Petition "Keine Zufügung qualvoller Schmerzen durch Neugeborenen"beschneidung"

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    • Petition "Keine Zufügung qualvoller Schmerzen durch Neugeborenen"beschneidung"

      Bitte unterzeichnen und verbreiten!

      [Edit Guy: Der Link wurde von mir entfernt. openpetition baut - vermutlich automatisch - Rücklinks, die uns in der Nähe von PI-News und als "Unterstützer" benennen. Das Führungsteam des Beschneidungsforum.de, distanziert sich mehrheitlich ausdrücklich von dieser Petition, auch wenn einzelne Mitglieder sie befürworten]
    • Habt Ihr gesehen, an wen die Petition gerichtet ist. Da kommt bestimmt bald wieder die Keule, dass der Antisemitismus zusehend auch in den gebildeten Bevölkerungsschichten anzutreffen ist. Ist ja auch bescheuert, dass man seit der Aufklärung im Bildungsbürgertum immer wieder Begriffe wie Menschenrechte, körperliche Unversehrtheit oder Humanität hört.

      [Sarkasmus on] Ein Dogma ist dafür da, dass es geglaubt, aber nicht hinterfragt wird. [Sarkasmus off]
      Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)
    • Mich stört die Fokussierung auf Neugeborene und das Jüdische Krankenhaus. So grausam Neugeborenenbeschneidung ist, so ungünstig ist es doch, alle anderen Beschneidungen in solch einer Kritik auszuklammern. Nur 0,23% aller Beschneidungen in Deutschland erfolgen innerhalb eines jüdischen Rituals. Der riesengroße Löwenanteil hat damit nicht das Geringste zu tun. Vor diesem Hintergrund erscheint es durchaus infam, sich dieses winzig kleine Grüppchen für die Kritik rauszupicken. Von dort kommt zwar der größte Widerstand und es wird gerne behauptet, man habe es bei der Beschneidungskritik nicht auf die 97,77 % aller Fälle abgesehen, sondern nur und ständig und ausschließlich die jüdische Gemeinschaft im Kopf und nix anderes. Wir SOLLEN in diese Ecke gestellt werden und man SUCHT Gründe für diese aberwitzige Unterstellung. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir uns auf das falsche Spiel einlassen sollten. Denn das ist schlicht gelogen. Beschneidungskritik war in Deutschland lange Zeit Kritik an der Scheindiagnose Phimose, Holm Putzke wurde hauptsächlich von der Situation der türkischstämmigen Beschneidungsopfer zur Verfassung seiner Festschrift bewogen und auch das LG Köln urteilte über einen muslimischen Jungen. Wer eine solche Petition verfasst, macht sich zum Handlanger all derer, die daran arbeiten, Beschneidungskritikern Antisemitismus zu unterstellen, um sie mundtot machen zu können und gesellschaftlicher Ächtung preiszugeben. Nichts fürchten die Befürworter der Beschneidung mehr als den seriösen, wissenschaftlich fundierten Ansatz der Kritik, und sie ringen mit aller Kraft darum, die Beschneidungskritiker in die antisemitisch-rassistische Schmuddelecke zu quetschen.
    • Zwar stimmt es, daß nur ein sehr geringer Anteil der Beschneidungen im jüdischen Krankenhaus stattfinden,
      JEDOCH
      - werden dort zum Großteil muslimische Jungs beschnitten (auch Säuglinge)
      - werden dort Säuglinge mit unzureichender Betäubung beschnitten (was auch §1631d nicht legalisiert) und DAGEGEN richtet sich die Petition, zurecht.

      Die Fokussierung auf Neugeborene ist deshalb wichtig, weil diese AM MEISTEN zu leiden haben unter den Beschneidungen, da sie quasi ohne Narkose ausgeführt werden. Hier geschehen die ALLERGRÖSSTEN Traumatisierungen!

      Der Löwenanteil der Beschneidungen findet MIT NARKOSE statt! Das sollte man sich klarmachen!!!

      Die illegalen Beschneidungen an muslimischen und jüdischen Neugeborenen im jüdischen Krankenhaus sind ein Skandal, der sich auch nicht durch die Antisemitismuskeule ändert.
      Daß dort keine Kinder mehr gequält werden ("anständige" Anästhesie ist nicht möglich!!!) wäre ein Schritt auf dem langen Weg zu einer intakteren Gesellschaft.

