Beiträge von werner

    Angeblich (http://hpd.de/node/14427)wurde diese Stellungnahme:

    http://www.ajc-germany.org/sites/default/…ungsdebatte.pdf

    an alle Bundestagsabgeordneten verschickt.

    Das sehe ich als äußerst massive Einflussnahme. Mit unseren Mitteln hier dagegen zu halten, ist richtig schwer.

    Nicht "angeblich", sondern tatsächlich. Prof. Heinig hat ja auch ein Exemplar bekommen (siehe sein Gutachten) und benutzt es, um damit antisemitische und islamophobe Tendenzen in der Debatte zu "beweisen". Das AJC Briefing wurde hier schon in die Mangel genommen. Wer es liest und nicht erkennt, dass es sich um äusserst tendenziöse und absurd einseitige Propaganda einer Lobbygruppe handelt, dem ist nicht zu helfen. Ich hoffe, die Bundestagsabgeordneten haben das erkannt.


    "...Immer wieder passiert es dabei, dass bei der Beschneidung einem Baby «zu viel» abgeschnitten wird. Gleichwohl käme kaum jemand in Israel auf die Idee, diesen Brauch zu verbieten oder als strafbare Körperverletzung zu ahnden...."


    Soso, da ist also noch nie etwas passiert! Muß man erst sterben um als Opfer zu gelten?

    Auch dann würde kaum jemand auf die Idee kommen, diesen Brauch zu verbieten.

    Zitat

    " Der genaue Blick auf die Debatte offenbart aber auch Positives.
    Sie hat dazu geführt, dass sich die Öffentlichkeit stärker mit den Glaubenspraktiken von Juden und Muslimen und dem Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften auseinandersetzt. Diese Auseinandersetzung ist begrüßenswert und notwendig. Die in Deutschland praktizierte Form des Säkularismus mit seiner positiv-fördernden Neutralität gegenüber den Religionsgemeinschaften hat sich vielen laizistischen Ordnungen bei der Wahrung des Religionsfriedens bislang als überlegen erwiesen. Damit dies so bleibt, muss Religion und deren Ausübung Gegenstand der öffentlichen Debatte sein. Nur so lassen sich rechtliche, politische und gesellschaftliche Lösungen für Konflikte und Spannungsverhältnisse finden. Das Kölner Urteil und die sich hieran anschließende Debatte haben einen solchen Prozess in Gang gesetzt. Unabhängig vom Zustandekommen einer abschließenden gesetzlichen Regelung könnte dies der positive Ertrag der aktuellen Debatte über die religiös motivierte Beschneidung von minderjährigen Jungen in Deutschland sein."

    "Konrad Adenauer und seine Grundsätze sind für uns Leitlinien, Auftrag und Verpflichtung. Die Stiftung trägt seit 1964 den Namen des ersten Bundeskanzlers; sie ging aus der bereits 1955 gegründeten „Gesellschaft für christlich-demokratische Bildungsarbeit“ hervor."

    Bemerkenswert!

    Das ist leider nicht richtig. Auf den Seiten 23, 25, und 35 ist von Beschneidung die Rede. Die Ausweitung der Programme ist erklärtes Ziel von UNAids. 2015 sollen dafür US§ 134,5 Mio gegenüber aktuell US$ 26,5 Mio ausgegeben werden. D.h. die Ausgaben sollen sich etwa verfünffachen, während sich die Gesamtausgaben nur etwa verdoppeln sollen.

    Ja, Du hast recht. Besten Dank fürs genaue Hinschauen. Trotzdem würde ich gern festhalten, dass die antiretrovirale Therapie ungleich viel häufiger erwähnt wird. Es gibt auch Länder, die jetzt mehr Wert auf Behandlung statt auf Prävention setzen.

    Ich frage mich, welchen Anteil die Beschneidungen an der Senkung der Erkrankungsrate haben. In Uganda ist die HIV Rate gestiegen.

