Beiträge von werner

    Das Briefing der jüdischen Lobbygruppe "AJC" wurde bekanntlich an alle Abgeordneten des deutschen Bundestages verteilt.

    http://www.ajc.org/atf/cf/{42d75369-d582-4380-8395-d25925b85eaf}/AJC_BERLIN_FACTS_MYTHS_CIRCUMCISION_DEBATE_2012.PDF

    Durch seinen Beschluss hat jetzt der Bundestag die Beschneidungskritik für immer auf den Müllhaufen der Geschichte befördert.

    “The new German legislation should once and for all consign the arguments of circumcision opponents to the dustbin of history.”

    Übrigens bekam auch Angela Merkel ein Exemplar des Briefings und war begeistert.

    "Chancellor Angela Merkel quoted directly from the AJC Berlin report, and mentioned Deidre Berger by name, when speaking about the circumcision controversy during a recent awards ceremony at the Berlin Jewish Community."

    AJC Berlin Applauds German Parliament Action Protecting Circumcision
    -
    AJC: Global Jewish Advocacy

    Aushebeln wollte in der heutigen Bundestagsdebatte Frau Künast diejenigen, die immer mit dem Hinweis auf das Prügelverbot argumentieren. Beschneidung sei keineswegs eine "entwürdigende Massnahme."

    Frau Künast hat recht: es handelt sich bei der Beschneidung nicht um eine "Massnahme", sondern um einen "Ritus". :wacko:

    Der ZDJ gehört wieder dazu! Nachdem in den vergangenen Monaten immer von "Den Juden" und "Deutschen" die Rede war, macht sich jetzt wieder ein " Wir-Gefühl" breit:

    "Die Debatte war aus meiner Sicht auch ein Toleranz-Test für unsere Gesellschaft. Ich bin sehr froh, dass wir ihn bestanden haben."

    Jüdische Allgemeine / POLITIK / Brit Mila - Beschneidungsgesetz beschlossen

    Da es im Moment so gut läuft mit der Toleranz, bitte wir um weitere Vorschläge seitens der Religionsvertreter.  :S

    Danke für diesen Hinweis!

    Von kaum noch zu überbietendem Zynismus sind folgende Ausführungen:

    "Anders als Yaron erzählte Merkel keine persönliche Geschichte. Höfling nannte den Vortrag seines Kollegen später ein "bluttriefendes Drama, das über weite Teile Theater war". Der Hamburger Jurist listete in der Tat Schauergeschichten von missglückten Beschneidungen auf. Todesfälle, Amputationen, Beinahe-Unglücke. Gemessen an der Gesamtzahl seien diese Fälle verschwindend gering, aber ignorieren solle man sie trotzdem nicht. "Ein einziger Todesfall beim Piercing eines Kleinkindes – der Gesetzgeber würde das sofort verbieten!"

    Ethikratsmitglieder diskutieren über Beschneidung: "In 50 Jahren überall verboten"

    Während ich die soeben die Rede von Diana Golze im Bundestag hörte, fiel mir eine Frage aus dem berühmten Fragebogen von Marcel Proust ein:

    "Was sind Ihre Helden/Heldinnen in der Wirklichkeit?"

    Meine Antwort: Diana Golze und Katja Keul

    "Wir haben keinem Druck nachgegeben"

    "Hier ist auch nichts durchgepeitscht worden"

    "Aber es war ja der Bundestag, der den ganz besonderen Zeitdruck eigentlich gegenüber der Regierung erzeugen wollte, indem er sie aufgefordert hat, innerhalb weniger Wochen hier mit einem Gesetzesvorschlag in den Bundestag zu gehen."