      Hat denn hier niemand Mitgefühl mit den gequälten Neugeborenen? Falls ja, bitte unterzeichnen!
    • Ich stimme Maria Werner absolut zu. Petitionen gegen Beschneidung sollten sich gegen alle Beschneider richten und sich nicht einzelne Institutionen oder Personen herauspicken. Wer ist dann mit der nächsten Petition "dran"?

      Es ist ja wohl kein Zufall, dass die Petition im Vorfeld des am 23. März am BJK stattfindenden Anästhesie-Symposiums lanciert wird. An diesem Symposium werden allerdings ausschliesslich Mediziner teilnehmen, die mit der Kinderbeschneidung nichts am Hut haben. Das Symposium wird durch die Petition zu einem Zeck missbraucht, der mit der Kinderbeschneidung nichts zu tun hat. Auch dadurch gerät die Petition in eine bedenkliche Schieflage.
      "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.
    • Ganzkind schrieb:

      Hat denn hier niemand Mitgefühl mit den gequälten Neugeborenen? Falls ja, bitte unterzeichnen!

      Diese Unterstellung, dass diejenigen, die hier nicht unterzeichen wollen, kein Mitgefühl für die gequälten Neugeborenen haben, nimmst Du bitte umgehend zurück! (würg)
      "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.
    • Ähem:

      Mit "hat denn niemand Mitleid mit den gequälten Säuglingen, WENN JA, DANN.... unterzeichnen" begehst du den Klassiker der moralischen Erpressung. Denn DU implizierst: Alle die nicht unterzeichnen sind herzlose Monster, denen Babyleid am Arsch vorbeigeht und das alleine durch die Wortwahl. Da hilft auch nix, wenn du dann den zweiten Klassiker versuchst der da lautet: "Ihr habt wohl ein schlechtes Gewissen, was?"

      Unabhängig davon, dass mir die gesamte Wortwahl so furchtbar bekannt vorkommt, ist die Fokussierung auf das jüdische Krankenhaus nach wie vor problematisch. Die Gründe wurden genannt.

      Wir wollen, dass hier Beschneidungen im Kindesalter ganz aufhören. DIE Petition da wird höchstens eins erreichen:

      "Okay, wenn sies denn wollen, kriegen die Babies halt ne Vollnarkose mit anschließender Intensivbehandlung."

      Oh, woher mir die Wortwahl bekannt vorkommt?

      Ich bin auf Facebook recht rege unterwegs - und DAS was in DER Petition da steht, ist 1:1 der Duktus aller rechten "Kinderschützer"-Seiten.
    • @Tante Jay:
      Falls jemand Mitgefühl mit diesen Neugeborenen hat BITTE ich ihn oder sie zu unterzeichnen. Wenn du eine Bitte als Befehl auffasst, dann ist das eher dein Problem.

      Das mit der Vollnarkose ist UNSINN! Neugeborene DARF man nicht vollnarkotisieren, das dürfte doch inzwischen durchgedrungen sein.

      Der tiefere Sinn dieser Aktion ist dir wohl entgangen: hier finden illegale Beschneidungen statt, die selbst gegen § 1631 d verstoßen. Das ist ein Ansatzpunkt.
      Niemand redet davon, daß damit das Problem aus der Welt wäre. Es ist EINE Aktion unter vielen.

      Und das mit den rechten Kinderschützerseiten ist auch blanker Unsinn. Weder entspricht der Duktus noch machen die sich solch eine Mühe, sachlich zu argumentieren.
    • Ganzkind schrieb:

      Man könnte auch einfach selbstbewußt antworten:
      Doch, ich habe Mitgefühl mit beschnittenen Neugeborenen, aber ich unterzeichne dennoch nicht. Punkt.
      Du könntest es auch selbstbewusst den Leuten überlassen und sie nicht mittels moralischer Erpressung dazu nötigen, die Petition zu unterzeichnen. Denn darum handelt es sich und um nichts anderes, da kannst Du Dich jetzt noch so winden wie ein Aal. Punkt.

