Beiträge von werner

    Ich schliesse mich dem Lob an der juristischen Begründung Isensees voll an. Vieles erinnert an Dr. Merkel.

    Erhellend dazu ist die von Josef Isensee 2003 erschienene Abhandlung "Tabu im freiheitlichen Rechtsstaat jenseits und diesseits der Rationalität des Rechts", in dem Isensee auch schon "Ausschwitz" als nationales Tabu bezeichnet.

    Bitte das Copyright beachten!

    https://download.digitale-sammlungen.de/pdf/1365428829bsb00046021.pdf

    Tabus sind gewissermassen archaische und damit vor-rechtliche Verbote, deren Verletzung die gesellschaftliche Grundordnung bedrohen (Inzesttabu). Viele Tabus sind im Laufe der Geschichte aber auch gebrochen worden bzw. verschwunden.

    Auf diesem Hintergrund kommt das Kölner Urteil einem Tabubruch gleich: die zum Tabu gehörende Schweigespirale wurde aufgebrochen. Frage ist, was man macht, wenn der aus der Tabuflasche entwichene Geist nicht mehr in dieselbe zurückgestopft werden kann. In der Regel ist damit das Tabu "geliefert".

    Zum Ergebnis muss man die Frage stellen, ob es gerechtfertigt ist, das Tabu "Beschneidung" an das Tabu "Ausschwitz" dranzuhängen. Man könnte diese Tabus ja auch entkoppeln. Dass beide Tabus untrennbar zusammenhängen, schreiben uns ja die Religionsvertreter vor, was auch nach Isensee eigentlich nicht geht. In gewisser Weise macht Isensee aber dann doch genau dasselbe wie der Zentralrat und koppelt beide Tabus aneinander. Im Ergebnis liegen sie auf derselben Linie.

    Es wäre interessant zu erfahren, was Reinhard Merkel über Isensees Tabutheorie denkt. Würde er Isensees rechtsphilosophisches "Angebot" annehmen? Wahrscheinlich muss noch mehr Zeit vergehen, bis beide Tabus entkoppelt werden können. Der Anfang ist jedenfalls gemacht. Dass über die juristischen und medizinisch- psychologischen "Kollateralschäden" der Beschneidung nicht öffentlich gesprochen werden kann/ darf, wie Stehr noch vor einigen Jahren meinte, geht nun nicht mehr.

    Isensee kommt ja eher aus der rechtskonservativen Ecke und hat in den letzten Jahren wiederholt und massiv Integrationsbereitschaft von den Muslimen eingeklagt und die deutsche Leitkultur betont. Man kann vermuten, dass, wenn es nur um die muslimische Beschneidung gegangen wäre, er für ein Verbot plädiert hätte.

    (Noch eine Anmerkung: beim "Kulturkampf" bezieht sich Isensee auf Huntington. Die Kritik daran war erheblich.)

    Ich denke, es passiert zweierlei: auf der einen Seite erweitert/stärkt es mein Ich-Gefühl, wenn ich Mitglied einer Gruppe bin, auf der anderen Seite schränkt mich die Mitgliedschaft aber auch ein. Zu letzterem ein hübsches Zitat aus Wikipedia.

    "Im Oktober 2011 veröffentlichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen eine Studie, die sie an 96 Vierjährigen gemacht hatten. Ergebnis: diese Kinder unterstützen mitunter öffentlich selbst dann eine Mehrheitsmeinung, wenn sie sie eigentlich für falsch halten. Die Forscher vermuten grundlegende soziale Erwägungen, etwa den Wunsch, von der Gruppe akzeptiert zu werden.

    Gruppenzwang – Wikipedia

    Da habe ich wohl tatsächlich in das alte Vorurteil zu viel hineininterpretiert.

    Ja, auch bei diesem Thema, d.h. ganz besonders bei diesem Thema sollte man mit "Interpretationen" äusserst vorsichtig umgehen.

    Ritualmordlegende – Wikipedia

    Einen Penisneid in Bezug auf die Beschneidung unterstelle ich immer dann, wenn Frauen ihren Kinder oder den Kinder von anderen mit Inbrunst die Beschneidung zumuten möchten.


    Auch mit Unterstellungen sollte man vorsichtig sein. ;)

    Eines der beiden Herpes-Opfer wurde nun offenbar auch noch als HIV postiv getestet...
    medicaldaily

    Es ist nicht zu fassen!