    Leutheusser-Schnarrenberger Beschneidungsgesetz ist nicht - Bundesjustizministerin betont Anhörung auch | Interview | Deutschlandfunk

    Ist es eigentlich legal, wenn der Bundestag die Regierung dermassen unter Druck setzt, und sie zwingt, - wie Ulf Dunkel meint - "das Recht zu beugen"? :whistling:

    "Nach Ansicht des Mainzer Rabbiners Julian-Chaim Soussan hat die Debatte um die Vorhautentfernung die öffentliche Wahrnehmung des Judentums in Deutschland verändert. "Man hat von Rechts wegen die Erlaubnis bekommen, auch mal über die Juden zu schimpfen", sagte er. Zum ersten Mal könne man "Vorwürfe gegen Juden erheben, ohne als Antisemit abgestempelt zu werden." Von dieser Möglichkeit machten nun verschiedene Kräfte Gebrauch."

    Beschneidung : "Erlaubnis bekommen, über Juden zu schimpfen" - Nachrichten Politik - Deutschland - DIE WELT

    Frage an die Juristen: wenn das Gesetz in Kraft getreten ist, ist es dann (wieder?) verboten, über die Juden zu "schimpfen" und ihnen "Vorwürfe zu machen", auch wenn man kein Antisemit ist? Frau Leutheuser-Schnarrenberger sagte ja, der Zustand vor dem Kölner Urteil wird wiederhergestellt.

    Zusatzfrage: viele Juden in meinem Bekanntenkreis "schimpfen" ständig über andere Juden und machen ihnen " Vorwürfe". Muss ich ihnen sagen, dass damit in Zukunft Schluss ist?  :whistling:

    Auf einer Tagung des " Bundesverbandes Jüdischer Ärzte" bezeichnete der Kölner Universitätspädiater Prof. Bernhard Roth die Beschneidung aks "würdevolles Ereignis".

    "Es gebe einen "gefährlichen Realismus, der auf Unkenntnis" beruhe"

    Debatte um Beschneidung und geplantes Gesetz | domradio.de

    Wie dieser Realismus aussieht, hat Prof. Roth selbst wissenschaftlich untersucht.

    "Ein Forscherteam um Professor Dr. Bernhard Roth von der Universitätskinderklinik Köln verglich die Schmerzreaktionen von zwei Kindergruppen miteinander: Die eine Gruppe bestand aus 63 Junioren, die nach ihrer Geburt intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Die Kontrollgruppe umfasste 78 gesunde gleichaltrige Kinder."

    "Roth schloss daraus: "Offensichtlich vergessen Kinder frühe schmerzhafte Eingriffe nicht. Deshalb ist bei Neugeborenen eine konsequente Analgesie bei Operationen Pflicht. Nur so lassen sich Stress und negative Einflüsse auf das spätere Verhalten vermeiden."

    Groes Leid fr kleine Patienten

    Ich verstehe: Beschneidung ist ja bekanntlich keine Operation, sondern ein " würdevolles Ereignis". Deshalb ist auch gar keine Analgesie nötig. :whistling:

    "Wir müssen alles dafür tun, dass hier niemals wieder eine Gruppe verfolgt und ausgegrenzt wird.

    Der Satz ist auch deshalb zurückzuweisen, weil hier keine GRUPPE verfolgt und ausgegrenzt wird, sondern nur ein einziges ganz bestimmtes Verhalten einer Gruppe. Wenn man sich die Behauptung der Gruppe, damit sei ihre Existenz bedroht, zu eigen macht, müsste man sich auch die Behauptung von Gruppen zu eigen machen, Mädchenbeschneidung sei für sie existentiell, und ALLES dafür tun, dass das möglich ist.
    Da beisst die Maus kein Faden ab: es handelt sich im Kern um ein religiöses Sondergesetz aufgrund unserer historischen Lage. Kann man ja machen, dann sollte man es aber auch genauso ins Gesetzbuch stellen, und nicht hinter dem Elternwillen verschwurbeln.

    Ich möchte auf den Kommentar von Ulf Dunkel unter dem Artikel hinweisen. Auszug:

    "Noch haben Sie eine Nacht Zeit, ernsthaft und ohne religiöse Brille darüber nachzudenken, dass es hier um die Körper wehrloser Jungen geht. Sie und viele Ihrer KollegInnen sind im Begriff, morgen im Bundestag aus Angst vor dem Vorwurf, sonst als antisemitisch zu gelten, Recht zu beugen, ja, ein Sonderrecht für eine Teilgruppe unserer Gesellschaft zu schaffen. Damit muss sich der Bundestag in seiner Mehrheit Unterlassungsrassismus vorwerfen lassen."