      Dein Anliegen ist ja ok. Persönlich habe ich auch kein Problem damit, dass es sich in diesem Fall explizit gegen das Jüdische Krankenhaus widmet, von mir aus. Aber die Petition und Dein Verhalten hier riecht eher nach "Egotrip" und nicht nach "Mitgefühl", ist zumindest mein Eindruck. Hätte ich grundsätzlich auch kein Problem mit, aber dann versuche es nicht als was anderes zu verkaufen.
      "it can be...suicide...not to hide...but show one's...true colors...to those...who are anxious...to attack" R.L. CRUTCHFIELD'S DARK DAY - chameleon
      "sun's coming up and i can't decide, to spill my emotions or keep 'em inside." BLACK FLAG - can't decide
      "we are tired of your abuse, try to stop us, it's no use" BLACK FLAG - rise above


      Mütze-Glatze für JederMANN!
    • damaged schrieb:

      Aber die Petition und Dein Verhalten hier riecht eher nach "Egotrip"
      Also, ich bin irgendwie jetzt davon ausgegangen, dass es sich um Deine Petition handelt, so vehement wie Du Dich dafür einsetzt. Falls dem nicht so ist, bitte ich um Verzeihung, das ändert aber grundsätzlich nichts an meiner inhaltlichen Aussage. :)
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    • Nein, ich bin nicht H.-H. M.
      Für einen Egotrip eignet sich diese Petition nun ganz und gar nicht. Es ist eigentlich eher das Gegenteil, bei dem Gegenwind, den es hier gibt.
      Ich unterstütze das Anliegen, weil mir Kinderschutz wichtig ist. Auch kleine Jungs. Auch muslimische und jüdische.

      Und vielleicht wäre es besser, wenn sich eure selbstgerechte Empörung gegen diesen SKANDAL richten würde. Da wäre sie sinnvoller angelegt.
    • Ganzkind schrieb:

      Nein, ich bin nicht H.-H. M.


      Ok, dann nochmals sorry.
      Für einen Egotrip eignet sich diese Petition nun ganz und gar nicht. Es ist eigentlich eher das Gegenteil, bei dem Gegenwind, den es hier gibt.Ich unterstütze das Anliegen, weil mir Kinderschutz wichtig ist. Auch kleine Jungs. Auch muslimische und jüdische.
      ALLES eignet sich für einen Egotrip

      Ganzkind schrieb:

      Und vielleicht wäre es besser, wenn sich eure selbstgerechte Empörung gegen diesen SKANDAL richten würde. Da wäre sie sinnvoller angelegt.

      Vielleicht...vielleicht auch nicht. Aber das muss ich einzig und allein mit mir selbst ausmachen.
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    • Besonders infam und geschmacklos finde ich diesen Satz :

      "Gerade Deutschland ist durch seine Vergangenheit dazu verpflichtet,
      unsere jüdischen Mitbürger vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen,
      besonders deren Kinder als die Schwächsten. "

      Hallo ? Jüdische Eltern werden gedanklich gleichgesetzt mit Nazi-Mördern ... sorry, das geht gar nicht. Und nebenbei auch noch eine super Steilvorlage für die Beschneidungsbefürworter. Dabei sollte sich doch mittlerweile herumgesprochen haben, wie tödlich Nazi-Vergleiche in politischen und gesellschaftlichen Debatten sind. Wie kann man nur so gedankenlos sein ? Sollen sich doch unsere Gegner mit solchen Vergleichen ins Abseits manövrieren...
    • mhm ?(
      hier schreibe ich nur zu dem Verlauf der Diskussion, nicht zu der Petition. Ganzkind bekam das Wort "infam" zu lesen, bevor er fragte, ob hier niemand Mitgefühl mit Säuglingen hätte. Letzteren Satz KANN man manipulativ finden - verstehe ich - ich sehe in dem Satz aber eher eine kleine Provokation, die sich noch völlig in dem Rahmen hält, der zuvor mit dem Wort "infam" gesetzt wurde,
      ...Wir haben bis jetzt keine Freiheit des Einzelnen, des Individuums, des Bürgers. [Allen Menschen bei uns ist das Zugehörigkeitsgefühl] am wichtigsten. Sie sind Mitglieder der Nation oder Religion, aber nicht selbstbewusste und -verantwortliche Menschen.
      ein katholischer Theologe in einer Doku über Ex-Jugoslavien

      Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
      Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. ...
      Khalil Gibran
    • Können wir hier bitte wieder etwas Ruhe einkehren lassen?
      Wir stehen alle auf derselben Seite. Dass wir teilweise unterschiedliche Wege gehen, ist offensichtlich und sollte auch diskutiert werden. Aber es hat keinen Sinn wenn wir uns hier hochschaukeln.
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • die Aussage, dass wir jüdische Kinder besonders schützen müssen, finde ich an der Petition unakzeptabel.

