Beiträge von susanna

    Hallo und herzlich willlkommen!
    Danke für deine ehrliche und ausführliche Mitteilung!

    Ich habe auch zwei Söhne, 14 Jahre alt.

    Dass bei den beiden noch alles dran ist, haben wir der damaligen Rechtslage (die sich nun ja leider ändert) und einer hervorragenden Kinderärztin zu verdanken,die wusste, dass Abwarten und die Eltern beruhigen oft das Mittel der Wahl ist.
    Als sich die Vorhaut bis zur Einschulung nicht gelöst hatte,(und das blieb auch bis ins 12. Lebensjahr so!!!) und es bei einem wirklich sehr eng war mit sehr langen, verengten "Rüssel" , geriet ich etwas in Panik, die schmerzhaft Balanitis meines älteren Bruders im Grundschulalter in lebhafter Erinnerung. Das wollte ich meinen Kindern auf jeden Fall ersparen und sprach unsere Kinderärztin darauf an, ob man nicht zur Vorbeugung die Vorhaut entfernen könne …(Ich war null informiert über deren Funktionen, und gewisse ursächliche Zusammenhänge fielen mir erst schlagartig auf, nachdem eine Bekannte, die mit einem Juden verheiratet ist,vor einem Jahr ein paar Bemerkungen in diese Richtung fallen ließ).

    Diese hervorragende Medizinerin klärte mich rundweg darüber auf, dass es keine Rechtsgrundlage für eine derartige OP gäbe, und sie würde persönlich ohnehin nie ein kerngesundes Kind an den Genitalien operieren. Es folgte eine wochenlange Salbenbehandlung und amüsante Diskussionen darüber, ob nun die Mutter oder der vorhautverlustige Vater (er wuchs im arabischen Raum auf) für die Anleitung zur Intimhygiene verantwortlich sei … Jetzt sind die Jungs in der Pubertät und alles ist nach deren Auskunft so, wie es sein soll.

    Du siehst, es ist leider einfach Glückssache, an wen man so gerät, bei uns hätte es genauso ausgehen können wie bei euch!

    Inwieweit sich die reduzierte Sensibilität einmal auf sein Sexualleben auswirken wird, kann jetzt noch kein Mensch sagen, jeder Mann ist da individuell gestrickt. Vielleicht gehört es zu den (wenigen) veranlagungsmäßig Hyperstsensiblen, die von einer Vorhautentfernung sogar eher profitieren?

    Die Narbe einmal von einem Urologen anschauen zu lassen, ist aber sicher nicht verkehrt, jetzt mitten in der Wachstumsphase (auch vom Penis).

    Dumm ist halt, das es anderswo in genau dieselbe Richtung ging, nicht, was den Antisemitismusvorwurf anging, sondern die Verdrehung der Machtverhältnisse:
    In der Tagesschau wurde im Beitrag über die Abstimmung über das Gesetz hervorgehoben, dass "die eigentlich Betroffenen, Muslime und Juden, nur zuschauen können" - die Armen!
    Und als Redebeitrag der Befürworter des Alternativentwurfes wurde nicht etwa der von Herrn Schwanitz gebracht, sondern eine Stellungnahme von den Linken - von Leuten also weit weg von der Mitte.

    "Oder schließen die beschnittenenen Jungs den Bund gleich für ihre unbeschnittenen Schwestern mit? Wer kann meiner theologischen Unkenntnis abhelfen? "

    Psychologisch gesehen, ist das in der Familie meines Mannes so: Die Beschneidung von ihm reicht nach dem Gefühl meiner Schwiegermutter auch für unsere intakten Söhne aus. Schließlich will sie die beiden im Paradies wiedersehen!

    @ B.O.Bachter

    Ja, das gibts leider auch: Zwangs- oder Kinderehe, Zwangsverschleierung oder dann Zwangsbeschneidung als Unterhaltung für eine gelangweilte Mittelschicht: Ist ja alles schön bunt hier! Nicht zu vergessen: Der enorme Unterhaltungswert der Lebensbewältigungsstrategien mancher Migranten, deren Eltern eben traditionell von wissenschaftlicher Bildung nicht so viel halten und ohne Schulabschluss sind. Wär doch öde, wenn alle eine ihren Fähigkeiten entsprechende Förderung erhielten und hinterher interessante Jobs bekommen könnten.

    Trotzdem, das "Fremde" kann meiner Erfahrung nach tatsächlich eine riesige Bereicherung sein, es kann uns zeigen, was Menschsein in der Tiefe wirklich bedeutet, was uns wichtig ist und wie wir uns weiterentwickeln können. Es ist traurig, dass in dieser Debatte immer wieder die Akzeptanz dieser Gewalt gegen Kinder mit Toleranz und Weltläufigkeit gleichgesetzt wird.

    Weguer

    Also, der freundliche Mitarbeiter vom Bundestag hat mir erklärt, das sei eine namentliche Abstimmung, aber wie sich jeder Abgeordnete entscheide, gehe niemanden etwas an. Es wird nicht einmal veröffentlicht, wie viele Abgeordnete prozentual von den jeweiligen Fraktionen wie abgestimmt haben. Ich habe ihm darauf ebenso freundlich erläutert, dass ich das nicht so gut finde, das Abstimmungsverhalten in dieser Frage ein wichtiges Kriterium für mich bei der nächsten Wahl wäre und ich mir als Bürger da mehr Transparenz wünsche.
    Immerhin gibt es die Liste der Abgeordneten, die namentlich auf dem alternativen Gesetzentwurf erwähnt werden.

