Beiträge von Insatiabilis

    Klingt nett, aber mit so einem Dreher bei Formulierung und Betonung würdest du glatt als amerikanischer Anwalt durchgehen.

    Das middem Dreher verstehe ich jetzt nicht. Ich hab’ ja nur zitiert und einen Teil des Zitates hervorgehoben, letztlich kann man logisch und grammatisch richtig ja einiges weglassen …

    »many diseases such as X, Y, and Z« —> »many diseases such as [..] Y [..] « wäre also immer noch richtig zitiert, ohne dem Autor das Wort im Mund umzudrehen.

    Besonders interessant finde ich dort diese Formulierung:

    Reduced penile sensitivity is a major problem associated with many diseases such as hernia surgery, the use of anti-depressants, circumcision, multiple sclerosis and others.

    (Hervorhebung von mir)

    »many diseases such as [..] circumcision« — damit würde ich mich jetzt gerne SOFORT krankschreiben lassen.

    Für mich war das Lesen dieses Buches auch ganz schön schwierig … bis ungefähr zum ersten Drittel musste ich ständig heulen, manchmal war mein Blick so verschleiert, dass ich nicht weiterlesen konnte. Danach ging‘s dann so einigermaßen …

    Danke für das Buch! Schon dreimal verschenkt, u.a. an Mutter und Schwester … allerdings noch keine Rückmeldung bekommen, ist wohl ein harter Brocken für sie.

    tantrischer Sex? Vergiss es!

    Ich möchte dies jetzt gerne doch mal relativieren:

    Tantrischer Sex kann möglicherweise auch ein Weg für beschnittene Männer sein, um ihre Verletzung zu verarbeiten, die Tatsache in ihr Leben zu integrieren, den Mangel an Sensitivität kompensieren zu lernen.

    Es bedeutet aber Arbeit und bewusste Beschäftigung mit dem Thema, um quasi eine Phantomvorhaut in unserem Bewusstsein zu erwecken, und und etwas Ähnliches für unempfindlich gewordene Haut der Eichel.

    Was 'Bela2012' sagt.

    Damit Du einordnen kannst, was ich schreibe: Ich bin 58, wurde im Alter von sechs Jahren beschnitten. Mir wurde im Laufe der letzten zwei Jahre klar, schmerzhafterweise unverdrängbar (ich würde all dieses Wissen lieber wieder aus meinem Hirn brennen können!), was für Folgen meine Beschneidung auf mich, auf mein Psyche, mein Sexualverhalten und mein Sexualerleben hatte — und wie sich all dies in Konsequenz auch als tödlich für meine Beziehungen erwies, da alle meine Liebsten und ich zu jener Zeit noch nicht in der Lage waren, dies zu erkennen und überhaupt über unsere Sexualität richtig zu sprechen.

    Das »länger können« wird anfangs nicht stimmen, da die Eichel komplett freiliegt und noch sehr sensitiv ist, und später stimmt es auch nicht, weil sie nämlich austrocknen und verhornen wird — es wird dann »länger müssen«.

    Der männliche Teil des »Zweikomponentengleitmittels« fehlt, was dazu führen kann, dass der Geschlechtsverkehr »trocken« und möglicherweise nicht nur für Dich, sondern auch für ihn schmerzhaft wird.

    Er wird den Teil der leckeren Pheromone verlieren, der von seiner Eichel ausgeht, weil die Schleimhautzellen, die übrig bleiben, austrocknen (bzw. wohl auch Schleimdrüsen entfernt werden, Fachleute mögen mich bitte korrigieren).

    Es ist schrecklich.

    Ein roter Faden zieht sich durch all meine Beziehungen … die Letzte ist 15 Jahre her, ich habe aufgegeben … ich wurde nie richtig »glücklich« … dachte immer, »da muss doch noch mehr geschehen« … weitestgehend orgasmusunfähig … obwohl ich mich immer nur eingelassen habe, wenn ich glaubte, zu lieben … ich konnte dies alles erst im Rückblick erkennen und verstehen.

    Was geschah, war …

    • sie dachte, sie liebt mich nicht »genug«, oder sie sei »nicht gut im Bett«; und/oder
    • sie dachte, ich liebe sie nicht genug; und/oder
    • ich dachte, ich liebe sie nicht genug. Dass mit »ihr« irgendetwas nicht stimme, kam mir nie in den Sinn, da ich immer in Liebe war … ich hab’ immer gedacht, dass mit mir etwas nicht richtig sei oder dass ich es »nicht richtig« täte, bzw. dass ich besser nach jemandem suchen müsse, die ich wirklich »wirklich« liebe. Dass ich es bin, mit dem »etwas nicht richtig« ist, habe ich mittlerweile verstanden.

    Jedenfalls … hat eine/r von uns dann immer irgendwann verzweifelt aufgegeben und die Beziehung beendet.

