Kinderärztin empfiehlt Beschneidung

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    • Kinderärztin empfiehlt Beschneidung

      1. Hallo,
      Wie es schon im Titel steht, geht es um meinen Sohn. Seine Vorhaut ist schon immer nicht rückziehbar, er balloniert seitdem er so ca 1 Jahr ist. Probleme hatten wir noch nie, keine Entzündung oder ähnliches.
      Ich habe da auch noch nie versucht sie zurück zu ziehen, ihn interessiert es bisher auch nicht.

      Wir waren nun bei der U9 , bei einer neuen Kinderärztin wegen Umzug und die sagte sofort nach dem beschauen, das er zum Chirurgen soll. Ich habe noch interveniert,das wir definitiv erstmal eine Salbentherapie versuchen wollen. Sie machte uns aber keine Hoffnung. Ich hatte schon das Gefühl, das sie da auch einfach keine Lust auf diese Behandlung hatte.

      Wir haben das nun angefangen vor 2 Wochen, es ist nun so,das er nicht mehr balloniert, das zurückziehen überlasse ich aber ihm und er hat da auch nicht sonderlich Lust drauf.

      Nun ist es so,das die sichtbare Haut vorn an der Spitze für mich ziemlich gerötet aussieht und ich mir halt Sorgen mache,das wir das überhaupt erst verursachen,eben weil wir daran herumspielen.
      Ich wollte ja eigentlich überhaupt keine Behandlung, ich hatte aber bei dem Termin das Gefühl, wenigstens das Thema der Beschneidung vom Tisch zu haben.

      Sollen wir nicht vll lieber einfach aufhören und weiter abwarten? Oder lohnt es sich vll doch ,die Behandlung nun durchzuziehen, um am Ende wenigstens besser hygienische Maßnahmen hinzubekommen und somit eine eventuell später auftretende Entzündung zu vermeiden.
      Wie man sieht bin ich nun völlig verunsichert, obwohl ich eigentlich anfangs eine klare Meinung dazu hatte.

      Naja,vll hat ja jemand einen Tipp für mich,wie wir uns weiter verhalten sollen.
    • Hallo Jette,
      bei uns war das Thema Phimose auch bei der U8 und U9 Thema beim Kinderarzt. Rückwirkend betrachtet haben wir uns hier vom Arzt verrückt machen lassen und auch die Überweisung zum Chirurgen wahr genommen! Die größte Fehlentscheidung meines Lebens!!! Unser sohn wurde dann letztendlich nach zwei „erfolglosen“ Salbenbehandlungen mit 6 Jahren beschnitten.
      Leider hab ich dieses Forum und die ganzen Infos erst hinterher gefunden!!
      Ich würde sagen, solang dein Sohn bis jetzt keine Probleme hat, lass ihn erstmal komplett in Ruhe! Mit 5 Jahren ist eine beschwerdefreie Enge kein Grund für eine Behandlung und erst Recht nicht für eine Beschneidugn!
      Auch ist eine Ballonierung nichts schlimmes, sondern ein entwicklungsbedingter Zustand!
    • Hallo Jette,

      Zunächst einmal herzlich willkommen hier im Forum.

      Bitte entschuldige, dass ich dir zunächst eine Frage stellen muss:

      Warum hat die Kinderärztin dich bzw. deinen Sohn zu einem Chirurgen überweisen wollen - Einfach nur weil seine Vorhaut noch nicht zurückziehbar war oder weil sie ballonierte? Weiß deine Kinderärztin vom Ballonieren?

      Das Ballonieren der Vorhaut beim Wasserlassen ist ein harmloser Prozess. Zum Ballonieren kommt es, wenn sich die natürliche Vorhautverklebung zu lösen begonnen hat, aber die Vorhautöffnung noch eng ist. Die Tatsache, dass dein Sohn Jahre lang eine ballonierende Vorhaut, aber trotzdem keine Entzündungen oder ähnliches hatte, unterstreicht die Harmlosigkeit dieses Ballonierens.


