In dem o.g Artikelt heißt es u.a.:"Der Ethikrat, bestehend aus zwei Dutzend Juristen, Medizinern und Theologen, gibt Empfehlungen bei schwierigen ethischen Fragen und wies die Richtung, wie ein Kompromiss aussehen könnte." Ich kann aus den veröffentlichten Dokumenten aus dieser Sitzung nicht erkennen, dass der Ethikrat als Ganzes seiner Aufgabe nachgekommen ist. Mir scheint eher, es gab von Anfang an die Befürworter- und die Gegner der Beschneidung, die alles daran setzten ihre bereits feststehende Meinung zu untermauern, statt ergebnisoffen zu diskutieren und einen gangbaren Weg aufzuzeigen.
Insbesondere Prof. Dr. Höfling hat sich in meine Augen sehr vergaloppiert, wenn er von der "Legitimität pluraler Kindeswohlkonzepte" und von der "ethischen Neutralität des Staates" spricht. - Anders als die "heiligen Schriften" werden die staatlichen Gebote nicht inspiriert, geoffenbart oder fallen sonstwie vom Himmel, sondern werden von konkreten Menschen gemacht, die als Adressaten des Sittengesetzes (Kant) Verantwortung für ihr Tun, Lassen oder Unterlassen haben.
Speziell zur Religion schließe ich mich insbesondere dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn an, der als aufgeklärter und aufklärender Philosoph und Zeitgenosse Kants auch seiner eigenen (jüdischen) Religion 1782 die Richtung wies:
Zitat
Ich weiß von keinem Rechte auf Personen und Dinge, das mit Lehrmeinungen zusammenhänge und auf denselben beruhe; das die Menschen erlangen, wenn sie in Absicht auf ewige Wahrheiten gewissen Sätzen beistimmen, und verlieren, wenn sie nicht einstimmen können, oder wollen. Am wenigsten weiß ich von Rechten und Gewalt über Meinungen, die die Religion erteilen und der Kirche zukommen sollen. Die wahre, göttliche Religion maßt sich keine Gewalt über Meinungen und Urteile an, gibt und nimmt keinen Anspruch auf irdische Güter, kein Recht auf Genuss, Besitz und Eigentum; kennet keine andere Macht, als die Macht durch Gründe zu gewinnen, zu überzeugen, und durch Überzeugung glücklich zu machen. Die wahre, göttliche Religion bedarf weder Arme noch Finger zu ihrem Gebrauche; sie ist lauter Geist und Herz.
(zitiert nach Mendelssohn, Moses: Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum. Nachdruck Hamburg 2005 (Meiner Verlag), S.19 f.)
Den letzten Satz darf man sicher ändern zu "weder Arme noch Finger noch Vorhaut".
Und - ich gebe Mendelssohn auch hierin Recht, wenn er einige Seiten vorher (a.a.O. S.11) die Chancen seines Unterfanges skeptisch beurteilt:
Zitat
Vernunft und Menschlichkeit erheben ihre Stimme umsonst; denn graugewordnes Vorurteil hat kein Gehör.