Beiträge von werner

    Aus jüdisch- religiöser Sicht muss sich der Autor dieses Artikels fragen lassen, wieso er den einzigen wirklichen Grund für die Beschneidung gar nicht nennt: den Bund mit Gott. Stattdessen phantasiert er sich eine psychologische Theorie zusammen, ohne irgendeinen Beleg zu nennen. Will er denn nicht glauben, dass Gott von den Gläubigen einen "barbarischen Akt" verlangt? Offensichtlich möchte der Autor sich diesem Dilemma nicht stellen, sondern erfindet eine Theorie, die mit Religion nicht das Mindeste zu tun hat. Damit reiht er sich in diejenigen Antropologen ein, die hinter archaischen und aus moderner Sicht "irrationalen" Riten eine "tiefere Weisheit" vermuten wie z.B. bei Mutmassungen über das Schweinefleischverbot.

    Emla ist weiterhin nur apothekenpflichtig und somit auch von Laien frei zu erwerben.
    Die Unterstellung des Präparats unter Rezeptpflicht ist von der couragierten Anästhesistin Birgit Pabst beantragt.


    Zitat von Holm Putzke

    "Dass diese Salbe eine wirkungsvolle Schmerzbehandlung aber gerade nicht gewährleistet, wissen wir – dank der bemerkenswerten Hartnäckigkeit der Anästhesistin Birgit Pabst (vgl. Schulte von Drach, 2013) – spätestens seitdem die Herstellerfirma entsprechende Hinweise zur Jungenbeschneidung vom Beipackzettel entfernen musste, weil sie auf einer eklatant defizitären Studie fußten. Nicht zuletzt deshalb ist der Einsatz von EMLA bei Neugeborenenbeschneidungen ein sogenannter Off-Label-Use, also eine nicht zugelassene Anwendung."

    Zitat in "Beschneidung von Jungen - Ein trauriges Vermächtnis", Hrgs. von Matthias Franz.

    Gemäss seines völlig undifferenzierten Tunnelblicks von Religionsfreiheit ist laut Bielefeldt alles und jedes geschützt, wenn es nur durch irgendeine "Überzeugung" begründet ist. Vermutlich würde er auch dem Vatikan zustimmen, der sich die Kritik des UN-Ausschusses für Kinderrechte am Umgang mit sexuellem Missbrauch und anderen Kinderrechtsverletzungen in der katholischen Kirche als Einmischung verbeten hat. Man sollte sich einmal genau anschauen, worum es dabei geht.

    http://tbinternet.ohchr.org/Treaties/CRC/S…O_2_16302_E.pdf

    Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Behauptung, die UN billige MGM unter der Voraussetzung, sie fände unter hygienischen Bedingungen statt, nicht ganz stimmt. Die Vorsitzende des Ausschusses, Kirsten Sandberg, konfrontierte im letzten Jahr eine israelische Delegation mit der Feststellung:

    Zitat

    "It had been proven that male circumcision had serious short and long term consequences and the delegation was asked about Israel’s intentions to study this issue and take any measures to address it."

    http://unispal.un.org/UNISPAL.NSF/0/…5257B81004F5876


    Eine entsprechende Empfehlung beschloss der Ausschuss im Juni vergangenen Jahres:

    Zitat

    "Harmful practices

    41. The Committee expresses concern about reported short and long-term complications arising from some traditional male circumcision practices.

    42. The Committee recommends that the State party undertake a study on the
    short and long-term complications of male circumcision."

    http://www2.ohchr.org/english/bodies…-ISR-CO-2-4.pdf

    Eine sen-sa-tio-nelle Entdeckung machten jetzt Forscher in den USA: die GHT-Methode reduziert den Schmerz bei Venenpunktionen von Neugeborenen. Bei der GHT-Methode handelt es sich um eine völlig neue Anwendung. GHT heisst: Gentle Human Touch.

    Die Studie ergab nicht nur ein, sondern gleich zwei Resultate:

    Zitat

    "Infants who did not receive GHT had decreased respiration, increased heart rate, and increased cry time during the heel stick. In contrast, infants who received GHT did not have decreased respirations, elevated heart rates, or increased cry time during the heel stick."

    http://www.sciencedirect.com/science/articl…524904212000860

    Demnächst auch bei der Beschneidung?

    "Unobservant" jüdische Frauen gibt es sehr viele. Sehr viele von ihnen sind so "unobservant", dass sie (möglicherweise) ihre Liebe höher stellen als ihre Religion und interreligiöse Ehen eingehen. Dann bleiben nur noch "a few token Jewish elements" übrig. Wenn ein Junge zur Welt kommt, muss nun aber doch das Ruder herumgerissen und eine Brit gefeiert werden. Schluss mit "token", jetzt plötzlich geht es um's Ganze. Jetzt muss der jüdische Stempel auf den Sohn eines nicht-jüdischen Vaters und einer "unobservant" jüdischen Mutter gedrückt werden.
    Mich würde interessieren, wie die Eltern dies' mal ihrem Sohn erklären wollen.

    Dass Furedi Anneke Meyer zur Kronzeugin anruft, ist irreführend. Frau Meyer hat darauf hingewiesen, dass (in England) ein Viertel der sexuellen Missbrauchsfälle von Minderjährigen verübt werden. Durch die "Heiligsprechung" von "Kindheit" werde übersehen, dass es auch jugendliche Täter gebe. Dies und nichts anderes hat Frau Meyer dargestellt.
    Will Furedi jetzt sagen, dass Säuglinge nicht immer Engel sind, und damit die Beschneidungskritik entkräften?

