Beiträge von Descant

    Hallo Leute. Ich habe die Nase voll von den Artikeln in dieser Zeitung und den Leuten, die sie verfassen. Daher (verursacht durch den Artikel "Ausgeblendet" (sieh Thread 8.Novembe) habe ich denen jetzt diesen Leserbrief gemailt:

    Mal sehen ob was kommt (per E-Mail, Post oder sonstwie).

    Zitat aus dem o.g. Artikel der Jüdischen Allgemeinen

    Zitat

    Exemplarisch sind jene 700 Akademiker, zumeist Juristen und Ärzte, die anlässlich des Kölner Urteils in einem Offenen Brief ihre Kritik am Judentum damit anführten, ein »assoziativer Verweis auf den Holocaust« sei für sie als »Vertreter des Kinderschutzgedankens« »nicht hinnehmbar«. Diese »Assoziation« stand allerdings nur bei den Verfassern und Unterzeichnern selbst im Raum. Es folgte der mit Ausrufezeichen versehene Hinweis: »Man tut Kindern nicht weh!«

    Der offenen Brief wurde am 21.7.2012 publiziert

    Zitat

    Diese »Assoziation« stand allerdings nur bei den Verfassern und Unterzeichnern selbst im Raum.

    Komisch, dass die Jüdische Allgemeine so einen schlechten Überblick über die Nachrichtenlage hat:
    12.7.2012: Rabbiner vergleichen Beschneidungsverbot mit Holocaust (stern.de)
    13.7.2012: Schwerster Angriff seit Holocaust (tagessspiegel.de)

    usw. zig-Links

    Hier direkt der Link zum Bundestag (ohne Werbeanzeige wie bei "Umschau"-Nachricht.Or

    Infos zur Anmeldung und Ort der Ausschusssitzung hier.

    Ich hab gleich mal an Phönix gemailt, das die das bitte übertragen

    Zitat


    Sehr geehrte Damen und Herren,

    das in der Öffentlichkeit (z.B. auf https://www.beschneidungsforum.de) kontrovers diskutierte Thema "Beschneidung männlicher Kinder in Deutschland" und der dazu vorgestellte Gesetzentwurf wird am 26. November Mittelpunkt einer Expertenanhörung im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages sein. Da viele diese Anhörung gern verfolgen würden, nur wenige aber nach Berlin fahren können, wäre es sehr schön, wenn Sie gemäß ihres programmatischen Selbstverständnisses diese Anhörung auf Phönix erst live, später aber auch als Wiederholung, übertragen würden.

    Nähere Informationen über: http://www.bundestag.de/presse/hib/2012_11/2012_499/04.html

    Mit freundlichen Grüßen
    .....

    Wer auch noch an Phönix mailen will, bitte: [email protected]

    Wenn die Eltern aus religiösen Gründen die Unversehrtheit ihrer Kinder beenden dürfen, dann muss der Gesetzgeber auch den unter BIID-Leidenden (Patienten mit Body Integrity Identity Disorder ), die ein eigenes voll funktionsfähiges Körperteil amputiert haben wollen, das Recht auf diese Amputation einräumen. Da bin ich mal gespannt. Ich habe über diese Krankheit eine Fernsehreportage gesehen und war schockiert darüber, wie sehr diese Menschen leiden.
    [Admin: Body Integrity Identity Disorder – Wikipedia]

    Götz - Die Gründe für den Schulterschluss zwischen Islam, Judentum und Christentum sind auch in meinen Augen so, wie du sie beschreibst.

    Zitat

    Der Umkehrschluss, dass alles erlaubt ist, was keinen körperlichen Eingriff darstellt, wäre allerdings falsch.

    Auch hier stimme ich dir zu, ich habe in dem Moment nicht an extreme Positionen wie z.B. Evangelikale, Kreationisten oder Scientology gedacht. Danke für den Hinweis.