    "Last year when the city enacted the informed consent law, Rabbi David Niederman, executive director of the Hasidic United Jewish Organization of Williamsburg, told ABC News, "This is the government forcing a rabbi practicing a religious ritual to tell his congregants it could hurt their child.""If, God forbid, there was a danger, we would be the first to stop the practice."

    Wie sagte doch Herr Graumann: "Wenn es schaden würde, würden wir es nicht machen."

    Es ist meinen bisherigen Informationen zufolge eher ein Zwang, der auf gesellschaftlichem Druck und auf jüdischem Identitätsgefühl beruht, seltener auf echter religiöser Überzeugung.

    Ich stimme Dir in diesem und Deinen folgenden Sätzen absolut zu, halte die Übergänge zwischen beidem aber für sehr fliessend. Auch bei uns berufen sich im Streitfall Leute auf die christlich-abendländische Identität, die sonst mit Religion nichts am Hut haben.

    Ich habe den religiösen Zwang hervorgehoben, weil er dort am deutlichsten als Zwang formuliert wird, und die Betonung der "freien Entscheidung" zum Beschneiden konterkariert. Welche Rolle in Israel das Judentum als "Staatsreligion" und damit das Rabbinat als "Legislative" funktioniert, wage ich von Aussen nicht zu beurteilen.

    Anders hätte ich auch formulieren können, dass manchmal gesellschaftliche Zwänge stärker sein können als religiöse, gerade in Gesellschaften, die sich in Richtung Säkularität bewegen.

    und was ist mit dem Ödipus-Komplex?
    Manche psychotische Vätrer sehen im pubertierenden Sohn einen Rivalen...

    Den Ödipuskomplex hat der Sohn, der den Vater beseitigen will, um sich an seine Stelle zu setzen. Ein Psychoanalytiker könnte sagen, die Beschneidung soll dem Sohn von vorneherein signalisieren, dass er dass der das gar nicht erst versuchen soll, sonst kommt der "Rest" auch noch weg. Darin liegt sicher eine gewisse Rivalität, den man aber nicht als Penisneid bezeichnet.

    Väter müssen nicht psychotisch sein, um in ihrem pubertierenden Sohn einen Rivalen zu sehen, vielleicht nicht gerade einen Rivalen, aber wenn der Sohn mit Scarlett Johanssen ankommt, und die eigene Ehe schon etwas eingeschlafen ist, könnte schon ein gewisser Neid aufkommen... ;)

    "Im Hochmittelalter warf man Juden vor sie würden christliche Kinder töten um das Blut zur Herstellung ihrer Matza zu gebrauchen." * = Was früher mit den Vorhäuten passierte, weiß man nicht. Dass auch heute noch Kinder sterben und die Vorhäute kommerziell verwertet werden, weiß man dagegen sehr wohl.

    Das kann man nun wirklich nicht miteinander vergleichen - im Gegenteil: mit diesem Vergleich gibst Du dem Antisemitismusvorwurf richtig Futter. So leicht sollten wir es den Befürwortern dann doch nicht machen.

    Übrigens: Penisneid ist etwas, was Frauen Männern gegenüber empfinden (können), aber nicht Männer anderen Männern gegenüber.

    Hier das gesamte Programm der Veranstaltung.

    Aktuelle Veranstaltungen Forum Offene Wissenschaft

    Eine kurze Recherche über einige der Vortragsredner zeigt, dass es sich um eine sehr ambitionierte und durchaus auch sehr religionskritische Veranstaltung handelt, in der Heiner Bielefeldt fast schon wie ein Fremdkörper wirkt. Fragen wie z.B. ob die zunehmende Entfernung der katholischen Obrigkeit vom Alltag der Gläubigen zum Erstarken eines rechtsgerichteten christlichen Fundamentalismus führt, welche Gemeinsamkeiten es bezüglich des Frauenbildes in den fundamentalistischen Versionen aller monotheistischen Religionen gibt und welche Grundbedingungen es für den Dialog zwischen Religion und Atheismus erfüllt sein sollten, finde ich schon interessant. Einen der Redner kenne ich persönlich. Seine religionskritische Einstellung ist mir bekannt. Er würde mit Sicherheit nicht an einer Vorlesungsreihe teilnehmen, die nur das übliche Blabla abliefert.