    ...werden immer höhere Standards entwickelt, damit die Betroffenen besser geschützt sind.


    Heribert Prantl schrieb einmal (sinngemäss), dass die Formulierung "nach den Regeln der ärztlichen Kunst" für die Weiterentwicklung der aktuellen Standards offen sei. Die ärztliche Kunst entwickle sich ja ständig weiter.
    Auch die Mohel-Zertifizierung durch den Zentralrat sollte eine Weiterentwicklung der Standards beinhalten. Der Zentralrat sah darin seinen Beitrag zur "Kompromisslösung" Beschneidungsgesetz. Dieser "Kompromiss" fiel ihm genauso schwer wie dem Muslimrat die "Kröte" Berücksichtigung des kindlichen Willens.

    ...Triebtheorie vereinbar sind ('Beschneidung nur als Gefahr, wenn das Kind in einer bestimmten libidinösen Phase ist'). Aber er kuckt offensichtlich aufs Ganze, was da alles an Trauma zusammenkommt und was zwischenmenschlich geschieht.


    Psychoanalyse ist schon lange viel mehr als nur Triebtheorie. Schon Freud hatte die Triebtheorie um die Theorie der - wie es so schön heisst - "Objektbeziehungen" erweitert. Heute spricht man eher von "Beziehunganalyse" als von Psychoanalyse. Da geht es um so Sachen wie Symbiose, Ablösung und Autonomie, und gerade letzteres hat Matthias Franz ja nicht umsonst betont.

    In dem Interview gelingt es Matthias Franz in höchst eindrucksvoller Weise die Drohkulisse, die hinter der Beschneidung steht, darzustellen.
    Franz spricht von dem "männlichen Rollenkäfig, der Jungen und Männern immer noch schweigsame Härte abverlangt", von der "Bedrohung der männlich-sexuellen Identität" und dem "entschieden traumatischen Potenzial", das "unter hohem Gruppendruck" zur "unreflektierbare Weitergabe selbst erlebter Verletzungen an die nächste Generation" führt.
    Diese Drohkulisse hat sich bis in die politische Debatte hinein fortgesetzt und "hat bei vielen Beteiligten fast aller politischen Parteien zu einer deutlich wahrnehmbaren Beeinträchtigung der Faktenwahrnehmung, Argumentationsfähigkeit und Autonomie geführt."
    Damit wurde der Versuch gemacht, das Thema aus der Diskussion zu verbannen, denn: "Ein gesellschaftlicher Dialog kann nur entstehen, wenn die Erlebnisse der Betroffenen Gehör finden."


    Natürlich wird Franz mit dem "Argument" konfrontiert werden, dass er als Psychoanalytiker nur Einzelfälle und "Kranke" zu Gesicht bekomme, und keine evidenzbasierte Statistik vorlege. Dass solche Statistiken ebenso dazu dienen können, Betroffene durch Ausgrenzung unter den Tisch fallen zu lassen, wurde kürzlich vor dem Europarat demonstriert: wenn doch alle Wissenschaft zeigt, dass Beschneidung schlimmstenfalls harmlos und bestenfalls voller Vorteile ist, muss sich jeder Betroffene wie ein I-diot vorkommen.

    Hier sieht man wie ev. sinnvolle z. bsp. notwendige Tests und Missbrauch beieinander liegen.
    Als Arzt würde ich mir mindestens 2 Schwestern dazuholen, um jegliches Missverständnis absolut auszuschließen.


    Im Allgemeinen spürst Du das, wenn ein Arzt Grenzen überschreitet, selbst wenn Du ihm Deine intimsten Teile "präsentierst". Diese Grenzziehung ist auch einem Kind ohne weiteres zu vermitteln.


    Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Und wie man nach einer Rekonstruktions-OP feststellen soll, ob wenigstens teilweise wieder Gefühl im Genital ist, außer es zu manipulieren, ich würde das gerne wissen.

    Denn die Kids dürften dann noch viel zu klein sein, um darauf entsprechend antworten zu können

    Falls meine Reaktion zu heftig war ("sexuelle Phantasien"), bitte ich um Entschuldigung. Heftig fand aber auch die Gleichsetzung von Manipulieren und Masturbieren. Ohne jeglichen Hinweis sollte man Ärzten derartiges nicht unterstellen. Wenn der Arzt sensibel ist, sollte die medizinisch notwendige "Manipulation" so durchführen können, dass sie nicht in die Nähe der Masturbation gerät. Für die Untersuchung der Empfindlichkeit der Eichel sollte das ausreichen.

    Und wenn der Kleine nach stundenlanger Masturbation immer noch keine Erektion hat? Was dann? Eichel wieder abschneiden, und noch mal drannähen? Was soll der Quatsch?

    Keine Ahnung von Medizin haben, aber den eigenen sexuellen Phantasien freien Lauf lassen: was soll DER Quatsch?
    Wenn die Rekonstruktion nicht infolge einer rituellen Beschneidung erfolgt wäre, würdest Du über genau die gleichen medizinischen Erfordernisse kein Wort verlieren.