Ich stimme ausdrücklich Pizzaro 73 zu, der dies als "Totschlagargument" qualifiziert. Wenn etwas als noch durchzusetzendes Richtiges erkannt wird, kann man es nicht unterlassen oder ignorieren, nur weil sonst der Wind ins Gesicht bläst. Gott sei Dank erkennen dies mittlerweile - wenn auch bei anderen Problemen (z.B. "Finanztransaktionssteuer") - einige Politiker.
Da gebe ich Dir recht - nur ich glaube für kein Land auf dieser Welt wäre ein Verbot auch nur annähernd so schwierig durchzusetzen wie Deutschland - und zwar aufgrund unserer Geschichte und des delikaten Verhältnisses zu Juden und Israel. Es wäre sicher einfacher ein anders (z.B. skandinavisches) Land den ersten Schritt machen würde und die Beschneidung verbieten würde. Dann könnte Deutschland ohne großen Gesichtsverlust nachziehen.
Wenn die Deutschen aber tatsächlich als erster den Schritt wagen, werden sich die Fronten massiv verhärten. Es geht dann nicht nur darum ob wir dann isoliert wären, auch die Diskussion zur Beschneidung würde eskalieren und es wäre noch schwieriger miteinander zu reden als es ohnehin schon ist. Ich will den gegenwärtigen Gesetzentwurf natürlich auch nicht rechtfertigen, sondern ich fürchte nur, dass Politik nicht so einfach funktioniert. Wenn Vernunft und Gerechtigkeit in der Politik die wichtigste Rolle spielen würden, dann würde vieles Leid in der Geschichte erspart erblieben.
ZitatKlar
tun sie das, aber es gibt eben auch welche dafür, und die müssen
genauso gesehen, berücksichtigt, gewichtet und gewertet werden.
Also ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass ich wenn ich genug Zeit hätte - jedes einzelne medizinische Argument für die Beschneidung wiederlegen kann, inkl. Hnweisen zu Fachliteratur (die Seite des Pflegewiki wäre ein guter Start dafür: http://www.pflegewiki.de/wiki/Beschneidung ). Dass die Beschneidung z.B. die Verbreitung von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten erschwert ist ein Mythos. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall, möglichweise produziert die Vorhaut Stoffe, die Erreger abtötet.
Wenn es kein gesundheitliches Argument für die Beschneidung gibt, dann bleiben nur traditionelle und kosmetische Gründe. Diese reichen aber nicht aus um die Beschneidung ethisch zu befürworten (angesichts der vielen Kontra-Argumente). Und dann ist m.E. auch keine juristsche Rechtfertigung mehr möglich. Problem solved. ![]()
Warst Du schon mal bei dem Faktencheck der 'Debattenprofis' (Beschneidung: Nicht strafbar. Aber medizinethisch legitim? | Debattenprofis )? Die haben auch so eine systematische Analyse der Argumente gemacht (aus der Sicht eines Arztes, nicht eines Abgeordneten), vielleicht ist das das was Du meinst.