    Wenn Benni noch leben würde, würde er sich bestimmt für diese Veranstaltung interessieren. :rolleyes:

    Weiteres Zitat: "Die Tage der Menstruation sind Tage der Enthaltsamkeit. Erst sieben Tage nach der Menstruation geht die Frau in die Mikwe, in das rituelle Bad, und danach kehrt sie ins eheliche Bett zurück."

    Was heisst denn "die Frau"? Das machen doch nur noch die ultra- orthodoxen Frauen. Genauso wie der Quatsch mit dem demütigen Glied. Soll wohl ge-demütigtes Glied heissen. Eine Religion, die den Menschen gleich welchen Geschlechts in seinem blossen So-Sein (ohne dass er etwas getan hätte) für sündig oder befleckt hält und damit nicht befähigt, sich unter Menschen aufzuhalten, könnte man nach der obigen Definition durchaus für rassistisch halten.

    Mensch, ihr habt das alles nicht verstanden: Der Artikel dieser redlichen Dame ist satirisch gemeint!

    Ja, Du hast recht. Eine Satire auf das olle Judentum mit seinen blöden Ängsten vor den Gojim, dem dusseligen Stolz auf den demütigen Schwanz und irrwitzigen Theorien über Gebärmutterhalskrebs. Offen gehe das in Wahrheit völig verklemmte Judentum mit der Sexualität um und ausgerechnet das so debattenfreudige Judentum verstumme wegen ganzen 3 mm Haut.

    Wenn man es so sieht, ist es wirklich eine so verzinkte Satire, dass man nicht so leicht drauf kommt. Selbst der Böll- Blog ist nicht drauf gekommen und die Kommentatoren schon dreimal nicht.

    Die Frau gilt bei manchen fast schon als Antisemitin.

    Unnormal bittere Feinkost - Anna Adam

    Und was lernen wir daraus? Wir alle fallen auf das Bild vom Judentum herein, das uns ihre Vertreter einreden wollen. Dass das Judentum ganz anders ist/sein kann, das hat was. Aber dann kann das Judentum ja die Beschneidung sein lassen, oder?

    Ein gesetzlicher Beschneidungszwang besteht zwar in Israel nicht, aber ein religiöser ("Ein Geschenk, das man nicht ablehnen kann"), und dass religiöse Zwänge erheblich stärker wirken können als gesetzliche, wissen wir ("Ich beschneide weiter, egal, was das Gesetz sagt" - Rabbi Goldberg).

    Ganz besonders freiwillig ist die Beschneidung übrigens für die Säuglinge. :cursing:

    Das Thema "weiblicher Sexismus" ist generell und besonders in der Beschneidungsdebatte schwer zu diskutieren, weil es als politisch inkorrekt gilt. Dabei habe ich das Argument, die männlichen Kritiker der MGM wollten sich mit ihren Männerproblemen mal wieder in den Vordergrund schieben, in meinem Bekanntenkreis schon öfter von Frauen gehört.

    Ein schönes Beispiel dafür ist Anne Rice, die sich darüber beschwert, dass Anti-FGM- Seiten von Intaktivisten "gekapert" würden. Die auf ihrem Account bis vor wenigen Tagen erschienenen 15 Kommentare des Intaktivisten Joseph Lewis, der das Verhältnis von FGM und MGM differenziert beleuchtete, hat Frau Rice inzwischen gelöscht.

    https://www.facebook.com/annericefanpag…126912400830596

    Nachtrag: Joseph Lewis hat dazu mittlerweile Stellung genommen.

    Joseph4GI: ANNE RICE: Misandrist Attention Whore

    In einer anderen Untersuchung, an der wiederum R.A. Crosby beteiligt war, wurden die Sensitivitätsprobleme durchaus erwähnt.

    "Perceptions of specific condom use problems were organized into five themes: (1) decreased sensation, (2) lack of naturalness, (3) condom size complaints, (4) decreased pleasure, and (5) pain and discomfort."

    In dieser Untersuchung wurde allerdings nicht zwischen beschnittenen und intakten Männern unterschieden. Trotzdem kann man natürlich davon ausgehen, dass die befragten, jetzt erwachsenen Männer in einer Zeit beschnitten wurden, als die Säuglingsbeschneidung in den USA noch quasi flächendeckend war.

    Understanding Problems with Condom Fit and Feel:... [J Prim Prev. 2013] - PubMed - NCBI

    Ein "schönes" Beispiel, wie interessengeleitete Wissenschaft funktioniert: man stellt einfach bestimmte Fragen nicht, um zu verhindern, dass unerwünschte Ergebnisse entstehen.