    Zitat

    " Scaling up voluntary medical male circumcision has the potential to prevent an estimated one in five new HIV infections in Eastern and Southern Africa by 2025. The unit cost is relatively low and is a one-time rather than lifelong expenditure. Nevertheless, countries allocate relatively few resources towards this service—less than 2% of total HIV expenditure in six of the 14 priority countries where data is available.
    In Kenya nearly 54% of adults in the Nyanza province have been circumcised and more than 20% in Ethiopia and Swaziland. But in six countries—malawi, mozambique, Namibia, Rwanda, Uganda and Zimbabwe—less than 5% of the target number of men had been voluntarily circumcised by end of 2011. "

    Die Stellungnahme von Prof. Graf vom Jüdischen Krankenhaus in Berlin ist erschienen.

    http://www.bundestag.de/bundestag/auss…gnahme_Graf.pdf

    Prof. Graf gibt eine deutlich niedrigere Komplikationsrate an als Dr. Hartmann. Wie lässt sich das erklären? Vielleicht damit, dass Eltern, deren Kinder Komplikationen haben, nicht wieder ins Krankenhaus gehen, sondern zu einem niedergelassenen Arzt? Auch wird jemand, der für die Beschneidung nach Berlin gefahren ist, dort aber nicht lebt, wegen einer Komplikation ja nicht extra wieder nach Berlin fahren.

    In seinem neuen Jahresbericht 2012 stellt UNAIDS ( das HIV/AIDS-Programm der Vereinten Nationen) erfreut fest:

    "In the last ten years the landscape of national HIV epidemics has changed dramatically, for the better in most countries, especially in sub-Saharan Africa. Countries are making historic gains towards ending the AIDS epidemic: 700 000 fewer new HIV infections across the world in 2011 than in 2001."

    Verantwortlich für diese Entwicklung ist laut UNAIDS die antiretrovirale Therapie.

    "Sustained investments in access to antiretroviral therapy by donors and national governments have led to record numbers of lives being saved in the past six years. In 2011 more than half a million fewer people died from AIDS-related illnesses than six years earlier. It’s a dramatic turning point."

    http://www.unaids.org/en/media/unaid…_results_en.pdf

    In dem gesamten Bericht ist an keiner Stelle von Beschneidung die Rede. Stattdessen müssen wir lesen, dass in Ländern mit flächendeckender Beschneidung HIV die grössten Steigerungsraten hat.

    "In the middle East and North Africa, the number of people newly infected with HIV increased by 35% between 2001 and 2011, and the rate of new HIV infections continues to rise in Eastern Europe and Central Asia."

    Eine Kurzmitteilung über den Bericht auf deutsch findet man hier.

    Deutsches Ärzteblatt: UNAIDS: Anhaltender Rckgang der HIV-Neuinfektionen

    Danke für den Hinweis. Trotzdem geht der afrikanische Beschneidungswahnsinn weiter.

    "But with HIV prevalence so low, 97% of the adult population are uninfected, how valuable could this operation really be (aside from the clear value to the manufacturers of PrePex and other commercial interests)?"

    Jetzt auch Prof. Heinig nach der Methode: "Was nicht sein darf, das nicht sein kann."

    http://www.bundestag.de/bundestag/auss…ahme_Heinig.pdf

    Zitat

    "Offensichtlich ist die Einschätzung des medizinischen Nutzens einer Beschneidung selbst kulturell geprägt. So erklären sich etwa Differenzen in der Bewertung des allgemeinen medizinischen Nutzens einer Beschneidung zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Ärzteschaft."



    Eben gerade nicht, aber mit der entsprechenden wissenschaftlichen (!) Kritik an der AAP will sich Prof. Heinig einfach nicht auseinandersetzen. [Blockierte Grafik: webkit-fake-url://090590D2-DBCE-414F-81D4-EBF5CC31AA54/imagepng]

    Geradezu hammerartig empfinde ich von Dr. Hartmann in seinem Gutachten für den Rechtsausschuss des Bundestages ( siehe den betreffenden Thread) vorgelegte Umfrage in 458 deutschen Kinder- und Jugendarztpraxen.

