Beiträge von quadrat

    Gutes Argument:

    Zitat

    Für hoch problematisch hält die DGKCH das Vorgehen, ausdrücklich „keine Sonderregelung für religiös motivierte Beschneidungen" zu verfassen und bewusst die religiöse Motivation der Eltern auszuklammern. „Denn wenn allein der elterliche Wille maßgeblich wird, sind Fehlentscheidungen Tür und Tor geöffnet", erläutert Professor Fuchs. Zukünftig könnten sich Eltern danach aus ästhetischen oder hygienischen Gründen für eine Beschneidung entscheiden.

    Ich habe Herrn Montag scho x Emails geschickt - er ist unbelehrbar!

    Hm, ich weiß nicht. Auf die Frage ob er für oder gegen Beschneidung ist, ist er ausgewichen. Gleichzeitig sagt er, er sei nicht religiös und er würde er eine Volksabstimmmmung befürworten. Hört sich an als ob er selbst insgeheim gegen Beschneidung ist.

    Es ist natürlich gut, dass wir Behandlungsmöglichkeiten haben. Trotzdem bleibt es ein Skandal, dass das wegen so einer Sache nötig ist. Belastet ja auch die Solidargemeinschaft...:)

    Dazu eine Anekdote - habe ich gestern auf einer Diskussionsseite auf Wikipedia gelesen: Da schlägt jemand ernsthaft vor, dass Unbeschnittene sich privat versichern sollen weil sie angeblich *mehr* Kosten verursachen würden (z.B. durch Übertragung von Krankheiten) als Beschnittene, und die gesetzlichen Krankenkassen unnötig belasten.

    Bzgl. Juden, denen Antisemitismus vorgeworfen wird - das war ja auch gerade ein Thema in den Medien, dass man Judith Butler (jüdische Philisophin) Antisemitismus unterstellt hat. Es ist halt die ultimative Rufschädigung und sehr effektiv um einen politischen Gegner mundtot zu machen, daher kann man diesen Vorwurf auch mit den skurilsten Argumenten machen.

    "Die Beschneidung von Jungen mit Einwilligung ihrer Eltern soll daher auch künftig zulässig sein, wenn gewährleistet ist, dass dabei alle modernen medizinischen Standards eingehalten werden. Das wollen wir sicherstellen, indem wir die weltweit akzeptierte Beschneidung minderjähriger Jungen verfassungskonform regeln."

    Sein Namensvetter hätte bestimmt anders gedacht. Angeblich haben die Römer die Beschneidung verbieten lassen, als sie Mode wurde um die Kinder zu schützen (pflegewiki.de hat eine entsprechende Quelle gefunden, die ich aber nicht prüfen kann).

    Mich würde interessieren, welchem Berufsverband Deine Therapeutin angehört.
    Der Dachverband der analytischen Psychotherapeuten (DGPT) hat sich über die Beschneidungsdebatte u.a. wie folgt geäussert:

    "Ein Eingriff in zentrale Elemente religiöser Identität kann von vielen Familien durchaus als Labilisierung, Verunsicherung und Missachtung in einem wesentlichen Kernpunkt ihres Lebens empfunden werden – mit ebenfalls gravierenden psychischen Folgen für die Kinder.

    @ werner: Dass die Analytiker beim Thema Beschneidung die religiöse Komponente in den Vordergrund stellen überrascht mich. Analytiker haben doch Begriffe wie Penisneid und Kastrationsangst (Kastrationsangst – Wikipedia ) erfunden. Wenn schon die Angst vor der Kastration gravierenden Einfluß auf die Entwicklung eines Jungen haben soll, was für massive Auswirkungen muss dann erst die Durchführung einer Quasi-Kastration in Form der Beschneidung haben? Du hattest ja auch schon mal erwähnt, dass Freud seine Kinder nicht hat beschneiden lassen. Aber Freud war Jude, ihm kann man schlecht Antisemitismus vorwerfen. Die DGPT ist dagegen vor dem politischen Druck eingeknickt.

    @ Susanna: Schamlippenverkleinerung soll laut Wikipedia sogar die siebthäufigsten Schönheits-OPs in Deutschland sein. In Deutschland ist das auch bei Minderjährigen legal, wobei die OP dann von den Mädchen und nicht (wie bei der Beschneidung von Jungen) von den Eltern veranlasst wird. Trotzdem denke ich, so wie Du, dass Operationen an den Genitalien aus kosmetischen/religiösen/traditionellen Gründen erst ab 18 erlaubt sein sollte.