      alles andere finde ich sachlich gut begründet und nah bei der Perspektive der Kinder. Ich finde auch prinzipiell okay, in diesem Zusammenhang das Jüdische Krankenhaus zu konfrontieren (womit ich nichts über die momentan beste Strategie sagen möchte). Es geht dann halt nicht um genitale Verstümmelungen als solche, sondern das Problem der Schmerzbehandlung während der MGM von Neugeborenen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das BJK unter Medizinern Maßstäbe setzt, die sich auf die allgemeine Praxis auswirkt. Sollte es Absicht sein, dass die Petition kurz vor dem Anästhesisten-Kongress im BJK stattfindet, finde ich das auch okay. Ich nehme an, dass rituelle Beschneidungen (jüdische und muslimische) ursprünglich so gemeint sind, dass sie weh tuen SOLLEN, und das ist ein Argument dafür, dass sich der Staat in dieser Frage klar positioniert und keine Grauzone zulässt.

      Veränderung kann und muss allerdings auch von aufgeklärten Eltern ausgehen. Meine strategische Frage: ich bin mir nicht sicher, ob unsere Seite zur Zeit mehr tun sollte, als Leute wie Deusel und Graf öffentlich mit den Problemen in ihrem "Behandlungskonzept" zu konfrontieren und kommunikativ 'festzunageln', so dass sie dazu Stellung nehmen müssen (oder eben öffentlichi 'rumeiern'). Und dann den Eltern Zeit geben, ihre Meinung zu bilden. Ist nur so eine Idee, ich habe mich mit so Fragen, wie sich die jüdischen Gemeinden in Deutschland entwickeln, nicht beschäftigt.

      Betr. deutscher Geschichte und Kritik an jüdischem Ritual: ich finde, wir dürfen so etwas öffentlich kritisieren - man bildet zusammen eine Gesellschaft, und die Gesetze gelten für alle. Aber wir sollten während solcher Diskussionen die Verbrechen der NS-Zeit und was sie für die deutsch-jüdischen Beziehungen bedeuten, sehr wohl noch 'auf dem Schirm' haben. Die Formulierung mit den besonders schutzwürdigen jüdischen Kindern legt leider auch aus meienr Sicht den Vergleich von Nazi-Verbrechen mit den religiösen Genitalverstümmelungen nahe. Dazu kommt, dass es nach einem Bedürfnis klingt, etwas an der deutschen Geschichte gutzumachen. Indem man die Nachfahren der damaligen Opfer 'zu ihrem Besten bekehrt'. Da wäre es zu verständlich, wenn die betreffenden Eltern vor ihrer Bekehrung davonlaufen. Leider ist die Petition jetzt mit dieser Formulierung raus, mir fällt es schwer, sie damit zu unterzeichnen.
      ...Wir haben bis jetzt keine Freiheit des Einzelnen, des Individuums, des Bürgers. [Allen Menschen bei uns ist das Zugehörigkeitsgefühl] am wichtigsten. Sie sind Mitglieder der Nation oder Religion, aber nicht selbstbewusste und -verantwortliche Menschen.
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      Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
      Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. ...
      Khalil Gibran
    • Wenn überhaupt Rückbezug auf die Deutsche Geschichte, dann in der Form, dass zwischen Kindern mit unterschiedlichsten religiösen Hintergrund oder dem Geschlecht nicht unterschieden werden darf, und sonst nichts. Auf die besondere Schutzbedürftigkeit jüdischen Brauchtums aufgrund der Nazizeit wurde ja vom Ethikrat in der "Beschneidungsdebatte" hingewiesen, eine aus meiner Sicht nicht überzeugende Argumentation.

      Ich kann in der Petition oder der Kritik am Jüdischen Krankenhaus keine Infamie erkennen. Oder wenigstens nicht mehr, als auch in der öffentlichen Kritik z. B. an Kornwestheim und Herrn Baker enthalten ist.
      Ob Steilvorlagen für die Antisemitismusdiffamierung strategisch ungünstiger sind als selbige für die Islamhasserkeule, darüber kann man geteilter Meinung sein.

      Ich finde es völlig akzeptabel, dass man in dieser Frage schlichtweg seinem eventuell mulmigen Bauchgefühl folgt.