    Ich habe den Band "un-heil" gelesen und denke auch, dass ein weiteres Buch demnächst ein wirksamer Impuls sein könnte:
    Mit Fokus auf die möglichen Langzeitfolgen einer (weitgehend) komplikationslosen Vorhautamputation. Im Mittelpunkt sollten die Erfahrungsberichte möglichst vieler betroffener Männer und Frauen stehen, vor dem Hintergrund einer zusammenfassenden Schilderung aller derzeit verfügbaren Studien rund um die Sensibilitätsminderung. Hinzu kommen die Erfahrungen von Männern, die mit der reduzierten Sensibilität vielleicht gut leben können, aber unter einem Gefühl des Unvollständigseins leiden und sich in ihrem Recht auf Selbstbestimmung verletzt fühlen.
    Das ist Glatteis, denn den ursächlichen Zusammenhang können wir nie wasserdicht beweisen, auch Nichtraucher kriegen Lungenkrebs. Müssen wir auch nicht. Es liegt meines Erachtens nach an der Gegenseite, das Gegenteil zu beweisen.
    Wichtig wär noch ein Kapitel, das den Erfahrungen von "schmuddeligen Hautfetzenträgern" Raum gibt, in deren Sexualität die Vorhaut eine wichtige Rolle spielt.
    Wenn noch Platz ist darf natürlich ein geschichtlicher Abriss nicht fehlen, um zu verdeutlichen, wie sich das Kosten-Nutzen- Verhältnis dieser Operation über die Jahrtausende verändert hat.
    Ein Teil über die embryonale Entwicklung der Geschlechtsorgane von Jungs und Mädchen könnte helfen, die Schere im Kopf im Bezug auf chirurgische Eingriffe am Genital der beiden Geschlechter bewusst zu machen und die rationale Grundlage zu entziehen.
    Am Schluss sollte klar sein: Die Vorhaut ist, genauso wie die äquivalenten Gewebe bei der Frau, ein integraler Bestandteil der erogensten Körperzone und für viele Männer für eine erfüllte Sexualität unverzichtbar.

    Der nächste Anlass für die Menschen, über Zwangsbeschneidung nachzudenken, sollte doch nicht ein totes Baby sein!

    Der Inhalt des letzten Absatzes macht das Ganze doch wieder sehr geschmeidig:

    "Das „besondere Verhältnis zwischen dem Vorrang der Elternverantwortung und dem staatlichen Wächteramt“ bleibe im Übrigen unberührt. Nach wie vor seien zunächst die Eltern „und dann – im Falle der Kindeswohlgefährdung – der Staat verantwortlich dafür, dass die Rechte der Kinder beachtet werden“, heißt es in der Vorlage weiter."

    Ein hübsches Feigenblatt, auf das viele (Ex-)Grünen-Wähler hoffentlich nicht reinfallen!

    In einer hermetisch abgeschlossenen Gesellschaft gibt es kein Problem mit Vorhautamputationen:
    Viele sagen sich mit 40: Ich bin halt nicht mehr 20/meine Frau ist zu weit. Hinzu kommt eine grundsätzlich andere Einstellung zum Alterungsprozess, die Lebensphasen werden in ihren Eigenschaften und Möglichkeiten viel unterschiedlicher wahrgenommen als in den europäischen Gesellschaften. Ich war oft schockiert davon, wie früh sich die Familienmitglieder meines Mannes schon als alt betrachteten und jeglicher körperlicher Betätigung aus dem Weg gingen. Eventuelle anatomische Besonderheiten wie ein erhöhter Schamhaaransatz am Penisschaft im Vergleich zu intakten Männern fällt doch auch nicht auf, wenn das bei ganz vielen so ist. Und die Frauen haben auch seltenst vergleichende Erfahrungen und trinken Kaffee mit Frauen, denen es ähnlich geht.

    Möglicherweise nachteilige Veränderungen werden erst in gemischten Gemeinschaften erfahrbar. In "bunten Gesellschaften" eben, die von den Grünen ja erklärtes Ziel ist und und in diesem Begriff paradoxerweise gerade als Argument für die Zwangsbeschneidung missbraucht wird.

    Vielleicht sollte man im Nahen Osten einmal versuchen, ein Beschneidungsverbot durchzusetzen, könnte dem Annäherungsprozess deutlich auf die Sprünge helfen.

    Und zur Drohung mit der Auswanderung: Insgeheim beneide ich die Leute immer, die damit um sich werfen. Die haben nämlich eine echte Perspektive: In den USA geht alles, in Italien und den meisten anderen europäischen Staaten auch. Face it: Derzeit schützt kein Rechtsstaat der Welt konsequent das Recht von Kindern auf körperliche Unversehrtheit. Sollen wir uns für die erste bemannte Marsmission bewerben?
    Humor off