    Ich hab mir mal die Kommentare unter dem Artikel durchgelesen, die Stimmung ist zum größten Teil contra Beschneidung. Jemand hat in den Kommentaren ein Youtube-Link gepostet, dort wird ein dänischer Rabbi beschuldigt, dass es bei seinen Beschneidungen zu massiven Zwischenfällen gekommen ist. Das ist schon starker Stoff - in dem Video sind Bilder zu sehen, wo nicht nur die Vorhaut sondern die komplette(!) Haut des Penis entfernt wurde.

    Circumcision - Chief Physician accuses Chief Rabbi - Danish Parliament considers ban - YouTube

    Mich würde interessieren, ob eins der Mitglieder dieses Forums wegen der Probleme schon einmal eine Psycho-, Verhaltens- oder irgendeine andere Art von Therapie in dieser Richtung gemacht hat, wie die Erfahrungen damit waren bzw. wenn keine solche Therapie, warum nicht.

    Hi, ich klink mich auch noch mal in die Diskussion ein. Ich habe auch Psychotherapie gemacht - wegen Depression. Die Depression hat aber sehr wahrscheinlich nichts mit der Beschneidung zu tun. Wie auch immer, nachdem die Therapeutin meinen Fall mit ihrer Supervisorin besprochen hatte, vermutete sie, dass bei mir ein Trauma vorliegen könnte. Ich kann mich nicht an die Beschneidung erinnern, aber das wäre das einizige traumatische Ereignis in meinem Leben - daraufhin ist die Therapeutin dann aber nicht mehr näher darauf eingegangen. Ich selbst habe das auch nicht mehr verfolgt, denn selbst wenn ich mich noch daran erinnern könnte, bzweifle ich ob es sinnvoll ist alte Wunden aufzureißen.

    Die Therapeutin war grundsätzlich sehr gut, sowohl menschlich als auch fachlich (ich denke ich kann das beurteilen, weil ich mit mehreren Therapeuten zu tun hatte). Aber das Thema Beschneidung hat sie entweder überfordert oder als irrelevant betrachtet. Das Problem ist vermutlich, dass Beschneidung in unserer Gesellschaft als total normal angesehen hat, so dass selbst Eltern ihrem Kind das antun oder eben ein höchst-einfühlsamer Mensch wie meine Therapeutin das für irrelevant betrachtet.

    Das muß auch der Grund sein, warum selbst die leichten Formen der weiblichen Beschneidung bei uns als das ultimative Tabu betrachtet werden, während die männliche Beschneidung von Einigen sogar für wünschenswert erachtet werden: Die weibliche Beschneidung findet in unserem Kulturkreis nicht statt - deshalb können wir sie als barbarisch verurteilen. Die Doppelmoral dahinter wird aber nur von den wenigsten wahrgenommen - bzw. sie wird ignoriert (z.B. vom Bundestag) um seine eigene Haut zu retten.

    Ich denke auch ich habe Dich ursprünglich falsch verstanden. Also mathematisch werden wir das nicht lösen können, da sind wir uns schon mal einig. Die Idee, dass ein Mensch gefühlsblind im Sinne der Alexithymie geboren wird, habe ich übrigens von einem Psychoanalytiker - Joyce McDougall. Ich erwähne das, weil wir in einem anderen Thread über Psychoanalyse diskutiert haben 8).

    Holy Shit, das wußte ich nocht nicht:

    "Es handelte sich dabei zudem um die auch in der innerjüdischen Diskussion vielfach kritisierte ultra-orthodoxe Umsetzung des Rituals mit dem Einreißen des inneren Vorhautblatts mithilfe der Fingernägel, dem Aussaugen der Wunde mit dem Mund und der ebenso häufig kritisierten Art der Blutungsstillung durch einen Druckverband, alles ohne jede Betäubung."

    Man stelle sich mal vor ein Tierarzt würde so arbeiten :(

    @ Werner - das hat ja nichts mit dazu tun ob es mir 'gefällt' oder nicht. Das Problem ist, dass Psychoanalytiker Theorien und Konzepte aus den Fingern ziehen ohne sie empirisch oder neurologisch zu überprüfen. Weil Du Freud erwähnst, fällt mir da z.B. der Todestrieb ein. Dennoch können Psychoanalytiker sehr hilfreich sein, genauso wie die Komplementärmedizin. Ich kenne aber auch Fälle wo Analyse sehr geschadet hat, vielleicht deshalb meine Skepsis.