      Aber rational überzeugt es mich nicht, eine medizinische Einrichtung, die nicht nach dem aktuellsten medizinischen Standard arbeitet, von öffentlicher Kritik auszunehmen, nur weil sie jüdisch ist und die Antisemitismuskeule droht, unterfüttert mit Argumenten wie z. B., dass die Klinik ja einen hervorragenden Ruf hätte. Auch muslimische Ärzte oder weltanschaulich ungebundene Urologen mit einem unterentwickelten Bewusstsein für Menschenrechte auch für Kinder und die natürlichen Funktionen der Vorhaut werden in der Mehrzahl ansonsten in ihrem Fachgebiet Hervorragendes leisten.

      Vielleicht sollte man es ganz unterlassen, einzelne Praxen oder Krankenhäuser anzugehen?
      Sie alle tragen jeweils nur zu einem winzigen Bruchteil zur gesamten Beschneidungsrate von minderjährigen gesunden Jungen hierzulande bei.
    • Tante Jay schrieb:

      Das Thema muss komplett vom Tisch und nicht nur anhand eines einzelnen Krankenhauses oder Arztes.
      Sicherlich ist eine Petition gegen die Neugeborenenbeschneidung in Relation gesehen eine völlig bedeutungslose Forderung. Auf der anderen Seite ist es aber diese sehr kleine Gruppierung (nicht mal alle Juden oder Moslems lassen ihre Kinder beschneiden!!!), der man in keinem Fall vor den Kopf stoßen möchte, um keine "Komikernation" zu werden. Grundsätzlich muss ein Staat Minderheiten schützen, aber er darf anderseits auch nicht dazu beitragen, dass Dogmatiker das gesamte Rechtssystem auf den Kopf stellen.

      Religionsfreiheit kann und darf jedenfalls kein Freibrief bleiben oder sein, um Kinder zu verstümmeln. Da dieser Satz nicht nur auf eine Religionsgemeinschaft zutrifft, sondern auch auf Moslems und auch teilweise auf christliche Gemeinschaften (z.B. koptische Christen) zutrifft, halte ich die häufig vorgebrachten Vorwürfe in Bezug auf Antisemitismus für abstrus.

      Ich habe die Petition unterschrieben, auch wenn sie nur einen Tropfen auf einen heißen Stein darstellt bzw. nur einen Teil dessen ausmacht, was aus meiner Sicht dringend notwendig ist.
      Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)
    • meine strategischen Fragen habe ich mit Bezug auf die letzen Berichte aus Dänemark geschrieben, von der ich hoffe, dass sie auf jüdische Eltern in Deutschland ausstrahlt. Kann es sein, dass die Debatte über Beschneidung in jüdischen Gemeinden außerhalb Deutschlands offensiver ausgetragen wird als hier? Warum DARF sich eine Antje Deusel so auslassen, warum stoppt die keiner von denen, die es anginge?
      ...Wir haben bis jetzt keine Freiheit des Einzelnen, des Individuums, des Bürgers. [Allen Menschen bei uns ist das Zugehörigkeitsgefühl] am wichtigsten. Sie sind Mitglieder der Nation oder Religion, aber nicht selbstbewusste und -verantwortliche Menschen.
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      Khalil Gibran
    • Suchende schrieb:

      meine strategischen Fragen habe ich mit Bezug auf die letzen Berichte aus Dänemark geschrieben, von der ich hoffe, dass sie auf jüdische Eltern in Deutschland ausstrahlt. Kann es sein, dass die Debatte über Beschneidung in jüdischen Gemeinden außerhalb Deutschlands offensiver ausgetragen wird als hier? Warum DARF sich eine Antje Deusel so auslassen, warum stoppt die keiner von denen, die es anginge?


      Kleiner Tipp: Versuchs doch mal.