    Ich erinnere mich an eine »Bettszene«, wo »sie« mich zornig und frustriert anschrie: »SAG MAL, SPÜRST DU ÜBERHAUPT ETWAS?« — und uns beiden war nicht klar, dass es in der Tat genau so war. Erst viel später habe ich mich an die Gefühle »dort unten« an meiner Eichel erinnert, die ich bis zu meinem sechsten Lebensjahr sehr wohl hatte — und auch damals schon genoss. Inzwischen ist es, als hätte ich dort eine Art weiches Gummi, gefühlloser als die Stelle auf dem Rücken meines linken Daumens, den ich mir mal versehentlich beinahe abgeschnitten hatte und wobei einige Nerven zur Hautoberfläche abgetrennt wurden.

    Ich weiß auch nicht, ob Du auf dieses »Hauruck-Ficken« stehst (entschuldige, mir fällt kein treffenderer Begriff ein).

    Stell Dir vor, Dir würde die Klitoris zuerst dauerhaft von ihrer Vorhaut »befreit« und danach aufs Knie transplantiert.

    Klingt merkwürdig? Wie ich es verstehe, wird bei klinischer Beschneidung…

    1. ungefähr die obere Penishälfte gehäutet.
    2. Dann wird das Vorhautblatt in zwei Hälften getrennt,
    3. die äußere Seite komplett entfernt,
    4. die innere, zur Eichel zeigende Schleimhautseite wird nach hinten (nach außen) geklappt, auf den gehäutete Schaft gelegt und mit der Schnittkante von Schritt 1. vernäht.

    Dadurch sind jetzt am Penis Bereiche »sensitiv« (die Anführungszeichen darum, weil sie später eben nicht mehr so sensitiv sind wie vorher), die es vorher nicht waren, mit einer möglichen Folge, dass der Mann immer das Gefühl hatte, er müsse viel tiefer und heftiger stoßen … was natürlich bei leidenschaftlichem Sex auch vorkommen und beiderseits gewünscht sein kann, wenn es aber das Einzige ist, was den Mann überhaupt etwas spüren lässt, dann schließt das jeglichen »sanften und liebevollen« Sex aus; tantrischer Sex? Vergiss es!


    Herzlichst, Tom

    Ja, tragisch, wie Opfer oft wieder zu Täter/inne/n werden … manche Traumata scheinen das Bewusstsein geradezu zu verschließen.

    Aus Waris Dirie, »Nomadentochter«, S. 62/63

    [..] Am Tag nach seiner Geburt ließen wir Aleeke im Krankenhaus beschneiden. Das ist etwas ganz anderes als Beschneidung bei Frauen. Man sollte die Genitalverstümmelung an Frauen auch nie so bezeichnen, denn es handelt sich nicht um eine Beschneidung. Bei Jungen macht man es aus medizinischen Gründen, hauptsächlich wegen der Sauberkeit. Aleeke schrie, als der Eingriff durchgeführt wurde; aber sobald ich ihn wieder im Arm hielt, beruhigte er sich. Obwohl ich gegen die Verstümmelung der Genitalien bei Frauen bin, gehört es bei Männern dazu. Mein Sohn hat einen wunderschönen Penis. Er sieht gut und sauber aus. Als er mir einmal sagte, er müsse zur Toilette, sagte ich zu ihm: »Das kannst du alleine, du bist jetzt ein großer Junge.« Aber er wollte unbedingt, dass ich mitkomme und ihm dabei zusehe. Sein kleiner Penis war so gerade und perfekt – ein hinreißender Anblick!

    Leider konnte ich Aleeke nicht lange stillen. Er war ein gesundes Baby, bekam aber anscheinend nicht genug Milch. Ständig schrie er, und ich wusste nicht aus noch ein. In meinen riesigen Brüsten musste doch einfach genug Milch vorhanden sein, aber er schrie ununterbrochen. Er machte sich ganz steif und wollte von mir weg. [..]

    Ich habe den Anfang des letzten Absatzes absichtlich mit zitiert, da immer wieder darauf hingewiesen wird, dass Kinder, die Beschnitten wurden, danach nicht mehr normal saugen wollen.

    <Nina Hagen> Ist es denn ein Wunder? </Nina Hagen>

    Hey everybody,

    a Moroccan FB friend recently replied to one of my intactivist posts with “I wish I weren’t circumcised  :( ” … and we started talking, and he’s “unhappy”, he said, IIRC. No emergency, neither physical nor psychological. I’d like to point him to sources … perhaps local intiatives, etc. Already gave him links to http://www.quranicpath.com/misconceptions/intact_sex.html and circumstitions.com. Oh,and I told him about this forum, of course <3


    Thanks in advance,


    Tom

    Kein neues Buch, aber sozusagen meine »Initialzündung«, dies war das Erste, was mich Ende der 1980er Jahre auf das Problem hinwies, da war ich ~23 Jahre alt.

