In dem von Maria Werner verlinkten Artikel wird, wie so oft in den letzten Tagen, der "Annual Report of Antisemitism and Racism 2012" der Universität Tel Aviv zitiert. Sieht man sich den Report genauer an, stellt man fest, der der beklagte Anstieg des weltweiten Antisemitismus sich (nahezu) ausschliesslich mit Anstiegen in Frankreich ( von 114 auf 200 Vorfälle) und den USA ( Anstieg von 13 auf 99 Vorfälle) erklärt. Das im Artikel thematisierte Schweden hatte einen Anstieg von 4 auf 5 Vorfälle, Deutschland von 16 auf 23 Vorfälle zu beklagen. Die Anstiege in Frankreich und den USA gingen vor allem von muslimischer Seite aus.
In dem gesamten Report ist von der Beschneidungsdebatte mit keinem Wort die Rede. Für Deutschland werden Vorfälle in Berlin, Friedhofsschändungen und die "Affären" Grass und Augstein erwähnt.
http://www.kantorcenter.tau.ac.il/sites/default/…inal-2012_0.pdf
Die dürftigen Angaben in den Pressemeldungen öffnen völlig willkürlichen Interpretationen Tür und Tor. Diesbezüglich stimme ich mit den Anmerkungen von Maria Werner absolut überein: destruktive Meinungsmache. Die demagogische Verwendung von Daten ist nicht nur dumm, sondern gefährlich.
Ohne mich zu weit vom Thema dieses Forums entfernen zu wollen, verlinke ich hier auf eine Meldung vom kürzlich in Belgrad stattgefunden habenden Kongress des CER.
"BELGRADE – Rabbis Aharon Leib Shteinman and Chaim Kanievsky, two of the ultra-Orthodox public's most senior rabbis, are offering a religious explanation for the growing anti-Semitism in Europe, arguing that the polarization between the Jewish people and other nations is reinforced thanks to "Divine Providence" – in order to prevent mixed marriages."
Ynetnews
"Divine Providence" könnte man mit "Göttliche Vorsehung" übersetzen.
Es ist also absolut nötig, nicht nur bezüglich Antisemitismus zu differenzieren, sondern auch bezüglich religiöser Strömungen.