... ich schrieb von den Eltern, die meiner Einschätzung nach nicht ihren Sohn auf den Tisch legen, um sich ihm gegenüber überlegen und machtausübend zu fühlen.
Das tun sie im besten Falle, weil sie wirklich daran glauben, dass damit ein Bund geschlossen, eine Zughörigkeit im positiven Sinne geschaffen wird. ...
Ich selbst bin in einem "christlichen Elternhaus" aufgewachsen und der Glaube hatte dort auch die Funktion die Machtverhältnisse, wenn man so will bzw. den Familienverband zu manifestieren. Die Worte "Du sollst Vater und Mutter ehren" wurden mir sogar noch als erwachsener Mann um die Ohren gehauen mit der Absicht, dass ich mich gefälligst unterzuordnen hätte.
Die Religionen üben oft Macht gegenüber ihren Anhänger aus, aber sie geben ihnen je nach Ausgestaltung auch wieder Macht gegenüber ihren Familienmitgliedern. Meist sind Religionen so strukturiert, dass der Religionsstifter ein Mann war und deshalb fühlen sich oft die Ehemänner bzw. Väter als Familienoberhaupt der Sippe. Das Recht zu haben, den Sohn zwangsbeschneiden zu lassen, ist daher auch ein Stück Macht über den eigenen Sohn, der die Hierarchie innerhalb der Sippe festlegt. Es heißt ja übrigens auch, dass die Väter ihre Söhne beschneiden lassen sollen, also nicht die Mütter.
In diesem Thread geht es nun um den Staat Israel. Viele sehen in Israel intuitiv einen westlich geprägten Staat und vergessen dabei, dass Israel ein Teil der arabischen Welt ist. Somit ist es kein Wunder, dass hier das Patriarchat noch wesentlich stärker dominiert als in Europa. Der Widerstand Israels gegen die Zwangsbeschneidungen vorzugehen und den Weg für eine aufgeklärte und humanistische Gesellschaft zu ermöglichen, ist daher noch mehr versperrt als in Deutschland. Auch sind die Machtverhältnisse dort noch so "intakt", dass es keiner Beschneidungspflicht bedarf, damit dennoch fast alle ihre Söhne aus vorauseilendem Gehorsam für immer verstümmeln lassen.