    Wenn ich Pizarro73 richtig interpretiere, war Montags Haltung zur Beschneidung nicht der Grund für den schlechten Listenplatz. Soweit ich sehe, hat das Bemühen um eine Verjüngung der Mannschaft eine grössere Rolle gespielt. Montag sah das wohl selbst, indem er sagte: "Neue Besen kehren gut, aber alte sehen, wo der Dreck sitzt."

    "Das Kriterium für deren Bewertung kann nicht aus den Traditionen selbst gewonnen werden. Wer dies nicht einsieht, argumentiert zirkulär: „Wir machen es so, weil es gut ist und es ist gut, weil wir es so machen.“ Aus der schlichten Faktizität einer Praxis folgt kein normativer Anspruch. Vom Sein kann nicht auf das Sollen geschlossen werden und wer dies tut, begeht einen naturalistischen Fehlschluss."

    Wie sagte doch Dieter Graumann (ZDJ): "Wenn es den Kindern schaden würde, würden wir es nicht machen".

    HaWeHa

    Gerade wenn ich die "dokumentarische Hypothese" berücksichtige, stellt sich ja erst recht die Frage, warum das Ritual trotzdem und quasi unbeirrbar aufrechterhalten wird. Welchen Sinn hat die "Beschwörung einer Fiktion" bzw. die entsprechende "Propaganda"?

    " Vulgärrationalismus" heisst ja nicht zuletzt, die heiligen Schriften als menschengemacht zu verstehen, und damit ihre Begründung aus einem "höheren" Zusammenhang zu negieren. In diesem Zusammenhang prägte einmal der Journalist Johannes Wilms anlässlich einer Erörterung der orthodox religiösen Siedlungpolitik in Israel den schönen Satz: "Die Bibel ist kein Katasteramt." Gott versprach Abraham ja Land und führte ihn dorthin. Darin liegt seine aktuelle Bedeutung für die Juden.

    Danke werner für diesen Beitrag. Er zeigt sehr deutlich, wo in der Beschneidungsdebatte die wirklichen Zwänge und Verpflichtungen herkommen. Es sind sehr oft nicht die religiösen Gesetze. Es ist der gesellschaftliche Druck, der vielen Eltern oft zu groß

    Ich wollte noch einmal der Frage nachgehen, warum manche religiösen Rituale sich über Jahrhunderte/Jahrtausende erhalten und manche nicht. Rituale haben fast immer den Zweck, eine Gemeinschaft zusammenzuschweissen, und sie erhalten sich, wenn dieser Zweck nach wie vor eine erhebliche aktuelle (!) Bedeutung hat. Der Druck auf die Gruppe ist natürlich wesentlich höher, wenn das Ritual in der ursprünglichen und nicht in symbolischer Form durchgeführt wird. Ausserdem hat dies den "Vorteil", dass das Ritual nach aussen hin im Rahmen der Religionsfreiheit "verkauft" werden kann. Eine Begründung als blosse "Tradition" ( wie bei der Mädchenbeschneidung ) oder "Dass hat schon der Opa so gemacht" würde wohl kaum für ein Erlaubnisgesetz ausreichen.

    Die wütende Reaktion der Religionsvertreter, die Beschneidungskritik als unmittelbaren Angriff auf den Zusammenhalt der Gruppe und damit auf die Existenz der Gruppe selbst betrachten, zeigt, dass sie anderen "modernen" Formen, ihre Gruppe zusammenzuschweissen, zutiefst misstrauen - wahrscheinlich zu recht.

    Herr Lagodinsky beschreibt zu recht einen modernen Menschen als einen Menschen, der die Wahl hat. Haben die Menschen bezüglich Beschneidung eine Wahl?