    1. Wie viele Neugeborene sind seit 01.01.2010 mit
      Komplikationen einer Zirkumzision in Ihrer
      Praxis vorgestellt worden? ____________________ 298
    2. Wie viele Säuglinge sind seit 01.01.2010 mit
      Komplikationen einer Zirkumzision in Ihrer
      Praxis vorgestellt worden? ____________________ 351
    3. Wie viele Kinder jenseits des Säuglingsalters sind
      seit dem 01.01.2010 mit Komplikationen einer
      Zirkumzision in Ihrer Praxis vorgestellt worden? ___ 1209
    4. Wie häufig haben Sie in all diesen Altersgruppen
      lokale Infektionen (mit Erfordernis einer lokalen
      Therapie) gesehen? _________________________ 1204
    5. Wie häufig haben Sie in all diesen Altersgruppen
      systemische Infektionen (mit Erfordernis einer
      systemischen Antibiose) gesehen? _______________ 628
    6. Wie viele Fälle mit Wunddehiszenz (Trennung der
      Vorhautblätter mit schlechtem kosmetischen
      Ergebnis) haben Sie gesehen? __________________ 737
    7. In wie vielen Fällen war eine Re-Zirkumzision
      erforderlich? ________________________________ 249
    8. Wie viele lokale Blutungen haben Sie erlebt? _______ 470
    9. Wie viele dieser Kinder wurden durch einen nichtärztlichen
      Beschneider zirkumzidiert? ______________________ 82
    10. Wie viele dieser Kinder wurden durch einen Arzt
      zirkumzidiert? _______________________________ 695


    Ich bin gespannt auf die " Gegenargumente". [Blockierte Grafik: webkit-fake-url://7144E277-4A57-4EFD-8D0D-160CBF7D8BC2/imagepng]

    "Danach übernimmt die Kvaterin (Patin) das Kind von der Mutter und übergibt es dem Kvater (Pate). Dieser reicht den Knaben dem Vater und er gibt den Jungen dem Sandak (2. Pate), der auf einen für ihn bereitgestellten Stuhl sitzt. Der Ehemann darf das Kind nicht unmittelbar aus den Händen der Mutter nehmen, da diese noch von der Geburt her als religiös unrein gilt."

    Patriarchat "live" [Blockierte Grafik: webkit-fake-url://7B7A6C9A-5319-4E90-ACF2-633853D2A8FB/imagepng]

    Die Stellungnahme von Prof. Hartmann ist ebenfalls erschienen.

    http://www.bundestag.de/bundestag/auss…me_Hartmann.pdf

    "Leider werden in dieser Debatte die von den Folgen der Beschneidung betroffenen Männer nicht gehört. Ich verweise daher auf die Berichte Betroffener unter MOGiS e.V. -- Eine Stimme für Betroffene und Beschneidung beim Mann / Jungen / Knaben Pro und Contra - Beschneidung von Jungen. Dass es bei Beschneidungen doch weitaus mehr unangenehme Folgen und Komplikationen gibt, die zu Konsultationen in den Praxen der Kinder- und Jugendärzte führen, belegt eine Befragung der DAKJ aus den letzten beiden Monaten. Bei einer internetbasierten Befragung haben etwa 10% der Kinder- und Jugendarztpraxen in Deutschland anhand ihrer Aufzeichnungen seit dem 01.01.2010 folgende Komplikationen als Folge der Beschneidung gemeldet:"

    O-Ton Hakenberg:

    "Zuverlässige medizinische Daten zu den Auswirkungen einer Beschneidung im Kindesalter gibt es kaum, lediglich wenige Untersuchungen."

    Ganze drei (!) (mittlerweile mehr als umstrittene) Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Beschneidung und HIV haben ausgereicht, um einen millionenschweres Programm in Afrika zur Beschneidung auszulösen. "Wenige Untersuchungen" zu den Auswirkungen der Beschneidung im Kindesalter können aber unter den Tisch fallen.
    Erneute Frage: wie wird jemand Professor, der derart unseriös und selektiv mit der Wissenschaft umgeht?

    P.S. Dazu Prof. Hartmann (s.u.):
    "Psychischen Folgen einer frühen Beschneidung (s. Boyle et al., Page et al., Taddio et al., Yilmaz et al.) blieben in den Stellungnahmen der medizinischen Fachgesellschaften bislang weitgehend
    undiskutiert und sind in deren Empfehlungen nicht eingearbeitet worden."