    Götz - ja, darin sehe ich aber ehrlich gesagt auch kein Problem. Religion, sofern man sich zu einer bekennt, bestimmt nun mal das Leben des Menschen und seine sozialen Beziehungen, sie ist nicht nur auf das Jenseits gerichtet sondern gibt auch Regeln für das menschliche Zusammenleben vor. Da die Christen ja heute schon sehr eigenständig in dem sind, wie weit sie ihren Glauben ihr Privatleben bestimmen lassen, gibt es normalerweise keine Probleme bei katholisch-protestantischen Ehepaaren, christlich-moslimisch hingegen ist - von moslimischer Seite schon ein "No Go". Dass die Kinder aber in die Religion ebenso hineingeboren weren wie in die Sprachgemeinschaft - und darin aufwachsen - ist doch auch folgerichtig, nur sie können sich halt irgendwann davon freisagen - und viele tun es, zumindest innerlich, wenn sie die Diskrepanz zwischen Sein und Schein bei ihren Eltern, den ersten Vorbildern für Religionsausbildung, erkennen.

    werner :

    Zitat

    Dass ein Minderjähriger in die Selbstamputation eines derart wichtigen
    Körperteils aus nicht-medizinischen Gründen einwilligen kann/darf,...

    kann sich dem normaldenkenden Menschen ebensowenig erschließen wie das Selbstmordattentat eines Volljährigen - und trotzdem passiert es.

    Götz: Ich finde, der von mir eingangs zitierte Satz macht die Wichtigkeit dieses Urteils aus, da er wirklich stellvertretend aus der Sicht des Kindes geschrieben ist. "Körperliche Unversehrheit" klingt wie "beschädigt-akzeptieren-damit leben" während " kulturell-religiöse und körperliche Selbstverständnis des Betroffenen" klingt wie "sicht Tag für Tag damit auseinandersetzen". Mir jedenfalls geht diese Formulierung mehr unter die Haut.

    Durch den Google-Link von Guy in Hat noch irgendjemand von diesem Urteil gehört bin ich auf "Beschneidung und das deutsche Recht ..." gestoßen, in dem es im Abschnitt IV, 2 Beschneidung und Persönlichkeitsrecht heißt:

    Zitat

    Eine Beschneidung wurde, auch wenn sie keine gesundheitlichen Nachteile mit sich bringe, für das kulturell-religiöse und körperliche Selbstverständnis des Betroffenen für bedeutsam gehalten, was bedinge, dass die Entscheidung hierüber in den Kernbereich des Rechts einer Person, über sich und ihr Leben zu bestimmen, falle.

    Dieser Satz referenziert auf ein Urteil des OLG Frankfurt im Jahr 2007, das ihr hier aufrufen könnt . Ggf den Tab "Langtext" betätigen.

    Übrigens wurde auf dieses Urteil auch schon mal von Maria Werner hier im Forum benannt, aber anscheinend kaum kommentiert.

    Glaubige können nicht überzeugt werden? - Stimmt, aber sie können verunsichert werden, und zwar dann, wenn ihre Glaubenssätze sich entweder direkt oder aber in unbestreitbaren daraus ableitbaren Folgerungen wiedersprechen. Gleiches gilt für die Wissenschaft, der ja auch (was gern übersehen wird) Glaubenssätze - hier "Paradigmen" genannt, zugrundeliegen, und es dann auch lange, lange braucht, bis ein Paradigmenwechsel vollzogen wird. Verunsichtert werden aber heißt in Frage stellen, sich neu besinnen, und neue Antworten finden.

    Okay. Ich gebe mal eine Untersuchung zu Folgen frühkindlicher Gewalterfahrung an und betone nochmals, dass ich mein Thema als Frage aufgeworfen habe, (noch) nicht als These. Das die Frage vernünftig ist, glaube ich, kann durch Untersuchungen wie die o.g. gestützt werden, ebenso durch das gesicherte Wissen, dass in den ersten Wochen nach der Geburt ein grundsätzliches "Umweltmodell" nicht gelernt, sondern fest "verdrahtet" wird - erst das spätere Lernen vollzieht sich mehr "softwaremäßig" (Frederic Vester, Manfred Spitzer).

    Ergänzend: ein Aufsatz zur Traumatisierung .