      Aber leg dir vorher ein dickes Fell zu *g*
    • Man kann das ja auch mal andersherum betrachten: was soll denn am Ende dabei herauskommen?
      Einen 1631d "ab einem Jahr bis unbestimmt"? Das wird es nie geben. Das läuft den Interessen der Bundestagsmehrheit entgegen.
      Man darf sich doch nichts vormachen, es ging beim 1631d weniger um Muslime, sondern vielmehr um Juden. Und von denen sehen die meisten den 8. Tag als Imperativ an. Das mit EMLA war von Anfang an ein Feigenblatt, um das durchzudrücken, was nach den Regeln der ärztlichen Kunst eigentlich gar nicht geht.
      Wenn das jüdische Ritual "nicht mehr geht" ist der gesamte 1631d aus politischer Sicht witzlos.
      Wer die Abschaffung der Neugeborenenverstümmelung fordert, der kann ebensogut gleich das Ende der gesamten Knabenverstümmelung fordern - das macht den politischen Kohl nicht mehr Fett.
      Die Petition bleibt auf halbem Wege stehen. Es gibt sowohl beim jüdischen wie beim muslimischen Ritual Varianten, die besonders abstoßend sind. Das Grundproblem ist aber bei allen Varianten, dass Kinder eines funktionalen Körperteils beraubt werden. Ganz egal, wie perfekt die hygienischen Bedingungen oder die Anästhesie sind. Dilettantisch formuliert ist sie obendrein.
      Zwischentöne sind Krampf
      im Anti-Verstümmelungskampf
    • @ Tante Jay: sie hat sich mal über mangelnde Hygiene bei Männern ausgelassen, darauf müssten die Betreffenden selbst reagieren. Was du ja in deinem Blog schon getan hast, aber ich habe halt noch nie entsprechende Statements von männlichen Vertretern der jüdischen Gemeinde gehört.
      ...Wir haben bis jetzt keine Freiheit des Einzelnen, des Individuums, des Bürgers. [Allen Menschen bei uns ist das Zugehörigkeitsgefühl] am wichtigsten. Sie sind Mitglieder der Nation oder Religion, aber nicht selbstbewusste und -verantwortliche Menschen.
      ein katholischer Theologe in einer Doku über Ex-Jugoslavien

      Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
      Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. ...
      Khalil Gibran
    • Selbstbestimmung schrieb:


      Die Petition bleibt auf halbem Wege stehen.
      Ich kann das nur unterstreichen. Es war wohl für die Petitionisten zu "verführerisch", ihren Vorstoss mit dem im März am BJK stattfindenden Anästhesie-Kongress zu verbinden. Damit wird jedoch die rituelle Beschneidung auf die EMLA-Frage reduziert. Möglicherweise gibt es ja in ein paar Jahren die perfekte Anästhesie für Säuglinge - und was dann?
      Im Zentrum steht die Frage der Einwilligung, und diese Frage ist auch dann nicht beantwortet, wenn der ausgeübte Zwang medizinisch folgenlos sein würde. Dass dieser Zwang durch medizinische Argumente quasi "geheilt" werden könnte, ist der Irrtum, dem die Beschneidungslobbyisten vor dem Europarat aufgesessen sind. Die Begründung, rituelle Beschneidung sei im Interesse des Kindes, ist so lächerlich, dass die Lobbyisten darauf gar nicht mehr abgestellt haben. Stattdessen haben sie sich eifrig bemüht, den Zwang als folgenlos hinzustellen, und damit ungewollt bestätigt, dass es sich tatsächlich - auch aus ihrer Sicht - um Zwang handelt.
      "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.
    • Suchende schrieb:

      @ Tante Jay: sie hat sich mal über mangelnde Hygiene bei Männern ausgelassen, darauf müssten die Betreffenden selbst reagieren. Was du ja in deinem Blog schon getan hast, aber ich habe halt noch nie entsprechende Statements von männlichen Vertretern der jüdischen Gemeinde gehört.


      Wenn du Antje Deusel kritisierst, bist du Antisemit. Das ist bei ihr ein kategorischer Imperativ, da kommst du auch echt nicht durch. Die ist stolz, einer der wenigen weiblichen Mohelim zu sein - die will sich das nicht kaputtmachen lassen.
    • Selbstbestimmung schrieb:

      Dilettantisch formuliert ist sie obendrein.

      Dem schließe ich mich an.