    Danach habe ich das Thema bis letztes Jahr — fast ein Vierteljahrhundert! — wieder erfolgreich verdrängen können. DAS geht jetzt nicht mehr. Ich bin ehrlich: Ich kann mich nicht recht darüber freuen, bin WEIT entfernt von »Bewältigung«.


    Heathcote Williams - Aus den Vorhaut-Akten
    Grüner Zweig Nr. 128
    Herausg. Werner Pieper
    Erstmals auf Deutsch erschienen: 1988

    http://www.gruenekraft.com/vorhaut-akten-p-44791.html






    LG Tom

    Danke für die Erinnerung … da hab’ ich eben mal bei Amazon rezensiert (»Multifunktionsmensch«). Bin nicht wirklich gut mit sowas, ich hoffe aber, dass mein Text Menschen dazu anregt, das Buch zu kaufen und zu lesen.

    OK, sorry, verstehe :FP02
    Allerdings würde ich persönlich halt eher einen Fall als Beispiel hernehmen, wo konkret mit einem Jungen oder Mann nicht mitgefühlt wird (jajaja, tausende von beschnittenen Jungs, das ist mir schon klar, aber das ist halt nicht konkret) als einen Fälle, wo mit Mädchen oder Frauen mitgefühlt wird — ich will das Mitgefühl für mich ja nicht, wenn es dafür woanders abgezogen würde.

    LG Tom

    Ich verstehe nicht, wieso diese Sachverhalte hier gegeneinander gestellt werden.

    MEIN Widerstand gegen die Verstümmelung männlicher Genitalien ist kein Kampf gegen Mädchen/Frauen oder gegen Feminismus, sondern ein Kampf für intakte Jungen/Männer.

    [..] Auch ich bin mir schon seit langem sicher, dass eine derartige Gewalterfahrung bei Kindern auch dazu führen kann, im späteren Leben weniger Mitgefühl zu empfinden, ganz zu schweigen von der eingeschränkten Möglichkeit, feine sinnliche Empfindungen zu spüren.

    Wie ich das mit der »mangelnden ›genitalen Empathie‹« meine bzw. verstehe:

    Wenn jemand irgendwo nichts spürt, und zwar »schon immer«, sich also nicht einmal daran erinnern kann, »dort« jemals etwas gespürt zu haben, wird er/sie sich auch nicht vorstellen können, dass jemand Anderes »dort« etwas empfindet.

    Es wird also erheblich mehr Input benötigt, um diese »genitale Empathie« zu entwickeln, und dieses Input wird auf erheblich mehr Widerstand treffen, nämlich auf die Verhornung, die sich auf der Eichel bildet, und allgemein auf die künstlich erzeugte Unempfindlichkeit. (Interessant, wie mir jetzt gerade Siegfried der Drachentöter aus dem Nibelungenlied einfällt.)

    Zusammen mit der von Dir genannten Gewalterfahrung und der von Pizarro73 genannten Erfahrung, für diese Verletzung selbst keinerlei Empathie erfahren zu haben, ist das katastrophal, da für die Entwicklung von Empathie halt zwei Dinge notwendig sind:

    • Zunächst eine Gefühlswahrnehmung beim Individuum selbst
    • und dann die Erfahrung, dass jemand dem Individuum Empathie »schenkt«, wenn es leidet.

    Und nun …

    • fügen wir dem Individuum »dort« erst einmal Schmerz zu,
    • dann zeigen wir ihm keine Empathie dafür,
    • und schließlich fühlt es »dort« nichts mehr (oder kaum etwas) …

    Als ich das letztes Jahr mal so in Zusammenhang brachte, machte es DING DING DING DING DING … und ich sah mir die Zahlen an, wie viele Männer weltweit beschnitten sind … und mich packte das Grauen über die Zukunft der Menschheit.

    Für mich selbst nehme ich in Anspruch, sehr wohl über die genannte Empathie zu verfügen — und den hier Anwesenden unterstelle ich das auch, sonst wären wir nicht hier — es muss jedoch sehr viel in unseren Leben geschehen sein, was uns hierher brachte, nämlich vor allem ein Ende der Verdrängung.
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    Und trotzdem möchte ich manchmal meine Augen nach innen drehen und alles Wissen über Beschneidung aus meinem Hirn brennen.

    Hochinteressant, danke!

    Ich habe vor längerer Zeit schon gesagt, dass beschnittene Männer »brave und tapfere« Soldaten hergeben; nicht irgendwo gelesen, sondern das kam aus mir selbst heraus, ich frage mich, woher … auf jeden Fall fehlt ihnen erstmal schon eine gewisse »genitale Empathie«