleibt nur noch der Ausweg, Andersdenkende persönlich zu diffamieren oder zu dämonisieren oder in die radikale Ecke zu stellen. Traurig !

    Was netdoktor.at betrifft, bin ich davon überzeugt, dass da exakt EIN Fetischistenspinner rumturnt, der sich immer wieder unter verschiedenen Frauenprofilen anmeldet und da seinen Fetisch von einer " besonders hohen und straffen Beschneidung zur Masturbationsverhütung " zum Besten gibt. Mal nennt er sich " Heidi", mal " Silke" , mal ist er eine Mutter, mal eine Internatserzieherin, aber Sprache und Stil und Inhalt sind immer mehr oder weniger gleich. Gut möglich, dass es sich um einen traumatisierten männlichen Betroffenen handelt, vielleicht auch um einen Fetischist anderer Sorte.

    Es ist sicher richtig, dass in bestimmten Bevölkerungskreisen und bei einigen Frauen die Vorstellung gibt, eine Beschneidung sei " sauberer" und "schütze" vor der angeblich so " schädlichen" Masturbation. Aber was die Beiträge betrifft, um die es hier geht, so ist das mE eindeutig Fetischistensprech. Gerade die Betonung darauf, dass eine Beschneidung " besonders hoch und straff " sein muss, das auch das Frenulum unbedingt mitentfernt werden muss, das ist Terminologie, die man typischerweise auf Fetischistenseiten findet. Da steckt auch " Insiderwissen" dahinter, das im Allgemeinen nur Leute haben, die sich - wie wir hier - sehr intensiv mit dem Thema befasst haben. Die allerwenigsten können zB mit dem Begriff " Frenulum" überhaupt was anfangen, auch die meisten Männer nicht.Und außer uns Beschneidungsgegnern und Betroffenen sind es eben hauptsächlich die Fetischisten, die solches Insiderwissen haben.

    Und jetzt mal ehrlich, ein Internat, dass extra eine " Beschneidungsbeauftragte" bestellt , die nicht mal Ärztin ist ? Wenn ich mir allein so ein Gespräch vorstelle.... " bei der Pflichtuntersuchung haben wir festgestellt, dass ihr Sohn gar nicht beschnitten ist. Darf ich Ihnen kurz die großen Vorteile einer Beschneidung erläutern... ? " Sicher, es kommen die unmöglichsten Dinge vor, aber wie wahrscheinlich ist sowas ? Die Wahrscheinlichkeit, dass hier ein Fetischist seine Fantasien auslebt, ist doch deutlich größer. Und ein Kollegium, dass " besonders stolz" darauf ist, dass 80 % eines Jahrgangs die Schule beschnitten verlässt. Ja klar, da wird dann mit Sekt angestoßen und das voller Stolz ins Zeugnis geschrieben. ;) Als ob der Genitalzustand der Schüler ein großes Thema im Kollegium wäre. Das ist doch lachhaft.

    Und es ist auch etwas ganz anderes, als was Lukas Störmer in " Der Schnitt" beschrieben hat. Da ging es um die voreilige Diagnose einer Phimose, wie das in den 70er und 80er Jahren absolut üblich war. Dennoch kam es nicht zu Reihenbeschneidungen in Internaten.

    Sicher, Beweise für ein Fake sind das alles nicht. Aber das ganze ist so überdreht, dass ich nur dringend davor warnen kann, so was ernstzunehmen. Die Gefahr , sich lächerlich zu machen ist, wie Werner ganz richtig gesagt hat, riesengroß. Und wenn mir jemand das Internat nennen kann, in dem " Silke" arbeitet und /oder sich ein Betroffener meldet, der auf ihre Veranlassung beschnitten wurde, so werde ich hier öffentlich Abbitte leisten. So ich denke, mein Punkt ist klargeworden. Ich bin jetzt raus aus dieser Diskussion.

    Der Überraschungsmoment löste Schockwellen aus, paralysierte den Körper und ließ die Gesichtszüge erstarren. Alsdann löste sich die Kinnlade aus ihrer Verankerung und fiel ungebremst bis zum Anschlag nach unten. Dabei traten auch beträchtliche Mengen an Speichel aus. Schockiert - verwundert wurde darauf gestarrt und auch die Augen drohten aus den Höhlen zu fallen. Und leise ertönte die Klage: "oh, der Wahnsinn dieser Sauna da, des Freitag abends ..."


    Wow! (nocut) Falls ich je meine Lebensgeschichte zu Papier bringen sollte, werde ich Dich engagieren , zu einer solchen Dramaturgie wäre ich nicht imstande ;)

    Aber andererseits wäre es schlimm, wenn man jetzt denen, die ihre Leiden durch die Beschneidung erzählen mit Misstrauen begegnen würde. Das ist ein Dilemma.
    Von den Verstümmlungsfans werden die Leiden der Betroffenen gerne als "anekdotisch" (also angeblich irrelevant) bezeichnet. Und Studien werden halt (wie damals beim Rauchen) gerne von interessierter Seite gemacht oder finanziert - wobei man befürchten muss, dass "unerwünschte" Resultate dann - wie damals bei der Tabakindustrie - im Panzerschrank verbleiben.