      Laut der Phimose-Leitlinie, die unter anderem auch vom Berufsverband der Kinderärzte miterstellt und verantwortet wurde, haben im Alter von 7 Jahren gerade mal 50% der Jungen eine "weitgehend" zurückziehbare Vorhaut. Ferner stellt die Leitlinie klar, dass eine Behandlung einer Phimose nur erfolgen sollte, wenn diese Beschwerden verursacht (und nicht allein aufgrund mangelnder Zurückziehbarkeit).

      Ein Interview in der Fachzeitschrift "Monatsschrift Kinderheilkunde" mit einem der Autoren dieser Leitlinie wird dieses Definitionsmerkmal noch mal deutlich hervorgehoben:

      „Eine Beschneidung ist keine Bagatelle“ wrote:

      Wurde ein Junge wegen einer Leistenhernie operiert und fanden die Ärzte dabei eine Vorhautenge, die für das Alter aber möglicherweise noch physiologisch war, dann haben sie die Vorhaut häufig entfernt, nach dem Motto: Jetzt ist das Kind schon unter Narkose, dann machen wir das mit und das Problem ist gelöst. Das darf nicht sein! Daher haben wir geschrieben: Eine Therapie sollte nur dann erfolgen, wenn die Phimose Beschwerden verursacht, und nicht einfach, weil sie da ist.

      Allerdings ist die Phimose-Leitlinie, was das Thema Ballonieren angeht, missverständlich. So beschreibt die Leitlinie ein ballonartiges Aufblähen als möglichen Hinweis für eine sekundäre, d. h. narbige Phimose - was dein Sohn aber deiner Beschreibung nach zu urteilen nicht hat. Ich betone: Es geht hier um Verengungen infolge von Vernarbungen, die auch deutlich an Narbenringen entlang der Vorhautöffnung zu erkennen sind.

      Das Ballonieren in Kombination mit einer entwicklungsbedingten Vorhautenge oder Verklebung ist hingegen etwas anderes.

      Dieser Artikel des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte ist, was diese Thematik betrifft, eindeutiger:
      kinderaerzte-im-netz.de/krankh…vorhautverengung-phimose/

      Artikel Vorhautverengung (Phimose) Berufsverband der Kinder und Jugendärzte wrote:

      Eine Vorhautverengung sollte behandelt werden, wenn sie Beschwerden verursacht, oder solche unmittelbar zu erwarten sind, wie:
      • Beschwerden beim Wasserlassen: Ein Aufblähen der Vorhaut ist ebenso normal, wie ein Nachtröpfeln. Ein Harnaufstau durch eine normal enge Vorhaut ist extrem selten.


      Jette wrote:

      Sollen wir nicht vll lieber einfach aufhören und weiter abwarten? Oder lohnt es sich vll doch ,die Behandlung nun durchzuziehen, um am Ende wenigstens besser hygienische Maßnahmen hinzubekommen und somit eine eventuell später auftretende Entzündung zu vermeiden.
      Wie man sieht bin ich nun völlig verunsichert, obwohl ich eigentlich anfangs eine klare Meinung dazu hatte.

      Naja,vll hat ja jemand einen Tipp für mich,wie wir uns weiter verhalten sollen.

      Ich würde die – wohl fehl-indizierte – Therapie beenden und die Sache einfach aufmerksam weiter beobachten. Es kann jetzt sein, dass die Vorhaut jetzt vorzeitig geweitet wurde. Du hast geschrieben, dass du das Zurückziehen deinem Sohn überlässt. Das impliziert, dass er seine Vorhaut (zumindest ein Stück weit) zurückziehen lassen kann?

      The post was edited 3 times, last by Sokrates ().

    • Hallo Jette,
      willkommen bei uns!
      Zunächst schließe ich mich den Worten von Franzi1102 und Sokrates gerne an. So lange Dein Sohn keine wirklichen Probleme und Beschwerden hat, gibt es keinen Grund, überhaupt zu intervenieren. Das beinhaltet auch eine eventuelle Salbenbehandlung. Aus der Ferne ist das immer etwas schwer einzuschätzen, aber auf Basis Deiner Beschreibung habe ich das Gefühl, dass sich diese Rötungen erst einstellten, nachdem Ihr die Salbenbehandlung angefangen habt.
      Wenn ich recht verstehe, ist Dein Sohn ca 5 Jahre alt. Das Durchschnittsalter, ab dem sich die natürlich verengte Vorhaut eines Jungen weitet, beträgt ca. 10,5 Jahre.
      Deshalb ist mein klarer Rat: Lasst Euren Sohn wieder in Ruhe, er benötigt keine Behandlung, es ist alles in Ordnung mit ihm und er entwickelt sich völlig normal.
      Die aktuell gültige medizinische Leitlinie beschreibt das sehr genau:
      awmf.org/leitlinien/detail/ll/006-052.html