    @ Pensador - bzgl. der historischen Ursprünge klingt das sehr plausibel, da stimme ich Dir zu.

    Mehr über die Arbeit kann man unter diesem Link lesen.

    The effect of male circumcision on the sexual enjoyment of the female partner, BJU INTERNATIONAL, Volume 83, Supplement 1, Pages 79-84, January 1, 1999

    Gibt auch viele Frauen die auf beschnitten stehen - ironischerweise steht meine Partnerin drauf (das Auge poppt ja mit :( ). Zur Studie, die hat leider gravierenede methodische Mängel, Zitat:

    "Women having sexual experience with both circumcised and anatomically complete partners were recruited through classified advertisements in magazines and an announcement in an anti-circumcision newletter [Hervorhebung von mir]."

    Dadurch wird das Ergebnis natürlich verfälscht, weil sich mehr Frauen melden, die gegen Beschneidung sind. Möglichweise ist das absichtlich geschehen um das entsprechende Buch der Autoren besser zu verkaufen. Selbst CIRP (Circumcision Information and Resource Pages) nennt das Ergebnis 'etwas obskur'.

    Ich lege ausdrücklich Wert auf die Feststellung, dass ein Zusammenhang zwischen "Gefühlsblindheit" und dem Mangel an Einfühlungsfähigkeit in einen Säugling wissenschaftlich NICHT bewiesen ist...

    Den Hinweis auf Alexithymie fand ich sehr interessant, so dass ich mal ein wenig gegoogelt habe. Also, beweisen läßt sich ja sowieso nichts in der Wissenschaft (Mathematik mal ausgenommen), man kann nur Theorien aufstellen und überprüfen :) . Bei einem Säugling könnte ich mir vorstellen, dass er von Geburt an 'gefühlsblind' ist und Wahrnehmung von (eigenen) Gefühlen erst mit der Zeit lernt. Möglicherweise hat ein Trauma durch Beschneidung hierauf Einfluß.

    Hm, naja gegen die Beschneidung psychonanalytisch zu argumentieren halte ich aber für schwierig. Damit begibt man sich auf das Niveau der religiös-motivierten B-Befürworter. Psychoanalyse mag zwar nach Wissenschaft klingen, es ist aber streng genommen keine (jedenfalls nicht mehr als Theologie) und hat mit Schulmedizin nichts zu tun.

    Zitat

    Aber auch bei kleineren Kindern sei ein „ernsthaft und unmissverständlich zum Ausdruck gebrachter entgegenstehender Wille des (...) männlichen Kindes aber nicht irrelevant“. In einer solchen Situation seien die Eltern „gehalten“ sich mit dem Kindeswillen auseinanderzusetzen.

    Es reicht also, dass die Eltern sich mit dem Kindeswillen auseinandersetzen. Sie sind dazu auch nicht gezwunden, sondern nur 'gehalten'. Das Kind wiederum muss seine Ablehnung ernsthaft ausdrücken und unmissverständlich.

    Das ist so windelweich formuliert - was hat das in einem Gesetzestext zu suchen? Selbst wenn es Zeugen für den Wiederstand des Kindes gibt, dann steht Aussage gegen Aussage ob der Wiederstand ernsthaft oder mißverständlich war. Und selbst wenn das geklärt wäre, können die Eltern immer sagen, sie hätten sich damit 'auseinandergesetzt' aber es hat ihre Entscheidung nicht beeinflußt.

    Zuerst dachte ich, das ist nur ein lustiger Verschwörungstheoretiker, aber am Schluß liest man, dass der Mann Soziologie-Professor ist und ein Buch über die Beschneidungsdebatte schreibt. Hoffentlich wird das nicht zu einer self-fullfilling Prophecy, indem die Rechten das Thema mißbrauchen. Ich möchte nicht einen Amok-Läufer wie Breivik sehen, der sich hinstellt und sagt er kämpft für die Rechte der Kinder. Politically Incorrect haben schon einige Einträge zum Thema Beschneidung (Politically Incorrect).