Beiträge von susanna

    Zitat

    Es gab auch in den 1980er Jahren gute Gründe anzunehmen, dass der
    Schmerz, wenn er nicht weiß, warum er ›anders‹ ist oder auch nur mit
    Misstrauen angeschaut wird, größer ist, als die kleine Häutung am 8.
    Tag.

    Ich weiß an dieser Stelle nicht genau, was sie meint: Die eventuelle Ausgrenzung durch beschnittenen jüdische Kinder wenn er intakt bliebe, oder durch "deutsche" Kinder, die ihn anhand seines Namens und seiner Religionszugehörigkeit ihrer Meinung nach auf jeden Fall als fremd erleben und ausgrenzen würden?
    Vom Kontext her wohl eher Letzteres. Wieder so eine billige Relativierung: Der Junge wird ohnehin in dieser Gesellschaft aufgrund seines Glaubens viel Leid erfahren, was macht dagegen schon eine Genital-OP im Säuglingsalter ohne jegliche Betäubung.

    @ weguer

    Da gebe ich dir völlig Recht, für die Säuglinge ist es im Prinzip die gleiche Erfahrung ob sie nun von einem Mohel oder Arzt die Vorhaut abgeschnitten bekommen.

    Es ist nun aber auch so, dass die meisten Leute Religionen oder auch religiösen Menschen gegenüber im Grunde genommen ein stark positiv getöntes Vorurteil haben: Was z. B. Friedfertigkeit, Empathie, Hilfsbereitschaft, Selbstbeherrschung etc angeht.

    Wenn diese positiven Vorurteile dann enttäuscht werden, weil Verfehlungen ans Licht kommen oder gar strukturelle Gewalt sichtbar wird, geht die Enttäuschung darüber oft wesentlich tiefer.

    Änderungsanträge zum Grünen Wahlprogrammentwurf für die Bundestagswahl 2013.

    Säkulare Grüne: Änderungsanträge zum Wahlprogrammentwurf zum Grünen Wahlprogrammentwurf für die Bundestagswahl 2013 | Bundesweiter Arbeitskreis Säkulare Grüne

    Letzter Abschnitt nach zugegebenermaßen einigen unterstützungswürdigen Ansätzen:

    "Wahlprogrammergänzungsanträge zu Knabenbeschneidungen konnten auf der 2.
    Vollversammlung aus Zeitgründen nicht mehr behandelt werden. Hierzu
    wird es gesonderte Anträge geben."

    War das nicht auch während der "Debatte"so?
    Irgendwie findet sich am Ende immer nicht genug Zeit für ein grundlegendes Menschenrecht.

    Zitat

    Eine Selektion könnte und kann dies tatsächlich darstellen, aber ich denke nicht, dass dies auch so gewollt ist.

    Nein, dass hat uns die Lehrerin auch nicht so vermittelt, deshalb habe ich bewusst die Formulierungen "die Beschneidung...darstellte (wurde eingesetzt als)" und "...nicht gerechnet worden(beabsichtigt gewesen) ." gewählt (das auch noch einmal an werner)

    Fakt ist:

    Es kam in der langen Geschichte des jüdischen Beschneidungsrituals immer wieder zu Todesfällen.

    Über den längsten Abschnitt dieses Zeitraums war der bittere frühe Tod von Kindern durch Krankheit, Hunger etc. leider nichts Ungewöhnliches.

    Der Gedanke, dass ihr bei der Beschneidung gestorbener Sohn wohl ohnehin nicht die nächste Grippewelle/Winterzeit usw überstanden hätte, kann für die trauernden Eltern ein gewisser Trost gewesen sein.

    Bei diesem Beitrag erinnere ich mich an die Art und Weise, wie Ende meiner Grundschulzeit dieses Thema im Religionsunterricht schon einmal angesprochen wurde.

    Damals wurde uns erklärt, dass die Beschneidung auch so eine Art Fitnesstest für das jüdische Kind darstellte, den es zu überstehen galt. Auf diese Weise wurden zu schwache Nachkommen, die z. B. an einer Gerinnungsstörung litten, aussortiert. Also, mit dem Überleben aller sei definitiv nicht gerechnet worden.

    Nicht ganz unplausibel, wenn man bedenkt, dass es damals in den kleinen Glaubensgemeinschaften mit dem religiös begrenzten Heiratsmarkt in Kombination mit noch viel geringerer geographischen Mobilität als heute wohl noch viel häufiger zu Inzuchtproblemen gekommen ist. Und das alles vor dem Hintergrund einer damals vielfach höheren allgemeinen Säuglings- und Kindersterblichkeit.
    Wir haben das damals so geschluckt, schließlich würden die beschnittenen Babys ja direkt bei Gott landen.

    R2D2
    Genau so ist es. Die meisten Betroffenen dieser "Pädagogik" werden spätestens im Erwachsenenalter das alles ganz in Ordnung oder sogar als ausgesprochen vorteilhaft finden.
    In der Generation meiner Eltern ist diese Haltung zur Züchtigung von Kindern auch noch recht weit verbreitet.

    HIV?
    In dem Artikel ist nirgendwo von einer HIV-Infektion die Rede.
    Es wurde das HSV = Herpes-simplex-Virus nachgewiesen bzw bei einem Kind hat sich die entsprechende Symptomatik voll entwickelt.

    Das ist schon schlimm genug.

    Eine HIV-Übertragung über den Speichel ist bisher nicht dokumentiert, HI-Viren in infektiöser Menge finden sich in Blut, Samen- und Scheidenflüssigkeit und Muttermilch.
    Sollte eine Übertragung über den Speichel möglich sein, hätten wir schon einen Durchseuchungsgrad in einer ganz anderen Größenordnung!
    Und Kusskondome!

    Zitat

    Diese dürfen nun den vorderen Teil der Klitorisvorhaut entfernen, ohne
    eine Bestrafung oder Schadensersatzpflichtigkeit fürchten zu müssen.

    Das sollte bei uns jetzt eigentlich auch machbar sein. Auf die schicken amerikanischen Beschneidungsbretter passen auch Mädchen.

    Am besten startet man gleich parallel mit der Untersuchung möglicher präventiver Effekte im Bezug auf das Auftreten von Vulvainfektionen und -karzinomen. Irgendein medizinischer Vorteil wird sich schon finden lassen!