      Stell Dir vor, an einem Rosenbusch öffnen sich nach und nach alle Knospen, nur eine davon bleibt scheinbar hartnäckig geschlossen: Würde man daran manipulieren, damit sie sich "endlich" öffnet, oder würde man warten, bis das von selbst geschieht?

      Ich an Deiner Stelle würde diese Kinderärztin auf die aktuelle Leitlinie ansprechen. Und wenn sich herausstellt, dass sie diese bewusst ignoriert und (weiterhin) gegen deren Empfehlungen behandelt, würde ich diese Ärztin umgehend wechseln.
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • Ja,also danke erstmal für die schnellen Antworten.

      In der Tat ist es so, das es einzig aufgrund der Tatsache,das die Vorhaut nicht zurückziehbar ist sofort eine Überweisung zum Chirurgen geben sollte.
      Weil ich mich aber vorher schon etwas informiert hatte, wusste ich ja zum Glück schon das es da wenn überhaupt, auch andere Möglichkeiten gibt.
      Auch hatte sein Vater als Kind auch lange eine enge Vorhaut, das hat sich nur mit Dehnen in der Pubertät dann gegeben. Heute ist das komplett problemlos beim ihm, keine Narben,keine Enge, nichts.

      Nun wieder zum Zustand bei meinem Sohn, er kann die Vorhaut mittlerweile nur soweit ziehen, das man zumindest eine Öffnung von ein paar mm sieht. Und die dann sichtbare Haut ist meiner Meinung nach gerötet, er sagt aber, das er da keine Schmerzen hat. Ich bin aber der Meinung, so rot war die Haut vorher nicht an der Spitze.

      Wir werden nun also erstmal definitiv aufhören zu cremen und da überhaupt dran herum zu manipulieren. Und beim nächsten Arztbesuch werde ich das auch nochmal klar kommunizieren.
      Es ärgert mich schon, das ich das alles schon ungefähr wusste und eigentlich auch einen klaren Plan hatte, mich aber trotzdem so habe verunsichern lassen, das ich hier eine unnötige Behandlung angefangen habe.
    • Jette wrote:

      In der Tat ist es so, das es einzig aufgrund der Tatsache,das die Vorhaut nicht zurückziehbar ist sofort eine Überweisung zum Chirurgen geben sollte.

      Hallo noch mal,

      Dann solltest Du in jedem Fall die Leitlinie (awmf.org/uploads/tx_szleitlini…araphimose_2017-12_01.pdf) und ggf. noch den Artikel des Kinderärzteverbandes ausdrucken und deiner Kinderärztin (kinderaerzte-im-netz.de/krankh…vorhautverengung-phimose/) und sie auffordern, ihre Behandlungspraxis entsprechend zu ändern.


      Denn deine aktuelle Kinderärztin wird sehr wahrscheinlich auch andere Kinder auf diese oder ähnliche Weise fehlerhaft behandeln.

      The post was edited 3 times, last by Sokrates ().

    • Jette wrote:

      Nun wieder zum Zustand bei meinem Sohn, er kann die Vorhaut mittlerweile nur soweit ziehen, das man zumindest eine Öffnung von ein paar mm sieht. Und die dann sichtbare Haut ist meiner Meinung nach gerötet, er sagt aber, das er da keine Schmerzen hat. Ich bin aber der Meinung, so rot war die Haut vorher nicht an der Spitze.
      Diese gerötete Hautstelle - befindet sich auf der Vorhaut, habe ich da richtig verstanden?!
      Also ich kann verstehen, das dich das beunruhigt. Wie bereits gesagt, man sollte das weiter beobachten. Dass dein Sohn keine Schmerzen hat, ist schon mal ein gutes Zeichen. Möglicherweise ist diese Rötung eine sehr leichte Entzündung infolge der unnötigen Salbentherapie und verschwindet wieder, wenn sie beendet wird.

