FAZ, 8.7.2012: Ritual, Trauma, Kindeswohl

  • Zitat

    Ein solcher traumatisch bedingter Empathiebruch kann aufgrund hoher Eigenbetroffenheit auch die Ängste der eigenen Kinder (zum Beispiel vor der Beschneidung) betreffen und so zu einer Fortsetzung der rituellen Praxis führen, insbesondere wenn diese für Kohäsion und Identität der sozialen Bezugsgruppe wichtig ist. Kollektive Überzeugungen und Rituale werden gruppal also besonders dann unreflektierbar tradiert, wenn der elterliche Gewaltaspekt des betreffenden Rituals aus eigenen Abwehrbedürfnissen heraus verleugnet werden muss. Dann kann das emotionale Erleben von Angst und Schmerz des kindlichen Opfers von den handelnden Erwachsenen nicht mehr empathisch erfasst werden, und eine Täter-Opfer-Kette kann sich transgenerational über lange Zeiträume hinweg etablieren. Eine deutsche Variante, noch gar nicht so lange her: Eine ordentliche Tracht Prügel hat noch niemandem geschadet.

    ... hatten wir den Artikel nicht schon irgendwo? ;) Jedenfalls reißt er hoch interessante Aspekte an.

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