    Darum geht es in diesem Thread doch gar nicht, die in diesem Forum geposteten Beiträge in Zweifel zu ziehen. Es geht darum, dass sich in vielen Internetforen Beschneidungsfetischisten, oft unter Frauen- Fake-Profilen, tummeln, die dort mit unglaubwürdigen Stories ihre Fantasien ausleben oder Beschneidungspropaganda treiben. Es geht darum, dass wir nicht auf sowas reinfallen sollten. Klassisches Beispiel für so ein Fake ist das hier, gefunden auf netdoktor at:

    Re: Pflichtbeschneidung für Knaben


    Silke


    13. März 2009 15:51

    Bin 42 Jahre alt und Erzieherin
    an einem Knabeninternat.Ich habe gestern schon einmal geschrieben, aber
    der Beitrag muss irgendwie verlorengegangen sein.Ich stimme Elionore
    voll und ganz in Sachen Knabenbeschneidung zu.Da es an unserer Schule
    jährliche Pflichtuntersuchungen gibt,weiß ich,dass zirka 30% der Knaben
    bereits beschnitten in das Internat kommen.Verlassen tun es dann aber
    etwa 80% beschnitten,worauf wir sehr stolz sind.


    Meine Aufgabe ist es die Eltern, meißt die Mütter,von den Vorteilen
    einer Beschneidung zu überzeugen. Sehr viele reagieren sehr
    aufgeschlossen und geben die schriftliche Einwilligung,ihre Sprösslinge
    mit 10,11 Jahren beschneiden zu lassen.Die Ärzte mit denen wir
    zusammenarbeiten beschneiden mit der Plastibell Methode sehr straff und
    hoch,bis dicht an die Hoden,was mir persönlich sehr gut gefällt.Auch das
    Frenum wird komplett entfernt.Diese Beschneidungsart, bietet alle
    hygienischen,und gesundheitlichen Vorteile einer Beschneidung.Auch die
    Einschränkung der exessiven Masturbation ist damit gewährleistet,da auch
    die ganze, reizbare innere Vorhaut fast bis zum Schaftansatz entfernt
    wird. Eine positive Verhaltensweise der Knaben wird damit gefördert.Eine
    männliche Vorhaut, kann nie richtig sauber sein,da sie schon wenige
    Stunden nach dem Waschen wieder unangenehm riecht und durch die ständige
    Smegmaproduktion unsauber wird. Darum sollte die Knabenbeschneidung
    meiner Meinung nach überall Standart werden.


    Schöne Grüsse Silke


    kleiner Nachtrag noch.Es gibt
    sogar einige Eltern, bereits im Baby oder Kleinkindalter beschnittener
    Knaben,die bei uns noch einmal nachbeschneiden lassen,da sie mit den
    früheren Beschneidungen nicht zufrieden waren.Entweder wurde noch zuviel
    lose Haut übrig gelassen, oder das Frenum nicht entfernt,so das die
    Vorteile einer Knabenbeschneidung nicht richtig zum Tragen kamen.


    Das befürworte ich sehr und habe die Eltern bei ihrem Vorhaben
    unterstützt. Ein richtig beschnittenes Glied,sollte absolut glatt sein
    und keine Bewegung von Haut mehr zulassen.


    Schüne Grüsse Silke "


    Das ist doch typischer Fetischisten-Bullshit. ( Internat= Situation des Ausgeliefertseins,wird als sexuell erregend empfunden; kennt man ja auch aus der Sado-Maso-Szene; Beschneidung zur Masturbationsverhinderung = Bestrafungselement; besonders radikale Beschneidung, wo nichts mehr geht = Verstümmelungsfantasie ; veranlasst durch eine Frau= wird als sexuell erregend empfunden)

    Wer so was für echt hält, ist mE selber schuld.

    noskin, picard_72
    Das sehe ich absolut nicht so. Männer sind offensichtlich auch bei Euch immer Täter und Frauen nur asexuelle äußerst soziale Wesen. Daher können solche Taten nur sexuelle Phantasien von Männern sein.

    Diese Unterstellung weise ich entschieden zurück. Allerdings habe ich auch ziemlich intensiv in der Fetischistenszene recherchiert und meine, gewisse Sprachcodes zu erkennen. Im Übrigen habe ich ( und auch noskin ) niemals behauptet, dass der Schreiber ein Mann sein muss. Wir haben lediglich den realen Hintergrund des von Weguer zitierten Eintrages angezweifelt. Ich habe viele solcher " Geschichten" gelesen und gerade dieser klingt mE wie eine in der Fetischistenszene durchaus verbreitete " Bestrafungsfantasie ". Ich bleibe dabei, dass man hier längst nicht alles für bare Münze nehmen darf, es schadet letztendlich der Seriosität unseres Anliegens, wenn wir hier Fantasiebeiträge als ( Negativ-) Belege für unsere Position anführen.