      The post was edited 1 time, last by Sokrates ().

    • @Jette:
      Schließe mich komplett meinen Vorrednern an. Selbst, wenn irgendwann tatsächlich mal eine Beschneidung in Frage kommen muss (das ist realistisch bei 0,5% - 1% aller Jungs der Fall), sollte man einfach warten, bis dein Junge sich der Tragweite selbst bewusst ist und eigenständig eine Entscheidung treffen kann. Im Alter der U9 ist es völlig unmöglich, das zu verstehen.

      Rein interessehalber: Was sagt denn dein Mann zu der Thematik?
    • Mein Mann ist auch gegen eine weitere Behandlung, da er ja eh dieselbe Thematik als Kind hatte. Er war ja eigentlich von vorneherein der Meinung, das wir da überhaupt nichts machen sollen.

      Wir beobachten nun, ob sich die leichte Rötung hoffentlich wieder gibt und gut ist.

      Beim nächsten Kinderarztbesuch werde ich ja nun auch definitiv besser vorbereitet sein und mir nicht mehr so reinreden lassen.

      Ich danke euch für Eure Hilfe.
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      Hallo Jette,

      im Prinzip ist alles gesagt, aber ein Beispiel aus der Praxis: mein Sohn hatte auch eine massive Phimose mit Ballonieren. Sein Kinderarzt ist an und für sich "vorhautfreundlich" und war anfänglich auch sehr optimistisch, daß sich das "Problem" von alleine lösen würde.
      Als er etwa 5 oder 6 war, war die Verengung noch immer so massiv, daß selbst dieser Kinderarzt meinte, er würde um eine Zirkumzision nicht herumkommen.
      Nachdem ich nirgendwo bei uns einen Arzt gefunden haben, der ein Triple Inzension machen konnte (oder wollte), haben wir es erst mit einer Salbentherapie versucht, dann jahrelang nicht mehr drüber nachgedacht.
      Zwischendurch hat er selbst nochmal gedehnt und seit ca. 3 oder vier Jahren ist die Phimose weg. Jetzt ist er 16 und alles in Ordnung.

      Von daher: solange es keine Entzündungen oder andere Indikationen gibt, hat kein Erwachsener an der Vorhaut eines Jungen was zu suchen. Wenn die Phimose bei vollständig ausgewachsenem Penis (sprich 16, 17, 18 Jahre) immer noch besteht, dann kann sich der Betroffene selbst darum kümmern, wenn es ihn stört.
      Gruß
      Hickhack
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      Nachtrag @Jette:

      Jacques44 stellte oben schon mal die Frage, was denn der Vater Deines Sohnes dazu sagt.
      Meine Frau hat sich damals komplett rausgehalten (wohlwissend, daß ich keiner unnötigen OP zustimmen würde) und dieses "Männerthema" komplett meinem Sohn und mir überlassen. Ob das in Eurem Fall im Hinblick auf die Unversehrtheit deines Sohnes ratsam wäre*, müsstest Du natürlich selbst beurteilen. Ich weiß, daß bei vielen Eltern die Gesundheit der Kinder ein originär mütterliches Ressort ist, aber hier geht es um etwas, was Du als Frau nunmal nur sehr schlecht nachempfinden können wirst und wo es nicht schadet, wenn mann mal zwei Takte mehr darüber nachgedacht hat.

      Was dein Mann(!) deinem Sohn auf jeden Fall schon beibringen könnte (vorausgesetzt Eure Familienkonstellation und Euer Umgang miteinander lässt das zu) wäre zum einen das Zurückziehen der Vorhaut beim Pinkeln soweit es eben geht und nicht weh tut (so wird die Haut regelmäßig bewegt) und das gleiche beim Duschen bzw. Baden. Wenn die Engstelle weg ist, muss sich Dein Sohn eh unterm "Rolli" waschen.

      *Das Risiko von Söhnen zirkumzidierter Väter selbst zirkumzidiert zu werden, wird z. B. gemeinhin als erhöht angesehen.
      Gruß
      Hickhack