      Selbstverständlich hat der Bundestag versucht, Gründe dafür zu finden, § 1631d zu verabschieden und dafür war ihm nichts zu absurd, zu peinlich oder zu durchschaubar. Die Regierungsbegründung ist ein schlechter Witz, so sehr wie dieser merkwürdige Paragraf. In der juristischen Literatur wird er daher oft mit spitzen Fingern angefasst, von einem "seltsamen Gesetz" spricht etwa Christoph Mandla (FPR 2013, 244). Dass es dieses Gesetz ohne die Schuldgefühle der jüdischen Gemeinschaft gegenüber niemals geben würde, weiß letztlich jeder und das wird auch offen ausgesprochen. Es ist absolut unvorstellbar, dass so etwas in die Wege geleitet worden wäre, wenn es um irgend eine anderen Gemeinschaft der Welt gegangen wäre. Dafür ist der Bruch mit dem bisherigen Recht und den Prinzipien der Verfassung zu massiv. Und dass die Prinzipien der ärztlichen Kunst und der ärztlichen Ethik vollständig und auf das Allergröbste missachtet wurden, ist für jeden, der sich irgendwann schon mal halbwegs ernsthaft mit der Materie beschäftigt hat, klar erkennbar. Das war Absicht.

      Jeder weiß eigentlich, dass es niemals um etwas anderes als eine Gefälligkeit er jüdischen Gemeinschaft gegenüber ging (die Folgen und die Schwere des Eingriffes sind hingegen in der Regel unbekannt). Wir haben wieder ein paar kleine jüdische Gemeinden hier in Deutschland und es wurde öffentlich gleich mal mit Exodus gedroht, falls die rituelle Genitalvertümmelung männlicher Kinder nicht erlaubt werden sollte. Natürlich löst sowas Besorgnis aus.

      Aber was soll unter diesen Umständen gezieltes Bashing des Jüdischen Krankenhauses Berlin, das der Initiator dieser Petition übrigens seit Monaten (!) unter wechselnden Vorzeichen zu betreiben versucht? Bei denen, die glauben, die Loyalität der Jüdischen Gemeinschaft gegenüber müsse so weit gehen, dass Genitalverstümmelungen Minderjähriger unter Ausschaltung sämtlicher logischer Prinzipien, im Zustand kompletter Empathielosigkeit den Opfern gegenüber (den meisten geht es nur um sich selber, das "eigene" Schuldgefühl und das "eigene" Ansehen) und unter Abwehr auch nur der einfachsten wissenschaftlichen Prinzipien als romantisch, harmlos und liebreizend zu verklären seien, wird eine derartige Petition, die auch vom Text her nicht sonderlich geistreich ist, allenfalls Vorurteile und Ängste bestätigen.

      Und für all diejenigen, die ihr Hirn nicht dermassen komplett ausschalten können oder zumindest nicht so vollständig charakterlos sind, dass sie allen Ernstes behaupten können, Genitalverstümmelungen seien immer dann das Tollste und Großartigste der ganzen Welt, wenn bloss das Opfer männlichen Geschlechts sei, ist das JKB-Bashing des Initiators alles andere als eine Hilfe. Zwar stimmt es, dass wir immer des Antisemitismus' bezichtigt werden, solange wir Genitalverstümmelungen männlicher Kinder gegenüber nicht jubeld in die Hände klatschen und vor lauter Rührung Tränen in den Augen haben. Aber es ist ein Unterschied, ob solche Vorwürfe völlig aus der hohlen Hand kommen und in der Luft hängen - denn dann sind und bleiben sie lächerlich - oder ob jemand kommt und solch einen Grund plötzlich ernsthaft initiiert.
    • Selbstbestimmung schrieb:

      Das mit EMLA war von Anfang an ein Feigenblatt, um das durchzudrücken, was nach den Regeln der ärztlichen Kunst eigentlich gar nicht geht.
      Das war kein Feigenblatt, denn das hat mit Scham nichts zu tun. :rolleyes:
      Das war eine abgefeimte Manipulation. EMLA hat und hatte auch zuvor keine Zulassung in diesem Anwendungsfall, und Prof. Reinhard Merkel hatte frühzeitig auf die australische Studie aus 2011 aufmerksam gemacht, die 2013 dazu geführt hat, dass die EMA EMLA als "ethisch unvertretbar" bezeichnet hat.
      Man hat da alles mögliche verbogen, um genau das geliefert zu bekommen, was bestellt wurde.
      • Die Vorhaut kann mit einer Rosenknospe verglichen werden. Wie eine Rosenknospe wird sie erst blühen, wenn die Zeit gekommen ist. Niemand öffnet eine Rosenknospe, um sie zum Blühen zu bringen (Dr. med. H. L. Tan).
      • Alle Wahrheit verläuft in drei Stadien: Im ersten wird sie verlacht. Im zweiten wird sie vehement bekämpft. Im dritten wird sie als selbstverständlich anerkannt (Arthur Schopenhauer).
      • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)